Fotodigitalisierung im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland

Unser Bildarchiv umfasst eine Vielzahl von Abbildungen, die zum Teil digitalisiert und mit Metadaten versehen sind und auf die Sie über Datenbanken und Kataloge zugreifen können. Dennoch ist der Großteil unserer Fotosammlung noch nicht digital abrufbar.

Die Corona-Krise hat uns aktuell dazu veranlasst den Prozess der Bilddigitalisierung im Homeoffice gleich mit mehreren Mitarbeitern voran zu treiben und Arbeitsprozesse zu überdenken und zu optimieren. Unsere Fotos befinden sich verteilt in drei Magazinräumen. Wir haben uns dazu entschieden, den Fotobestand im Keller 33 zunächst fortzusetzen. Hier befindet sich die Fotosammlung des Fotografen Hans Lachmann mit einer Unmenge an Bildmaterial, verpackt in Schachteln und alphabetisch nach Themen sortiert. Hinzu kommt, dass das Archiv die Verwertungsrechte an diesem Bestand besitzt und die Veröffentlichung der Bilder somit rechtlich gesehen unkompliziert ist.

Auf Grund der Vielzahl an Bildern ist eine gut durchdachte Herangehensweise also Grundvoraussetzung. Diese umfasst folgende (kurz zusammengefasste) Schritte:

  • Die Bilder werden unter Beachtung von festen Auswahlkriterien (Archivwürdigkeit) gescannt. Dabei müssen für diesen Prozess die Scannereinstellungen genau angepasst werden.
  • Danach werden sie mit Dateinamen und Metadaten versehen und in dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop bearbeitet (z.B Farbkorrekturen, kleinere Ausbesserungen). Es soll jedoch möglichst der Ursprüngliche Charakter des Bildes erhalten bleiben.
  • Zur Sicherheit werden die Digitalisate an drei Speicherorten gemäß einer festgelegten Tektonik und Klassifikation abgelegt. Die Bilder werden anschließend nummeriert (Vergabe der Signaturen nach Nummerus Currens).
  • Im letzten Schritt werden die fertigen Digitalisate in unseren Bilderpool Canto Cumulus und auf unsere Website gespiegelt und somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Keller 33 Archiv EKiR

Fotoschachtel Hans Lachmann

Grundsätzlich ist es bei der Fotodigitalisierung das A und O den Überblick zu behalten und sich konsequent an Nummerierungen und die vorher festgelegte Tektonik zu halten, vor allem dann, wenn man mit mehreren Personen an einem großen Fotobestand arbeitet. Weiterhin ist die Fotodigitalisierung mit Sicherheit ein Arbeitsfeld, dass auch viele Schwierigkeiten und Diskurse mit sich bringt. So kann man zwar bestimmte Kriterien im Vorfeld festlegen, jedoch liegt es schlussendlich oftmals im eigenen Ermessen zu entscheiden, welches Bild nun archivwürdig ist. Doch wenn man diese einmal definiert hat, ist es ein laufender Prozess der neben der alltäglichen Archivarbeit abläuft und Abwechslung mit sich bringt. Wir hoffen daher, die Anzahl der Digitalisate im Jahre 2020 weiter steigern zu können.

Weitere Informationen zur Fotosammlung des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland finden Sie unter: http://archiv-ekir.de/index.php/fotosammlungmain

Über folgenden Link gelangen Sie direkt zu unserem Medienpool: https://medienpool.ekir.de/archiv/#1592307902807_0

E-Learning-Kurs Bestandserhaltung

Seit 2018 steht der E-Learning-Kurs „Bestandserhaltung“ online zur Verfügung. Er vermittelt die Grundlagen der Bestandserhaltung als elektronisch gestütztes Selbstlernprogramm. Über Videos und Multiple-Choice-Aufgaben werden u. a. die sachgerechte Lagerung von Archivgut, die Schadenserkennung und der Umgang mit schimmelbefallenem Schriftgut trainiert. Beteiligt an der Konzeption war auch das rheinische Archivamt in Brauweiler, das ergänzend ein entsprechendes LVR-Conservation-Kit entwickelt hat

