Das „Smartphone“ seiner Zeit: Ein Tischkalender von 1939

Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)

Für die Organisation des pfarramtlichen Alltags war er sicher so unverzichtbar wie heute das Smartphone: der Tischkalender. Dieses Exemplar „für Pult und Tasche“ für das Jahr 1939 stammt aus dem Nachlass von Albert Rosenkranz (1876-1975), der bis 1951 das Provinzialkirchenarchiv, das heutige Landeskirchliche Archiv, leitete.

Albert Rosenkranz hat ihn nur wenig genutzt. Eingetragen sind lediglich ein paar Geburtstage und einige wenige Notizen, die zum Teil fast tagebuchartig wirken. Im April notierte er beispielsweise mehrere Tage lang das Wetter. „Herrlichstes Wetter“ am 9. April, „unbeständig warm mit Regen“ am 13. April usw.

Schließlich nutzte er die vielen leergebliebenen Seiten, um seine kirchenhistorischen Arbeiten zu Papier zu bringen.

Bei allem, was der Kalender über Albert Rosenkranz aussagt, ist auch der Kalender selbst ein zeithistorisches Objekt und versprüht auf jeder Seite den nationalsozialistischen Geist der Zeit. Jede Doppelseite ist überschrieben mit einem zeittypischen Zitat. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die meisten von Adolf Hitler und sind gewohnt kämpferisch.

Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)
Taschenkalender 1939, aus: Bestand 7NL 060 (Albert Rosenkranz)

Der 16-seitige Anhang beinhaltet jede Menge Informationen zum Alltag im nationalsozialistischen Staat. Es gibt zum Beispiel eine Liste der Feiertage, die neben den üblichen christlichen Feiertagen auch den Heldengedenktag und den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes aufführt. Außerdem findet sich eine weitere lange Liste mit sogenannten Gedenktagen, wozu unter anderem die Geburtstage Adolf Hitlers und Hermann Görings gehören sowie die Einführung der Hakenkreuzflagge als Nationalflagge durch das Reichsflaggengesetz vom 15.9.1935.

Hinzu kommen ausführliche Informationen, für die wir heute schnell zum Smartphone greifen würden: aktuelle Post- und Bahntarife, Größen- und Gewichtseinheiten, Hinweise zum Wehr-, Arbeits- und Luftschutzdienst und einiges mehr.

Der Tischkalender dokumentiert damit nicht nur den Alltag seines Besitzers, sondern auch den Geist einer ganzen Zeit.

Neue Vitrinenausstellung im Haus der Landeskirche

Anlässlich der Begrüßung der Mitarbeitenden des Kirchentagsteams im Haus der Landeskirche widmet sich die neue Vitrinenausstellung des Landeskirchlichen Archivs den Kirchentagen in Düsseldorf.

Im kommenden Jahr wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Düsseldorf zu Gast sein – und das nicht zum ersten Mal.

Bereits in den Jahre 1973 und 1985 fand der Kirchentag in der Rheinmetropole statt. Beide haben die Entwicklung und die Geschichte des Kirchentags auf ihre ganz eigene Weise geprägt und Superlative gesetzt.

Die Ausstellung zeigt neben den Mottoplakaten auch spannende Originaldokumente und fotografische Eindrücke der vergangenen Kirchentage, ordnet sie in den Entwicklungskontext ein und stimmt auf das kommende Großereignis ein. Ein besonderes Ausstellungstück ist dabei der Staffelstab, der nach jedem Kirchentag mit einer Plakette der gastgebenden Stadt versehen und dann an die nächste einladende Stadt weitergegeben wird – ein sichtbares Zeichen der Kontinuität und Verbundenheit.

2027 wird nun das nächste Kapitel in der Geschichten der Düsseldorfer Kirchentage geschrieben und die Vorfreude ist jetzt schon groß!

Zu sehen ist die Ausstellung im Alten Foyer im Haus der Landeskirche. Die meisten der Exponate stammen aus dem Archivbestand 1OB 031 Landesausschuss Rheinland des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Wer sich weiter mit der Geschichte des Kirchentags beschäftigen möchte, findet hier reichhaltiges Quellenmaterial.

Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheit in Ungarn

Nach dem der Protestantismus im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens beleuchtet wurde, führt uns die Kirchengeschichte in das Nachbarland Ungarn. Ähnlich wie in Slowenien und Kroatien, können die Ursprünge des Protestantismus bereits im 16. Jahrhundert verortet werden. Diese doch weitreichende Historie erscheint vor allem bemerkenswert, wenn der Umstand der habsburgischen Eingliederung betrachtet wird. Folglich verlor Ungarn in den 1520er Jahren seine selbstständige Stellung und wurde Teil der (erz-)katholischen Krone Habsburgs. Die protestantischen Lehren wurden zunächst überwiegend durch den ungarischen Adel getragen, der sich anfänglich dem Einfluss der Habsburger-Monarchie entziehen konnte. Unter dem Schutz des Adels, der vorwiegend dem Luthertum angehörte, verbreiteten sich die protestantischen Lehren ebenfalls in der Bevölkerung, die vermehrt den Reformierten angehörten. (1) Trotz des relativen Schutzes durch die ansässige Obrigkeit startete die österreichische Krone den Versuch einer umfangreiche Rekatholisierung, was den Protestantismus eindämmte. (2) Insgesamt waren die Evangelischen Kirchen Ungarns zur Zeit der habsburgischen Monarchie einer starken Marginalisierung ausgesetzt.

