Über Ilona Schröder

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Transkribus mit EU Impact Award ausgezeichnet

Bereits zum zweiten Mal wurde dieses Jahr der von der Europäischen Kommission initiierte Horizon Impact Award verliehen. „A prize dedicated to EU-funded projects that have created societal impact across Europe and beyond“.
Die Plattform zur Erkennung und Transkription historischer Dokumente Transkribus gehörte dabei nicht nur zu den zehn nominierten Finalisten.

Transkribus gehörte nämlich auch zu den sechs “ winning projects [that] have helped to reduce the CO2 footprint of numerous leading airlines, developed the first transparent display that several companies have already put on the market, improved the quality of life for children with heart failure, used innovative technology to preserve threatened species in the Southern Ocean and conserved European heritage by digitally translating historical handwritten documents“.

Der mit je 10.000€ dotierte Award wurde am 23. September 2020 im Rahmen der European Research & Innovation Days (22.-24.September 2020) in Brüssel verkündet.

Neuer Service des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland!

AEKR – 1OB 020 Privinzialkirchenarchiv – Nr. 152

Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland bietet auf ihrer Website einen neuen Service an, mit dem es einen Beitrag zur Forschung leisten will. Fortan werden in loser Folge Quellentexte zur Rheinischen Kirchengeschichte online gestellt, die als PDF kostenfrei heruntergeladen werden können. Bei diesen Texten handelt es sich um transkribierte Versionen bisher unedierter Quellen aus dem Archiv. Die Quellen selber weisen thematisch eine weite Bandbreite auf. So ist von den Protokollen reformierter Konvente des 17. Jahrhunderts hin zu Reisetagebüchern oder autobiografischen Zeugnissen alles vertreten.

Den Beginn machen vier von Erich Wittenborn erstellte Transkriptionen. Auf der Website finden sich der erste Band der Protokolle der reformierten Duisburger Klasse im 17. Jahrhundert von 1643-1699 sowie die Protokolle im 18. Jahrhundert, letztere aufgeteilt in drei Bände. Der erste Band umspannt dabei den Zeitraum von 1700-1735, der zweite nimmt die Jahre 1736-1768 in den Fokus und der dritte konzentriert sich auf die Zeit von 1769-1817.

Nur zum besseren Verständnis: Mit dem Begriff „Klasse“ wird in der alten reformierten Kirche am Niederrhein die Organisationseinheit unterhalb der Provinzialsynode umschrieben. Kurzum meint die Duisburger Klasse innerhalb der Klevischen Provinzialsynode also in moderner Terminologie nichts anders als den 1643 aus den Gemeinden Duisburg, Mülheim, Kettwig, Ruhrort, Beeck, Meiderich, Holten, Dinslaken und Hiesfeld zusammengefassten Kirchenkreis.

Die Duisburger Klasse selber tagte nur einmal jährlich. Neben typisch synodalen Themen (Organisation, Finanzen, christliche Bildung, Ernennungen, etc.) wurden auf diesen Tagungen auch Probleme des alltäglichen Lebens angesprochen, wie eine etwa zu harte Kirchenzucht oder Ausschweifungen auf rheinischen Volksfesten. Letzteres wurde selbstverständlich namentlich von geistlicher Seite her kritisiert. Durch das Protokollieren sind somit viele Einzelnachrichten für die Nachwelt erhalten, die wichtige Einblicke in das Leben der Gemeinden des 17. und 18. Jahrhunderts erlauben.

Neben diesen Protokollen ist auch das Reisetagebuch des Straßburger Theologiestudenten Peter Daniel Bender online abrufbar. Dieser brach am 2. September 1813 zu einer Fußwanderung durch die Schweiz auf, die er mit seiner Einkehr in Tübingen am 26. September beendete. Seine Reise von einer Marschzeit von genau 193,5 Stunden dokumentierte er währenddessen ausführlich in seinem Tagebuch.

„Verschleierte Bilder“- Wenn der Krieg noch nicht zu Ende ist

Verschleierte Bilder – 7NL 135 Sup. Werner Krause Nr. 4

Früher führte ich ein Tagebuch. Dann kam ich in sowjetische Gefangenschaft. Da waren Tagebücher unmöglich. Da war alles so unmöglich, dass ich zu mir selbst sagte: Ich will dies alles nicht registrieren. Es wird genügen, wenn Du nachher aufzeichnest, was an Bildern noch lebendig ist...“.

Mit diesen Worten beginnen die Aufzeichnungen der Erlebnisse eines Kriegsgefangenen in Sowjetrussland. Niedergeschrieben wurden sie vom späteren Superintendenten Werner Krause (7NL 135 Nr.4).

Krause, der mit 23 Jahren am 1. Sept. 1940 in die Wehrmacht einberufen worden war, ging am 10. Mai 1945 als Nachrichtenoffizier und Führer der Stabsbatterie eines Artillerieregiments mit dieser Truppe in Mähren in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

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Findbuch 8SL 030 zum Kirchenkampf online!

Barmer Theologische Erklärung
Barmen am 31. Mai 1934 –
8SL 030 KiKa Walter Schmidt

Auf der AEKR-Website ist jetzt das Findbuch zum Bestand 8SL 030 Kirchenkampf Walter Schmidt online abrufbar.