In der Archivberatung bei Kirchengemeinden der EKiR haben wir seither bei Ortsterminen unsere ehrenamtlichen Archivbetreuer auf diese Fortbildungsmöglichkeit hingewiesen. Das erhaltene Feedback war immer positiv. In den weiteren Themenfeldern „Ablage nach dem Einheitsaktenplan der EKiR“ oder auch der Kassationsberatung („Wie werfe ich richtig weg?“) wären solche E-Learning-Angebote sicherlich eine sinnvolle Ergänzung etwa zu den klassischen Schriftgutlehrgängen für das Personal in den kirchlichen Verwaltungsämtern. Im Sinne des Konzepts eines Blended Learning stehen sie auf der To-Do-Liste.

Eine frühe Warnung vor Papierzerfall

Über die online gestellten Jahrgänge der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“ haben wir unlängst berichtet. Im Band 1931, S. 119-121 formulierte Pfarrer Lic. Heinrich Müller „Kirchengeschichtliche Wünsche zur kommenden Verwaltungsordnung“. Hier findet sich folgende Problemanzeige:

„Bei dem heute üblich gewordenen Schreibmaschinenpapier werden große Aktenmassen unserer Archive in einigen Jahrzehnten sich von selbst auflösen. Dies mag bei der heutigen Papierflut kein allzu großer Schade sein. Anders aber ist es bei den wichtigsten Dokumenten, Kirchenregistern und Verhandlungsbüchern. Wir kennen Kirchenbücher aus so schlechtem Papier, daß sie in 100 Jahren völlig zersplittern. Es gibt Niederschriften mit so schlechter Tinte in den Kirchenbüchern, daß schon heute nur mit Mühe noch die Seiten entziffert werden. In einiger Zeit wird es ganz damit zu Ende sein. Beste Urkundentinte, bestes haltbares Papier muß in solchen Fällen erstes Erfordernis sein. Hier dürfen die Gemeinden nicht mit Pfennigen sparen wollen.“

Müller (1880-1970) war Pfarrer in Diersfordt am Niederrhein und Leiter des Provinzialkirchlichen Amtes zur Pflege rheinischer Kirchengeschichte. Er kombinierte daher den Blick des erfahrenen Verwaltungspraktikers mit der Verantwortung für historisch bedeutsames Schriftgut. Die Thematik des industriell hergestellten Holzschliffpapiers, das durch seinen Säuregehalt von innerem Zerfall bedroht ist, rückte dann erst in den 1990er Jahren ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit. Plakativ vermarktet wurde dies u. a. durch Titel wie „Der saure Tod im Bücherregal“. Konkurrierende Industrienormen für sog. alterungsbeständiges Papier machen die archivische Verwaltungsberatung bis in die Gegenwart nicht leichter.

April Challenge #Archive30 – Tag 20: A Collection

Die Kartensammlung in der Archivstelle Boppard und ihre Erschließung

Erschließung der Kartensammlung im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard. Bestand: 8SL 050 (Karten)

Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland verfügt über drei Standorte. Es wurde festgelegt, dass alle Landkarten zentral in der Evangelischen Archivstelle in Boppard gelagert werden. Nach der Überführung der Karten von Düsseldorf nach Boppard, werden diese dort erschlossen und mit  ActaPro erfasst. Die Lagerung erfolgt in Einschlagmappen liegend in Planschränken für die Größe A0. Da es im Registraturplan des Archivs der EKiR keine Vorgaben gab, wie die Karten erschlossen und unter welchen Gruppen diese abgelegt werden, musste ein Plan mit den entsprechenden Gruppen erarbeitet werden. Die erste Gruppe trägt die Bezeichnung: 01. Kirchliche Karten / Übersichten, die letzte Gruppe die Bezeichnung 27. Kartensammlung / Kartenwerke.