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Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheiten in Jugoslawien

„Der Balkan“ beschreibt einen nicht genau definierten geografischen Raum im Südosten Europas, der historisch durch seine religiöse und ethnische Pluralität geprägt wurde. Als Paradebeispiel dient das ehemalige Jugoslawien, das Bevölkerungsgruppen beheimatete, die sowohl der Katholischen Kirche, der Orthodoxen Kirche als auch dem Islam angehörten. (1) Historisch lassen sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ebenfalls größere jüdische Zentren nachweisen. Für die Zeit des Königreichs Jugoslawiens (Kraljevina Jugoslavija), das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet worden war (2), ist beispielsweise eine größere jüdische Diaspora in Sarajewo belegbar. Folglich erscheint es nicht verwunderlich, dass der geografische Raum Ex-Jugoslawiens in der jüngeren Vergangenheit vermehrt in das Blickfeld der Geschichts- und Religionswissenschaften rückte. Schließlich ereigneten sich mit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gleich zwei der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Balkans. Der Ausbruch beider Ereignisse ist sicherlich keinesfalls monokausal anhand der ethnisch, religiösen Pluralität zu begründen. Dennoch kann nicht unterschlagen werden, dass die Pluralität einen gewichtigen Teil zum Ausbruch der Konflikte beigetragen hat. Die Metapher „das Pulverfass Balkan“, die bereits zum ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt wurde, veranschaulicht diese Explosivität eindrücklich. (3)

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Verliebt in Halle

Nach der Darstellung des heiklen Spionagefalls, der auch als „Neuser-Gates“ bekannt wurde, widmet sich der folgende Artikel dem Disziplinarverfahren gegen den Geheimen Konsistorialrat a. D. Josephson.  Der aktuelle Fall beruft sich erneut auf die Akte Nr. 1791 aus dem Bestand 1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz.

Am 28. August 1919 wurde die Ehe des Geheimen Konsistorialrat, Superintendenten und 1. Domprediger in Halle (Saale) Josephson mit seiner „beträchtlich“ jüngeren zweiten Frau Margarete geschieden. In einem ersten Gerichtsurteil vom 28. August 1919 wurde beiden Parteien eine Schuld an der Scheidung der Ehe gegeben. Das Evangelische Konsistorium der Provinz Sachsen richtete am 10. Juni 1920 ein Schreiben an das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz. In diesem Schreiben schildert das Evangelische Konsistorium Magdeburg die Gründe für die Scheidung des Ehepaares Josephsons. Demnach hätten die Ursachen für den Ehebruch ausschließlich an Frau Josephson (geb. Japing) gelegen. Die besagte Dame hätte ein „Verhältnis“ mit einem Freund der Familie unterhalten. Es handele sich um den in Halle ansässigen Pfarramtskandidaten Schmidt. Frau Josephson soll hierbei das unterhaltene „Verhältnis“ gestanden haben, wobei allerdings darauf plädiert wurde, dass nicht das „Geringste“ vorgekommen sei. Folglich sah Herr Josephson die Eheverhältnisse als überaus zerrüttet an, sodass lediglich eine Scheidung als Lösung gesehen werden konnte. Dennoch sei Josephson, zum Erstaunen des Evangelischen Konsistoriums Magdeburgs, trotz der „Untreue“ seiner Ehegattin weiterhin in einer „freundschaftlichen“ Beziehung zu Schmidt und seiner Gattin verblieben, obwohl Schmidt Frau Josephson, die nun geschieden war, geehelicht habe.

Dementsprechend sah das Konsistorium in Magdeburg das Urteil vom 28. August als Fehlurteil an und sieht das Scheitern der Ehe als alleinige Schuld der Familie Schmidt. Josephson sei ausschließlich auf seinen Wunsch hin aus seinem Amt ausgeschieden. Mit Hinsicht auf den Pfarramtskandidaten Schmidt, der vor dem Eintritt in das geistliche Amt stehe, wurde dieser Bericht „pflichtgemäß“ an das Evangelische Konsistorium übermittelt.     

1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz

Duisburg in den 1920er Jahren – in Ton und Farbe!

Gelegentlich erweist sich der YouTube-Algorithmus doch als ganz praktisch und kann einem auch Interessantes vorschlagen. Zum Beispiel die Seite des Filmschatzarchivs. Dieser Kanal stellt eine wahre Fundgrube alter Filmschätze dar und Liebhaber historischer Bewegtbilder kommen hier bestimmt auf ihre Kosten. Der Kanal selber konzentriert sich auf Aufnahmen des 20. Jahrhunderts aus dem Rheinland, der Städte und Regionen Deutschlands oder der Hauptstädte Europas. Die alten Filmaufnahmen werden eigenen Angaben nach digital restauriert, koloriert und auf YouTube geteilt.

Wer sich also schon immer fragte, wie es z.B. in Duisburg vor 100 Jahren aussah, kann sich nun tatsächlich einen Eindruck verschaffen. Geführt wird der Zuschauer u.a. zu der Ruhrmündung, dem Binnenhafen, der Schwanentor-Brücke, dem Burgplatz, dem Altstadtviertel und den Werften. Viel Spaß dabei!

Impressionen rheinischer Landessynoden

Aktuell tagt die Rheinische Landessynode, das oberste Leitungsgremium der EKiR, in Bonn. Diesen Anlass möchte das Archiv der EKiR nutzen, um Ihnen einige ausgewählte Aufnahmen vergangener Synoden vorzustellen. Natürlich finden sich unzählige Bildaufnahmen klassischer theologischer Themen wie das Feiern von Gottesdiensten. Die Fotografien, die das Archiv Ihnen vorstellen möchte, thematisieren allerdings den Tagungsablauf der Synode und bieten historische Einblicke, die auch gesellschaftliche Aspekte beleuchten.

  • Landessynode, Tagung in Rengsdorf, Gemeindehaus, 1958(verm.), Foto: Hans Lachmann, Fotoalbum: Nachlass Präses Joachim Beckmann, F02