Von Vorherrschaft und Volksnähe: Königlicher Besuch in Boppard 1852

aus Bestand: AEKR 4KG 030B, A 13

Im Archiv der Kirchengemeinde Boppard wird ein besonderes Album aufbewahrt. Die „Erinnerungsblätter an die Einweihung der Evangelischen Kirche zu Boppard, verherrlicht durch die Anwesenheit ihres Bau- und Schutz-Herrn Sr. Majestät des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm IV.“ enthalten die eigenhändigen Unterschriften des Monarchen und seiner Entourage, die sich anlässlich der Feierlichkeiten am 29. Juni 1852 in der Stadt im romantischen Oberen Mittelrheintal die Ehre gaben. Der bekanntlich für Kunst und Architektur schwärmende Friedrich Wilhelm, Initiator zahlloser Bau- und Restaurierungsprojekte im Rheinland, hatte zuvor höchstpersönlich mehrfach in die Pläne des Architekten Johann Claudius von Lassaulx eingegriffen und veranlasst, das statt des ursprünglich geplanten Bethauses eine der wachsenden Gemeinde angemessene Kirche mit vorgelagerter Säulenhalle errichtet werde und das noch von seinem Vater Friedrich Wilhelm III. genehmigte Budget entsprechend aufgestockt. Während der Bauzeit reiste Ortspfarrer Heinrich Bungeroth regelmäßig in die nur knapp 15 km von Boppard entfernte Sommerresidenz des Monarchen Schloss Stolzenfels, um diesen über den Fortgang der Arbeiten informieren, und mehrfach machte der König auch selbst in Boppard Station, um die Baustelle zu besichtigen oder mit dem Pfarrer den Festablauf der Einweihung zu besprechen.

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 030B, A 13

Die Feierlichkeiten am 29. Juni 1852 gerieten zu einer wahren Demonstration von preußischer Vorherrschaft und königlicher Volksnähe. Gegen neun Uhr morgens trafen Friedrich Wilhelm IV., sein Bruder Prinz Wilhelm (der spätere Kaiser Wilhelm I.) und dessen Ehefrau Prinzessin Augusta (die auch schon der Grundsteinlegung am 26. August 1850 beigewohnt hatte) mitsamt einer illustren Delegation aus Spitzenbeamten und -militärs per Dampfschiff in Boppard ein. Wie dem Album zu entnehmen ist, gehörten zu den Festgästen der Oberpräsident der Rheinprovinz Hans-Hugo von Kleist-Retzow, Regierungsvizepräsident Friedrich von Spankeren, der Geheime Kabinettrat Ernst Emil Illaire, der Geheime Regierungsrat und Kabinettssekretär Marcus von Niebuhr, General Karl von der Groeben, Generalleutnant und Schlosshauptmann von Stolzenfels Philipp von Wussow, Hofmarschall Iwan Gustav Alexander von Keller, der Flügeladjutant des Königs Oberst von Schoeler sowie vermutlich der Präsident des Evangelischen Kirchentages Moritz August von Bethmann-Hollweg. Nach der Weihe der Christuskirche durch den Generalsuperintendenten der Rheinprovinz Dr. Georg August Ludwig Schmidtborn in Anwesenheit zahlreicher evangelischer Geistlicher trug sich der König als erstes in das Erinnerungsalbum ein: „Der Herr hat sein Haus gegründet“, schrieb er, „Er wird es erhalten und erweitern.“ Das sollte sich bewahrheiten. Die noch junge evangelische Kirchengemeinde konnte sich eines starken Partners gewiss sein.

aus Bestand: AEKR 4KG 030B, A 13

Literatur: Hildegard Tschenett, Christuskirche Boppard, hg. v. d. Evangelischen Kirchengemeinde Boppard, Boppard 2019.

Bücher zu evangelischen Kirchenbauten in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

An die regionalen Beiträge möchte ich noch einen Artikel anschließen, der einen Überblick gibt über die Buchtitel, die sich mit Kirchenbauten im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland als Ganzes oder eines überregionalen Teiles befassen.

Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde; Kirche am Rhein – Eine Bilddokumentation

Vom Inhalt und Aufbau her sind die folgenden Titel z. T. kaum vergleichbar. Erstmals erschien 1968 ein Überblick über „Architektur und Kunst in der Ev. Kirche im Rheinland“, wie der Untertitel zu dem Bildband „Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde“ lautet. Über 150 meist großformatige Abbildungen geben einen Überblick über die Kirchen in Voll- oder Detailansichten. Einige Fotos zeigen andere Motive der Kunst oder Architektur. Einen „Ideengeber“ hatte laut Vorwort der Band in dem Bildkalender „Das Evangelische Rheinland“, der ab 1956 bis 1970 erschienen ist; das Landeskirchliche Archiv besitzt eine Sammlung der Kalenderjahrgänge.

