Transkribus mit EU Impact Award ausgezeichnet

Bereits zum zweiten Mal wurde dieses Jahr der von der Europäischen Kommission initiierte Horizon Impact Award verliehen. „A prize dedicated to EU-funded projects that have created societal impact across Europe and beyond“.
Die Plattform zur Erkennung und Transkription historischer Dokumente Transkribus gehörte dabei nicht nur zu den zehn nominierten Finalisten.

Transkribus gehörte nämlich auch zu den sechs “ winning projects [that] have helped to reduce the CO2 footprint of numerous leading airlines, developed the first transparent display that several companies have already put on the market, improved the quality of life for children with heart failure, used innovative technology to preserve threatened species in the Southern Ocean and conserved European heritage by digitally translating historical handwritten documents“.

Der mit je 10.000€ dotierte Award wurde am 23. September 2020 im Rahmen der European Research & Innovation Days (22.-24.September 2020) in Brüssel verkündet.

Vordrucke

Der Vordruck ist in der kirchlichen Verwaltung ein Schriftstück, das die wesentlichen Merkmale eine Rechtshandlung vorgibt, aber erst durch das Ausfüllen seine
Rechtskraft erlangt.

Personalbogen um 1900, aus Bestand: 8SL 056B (Sammlung Vordrucke)


Die Sammlung von Vordrucken in der 11. Fassung der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine Laufzeit von 1795 – 2020 und ist in 23 Kartons verpackt. Diese Sammlung wird in regelmäßigen Abständen ergänzt.

Auflistung Pfarr-Einkommen um 1900, aus Bestand: 8SL 056B (Sammlung Vordrucke)

Die verzeichneten Vordrucke wurden nach dem Registraturplan von 1994 abgelegt. Diese nicht ausgefüllten Vordrucke stammen überwiegend aus Beständen der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und den Büros der kirchlichen Verwaltung. Verschiedenen Fragebögen sind die Anschreiben und die Hilfe zum Ausfüllen beigefügt.
Die Sammlung hat die Signatur 8SL 056B und kann in der Evangelischen Archivstelle in Boppard eingesehen werden.

Spröde Quellen zum Sprechen bringen – Presbyteriumsprotokolle und Jahresrechnungen

Unter diesem Titel warben wir bereits 2012 bei einer Fortbildungsveranstaltung für ehrenamtliche Archivbetreuer für das Crowdsourcing bei der Transkription früh-
neuzeitlicher Amtsbücher. In erster Linie kommen hier die Protokolle der örtlichen Presbyterien oder Konsistorien in den Blick. Sie bilden eine Quellengruppe von kaum zu überschätzender Bedeutung, von der bislang nur wenige Gemeindeserien als Editionen vorliegen. Einen aktuellen Überblick für das Rheinland finden Sie hier.

Im Unterschied zum Sprachgebrauch seit preußischer Zeit, der den Begriff Konsistorium auf die zentralen kirchlichen Oberbehörden einengt, ist hierunter in der frühen Neuzeit, vor allem im reformierten Kontext, das gewählte ehrenamtliche Leitungsgremium der Kirchengemeinde zu verstehen. Es entspricht dem heutigen Presbyterium und setzte sich zusammen aus den Ältesten, den Diakonen und dem
oder den Predigern. In den Protokollen bietet sich der historischen Forschung nun wirklich das alltägliche Leben in der dörflichen oder städtischen Gemeinde dar.

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NS-kritische Satire „Das Rotkäppchen“ fand ihren Weg auch nach Weiler

Im Archiv der Kirchengemeinde Merxheim-Weiler fand sich bei der Verzeichnung des Bestandes unter den von Pfarrer Martin Ernst Heinrich aus der Zeit des „Dritten Reiches“ nachgelassenen Dokumenten ein maschinenschriftlicher Durchschlag der NS-kritischen Satire „Das Rotkäppchen“, die 1937 in den „Münchner Netteste Nachrichten“, Faschingsausgabe der „Münchner Neueste Nachrichten“, erschienen und unter der Hand reichsweit verbreitet worden war. Die Satire erzählt das bekannte Märchen mit nationalsozialistischem Kolorit:

