Kirchengemeinde Becherbach: Findbuch und Fotosammlung gehen gemeinsam online

Evangelische Kirche Becherbach anlässlich des 850-jährigen Kirchweih-Jubiläums 1951; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 201_0151

Die Evangelische Archivstelle Boppard hat im Frühjahr dieses Jahres das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Becherbach übernommen. Dort wurde der Bestand geordnet, verzeichnet und durch ein Findbuch erschlossen, das jetzt online verfügbar ist. Der Bestand deckt einen Zeitraum von 1707 bis 1976 mit einzelnen Nachträgen bis 2000 ab. Der zeitliche Schwerpunkt der Überlieferung liegt im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Einen wesentlichen Anteil bilden Unterlagen aus dem Finanz- und Rechnungswesen, vor allem Rechnungen und Rechnungsbelege der Kirchen-, Pfarr-, Bau-, Almosen- und Schulfondskassen.

Vergleichsweise gut dokumentiert ist auch das Bauwesen. Überliefert sind Unterlagen zur Kirche in Becherbach, etwa zum Neubau, zum Simultaneum sowie zu Bau-, Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Darüber hinaus sind Akten zur Kirche in Limbach, zur Kapelle in Krebsweiler sowie zum alten und neuen Pfarrhaus in Becherbach vorhanden.

Festakt der Kirchweih-Jubiläums vor dem Schulhaus, 1951; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 7_0066029

Weitere Schwerpunkte bilden Unterlagen zu Schulverwaltung, Ortsschulinspektion, Lehrerbesoldung, Schulstatistik und Schulversäumnissen seit 1789 sowie die 1773 einsetzenden Pfarrstellenakten. Bei den Amtsbüchern sind unter anderem Protokollbücher des Presbyteriums und des Schulvorstandes, Lagerbücher, Abkündigungs- und Kollektenbücher, Heberollen, ein Sammelamtsbuch sowie eine Kriegschronik erhalten.

Becherbacher Konfirmanden mit Pfarrer Johannes Müller, 1931; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 028_0033

Parallel zu der Verzeichnung in Boppard wurden im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf Fotografien aus Becherbach digitalisiert und im Mediencenter des Archivs online gestellt. Die Fotosammlung dokumentiert unter anderem eine Glockenweihe, Konfirmationen, das 850-jährige Jubiläum der Kirche sowie weitere Ereignisse aus dem Gemeindeleben.

Rechenbuch aus dem 18. Jahrhundert ergänzt den Bestand 8SL 059 – Horst Neeb

Bild 1; Nummeratio zu ganzen Zahlen; 8Sl059 – Horst Neeb

Das Rechenbuch stammt aus dem Jahre 1783 und führte die „Schüler“ und „Schülerinnen“ des späten 18. Jahrhunderts in die Welt der „Ganzen Zahlen“ ein. Hierbei umfasst das Werk, welches von Johannes zu Klein Selbeck verfasst worden ist, Textaufgaben und Rechenbeispiele zu den vier mathematischen Grundrechenarten. Eine klassische Textaufgabe zur Division lautete folglich: „Item drei haben zu teilen 987 fl. (?) was gebühret Jedem davon?“.

Interessant erscheinen auch die Rechenmethoden, die identisch zu den in der Gegenwart geläufigen Methodiken der „Schriftlichen Division“ und „Multiplikation“ erscheinen. Neben den bekannten Rechenwegen finden sich allerdings auch, zumindest für die Moderne, eher unbekanntere Methoden. Bild 3 zeigt beispielsweise ein Zahlendreieck, welches in seinem Aufbau an ein „Pascalsches Dreieck“ erinnert.

Das Archiv der EKiR ist durch eine Abgabe der Familie zum Kolk in den Besitz des wunderbaren Rechenbuches gekommen. Aufgrund des Provenienzverfahrens wurde das Objekt dem Bestand 8SL059 – Horst Neeb zugeordnet und findet sich nun unter der Nr. 73.