Ein Gesamtporträt unserer Landeskirche zeigen sollte der Nachfolge-Band „Kirche am Rhein. Eine Bilddokumentation“, den Hans-Otto Kindermann 1984 herausgab. Geschichte, Landschaft, Leben in der Gemeinde und Personen kommen hier zu Architektur und Kunst hinzu. Auf 216 Seiten wechseln sich klein- und großformatige Fotos mit Texten ab.

Kirche entdecken und erleben: Ein Reiseführer durch die Evangelische Kirche im Rheinland mit ihren 46 Kirchenkreisen
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Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 9

Im letzen Teil dieser Serie blicken wir auf die südlichsten Kirchenkreise, vom Rhein über die Nahe bis zur Saar: An Nahe und Glan, Obere Nahe, Saar-Ost und Saar West.

In einem abschließenden Blogbeitrag werde ich noch Veröffentlichungen, die sich auf das ganze Gebiet der rheinischen Landeskirche beziehen, vorstellen.

Kirchenkreis An Nahe und Glan

Dieser Kirchenkreis wurde 1969 durch Fusion der Kirchenkreise Kreuznach, Meisenheim und Sobernheim errichtet. Weder für die drei alten Kirchenkreise noch für den Nachfolger konnte ich eine Veröffentlichung über die Kirchenbauten ermitteln. Auch das traditionelle Synodalbuch aus den 1950er Jahren gibt es hier nicht – und übrigens in keinem dieser südlichen Kirchenkreise.

Kirchenkreis Obere Nahe

Kirchenkreis Sankt Wendel: 150 Jahre Ev. Kirchenkreis St. Wendel; 1835 – 1985 / Hrsg.: Evangelischer Kirchenkreis St. Wendel. | Gemeinden im evangelischen Kirchenkreis Birkenfeld / Hajo Knebel; Karlheinz Brust

Aus der Vereinigung des Kirchenkreises Birkenfeld mit dem nördlichen, nicht saarländischen Teil des Kirchenkreises St. Wendel entstand 2010 der Kirchenkreis Obere Nahe.

Für den Kirchenkreis Birkenfeld legten Hajo Knebel und Karlheinz Brust 1979 das Buch „Gemeinden im evangelischen Kirchenkreis Birkenfeld“ vor, das vom Kirchenkreis herausgegeben wurde. Auf meist einer Seite werden die Gemeinden und ihre Kirchen mit Text und einer Abbildung vorgestellt.

Der damalige Kirchenkreis St. Wendel gab zu seinem 150jährigen Jubiläum 1985 den Band „150 Jahre Evangelischer Kirchenkreis St. Wendel 1835-1935“ heraus. Jede Kirchengemeinde und ihre Kirchenbauten werden hier ausführlich auf fünf bis zehn Seiten und mehreren Fotografien porträtiert.

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Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 8

Im linksrheinischen Gebiet der rheinischen Landeskirche geht es heute um die ländlich geprägten Kirchenkreise Koblenz, Simmern-Trarbach und Trier.

Kirchenkreis Koblenz

Der Kreissynodalvorstand gab 1959 das „Synodalbuch des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz“ heraus. Dieses porträtiert nach einem Kapitel zur Geschichte des Kirchenkreises jede Kirchengemeinde auf zwei bis vier Seiten mit Angaben zur Geschichte der Gemeinde und ihrer Kirche(n), die auch abgebildet sind.

Auch als „Synodalbuch“ wird im Vorwort der großformatige Band „Der Evangelische Kirchenkreis Koblenz“ bezeichnet, den der Kirchenkreis unter der Bearbeitung von Hajo Knebel im Jahr 1985 herausgegeben hat. Auf meist zwei Seiten finden sich die wichtigsten Angaben zu den Gemeinden und zwei – teils großformatige – Fotografien der Kirchen und Gemeindezentren. Abgerundet wird die Literatur zu diesem Kirchenkreis durch die Jubiläumsschrift „200 Jahre Evangelisch an Ahr, Mosel und Rhein. 1817-2017 Evangelischer Kirchenkreis Koblenz“. Neben der ausführlichen Darstellung der Geschichte des Kirchenkreises werden hier die Kirchengebäude – teils collagenartig – abgebildet.

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Bauprojekt mit Hindernissen: Der lange Weg zu einer neuen evangelischen Kirche in Oberstein

Dass Bauprojekte sich verzögern, ist nicht ungewöhnlich. In Oberstein aber vergingen von der Planung bis zur Errichtung einer neuen evangelischen Kirche sogar mehr als 200 Jahre. Der bemerkenswerte Vorgang hat im Archiv der Kirchengemeinde seinen Niederschlag gefunden:

Oberstein mit der Felsenkirche, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 119B Oberstein