Dieser Bestand stellt eine Sammlung mannigfachen Materials zum Thema Kirchenkampf dar, die Archivrat Walter Schmidt (1908-1992) zusammentrug.
Wann genau er dies tat, ist nicht mehr zu ermitteln. Das gilt leider auch für die Provenienzen der Unterlagen. Da Walter Schmidt vom 1. Februar 1951 bis zum 31. Dezember 1975 die Leitung des Landeskirchlichen Archives innehatte, ist anzunehmen, dass diese Daten die zeitlichen Eckpunkte seiner Sammlungsaktivität sind.

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Neues Findbuch online: Nachlass des Stadtsuperintendenten Werner Krause (1916-2006)

Stadtsuperintendent Werner Krause – Foto: Hans Lachmann

Das Findbuch zum Nachlass des Stadtsuperintendenten Werner Krause 7NL 135 ist nun auf der Website des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland online aufrufbar.

Ganze 26 Jahre lang – nämlich von 1959 bis 1985 – versah Werner Krause engagiert seinen Dienst als Pfarrer in der Johanneskirchengemeinde in Düsseldorf. In dieser Zeit baute er ein enges Vertrauensverhältnis zu seinen Gemeindemitgliedern auf. Dass dieses auch viele Jahre nach seinem Ruhestand hielt, bezeugen zahlreiche Korrespondenzen in diesem Bestand.

Werner Krause selber war kein gebürtiger Rheinländer. Am 28. Dezember 1916 in Krangen im Kreis Preußisch Stargard geboren, verbrachte er Kindheit und Jugend in Lauenburg in Hinterpommern. Dort besuchte er von 1923 an zuerst die Volksschule und wechselte 1927 an das Humanistische Gymnasium. Dabei zeichnete sich beim jungen Krause schon früh eine Begabung für Sprachen ab und spiegelte sich dementsprechend in guten Noten wider.

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„probatum est“ – Rezepte gegen allerlei Krankheiten

Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein“ – Voltaire

Ach ja, wenn es doch nur so einfach wäre, etwas für die Gesundheit zu tun. Aber wenn die Nase erstmal läuft, der Kopf brummt, der Hals kratzt oder die Glieder schmerzen, dann ist Voltaires Vorsatz schnell vergessen. Von einem „glücklichen Gemütszustand“ ist man in der Regel dann auch eher weit entfernt.

Bei Beschwerden und Leiden will man nur eins: ein Heilmittel, am besten ein Allheilmittel. Der gleiche Wunsch galt auch für Menschen, die in einer Zeit vor Penicillin, Asperin und Co. lebten. Sie mussten sich anders behelfen. Wie? Das zeigt der Bestand 4KG 005 Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf. Er enthält nämlich eine Vielzahl an Arzneirezepten, die nicht nur Auskunft über die Arten der Übel geben, sondern auch darüber, wie die Menschen damals gegen sie vorgingen.

Es finden sich Rezepte „pro hamoroides“ oder gegen Blattern, d.h. Pocken, Zahnschmerzen, Wassersucht, Magenkrämpfe, Geschwülste, (kaltes) Fieber und „mensium fluxus“, sprich Menstruationsbeschwerden u.v.m. Im Kampf gegen alle möglichen Indispositionen griffen die Düsseldorfer dabei auf Salben, Pulver, Tees, Wickel oder angesetzte Tränke zurück. Wie Frau Rockel-Boeddrig in ihrem Beitrag zutreffend schrieb, sind die Rezepte nicht ohne Mühe zu entziffern (auch sicherlich nicht alle für voll zu nehmen) und nur fragmentarisch enthalten. Dafür sind sie umso interessanter!

Einige Beispiele:

Von einem Dr. Hummel z.B. stammt eine Verschreibung gegen Husten aus dem Jahre 1772. Er empfiehlt einen Tee aus „Althee“ (Echter Eibisch), „Sternanis“ und „Glycyrzhiza“ (Süßhölzer) anzusetzen. Dieser muss „des Abends bey dem Schlafen gehen gedrunken werden“ .

Rezept gegen Husten – AEKR 4KG 005 (Kirchengemeinde Düsseldorf) Nr. 296

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Kochrezepte aus dem 18. Jh. – Teil V.

Das Jahr neigt sich dem Ende, damit auch der Dezember und die Reihe mit den Koch-und Backrezepten aus dem Düsseldorf des 18. Jahrhunderts.
Zum Abschluss möchte ich Ihnen daher ein Rezept reichen, mit dem Sie ja vielleicht das neue Jahr einläuten.

Koch- und Backrezepte 18. Jh., Bestand: AEKR, 4KG 005 (Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf – Bestand Düsseldorf I), 296

Neujahr Kuchen zu Mergen
vorerst nimpt man Milch und macht die warm, thut darein Zucker und ein wenig mehl und gember (
niederländisch für Ingwer) und ein wenig Saltz und thun ein ey oder drey darein und ein wenig muscaten blumen und gestoschen Knell etwaß von einer Zetron schall und dann ein Stiche oder 5 born und schmilst die und thut die noch dazu

Viel Spaß und Backfreude mit diesem Rezept!