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler

Es ist nicht bekannt, wie das Schriftstück in Pfarrer Heinrichs Besitz kam. Da das Blatt nicht gefaltet und demnach nicht per Brief verschickt worden ist, wurde es vermutlich in seinem näheren Umfeld verteilt oder dort sogar vervielfältigt. Es verwundert nicht, dass Pfarrer Heinrich die Satire aufbewahrte. Der Pfarrer, seit 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche, kam des Öfteren mit NS-Behörden in Konflikt. Schon im Oktober 1932 beschwerte er sich schriftlich massiv bei Ernst Schmitt aus Staudernheim, Abgeordneter der NSDAP im Preußischen Landtag, über Vorkommnisse bei einem nationalsozialistischen „Deutschen Abend“ der Hitler-Jugend in Weiler am 23. Oktober 1932. Dort hätte man gotteslästerliche Reden gehalten und sich verächtlich über Geistliche und die Religion allgemein geäußert.

Im Juli 1933 ermahnte ihn der Oberbannführer Koblenz der Hitler-Jugend, seine Einstellung gegenüber der HJ „etwas wohlwollender zu gestalten, damit wir nicht denselben Kampf mit der evangelischen Jugend bekommen, wie wir ihn an vielen Orten leider gegen die kath. Jugendverbände führen müssen.“ Pfarrer Heinrich hingegen verlangte eine Entschuldigung für das Verhalten einiger Hitler-Jungen, die nach einem Ausflug der Konfirmanden, bei dem ein Wimpel mit Kreuz getragen wurde, ins Pfarrhaus eingedrungen wären, ihm Aufmärsche verboten und den Wimpel an sich gerissen hätten. Eine solche Behandlung von 15-Jährigen müsse er sich nicht gefallen lassen. Die Angelegenheit kam auch Provinzialjugendpfarrer Theodor Voß zu Ohren, der am 2. August 1933 an den Landesjugendpfleger in Düsseldorf schrieb, dass „die Entgleisung in Weiler unbedingt richtig gestellt werden [muss], um nicht durch solche Vorkommnisse […] die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat empfindlich stören zu lassen. Die Evangelische Kirche wird es jedenfalls nicht einfach hinnehmen […].“

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler

Auch mit der NS-Frauenschaft kamen Pfarrer Heinrich und seine Schwester in Konflikt. Die Ortsfrauenschaftsleiterin beschwerte sich 1935 in einem langen Brief bei ihm über die Abhaltung von Kindergottesdiensten durch die Diakonisse, und an die Schwester schrieb sie im folgenden Jahr, dass durch deren Engagement für die Frauenhilfe „die Frauenschaft vernichtet werden soll.“ Pfarrer Heinrich seinerseits beklagte sich beim Schulrat über Lehrer Lötzberger, der auch im Religionsunterricht wiederholt längere Vorlesungen aus dem „Stürmer“ gehalten und die Kinder mit der Aussage verstört hätte, „Es ist wichtiger, den Stürmer zu kennen, als die Bibel!“

Reagierten die NS-Behörden zunächst noch beschwichtigend auf die Eingaben des Pfarrers, verschärfte sich ab 1937 der Ton. Nach eigener Auskunft wurde Heinrich vom Amtsbürgermeister von Gemünden beim Landrat in Simmern angezeigt, weil er in Kellenbach eine halbe Stunde lang die verbotene Fürbittenliste der Bekennenden Kirche für gefangene und gemaßregelte Pfarrer verlesen und mit der Bemerkung ergänzt hätte „Die um ihres Glaubens Willen verfolgt werden.“ Das war offenbar nur eine von mehreren Anzeigen. Die Gottesdienste wurden regelmäßig überwacht, wie man einem Schreiben Pfarrer Heinrichs vom November 1946 entnehmen kann: „Pfarrer Wüsthoff“, heißt es darin, „hielt 1937 in Weiler einen Aufklärungsabend der BK […]. Im überfüllten Gotteshaus sprach er mit grossem Mut von den Religionsbedrückungen des Nationalsozialismus. Nach seiner eignen Mitteilung erfolgte darauf eine Anzeige, was mich nicht wunderte, da ich Überwachung in der Kirche selbst bemerkt hatte.“

