Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren lagert ältere Kirchenbücher in die Archivstelle Boppard aus

Schon seit längerer Zeit trug sich die Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren (Kirchenkreis Wesel), deren Wurzeln bis in das Reformationsjahrhundert zurückreichen, mit dem Gedanken, die älteren Kirchenbücher der beiden Vorgängergemeinden Bislich (Kirchenbuchüberlieferung ab 1711) und Diersfordt (Kirchenbuchüberlieferung ab 1649) in die Archivstelle Boppard auszulagern. Jetzt machten Pfarrer Winfried Junge und Archivbetreuer Siegfried Meding Nägel mit Köpfen und überbrachten 21 Kirchenbücher und ältere Presbyteriumsprotokollbücher vom Nieder- an den Mittelrhein.

Das Diersfordter Kirchenbuch 1818-1926 (KB 433/3)

Die Archivstelle Boppard verfügt zwar seit 20 Jahren über Mikrofiches der Kirchenbücher dieser Gemeinde, doch die Originale waren bisher noch in der Gemeinde verblieben, die Wert darauf legte, einen unmittelbaren Zugriff auf die Informationen aus den Kirchenbüchern zu haben. Der technische Fortschritt machte es jetzt möglich, dass dieser Zugriff nicht mehr anhand der empfindlichen Originale erfolgen muss. Der niederrheinische Heimat- und Familienforscher Hermann Kleinholz hat die Originale der Bislicher und Diersfordter Kirchenbücher vor einiger Zeit digitalisiert und diese Digitalisate nicht nur dem Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, sondern auch der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Presbyteriumsprotokoll Bislich 1924-1952
Das Presbyterialprotokollbuch der Gemeinde Bislich 1924-1952 (Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren, Reg.-Nr. A 1,4 – B)

Damit waren die Voraussetzungen gegeben, dass die wertvollen Originalbücher endlich in das klimakontrollierte und alarmgesicherte Bopparder Magazin überstellt werden konnten. Die Aktion ist ein schönes Beispiel dafür, wie dank der Digitalisierungstechnik den Interessen der Bestandserhaltung wie auch den internen und externen Nutzerinteressen gleichermaßen Rechnung getragen werden kann.

Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliche Archivarbeit

Prof. Dr. Joachim Conrad und Kultusminister Ulrich Commerçon bei der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliche Archivarbeit, Foto: Irmhild Ries

Prof. Dr. Joachim Conrad, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Kölln bei Püttlingen, ist vom saarländischen Kultusminister Ulrich Commerçon mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Er erhielt die Auszeichnung auch für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement, mit dem er sich „der Sicherung und der Aufbereitung des schriftlichen Erbes saarländischer Kirchengemeinden widmet“, wie es in der Laudatio heißt. Insgesamt hat Conrad 25 Bestände mit einer fünfstelligen Zahl an Verzeichnungseinheiten erschlossen, darunter auch für das saarländische Landesarchiv und verschiedene Stadtarchive.

Conrad ist -wohl verstanden neben seinem vollen Pfarramt!- Synodalarchivpfleger des Kirchenkreises Saar-West und Leiter des neu gegründeten Evangelischen Zentralarchivs an der Saar (EZAS) in Walpershofen. Dort werden seit dem Frühjahr 2019 die Archivbestände der saarländischen Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Werke und Verbände unter professionellen Bedingungen verwahrt.

Archiv der EKiR beteiligt sich am Projekt Time Machine

Das Big-Data-Projekt Time Machine will nichts weniger als ein „Google der Vergangenheit“ schaffen. Mittels KI sollen riesige Mengen digitalisierter historischer Quellen, aber auch etwa 3D-Aufnahmen von Bauwerken so verlinkt werden, dass virtuelle Spaziergänge durch die europäische Geschichte möglich sind. Eine fünfteilige Dokumentation auf ARTE zeigt anschaulich einige Anwendungsbeispiele.