Neuzugang in Boppard: Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinden Rheinböllen und Dichtelbach

Die Evangelische Archivstelle Boppard hat kürzlich das gemeinsame Archiv der Kirchengemeinden Rheinböllen und Dichtelbach übernommen. Der Bestand umfasst eine Überlieferung vom späten 17. bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts; einzelne Amtsbücher und Nachträge reichen bis in die 1980er Jahre. Das Schriftgut stammt überwiegend aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu den ältesten Archivalien zählen ein Auszug aus dem Schatzungsbuch der Schultheißerei Rheinböllen von 1683 sowie obrigkeitliche Verordnungen, Religionsmandate und Verwaltungsdokumente aus kurpfälzischer Zeit. Dazu gehören etwa ein Besitzergreifungspatent von 1685, Erlasse gegen Gotteslästerung und Misshandlung von Heiligenbildern, Regelungen zu Desertionen sowie Listen reformierter Geistlicher der Kurpfalz. Ebenfalls zum Ende des 17. Jahrhunderts setzt die Dokumentation konfessioneller Konflikte ein, die unter dem Titel „Kirchenkampf“ Unterlagen aus den Jahren 1696 bis 1802 enthält. Hier finden sich Beschwerden reformierter Gemeinden, kurpfälzische Religionsdeklarationen, Eingaben an den Kaiser sowie Darstellungen der bedrängten reformierten Kirche. Ergänzt werden sie durch Prozessakten zum sogenannten „Glockenstreit“ in Kirche und Schulen der Pfarrei Rheinböllen über mehr als 150 Jahre.

Gut dokumentiert ist auch das Schulwesen. Die Überlieferung zur evangelischen Schule Rheinböllen und ihrer Lehrer umfasst einen Zeitraum von 1718 bis 1933, zur Schule in Dichtelbach sind Akten von 1820 bis 1894 erhalten. Die Bauakten enthalten Unterlagen zur evangelischen Kirche Rheinböllen von 1752 bis 1942 (Turmbau, Glocken, Orgel, Instandsetzungen) sowie deren Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Kirche in Dichtelbach sind Bau- und Instandsetzungsakten von 1910 bis 1960 mit Nachträgen von 1982 vorhanden. Zum Gemeindehaus Rheinböllen liegen Akten über Instandsetzung und Erweiterung aus den Jahren 1957 bis 1967 mit Bauzeichnungen vor. Die Akten zum alten Pfarrhaus reichen von 1822 bis 1946 und betreffen u.a. Reparaturen, den Neubau der Pfarrscheune sowie einen Erweiterungsbau von 1908; auch hier gibt es Bauzeichnungen. Für das neue Pfarrhaus existiert eine Bauakte von 1962, ebenfalls mit Bauzeichnungen.

Weitere Schwerpunkte des Bestandes bilden das Rechnungswesen und die Amtsbücher. Für die Kirchenkasse Rheinböllen liegen Jahresrechnungen bereits ab 1712 vor, für Dichtelbach ab 1759. Diese Rechnungsserien reichen teilweise bis in die 1950er Jahre. Ältestes Amtsbuch ist ein 1715 begonnenes „Kirchenprotokoll“, Presbyteriumsprotokolle sind ab 1838 überliefert. Ergänzt werden sie durch Lager- Abkündigungs-, Kollekten- und Brieftagebücher. Insgesamt zeichnet sich der Bestand durch eine vergleichsweise lange Laufzeit und eine inhaltlich breite Überlieferung aus und besitzt daher auch einen gewissen Quellenwert für die evangelische Kirchen- und Regionalgeschichte des Hunsrücks, der Konfessionsgeschichte der Kurpfalz, der Sozial- und Alltagsgeschichte ländlicher Gemeinden sowie der Entwicklung kirchlicher Verwaltung vom Ancien Régime bis in die Nachkriegszeit.

Neue Online-Findbücher: Kirchengemeinden Langenlonsheim, Mandel und Meckenbach

Drei weitere Findbücher von Beständen der Evangelischen Archivstelle Boppard wurden kürzlich retrokonvertiert und sind ab sofort online verfügbar:

Das einst umfangreiche Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Langenlonsheim wurde durch eine unsachgemäße Ordnung in den 1920er und 1930er Jahren sowie Kriegsverluste des Jahres 1945 erheblich dezimiert. Der Schwerpunkt des Bestandes liegt im 19. und 20. Jahrhundert. Lediglich zwei Amtsbücher – das Langenlonsheimer Almosengefälle von 1746 und ein „Kopiar hoher Regierung, Kirchenrätlichen und Ehegerichts-Befehlen“ mit einer Laufzeit von 1751-1786 – reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück. Als eigenständiger Teilbestand ist das Archiv des Kirner Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung in das Findbuch integriert. Es umfasst Satzungen, Sitzungs- und Jahresberichte, Korrespondenzen, Unterstützungsanträge, Mitgliederwerbung sowie Kassen- und Briefbücher mit Laufzeiten von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1940er Jahre.

Liegenschaftsatlas der Ev. Kirchengemeinde Langenlonsheim (1857); aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 069B, Nr. 16
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Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinden Idar und Kirschweiler

Frühneuzeitliche Zettelwirtschaft: Das 1605 begonnene Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 039B (Idar-Kirschweiler, Nr. 77a

Neu auf der Website des Archivs ist das jüngst retrokonvertierte Findbuch des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinden Idar und Kirschweiler. Der Flecken Idar gehörte in der Frühen Neuzeit teils den Grafen von Leiningen-Heidesheim, teils zur Reichsherrschaft Oberstein, die 1669 nach dem Aussterben der Grafen von Dhaun und Falkenstein ebenfalls an Leiningen-Heidesheim fiel. Kirchliche Aufsichtsbehörde war zunächst das Konsistorium in Heidesheim bei Worms. Nach dem Ende der Linie Leiningen-Heidesheim (1766) fiel Idar an die Hintere Grafschaft Sponheim, zunächst gemeinschaftlich an Pfalz-Zweibrücken und Baden, ab 1776 allein an Baden, womit das Konsistorium in Karlsruhe zuständig wurde. Das Filial Kirschweiler gehörte bis zur Französischen Revolution zur Wild- und Rheingrafschaft. 1815 kamen Idar und Kirschweiler zum oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, dessen Gebiet 1934 als Kirchenkreis Birkenfeld in die Rheinische Provinzialkirche eingegliedert wurde.

Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Idar mit dem Filial Kirschweiler wurde 1956 von Synodalarchivpfleger Pfarrer Melzer nach dem Registraturplan der Evangelischen Kirche im Rheinland geordnet. 1961 und 1964 erfolgten Ergänzungen durch weitere Altakten, Rechnungen und Amtsbücher, die teilweise gesondert abgelegt wurden. Bereits damals war vorgesehen, das Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch von 1605 in den Bestand aufzunehmen; dies geschah jedoch erst 2001, als die Kirchengemeinde Kirschweiler das Rechnungsbuch zusammen mit weiteren Unterlagen als Depositum an die Evangelische Archivstelle Boppard übergab. Gleichzeitig wurden die Bestände von Idar und Kirschweiler vollständig nach Boppard überführt und die drei älteren Repertorien mit den neu hinzugekommenen Unterlagen als getrennte Blöcke in einem Gesamtfindbuch zusammengeführt. Im Zuge der Retrokonvertierung 2025 erfolgte die Integration in eine durchgehende Registraturplansystematik.

Der Bestand umfasst überwiegend Akten des 19. und 20. Jahrhunderts, ergänzt um frühneuzeitliche Dokumente zu Pfarrbesetzungen und Rechnungsangelegenheiten. Besonders hervorzuheben sind das erwähnte Kirschweiler Kapellen-Rechnungsbuch von 1605 sowie die Idarer Kriegschronik aus dem Ersten Weltkrieg.

Vom kirchlichen zum weltlichen Gemeindehaus: Das ehemalige „Fritz-Henkel-Jugendheim“ in Rengsdorf

Die Westerwaldgemeinde Rengsdorf war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ziel für Sommerfrischler. Dank ihres gesunden Klimas und der reizvollen Umgebung entwickelte sie sich rasch zu einem anerkannten Luftkurort. Einer der prominentesten Gäste war der Düsseldorfer Unternehmer Fritz Henkel, der Rengsdorf schließlich gar als Altersruhesitz auserkor. 1912 ließ er sich eine repräsentative Villa mit weitläufigem Park errichten. Aufgrund seiner gütigen und natürlichen Art wurde er von den Einheimischen bald liebevoll „Unser alter Herr“ genannt und galt als freigiebiger Gönner und Wohltäter der Gemeinde.