Erschließung der Kartensammlung im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard. Bestand: 8SL 050 (Karten)

Insgesamt werden jetzt die Karten in  die gebildeten Aktengruppen unterteilt und abgelegt. In jede Einschlagmappe, kommen maximal. 10 Karten.  Die Anzahl der zu erschließenden Karten, lässt sich noch nicht ermitteln. Die Laufzeit der Karten reicht von Mitte des 17. Jahrhunderts bis heute. Der Zustand der Karten kann als gut bezeichnet werden, obwohl man vor langer Zeit einige Karten mit transparentem Klebefilm repariert hat oder in die Legende einen Stempel gemacht hat. Bei den Karten finden sich von der Postkartengröße bis zum Überformat (größer als A0) alle Formate. Wann die Erschließung der Karten beendet sein wird, lässt sich heute noch nicht genau abschätzen.

Die Sammlung hat die Bestandsbezeichnung: 8SL 050.

 

April Challenge #Archive30 – Tag 9: Archive Building

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland – Hauptstelle Düsseldorf

Der Größe der rheinischen Landeskirche entspricht auch die architektonische Vielfalt unserer drei Archivgebäude. Die Hauptstelle befindet sich im Dienstgebäude des 1971 bezogenen Landeskirchenamtes im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf. In dem Gebäude, das sich durch seinen dezenten Brutalismus auszeichnet, werden ca. 7.000 lfd. Meter Archivgut sowie die Archivbibliothek verwahrt.

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard

1995/96 wurde in Boppard der Rheinflügel des ehemaligen Klosters St. Martin für Archivzwecke umgebaut. Dessen heutige Bausubstanz stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1847-1853 hatte dort der bekannte Japanforscher Philipp Franz von Siebold gewohnt. Die nunmehr professionellen Arbeits- und  Aufbewahrungsbedingungen beendeten das Provisorium in dem seit 1957 angemieteten Raum im Landeshauptarchiv Koblenz. Unsere Evangelische Archivstelle Südrhein verfügt in Boppard über ca. 1.500 m Regalkapazität.

Archivmagazin: Außenaufnahme der Johanneskirche

2017 schließlich erfolgte der Bezug der ehemaligen Johanneskirche in Moers-Meerbeck als Außenmagazin. In dem 1964 entstandenen Bau können 8.000 lfd. Meter Archivgut verwahrt werden.

Leider Modell geblieben ist der Entwurf für einen Neubau auf einem landeskirchlichen Grundstück in Hilden. Der bislang unpublizierte Entwurf zeigt den hohen Kubus eines Magazingebäudes, an das sich der um einen kleinen Innenhof gruppierte Funktionsbereich mit dem Lesesaal und den Büros der Mitarbeitenden anschließt.

Vorentwurf für den Neubau eines Archivgebäudes, M 1: 500, Dipl. Ing. Bettina Kaiser

Film zu automatischer Handschriftenerkennung auf YouTube

Über das Tool Transkribus zur automatischen Erkennung von Handschriften ist im Archivblog schon öfter berichtet worden. Nun hat in Wien die zweite Userkonferenz stattgefunden. Von den im Web verfügbaren Präsentationen dieser Tagung sei der Beitrag von Mark Ponte aus dem Stadtarchiv Amsterdam herausgegriffen. Er zeigt die Einsatzmöglichkeiten von Transkribus als Hilfsmittel bei dem großen niederländischen Crowdsourcing-Projekt VeleHanden, bzw. demonstriert umgekehrt, wie das Tool durch die Leistung der ehrenamtlichen Helfer fortentwickelt werden kann.

Bei dieser Gelegenheit produzierte Euronews einen anschaulichen Dokumentationsfilm zu Transkribus, der jetzt auf Youtube eingestellt ist. Wohltuend entspannt dabei agieren die österreichischen Kollegen, ohne ständig mit weißen Baumwollhandschuhen zu wedeln…

„Zehn Dinge, die Archivaren Angst machen“

Zehn Dinge, vor denen auch ich mich (nicht nur an 🎃 Halloween) grusel. Ein sehr originelles Video vom US National Archiv, das den Nagel auf den Kopf trifft und einfach erwähnt werden muss! 👇

 

Und was wären Archive ohne Menschen, also ohne Nutzer und Archivare??? Daniela Gillner zeigt es uns in der auf Twitter: