Vordrucke

Der Vordruck ist in der kirchlichen Verwaltung ein Schriftstück, das die wesentlichen Merkmale eine Rechtshandlung vorgibt, aber erst durch das Ausfüllen seine
Rechtskraft erlangt.

Personalbogen um 1900, aus Bestand: 8SL 056B (Sammlung Vordrucke)


Die Sammlung von Vordrucken in der 11. Fassung der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine Laufzeit von 1795 – 2020 und ist in 23 Kartons verpackt. Diese Sammlung wird in regelmäßigen Abständen ergänzt.

Auflistung Pfarr-Einkommen um 1900, aus Bestand: 8SL 056B (Sammlung Vordrucke)

Die verzeichneten Vordrucke wurden nach dem Registraturplan von 1994 abgelegt. Diese nicht ausgefüllten Vordrucke stammen überwiegend aus Beständen der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und den Büros der kirchlichen Verwaltung. Verschiedenen Fragebögen sind die Anschreiben und die Hilfe zum Ausfüllen beigefügt.
Die Sammlung hat die Signatur 8SL 056B und kann in der Evangelischen Archivstelle in Boppard eingesehen werden.

Spröde Quellen zum Sprechen bringen – Presbyteriumsprotokolle und Jahresrechnungen

Unter diesem Titel warben wir bereits 2012 bei einer Fortbildungsveranstaltung für ehrenamtliche Archivbetreuer für das Crowdsourcing bei der Transkription früh-
neuzeitlicher Amtsbücher. In erster Linie kommen hier die Protokolle der örtlichen Presbyterien oder Konsistorien in den Blick. Sie bilden eine Quellengruppe von kaum zu überschätzender Bedeutung, von der bislang nur wenige Gemeindeserien als Editionen vorliegen. Einen aktuellen Überblick für das Rheinland finden Sie hier.

Im Unterschied zum Sprachgebrauch seit preußischer Zeit, der den Begriff Konsistorium auf die zentralen kirchlichen Oberbehörden einengt, ist hierunter in der frühen Neuzeit, vor allem im reformierten Kontext, das gewählte ehrenamtliche Leitungsgremium der Kirchengemeinde zu verstehen. Es entspricht dem heutigen Presbyterium und setzte sich zusammen aus den Ältesten, den Diakonen und dem
oder den Predigern. In den Protokollen bietet sich der historischen Forschung nun wirklich das alltägliche Leben in der dörflichen oder städtischen Gemeinde dar.

Weiterlesen

Kennen Sie Konrad Heresbach?

Ja natürlich, wenn Sie etwa in Mettmann das nach ihm benannte Gymnasium besucht haben oder generell gut bewandert in der niederrheinischen Landes und Religionsgeschichte des 16. Jahrhunderts sind. Aber die Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit lohnt sich für alle.

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait des Humanisten und fürstlichen Rates Konrad Heresbach (1496-1576) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Informationen zu seiner Vita und zur künstlerischen Realisierung finden Sie hier.

Kontrolleure des Gemeindelebens

Unter dieser treffenden Überschrift beschreibt ein aktueller Beitrag auf ekir.de die Tätigkeit der kirchlichen Visitatoren im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken im 16. Jahrhundert.

Der erste Band der Protokolle dieser Visitationen ist 2019 in der Schriftenreihe des Archivs erschienen. Band II für den Zeitraum bis 1588 ist bereits in Arbeit.

Kirchenpässe als Mitgliedsausweis?

Mitgliedskarten für alle möglichen Einrichtungen und Unternehmen begleiten unser Leben, heute zumeist in Plastikform. Bereits vor über hundert Jahren legte ein privater Verlag der Evangelischen Kirchengemeinde Köln einen solchen Kirchenpass zur Einführung vor.

Stefanie Schensar, Leiterin des Archivs des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region, erläutert in ihrer Reihe „Archivale des Monats“ in der Zeitung „Unsere Kirche“ anschaulich die Zusammenhänge. Das Kölner Presbyterium sah jedenfalls 1908 kein rechtes Verhältnis von Kosten und Ertrag und lehnte die Einführung ab. Ein Muster befindet sich noch im Kölner Archiv.

