Das Evangelische Rheinland: Eine Zeitschrift aus der Weimarer Republik ist online

Das Evangelische Rheinland 1924

War Ihnen bekannt, dass es in den 1920er Jahren in der Rheinprovinz eine evangelische Laienspielberatungsstelle gab? Sind Ihnen die regelmäßigen „Tagungen rheinischer evangelischer Stadtverordneter und Parlamentarier“ ein Begriff? Beides stellt zugegeben selbst für kirchliche Zeithistoriker keine Bildungslücke dar. Es veranschaulicht aber die unglaubliche Vielfalt an Themen und Arbeitsfeldern, die während der Weimarer Republik in der Rheinischen Provinzialkirche diskutiert wurden.

Sie spiegelt sich wider in der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“, die nur von 1924 bis 1933 erschienen ist. Alle Jahrgänge sind jetzt auf unserer Homepage zugänglich und über OCR trotz Frakturschrift leicht durchsuchbar.

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Leerer Bauch studiert nicht gern: Die Ernährungslage an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal in der Nachkriegszeit

Studentenspeisung – Sommersemester 1951, aus Bestand: AEKR 2LR 045 (Kirchliche Hochschule Wuppertal), 4679

Die Sentenz in der Überschrift gilt ebenso wie ihre bekanntere Umkehrung („Plenus venter non studet libenter“). Als die vom NS-Regime 1937 verbotene Kirchliche Hochschule Wuppertal im Herbst 1945 ihren Lehrbetrieb wieder aufnahm, galt es vor allem auch, die Verpflegung für die 78 Studierenden -darunter zwei Frauen- und ihre Dozenten sicher zu stellen. Die umfänglichen Akten des Bestandes KiHo im Archiv der EKiR dokumentieren die kreativen Wege, die hierbei von den Verantwortlichen beschritten wurden. Weiter halfen dabei ein Netzwerk an Sponsoren und die in der Vereinsstruktur der KiHo begründete Spendenkultur.

So fragte im März 1949 ein Pastor aus der agrarisch strukturierten Grafschaft Bentheim bei der KiHo an, ob sich die Tochter des Schulrates, die gerade das Abitur bestanden hatte, für ein Theologiestudium bewerben könne. Unvermittelt folgt im Brief dann dieser Abschnitt: „Ob in den nächsten Wochen einer ihrer Studenten noch in die Grafschaft kommt? Ich werde die Schlachtspende aus unserer Gemeinde nicht allein nach dort bringen können. Es ist noch schätzungsweise 60-80 Pfund zurück.“ Weiterlesen

Seltene Zeitschrift zur Dienstgruppenseelsorge in den Sachakten des Landeskirchenamtes

Titelblätter der Zeitschrift der Betreuungsgemeinschaft e.V./ Interessengemeinschaft für die Deutschen Zivilen Arbeitsgruppen, 1949-1971; in: Bestand 1OB 017I, Nr. 368-375

In den Sachakten des Landeskirchenamtes zur Dienstgruppen-Seelsorge (1OB 017I, Nr. 368-375, Az. 11-7-5) bin ich auf mehrere Ausgaben einer Zeitschrift der Betreuungsgemeinschaft der Deutschen Dienstorganisationen e.V. gestoßen.Sie ermöglicht interessante Einblicke in ein bisher wenig bekanntes Feld seelsorgerlicher Arbeit.

Es ist nicht ganz einfach den vollständigen Erscheinungsverlauf der Zeitschrift nachzuvollziehen, da sie mehrfach den Namen gewechselt hat: von „GCLO-Echo“ zu „GSO-Echo“, „BG-Echo“ und schließlich nur noch „Das Echo“. Die Zeitschriftendatenbank (ZDB) listet nur wenige vereinzelte Ausgaben auf. Für die Anfangsjahre ist unser Archiv sogar der einzige Eintrag. Weiterlesen

Christival ’76 – Kongress junger Christen in Essen

Christival, Essen, winkende Jugendliche vor der Grugahalle, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 07214_21

In der ihm eigenen Art mahnte Karl Immer, Präses der  Evangelischen Kirche im Rheinland, zu Beginn des Jugendkongresses „Christival ’76“ die Veranstalter, „dass jeder, der die Jugend für sich einzunehmen versuche, in der Gefahr stehe, sie auch auf Irrwege zu führen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, Mitglieder der terroristischen Vereinigung RAF, die aus der evangelischen Jugendarbeit gekommen seien. „Die Leitung der rheinischen Kirche sehe deshalb auch mit einer gewissen Sorge auf das, was sich in den nächsten Tagen beim „Christival“ abspielen wird.“

Die Skepsis von Präses Immer erwies sich als unberechtigt. Es sollte weder ein Kirchentag noch eine Bekenntniskundgebung werden, sondern ein Kongress für Mitarbeiter in der „missionarischen Jugendarbeit“. Jugendevangelisation und soziale Verantwortung erfordern ein klares biblisches Profil, so die Träger des eigens gegründeten Vereins für das Christival, das in einem Grundkurs sowie in den zahlreichen Seminaren des Kongresses herausgearbeitet und geschärft werden sollte und das die Teilnehmer anschließend in die permanente Arbeit vor Ort und darüber hinaus auch in Konzerten, Jugendwochen und Offenen Abenden einbringen sollten.

Christival, Essen, Grugahalle mit Blick auf die Bühne, 31.07.-03.08.1976, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02714_07

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Wo finde ich Quellen zu Gerhard Tersteegen?

Anlässlich des 250. Todestages erinnert die EKiR mit einer biografischen Skizze an Gerhard Tersteegen und verweist dabei auf die kirchenhistorischen Quellen zum Leben, Werk und Netzwerk seiner Person. Viele seiner originalen Briefe verteilen sich in unserem Archiv über mehrere Sammlungsbestände. Sie sind uns im Laufe der Zeit über private Zustiftungen übergeben worden. Eine gute Grundlage für die Quellenforschung bietet die Edition von Professor Gustav Adolf Benrath. Weitere Tersteegen-Werke und Literatur über ihn können im Katalog der Archivbibliothek recherchiert werden.

Wer hierzu Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden.

Kuriositäten: Bettgestell, Gehstock, Schrank und Kommode

Teilansicht des historischen Tersteegen-Zimmers, Tersteegenhaus Waldbröl, AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), Bildserie 80106

Seit der Auflösung des Evangelischen Brüdervereins in Waldbröl-Rölefeld finden sich bei uns auch das Inventar des sogenannten Tersteegen-Zimmers sowie die Bestände der Bibliothek Otterbeck, die sich noch aus der Zeit Tersteegens erhalten haben. Weitere Infos finden sich im PDF-Findbuch .

Teilansicht des historischen Tersteegen-Zimmers, Tersteegenhaus Waldbröl, AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), Bildserie 80106

Das Siegel der Landeskirche: Es hätte auch so aussehen können

„Die Siegel der Kirche sind ein Ausdruck ihrer kirchlichen Eigenständigkeit.“ notierte  Landeskirchenrat Dr. Karl-Werner Glaser als obersten allgemeinen Grundsatz in seinem Entwurf für die Siegelordnung.

Entwurf für ein Siegel der Evangelischen Kirche im Rheinland von Walter Sauer (Zeichnung, nicht realisiert), 1956;
in: Bestand 1OB 017I (Landeskirchenamt: Sachakten), Nr. 476

So überrascht es nicht, dass im Zuge der Neukonstituierung der rheinischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg auch das Siegel eine Aktualisierung erhalten sollte. Diese fiel allerdings nur zurückhaltend aus und setzte mehr auf Kontinuität als auf Erneuerung. Nämlich indem lediglich die Umschrift des bestehenden Siegels des Konsistoriums geändert wurde. Nicht mal eine behutsame Veränderung des Siegelbilds, wie sie Grafiker Walter Sauer vorschlug, die das „Johanniterkreuz in grafisch verbesserter Form zeigen“ sollte, war erwünscht. Seine Entwürfe dazu sind leider nicht erhalten. In Gebrauch ging das Siegel in der Form, die auch heute noch verwendet wird.

Im Jahr 1956 eröffnete Präses Heinrich Held – scheinbar unbeabsichtigt – die Diskussion noch einmal.  Weiterlesen

Neue Online-Findbücher zur rheinischen Diakoniegeschichte

Stress in Kindergärten ist sicherlich ein Alltagsphänomen. 1968 entwarfen Lore und Kay Lorentz vom Düsseldorfer „Kommödchen“ einen Kabarett-Text mit dem Titel „Der Streßkindergarten“.

Der Text dieses Programms findet sich in dem Bestand Rheinische Verband Ev. Tageseinrichtungen für Kinder e.V., dessen Findbuch jetzt online verfügbar ist. Weitere neu recherchierbare Bestände sind die Organe des Diakonischen Werkes im Rheinland sowie der Nachlass von Superintendent Eduard Kaphahn. Sie sind sehr aussagekräftig für das sich ändernde Selbstverständnis der Diakonie seit den 1960er Jahren.

Eine über alle Jahrzehnte konstante Untugend war dabei die Unpünktlichkeit von Tagungsteilnehmern. So sah sich der spätere Direktor Karl Wilhelm Gattwinkel anlässlich der Jahrestagung des Diakonischen Werkes 1965 veranlasst, eine satirische Kongressbeobachtung unter dem Titel „Unbequemes zur Ordnungspflicht des Christen“ zu verfassen.