Über die Kriegsjahre 1939-45 gibt das Archiv nur wenig Auskunft. Erst nach Kriegsende wird Pfarrer Heinrich wieder „aktenkundig“: Er engagierte sich für aus seiner Sicht zu Unrecht der NS-Mittäterschaft verdächtigte, zum Teil inhaftierte Personen und schrieb zahlreiche Eingaben und Bescheinigungen.

Frauenkalender gab es schon vor 115 Jahren

Frauenkalender, 1906, Archivbibl. Sig. ZK 1245

Hätten Sie gedacht, dass es schon vor 115 Jahren Kalender im Taschenbuchformat mit dem Titel „Frauenkalender“ gab? Das verbindet man doch eher mit der Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre. Vor mir liegt der „Frauenkalender für 1906, herausgegeben vom Deutsch-Evangelischen Frauenbunde“, der im Verlag von Edwin Runge in Gr. Lichterfelde-Berlin seit 1904 erschienen ist.

Der Deutsch-Evangelische Frauenbund war 1899 gegründet worden, „die größtenteils aus bürgerlichem Milieu stammenden Mitglieder setzten sich für den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Beruf für Mädchen und Frauen ein“ (Wikipedia).

Was hat nun dieser Kalender seinen Leserinnen geboten? Ganz modern, ist dem Titelblatt ein Werbeblatt vorgeschaltet, mit ganzseitiger Reklame für „Palmin – feinste Pflanzenbutter“ und „Leonhardi’s Tinten“. Nach den obligatorischen Monats-Kalenderseiten folgen so praktische Angaben wie Maße und Gewichte und Post- und Telegraphen-Gebühren.

Frauenkalender, 1906

Nach einer Neujahrsgeschichte wird es dann aber ernst, wenn Magda von Hindersin fragt: „Brauchen wir eine Frauenbewegung?“ und die Frage am Schluss ihres ausführlichen Referats mit „Ja“ beantwortet. Der praktischen Betrachtung „Sitzgelegenheit für die Angestellten in offenen Verkaufsstellen“ folgen ein Lebensbild von Amalie Sieveking, die Forderung „Weibliche Fabrikinspektion“ und ein Bericht über die Veranstaltung von Kursen zur „Einführung der Frau in ihre Aufgaben im Volksleben“ (von Agnes von Reden).

Die folgenden fast 60 Seiten informieren über Berufe und Ausbildungsanstalten für gebildete Frauen in acht Berufssparten von „Sozialer Arbeit und Innerer Mission“ bis zu „Kunst und Kunstgewerbe“. Im Rheinland boten sich z. B. das Seminar für Ausbildung von Erzieherinnen in der Fürsorgearbeit im Ev. Fürsorgeheim für Mädchen, Gummersbach, unter der Leitung von Pastor Rühle, oder für den Pflegeberuf der Evangelische Hilfsverein für Privatpflege in Koblenz, Pfarrer Seeger, an. Unter den wissenschaftlichen Berufen ist die Bibliothekarin aufgeführt (kein Studium, sondern Ausbildung), aber nicht die Archivarin. Als gewerblich-technische Ausbildung bot sich im Rheinland die „Preußische Höhere Fachschule für Textil-Industrie in Crefeld“ an.