Neues Findbuch: Der MBK-Rheinland – Mehr als der Name verrät

Das Kürzel MBK stand ursprünglich für Mädchen-Bibelkreise und umschrieb die zwanglosen Bibeltreffen von Schülerinnen und Lehrerinnen aus der Gründungszeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aber als sich der rheinische Verband dem Bund der MBK 1920 anschloss, verbarg sich bereits mehr dahinter. Natürlich war die Arbeit mit Schülerinnen und jungen Frauen immer ein Kerngeschäft, wobei auch dort die Bibeltreffen nur einen kleinen Teil des Programms beschreiben, viel bedeutender für die Vereinsmitglieder waren die jährlichen Freizeiten und Wochenenden, dies geht zumindest aus dem im Archiv der EKiR gelagerten Bestand hervor. Zahlreiche, liebevoll gestaltete Freizeitberichte von jungen Teilnehmerinnen bis in die 60er Jahre bezeugen die Beliebtheit und dankbare Annahme des Angebots. Begleitet wurden die Mädchen von sogenannten Reisesekretärinnen, die ihr Engagement nicht selten lebenslang dem MBK widmeten. Die Arbeit fruchtete. Viele der Mädchen übernahmen mit dem Heranwachsen ebenfalls Aufgaben der Vereinsarbeit.

Aber das war nur eine Seite des MBK-Rheinlands. Bei der Erschließung des Bestandes fiel mir ein Schreiben von November 1988 auf, dessen Inhalt ich so nicht erwartet habe. Es ist ein Brief an den japanischen Kronprinzen Akihito von der christlichen Gemeinde in Japan, der harmlos mit Beileidsbekundungen aufgrund der schweren Krankheit seines Vaters, der japanische Kaiser Hirohito, beginnt, aber dann recht schnell zum eigentlichen Thema kommt:

Wie Sie wissen, beherrschte Japan in Namen Ihres Vaters bis zur Niederlage im August 1945 Taiwan und Korea als Kolonien und machte sich nicht nur in China, sondern in ganz Asien durch viele schreckliche Gewaltakte schuldig. Die Verantwortung dafür hat Ihr Vater immer noch nicht übernommen. Das erregt immer mehr den heftigen Zorn vieler Asiaten, darunter auch vieler Japaner.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Diese offenen Worte werden im nächsten Absatz mit der couragierten Bitte gekrönt, der Prinz möge seinen Vater dazu bringen, gerade in Angesicht des Todes, Verantwortung zu bekennen, aus Sorge, dass er sonst das „Gericht Gottes“ nicht bestehen könne.

Auch wir, die christliche Gemeinde in Japan, bereuen zutiefst die Schuld, die wir durch unsere Unterstützung der japanischen Kriegspolitik, z. B. durch die Nötigung der übrigen Asiaten zum Besuch der Shinto-Tempel, auf uns geladen haben. Dafür bitten wir Gott und unsere Nächsten um Verzeihung.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Eine Antwort gab es vermutlich nicht, zumindest gibt es im Bestand keinen Hinweis darauf. Aber wie kam dieser Brief überhaupt in die Akten des MBK-Rheinlands?

Dies hängt mit dem anderen großen Tätigkeitsbereich des MBK-Rheinlands zusammen, der äußeren Mission. Nach der Gründung einer eigenen Missionsgesellschaft 1925 reisten bereits ein Jahr darauf die ersten Missionarinnen nach China. Die japanische MBK-Mission ist auch als „German Midnight Mission“ bekannt. [1]

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 2_14

1969 gründete sich als Ableger des MBK-Rheinlands der Missions-Arbeiter-Kreis (MAK), der bis zu seiner Auflösung 1989 dreimal jährlich tagte. Die rund zwanzigjährige Arbeit ist im Bestand auf zwei Akten reduziert und in einer dieser Akten befindet sich der erwähnte Brief. Ein Blick ins Findbuch, das nun unter den Archivbeständen unserer Website aufrufbar ist, und in die Geschichte des MBK lohnt sich!