Schon 1742 gab es erste Überlegungen zu einem Neubau. Zwar verfügte die evangelische Gemeinde mit der 1482/84 in einer Höhle oberhalb der Stadt errichteten Felsenkirche über ein ebenso einmaliges wie beeindruckendes Gotteshaus und Wahrzeichen von Oberstein. Aufgrund ihrer exponierten Lage wurde die Kirche jedoch immer wieder von Steinschlägen getroffen – im Dezember 1742 so schwer, dass man es seitens der gräflichen Regierung nicht mehr für angemessen hielt, sie wieder aufzubauen. Vielmehr wurde „an deren Hof zu Heidesheim zuerst der Gedanke, eine Kirche in das Tal der Stadt Oberstein zu bauen und dafür Mittel zu beschaffen, ausgesprochen“, so zu lesen in den Statuten der 1878 gegründeten Obersteiner Elisabeth-Stiftung, von der noch die Rede sein wird. Graf Christian Karl Reinhard von Leiningen-Dagsburg-Falkenburg ordnete an, das noch brauchbare Inventar aus der Felsenkirche zu bergen und ließ Kollektanten umherreisen, um Geld für den geplanten Neubau zu sammeln. Dieser sollte hinter dem alten Pfarrhaus am Marktplatz entstehen. Da die Kollekten nur spärlich flossen und sich zudem bald herausstellte, dass eine Reparatur der Felsenkirche deutlich günstiger wäre, wich Graf Christian nur ein Jahr nach dem Felssturz von den Neubauplänen ab und verfügte nunmehr doch die Instandsetzung der alten Kirche.

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Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 7

Die Übersicht über die nordrheinischen Kirchenkreise haben wir abgeschlossen und wollen die Gottesdienststätten in den südrheinischen, hessischen und saarländischen Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche im Rheinland in den Blick nehmen. Hier bietet sich statt der alphabetischen eher eine regionale Gliederung an, die wir von Nordost nach Südwest vornehmen; wir beginnen daher in den Kirchenkreisen rechts des Rheins von Altenkirchen (Westerwald) über die hessischen Exklaven nach Wied.

Kirchenkreis Altenkirchen (Westerwald)

Evangelische Kirche an der Sieg und auf dem Westerwald; Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte ; 99

1990 gab der Kirchenkreis Altenkirchen aus Anlass des 400jährigen Jubiläums der Saynischen Kirchenordnung das Buch „Evangelische Kirche an der Sieg und auf dem Westerwald. Der Kirchenkreis Altenkirchen in Vergangenheit und Gegenwart 1590-1990“ heraus. Im vierten Teil (ab Seite 229) werden die Gotteshäuser der evangelischen Gemeinden im Text beschrieben und mit Fotos illustriert. Es schließen sich Abschnitte über die Glocken und Orgeln der Kirchen an.

Kirchenkreis An Lahn und Dill (bis 2019 Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar)

Dieser Kirchenkreis liegt als Exklave in Hessen. Daher haben die beiden ehemaligen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar schon immer partiell zusammengearbeitet und so auch 1953 das „Gemeindebuch der Kreissynoden Braunfels und Wetzlar“ herausgegeben. Jede Kirchengemeinde wird mit Angaben zu ihrer Geschichte und einer Abbildung der Gottesdienststätte dargestellt.

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Regionale Handbücher der evangelischen Kirchenbauten im Rheinland. Teil 6

Nach einer längeren Unterbrechung soll heute die Literatur über die Kirchenbauten in den noch fehlenden Kirchenkreisen im nördlichen Rheinland – die Kirchenkreise Solingen, Wesel und Wuppertal – dargestellt werden.

Kirchenkreis Solingen

Für den Kirchenkreis Solingen konnte ich keine Literatur ermitteln, die einen Überblick über die Kirchenbauten der evangelischen Gemeinden gibt. Ein Gemeindebuch aus dem Jahr 1962 betrifft nur die Stadtkirchengemeinde Solingen.

Kirchenkreis Wesel

Gemeindebuch Kirchenkreis Wesel, Lichtweg Verlag, Essen (1952)

Für den Kirchenkreis Wesel existiert das „Gemeindebuch 1952 der Kreissynode Wesel“, das der Kirchenkreis herausgegeben hat. Die Borschüre ist mit umfangreichen Texten zur Geschichte der Kirchengemeinden und Fotos der Gottesdienststätten versehen. Eine neuere Darstellung ist mir nicht bekannt.

Im Landeskirchlichen Archiv (OW 17 074) ist eine Mappe mit Kopien von Abbildungen und Texten zu fast allen evangelischen Kirchen des Kirchenkreises vorhanden; nach Aussagen eines älteren Pfarrers 1997 sollen diese großenteils aus dem Dombau-Kalender Wesel stammen.

Kirchenkreis Wuppertal

Erst gut 75 Jahre nach dem kommunalen Zusammenschluss der Städte Barmen und Elberfeld zur Stadt Wuppertal wurden die beiden Kirchenkreise Barmen und Elberfeld 2005 ebenfalls vereinigt. Daraus resultiert auch die nach alten Strukturen aufgeteilte Literatur.

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