Findbuch zum neuverzeichneten Nachlass von Paul Schneider ist jetzt online

Schneider. Paul, Pfarrer. Foto aus dem Besitz von: Evamarie Vorster

Am 29. August jährt sich der Geburtstag von Pfarrer Paul Schneider zu 125. Mal. Dieses Jubiläum haben wir uns zum Anlass genommen, um seinen Nachlass, der bisher nur sehr flach verzeichnet war, noch einmal gründlich zu überarbeiten. Entstanden ist dabei ein 88 Nummern umfassendes Findbuch, das erstmals auch das umfangreiche Material zur Wirkungsgeschichte Paul Schneiders beinhaltet.

Er gilt als der erste Märtyrer der Bekennenden Kirche im Konflikt mit dem NS-Staat und nahm dadurch schon früh eine identitätsstiftende Stellung in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein. Dementsprechend wertvoll ist sein Nachlass.

Der Bestand ist kein Nachlass im klassischen Sinne. So enthält er, abgesehen von den Korrespondenzserien, nur wenige persönliche Unterlagen. Dafür sind die besagten Korrespondenzserien aber umso wertvoller und aussagekräftiger! Sie sind eine absolut zentrale Quelle der Paul Schneider-Forschung. Viele wissenschaftliche Arbeiten, die den Versuch unternehmen, sich der Lebens- und Glaubenswelt Paul Schneiders anzunähern, haben den Zugang über ebenjene Texte gesucht.

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Prinzessin Anne besucht 1970 die Diakonie in Kaiserswerth

Das englische Königshaus ist in Deutschland sehr beliebt. Millionen Menschen sitzen bei den großen Feierlichkeiten vor dem Fernsehen. Der Besuch der englischen Königin Elisabeth II. 1965 in Deutschland war ein solches Ereignis, auch vor kurzem das 70-jährige Thronjubiläum. Großes Aufsehen in Düsseldorf und besonders in Kaiserswerth erregte der Besuch der englischen Prinzessin Anne vor fast genau 52 Jahren, am 26. Juni 1970. Anne war eingeladen worden, um die Grundsteinlegung und die Namensgebung des „Diakoniekrankenhaus Kaiserswerth Florence Nightingale“ zu vollziehen.

Wie es zu diesem Kontakt kam, wissen wir nicht. Aber wir verfügen über die Bilder des Fotografen Hans Lachmann und einen Bericht in dem Heft „Kaiserswerther Mitteilungen„, Nr. 3, August 1970, das das Diakoniewerk herausgegeben hat.

Prinzessin Anne aus England beim Verlassen des Kinderkrankenhauses in Düsseldorf, 26.06.1970, Fotograf: Hans Lachmann Schachtel: 388 Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 7_004405

Prinzessin Anne war um 11.35 Uhr auf dem Düsseldorfer Flughafen gelandet und hatte sich zunächst im Rathaus in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Bei der Begrüßung hatte sie von zwei Schwesternschülerinnen einen bunten Wickenstrauß erhalten, den sie oben auf der Abbildung in der Hand hält. Rechts neben Anne ist der theologische Vorstand des Diakoniewerks, Pfarrer Dr. Ferdinand Schlingensiepen abgebildet. Dieser hatte keine Probleme bei der Konversation mit Anne, da er in Edinburgh studiert und promoviert hatte und von 1955-1959 Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Bradford gewesen ist.

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26. Archivwissenschaftliches Kolloquium der Archivschule Marburg

Am 20. und 21. Juni 2022 veranstaltete die Archivschule Marburg das 26. Archivwissenschaftliche Kolloquium. Dieses fand als reine Online-Veranstaltung unter dem Motto „Alte und neue Kontexte der Erschließung“ statt.

Eine der zentralsten Aufgaben im Archiv ist die Erschließung. Auf Grund von Digitalisierung und dem sich stetigen gesellschaftlichen Wandel stehen Archive immer wieder neuen Nutzungsanforderungen gegenüber. Das Kolloquium beschäftigte sich daher mit den Fragen: Wie gehen wir damit um? Wird Erschließung im Sinne von Aktentiteln über Entstehungszwecke noch gebraucht und steht das Suchen nach Informationen noch im Zentrum unserer Angebote? Aber auch der Einfluss von NutzerInnen und der Zusammenhang mit der Erschließungsarbeit wurden genauer beleuchtet.

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Lücke in den Kirchenbüchern der Gemeinde Thalfang geschlossen

Wie in vielen linksrheinischen Kirchengemeinden, so weisen auch die Kirchenbücher der Gemeinde Thalfang im Hunsrück die „Franzosenzeitlücke“ auf: Die damalige französische Verwaltung dekretierte 1798 die Schließung sämtlicher Tauf-, Heirats- und Sterberegister, und erst ab 1818 sind für Thalfang wieder Kirchenbücher überliefert. Im Zuge der Überstellung des Archivs der Kirchengemeinde Thalfang in die Archivstelle Boppard tauchten jetzt Unterlagen auf, mit denen diese Lücke überbrückt werden kann.

Aufzeichnungen über die Thalfanger Heiraten 1798-1800 („Heirathsacten im Jahr 7 der Republick u. 8“). In der Spalte ganz links steht das Datum nach dem französischen Revolutionskalender – im obersten Eintrag der 22. Ventôse VII. Rechts daneben steht dasselbe Datum nach dem gregorianischen Kalender in der Reihenfolge Jahr, Monat und Tag, hier der 12. März 1799.

Nach der von den Franzosen 1798 erwirkten Schließung der Kirchenbücher mussten alle Personenstandsfälle in die neu eingeführten Zivilstandsregister eingetragen werden. Sie wurden nicht mehr von den Pfarrern, sondern von den Bürgermeistern in ihrer Funktion als Zivilstandsbeamte geführt. In Thalfang jedoch, wie in einigen anderen Kirchengemeinden auch, führte der Pfarrer weiterhin Aufzeichnungen über die vollzogenen kirchlichen Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Bestattungen) – allerdings nicht wie bisher in gebundenen Folianten, sondern in einfachen Heften, die man in der Gemeinde dann nicht mehr bei den Kirchenbüchern, sondern bei den Akten aufbewahrte. Das war wohl der Grund dafür, dass sie allmählich in Vergessenheit gerieten. Jedenfalls hatte man bei den Fotokopier- und Verfilmungsaktionen der 1960er und 1970er Jahren nur die gebundenen Bücher aus der Zeit vor 1798 und nach 1818 im Blick. Dass auch aus der Zeit dazwischen Aufzeichnungen über kirchliche Amtshandlungen vorhanden waren, wusste man damals offenbar nicht mehr.

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Neue Findbücher von Beständen der Archivstelle Boppard sind online

Typischer Einband eines maschinenschriftlichen Repertoriums der 1950er und 60er Jahre

In den vergangenen Monaten wurden weitere Findbücher von Beständen der Archivstelle Boppard retrokonvertiert und online veröffentlicht. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Bestände:

2LR Landeskirchliche Ämter und Einrichtungen
2LR 040B Beauftragter der EKiR beim Südwestfunk
2LR 038B Landespfarrer für Polizeiseelsorge

2MB Mittelbehörden / Kirchenkreise
3MB 014B Reformierte Inspektion Bacharach
3MB 012B Kirchenkreis Birkenfeld I und II
3MB 009B Kirchenkreis Koblenz I und II
3MB 011B Kirchenkreis St. Wendel
3MB 010B Reformierte Inspektion und Kirchenkreis Wied

4KG Kirchengemeinden
4KG 090B Argenthal-Riesweiler
4KG 029B Bendorf
4KG 003B Meisenheim
4KG 056B Remagen-Sinzig
4KG 023B St. Goar

7NL Nachlässe
7NL 195B Pfarrer Heinrich Salmon
7NL 024B Superintendent Wilhelm Rott
7NL 196B Superintendent Ernst Volk

Wir wünschen viel Spaß bei der Recherche!

Stört der Eisenbahnverkehr die Sonntagsruhe und die Sonntagsheiligung?

Wir kennen die Diskussionen in Kommunalpolitik, Gewerkschaften und Kirchen um die mögliche Öffnung des Einzelhandels an bestimmten Sonntagen. Die Sonntage unterliegen einem besonderen Schutz, der im Sonn- und Feiertagsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen geregelt ist. Arbeitsverbote dienen dem Schutz der Sonntagsruhe und der Erholung, Veranstaltungsverbote sollen die Gottesdienste schützen.

Dass es in den ersten Jahrzehnten der Ausbreitung der Eisenbahnen Diskussionen darüber gegeben hat, ob der Eisenbahnverkehr an Sonntagen zur Sonntagsentheiligung beiträgt, hatte ich noch nicht gehört. Durch Zufall stieß ich jetzt auf den Artikel „Die Eisenbahnen und der Sonntag.“ Der Beitrag aus der „Neue Evangelische Kirchenzeitung“ wurde in der Zeitschrift „Der Säemann. Eine Wochenschrift für Mission in der Heimath und häusliche Erbauung“, Heft 8, 1869, abgedruckt. Diese Zeitschrift wurde vom Evangelischen Brüderverein in Elberfeld herausgegeben.

Der Säemann, 19. Jg. 1869, H. 8, Sign. ZK 772
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„Wilder Westen im hinteren Hunsrück“: Baumholder in der Nachkriegszeit

„Wilder Westen“ im hinteren Hunsrück. Artikel in DER WEG, Nr. 7, Jg. 1953

Unter diesem reißerischen und kein Klischee scheuenden Titel berichtete die rheinische Kirchenzeitung DER WEG am 29.3.1953 über den Umbruch, den das kleine Hunsrückstädtchen Baumholder seit 1950 mit dem Bezug des großen amerikanischen Truppenübungsplatzes erlebte. Phasenweise bis zu 30.000 Soldaten brachten mit ihrem massiven Zustrom an US-Dollars den örtlichen Wohnungs- und Arbeitsmarkt ins Chaos, ebenso wie die bald 40 (sic!) Nachtbars im Ort die Statistik für Alkohol- und Drogendelikte sowie Prostitution auf bundesdeutsche Spitzenwerte trieben. Im WEG-Artikel geht es folgerichtig im gleichen, bis vor acht Jahren eingeübten Propagandastil weiter:

„Auf dem kleinen Marktplatz stehen die Taxis, in denen verlebte Mädchen sitzen und auf den Besuch farbiger und anderer Soldaten warten, um mit ihnen eine Fahrt im Rücksitz zu unternehmen. Aus Gaststuben, deren Eingänge biedere Wirtshausschilder tragen, tönt schrille Musik und lautes Kauderwelsch. Wir fliehen in das Amtszimmer des Pfarrers, der einen unablässigen, schweren Kampf um seine Gemeinde führt. Alle Einwohner des Dorfes sind bedroht von der Invasion der Soldaten und Arbeiter. Die Fremden bringen viel Geld ins Dorf und zugleich einen gefährlichen Goldrausch.“

Wie ging nun die evangelische Kirche vor Ort und als Landeskirche mit dieser Herausforderung um?

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