Festzug anlässlich der Einweihung des Jugendheims am 7. Dezember 1928; aus Bestand: AEKR Boppard 4KB 146 B (Rengsdorf), Nr. 198

Zu den bedeutendsten Stiftungen Henkels zählte das idyllisch gelegene Licht-, Luft- und Schwimmbad im Völkerwiesenbachtal, dessen Bau er maßgeblich finanzierte. Im Jahr 1928 folgte als weitere großzügige Zuwendung die Errichtung eines Jugendheims, das ursprünglich der politischen Gemeinde Rengsdorf zugedacht war. Diese jedoch lehnte das Angebot ab, da sie sich vor eventuell anfallenden hohen Folgekosten scheute. Die Evangelische Kirchengemeinde hingegen nahm das Geschenk dankend an. Für rund 130.000 Mark entstand ein umfassend und modern ausgestattetes Gebäude mit Mobiliar, Gartenanlage, Kinderspielplatz und Turngeräten.

Am 7. Dezember 1928 konnte das „Fritz Henkel-Jugendheim“ feierlich eingeweiht werden. Unter den Gästen fanden sich neben dem Stifter selbst auch Fürst Friedrich zu Wied sowie führende Vertreter der rheinischen evangelischen Kirche, darunter Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff und der Präses der Rheinischen Provinzialsynode Walther Wolff. Ortspfarrer Superintendent August Knappmann hatte ein eindrucksvolles Festprogramm zusammengestellt. Bereits am Vorabend wurde das Ereignis durch Glockenläuten und Choralblasen vom Kirchturm angekündigt. Am 7. Dezember folgte ein Festgottesdienst mit Predigt des Generalsuperintendenten.

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Neue Online-Findbücher: Kirchengemeinden Heddesheim, Hennweiler-Oberhausen und Herren-Sulzbach

In den letzten Wochen wurden drei weitere Findbücher von Beständen der Evangelischen Archivstelle Boppard retrokonvertiert und sind auf der Website des Archivs und im Portal „Archive in Nordrhein-Westfalen“ verfügbar:

Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Heddesheim umfasst einen Zeitraum von 1652-1973. Der Bestand enthält u.a. frühe Schriftwechsel mit dem reformierten Kirchenrat, Visitationsberichte und Protokolle kirchlicher Gremien. Auch das Verhältnis zu Staat und Kommunen sowie konfessionelle Auseinandersetzungen sind dokumentiert. Interessant ist in diesem Bereich ein Konvolut zum Kirchenkampf der Jahre 1937 und 1938, als DC-Pfarrer Carl Wippermann ohne Zustimmung der Landeskirche einen aus Thüringen stammenden Pfarrverweser auf die vakante Pfarrstelle in Heddesheim berufen wollte. Relativ umfangreich ist die Überlieferung zum Unterrichtswesen. Sie umfasst den Konfirmandenunterricht, Schulaufsicht durch den Pfarrer, Lehrerberufungen und Disziplinarmaßnahmen sowie Schulgebäude und Ausstattung. Das Rechnungswesen enthält Haushaltspläne und Jahresrechnungen der Kirchenkasse und der Elisabeth-Stiftung, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Ergänzt wird der Bestand durch Archiv-Fragmente ab 1950, u. a. zur Nachkriegszeit, zu Bauprojekten sowie zur Gemeindearbeit.

Ausschnitt aus einer Rechnung über Einnahmen und Ausgaben der Sulzbacher
Kirchen- und Almosen-Gefälle vom 11. Nivose 8 bis 11. Nivose 9 [1800-1801] durch Pfarrer Friedrich Wilhelm Spener; aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 038B (Herren-Sulzbach), IX

Das Findbuch des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinde Hennweiler-Oberhausen umfasst Fragmente mit einer Laufzeit von 1835-1951, die aus dem Archiv des Kirchenkreises Sobernheim übernommenen wurden. Den Schwerpunkt des kleinen Bestandes bilden die Amtsbücher. Für Hennweiler sind Protokollbücher aus der Zeit von 1835 bis 1932 erhalten, die auch Lagerbucheinträge aus den Jahren 1877 bis 1897 umfassen. Für Oberhausen existieren entsprechende Aufzeichnungen aus den Jahren 1881 bis 1885 sowie 1906 bis 1932. Überliefert sind außerdem Lagerbücher für beide Gemeinden aus dem Jahr 1902. Die Finanzjournale bestehen aus Kassenbüchern von Hennweiler aus der Zeit von 1870 bis 1899, Einnahmen- und Ausgabenverzeichnisse beider Gemeinden bis in die 1930er Jahre sowie einem Rechnungsjournal der vereinigten Pfarrei Hennweiler-Oberhausen für die Jahre 1926 bis 1942.

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