[1] Geschichte des MBK. http://www.mbk-web.de/geschichte.html

Vom Kino zur Kirche: Das Evangelische Gemeindezentrum in Weißenthurm

„Es war einmal ein Gloria-Filmtheater…“ – so begann Superintendent Wilhelm Rott sein Grußwort anlässlich der Einweihung des neuen Evangelischen Gemeindezentrums in Weißenthurm am 2. August 1964. Hintergrund dieser für Außenstehende verwunderlichen Formulierung war der nicht alltägliche Umbau eines Kinos in ein kirchliches Gebäude.

Innenraum der Evangelischen Kirche in Weißenthurm bei ihrer Einweihung 1964, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]

Eigentlich hatte die noch junge, erst 1959 selbständig gewordene evangelische Gemeinde Weißenthurm nur zehn Jahre zuvor bereits ein Gemeindezentrum erbaut. Dies war für das stetig wachsende Kirchenvolk, das Anfang der 1960er Jahre schon mehr als 1.000 Seelen zählte, jedoch mittlerweile zu klein geworden und lag noch dazu am Rand der (damals noch) Ortsgemeinde Weißenthurm in der Pilau. Viele Gemeindemitglieder waren daher der Meinung, dass die Kirche zentraler liegen und in mehrerer Hinsicht „Zum Zentrum“ – so das Motto des Projektes – werden sollte: zum Zentrum des Ortes hin orientiert, zum Zentrum der Kirchengemeinde und nicht zuletzt zum Zentrum des Glaubens.

Erste Evangelische Kirche in Weißenthurm, aus Bestand: KG Weißenthurm [extern]

1961 befasste sich das Presbyterium deshalb erstmals mit der Idee, das in der Ortsmitte an der Alten Straße gelegene „Gloria“-Filmtheater zu kaufen. 1963 konnte der kühne Plan, gegen den es auch viele kritische Stimmen gab, umgesetzt und das ehemalige Kino für 245.000 DM erworben werden. Die Kosten für den Umbau erreichten nochmals etwa den gleichen Betrag. Finanziert wurde das Bauprojekt durch den Verkauf der alten Kirche an einen Privatmann (das Gebäude dient heute als Wohnhaus) sowie durch Zuschüsse u.a. der Landeskirche, Kreissynode, des Gustav-Adolf-Werkes und der Ortsgemeinde Weißenthurm. Aus dem früheren Kino entstanden ein großer Kirchenraum mit 300 Sitzplätzen, Sakristei, Unterrichts-, Garderoben- und Clubräume, Teeküche sowie zwei Wohnungen, von denen eine als Küsterwohnung diente. Da die Ortsgemeinde Weißenthurm den eigentlich geplanten Glockenturm nicht genehmigte, wurden die Glocken an einem Betonbogen über dem Eingangsportal aufgehängt, wo sie am 17. Oktober 1965 zum ersten Mal läuteten. Mit der neuen Kirche ging auch der langgehegte Wunsch der Gläubigen in Erfüllung, dass eine Orgel den Gottesdienst verschönere.

Heutiges Paul-Schneider-Haus mit Friedenskirche, Foto: Kirchenkreis Koblenz

Das Wort „Gloria“ müsse nun seinen biblischen Sinn wiedererhalten, führte Superintendent Rott in seinem Grußwort weiter aus. „Die Kirchenväter nannten die Welt ein Theatrum glorae Dei, ein Schauplatz der Herrlichkeit Gottes. Möchten Christenmenschen in den Räumen gerüstet werden, ihr Leben zur Verherrlichung Gottes zu führen.“ Pastor i.R. Friedrich Schulz pries anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Einweihung 1983 den Bau des neuen Gemeindezentrums als Anbruch einer neuen Zeit in der Kirchengemeinde mit einem regen Gemeindeleben und nicht zuletzt auch der Ökumene.