Frauenkalender, 1906

Über die Struktur der Ortsgruppen des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes informiert die „Arbeitstabelle der Ortsgruppen“ mit vier Kommissionen (Ausbildung, Liebes- und Hilfstätigkeit, Sittlich- und Mäßigkeit, Rechtsausschuss). Es folgt auf den nächsten 80 Seiten das Mitgliederverzeichnis des Frauenbundes. Dieser bot auch eine „Stellenvermittelung für gebildete Frauen und Mädchen“ mit örtlichen „Vertrauensdamen“, z. B. in Aachen Frau Lünenschloß, in Bonn Frau Pastor Lammers, in Cleve Frau Oberlehrer Cron, in Coblenz Frau Oberlehrer Wölbing, in Elberfeld Frau Pastor Graeber, in St. Goar Frau Superintendent Rehmann, in Neuwied Frl. L. Gauke, in Wetzlar Frau O. Kellner. Unter „Allerlei“ finden sich Tipps gegen kalte Füße u. a., und der Kalender endet mit ca 30 Werbeseiten.

In unserer Archivstelle Boppard verwahren wir das Archiv des Ortsverbandes Boppard des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes (Bestand 5WV 024) mit Dokumenten seit der Gründung 1904. Hinweisen möchte ich auf den Aufsatz von Sigrid Lekebusch: Die Evangelische Frauenhilfe im Rheinland und der Deutsch-Evangelische Frauenbund. Ein Vergleich von Aufbau, Zielvorstellung und Frauenbild in der Weimarer Republik, in: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 50 (2001), S. 141-174.

Heiße Sommertage: Probleme für das Klima im Archivmagazin

Bestandserhaltung im Archiv ist ein wichtiges und präsentes Thema. Um eine dauerhafte Aufbewahrung und Erhaltung von Archivgut zu gewährleisten sind die in den Magazinen herrschenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerte von essentieller Bedeutung. Ein Raumklima, das nicht an die dort gelagerten Archivalien angepasst ist, beeinträchtigt die Haltbarkeit, schädigt diese und reduziert somit die Lebensdauer maßgeblich. Weiterhin kann eine zu hohe Luftfeuchtigkeit und eine zu hohe Raumtemperatur dazu führen, Schimmel zu erzeugen und den chemischen Abbauprozess von Papier deutlich zu beschleunigen. Daher ist die Schaffung eines geeigneten und konstanten Magazinklimas eine zentrale Aufgabe im Archiv.

Archivmagazin K29

Gerade in den Sommermonaten diesen Jahres hatten auch wir im Archiv der EKiR damit zu kämpfen, dass Klima in unseren Magazinräumen konstant zu halten. Teilweise geriet der Wert der Luftfeuchtigkeit an die 60 % Grenze. Mit Hilfe von Luftentfeuchtungsgeräten ist es uns gelungen, die Werte auf unter 50 % zu stabilisieren und große Schwankungen zu vermeiden. Der elektrische Luftentfeuchter entzieht der Luft dabei die Nässe und sammelt das Wasser in einem Auffangbehälter. Diesen kann man anschließend mit nur wenigen Handgriffen entleeren und wieder in das Gerät einsetzen. Immer wieder mussten die Geräte von Magazin zu Magazin verlegt werden, je nachdem, wo gerade Bedarf war, denn die Magazinräume sind verschieden konzipiert und haben unterschiedliche Raumgrößen. Deshalb musste bei steigender Luftfeuchtigkeit magazinabhängig reagiert werden.

Archivmagazin K20

Weiterhin ist auch darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark absinkt, denn dies könnte zur Austrocknung der Materialien führen und diese somit anfällig für Beschädigungen machen. Grundsätzlich ist daher darauf zu achten, dass das Archivgut keinen großen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist. Dies haben wir durch ein durchdachtes Konzept und das Zusammenarbeiten aller Kollegen gut geschafft.

Wir hoffen, dass sich die Werte nun durch die absinkende Außentemperaturen weitestgehend normalisiert haben.

Kennen Sie Konrad Heresbach?

Ja natürlich, wenn Sie etwa in Mettmann das nach ihm benannte Gymnasium besucht haben oder generell gut bewandert in der niederrheinischen Landes und Religionsgeschichte des 16. Jahrhunderts sind. Aber die Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit lohnt sich für alle.

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait des Humanisten und fürstlichen Rates Konrad Heresbach (1496-1576) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Informationen zu seiner Vita und zur künstlerischen Realisierung finden Sie hier.