Dies klingt -zumal für nüchterne Archivare- erst einmal arg visionär. Es birgt aber erhebliches Potential, zumal viele renommierte Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Immerhin hatte es das Projekt in die Finalrunde des EU-Flaggschiff-Programms geschafft. Nach dessen Abschaffung wird sich 2020 entscheiden, ob und in welchem Volumen Time Machine künftig gefördert wird.

Unser Archiv ist schon seit einigen Jahren Mitglied des Netzwerkes Icarus. In dessen Portal Matricula werden auch rheinische Militärkirchenbücher unserer Archivstelle Boppard eingestellt. Icarus ist bei Time Machine engagiert. Wir haben uns aufgrund der guten Erfahrungen daher entschieden, auch hier reguläres Mitglied zu werden. Dies ist zur Zeit mehr als bescheidene Geste der Unterstützung zu verstehen, kann aber je nach Projektfortschritt auch praktische Bedeutung gewinnen.

Am 10./11. Oktober 2019 findet in Dresden die erste Time Machine Conference statt.

Kirchliche Registraturberatung im Wandel der Zeiten

Seit 2004 genießen wir in der Ev. Kirche im Rheinland den erfreulichen Zustand, dass der IT-kompatible Einheitsaktenplan für alle Ebenen der Verwaltung (Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche) Anwendung findet. Freilich bedarf er steten Trainings, wozu das Archiv der EKiR regelmäßig Schriftgutlehrgänge anbietet. Dort wird die korrekte Ablage nach Aktenzeichen eingeübt, die durch die Einführung von DMS-Systemen fast noch wichtiger als im herkömmlichen Papierzeitalter geworden ist.

Taschenbuch: Scribemecum pastorale, von Karlheinrich Dumrath, 1963

Der Bedarf an praktischen Beratungshilfen für die Kirchengemeinden war ein Thema für alle Landeskirchen. Ein früher Vertreter dieses Genres bildete das Büchlein „Scribemecum Pastorale“, das Karlheinrich Dumrath 1961 beim Evangelischen Presseverband in München publizierte. Die launig formulierten Texte und zahlreichen Zeichnungen nahmen die Missstände in der kirchlichen Schriftgutverwaltung nicht nur ins Visier, sondern boten auch konkrete Tipps zur Abhilfe. Weiterlesen

Spurensuche: Wer war „unser lieber Sohn Johannes“? Zur Familie des Pfarrers und Buchdruckers Friedrich Zillessen

Johannes Zillessen, Buchdrucker, Quelle – Archivbibliothek: alte geschichtlich wertvolle Reden u. Programme 2019.145a

In unsere Archivbibliothek gelangte ein Sammelband mit der Rückenaufschrift „alte geschichtlich wertvolle Reden u. Programme“. Enthalten sind etwa 25 Broschüren aus der Zeit um 1870 bis 1910 mit kurzen theologischen Abhandlungen, Jahresberichten und Predigten. Darunter befindet sich eine auf gutem weißen Papier gedruckte Schrift mit dem Titel „Aus den letzten Tagen unseres lieben Sohnes Johannes“ und dem Foto eines im Stil der Zeit schick gekleideten jungen Mannes (Signatur 2019.145 a). Es fehlen jegliche Angaben zu Verfasser, Herausgeber oder Drucker und Jahr.

Es lässt sich also in diesem Fall nicht vermeiden, sich den Inhalt näher anzuschauen. Gleich im ersten Absatz heißt es, dass der Sohn des Verfassers verstorben ist. Es sei ja bekannt, dass der Sohn vor etwa 9 Jahren in den Alpen von einem Schneesturm überrascht wurde und sich ein schweres Rückenmarksleiden zugezogen habe. Den Plan, Theologie zu studieren, hatte er aufgegeben, um dem alternden Vater „die Last der von ihm begründeten Geschäfte abzunehmen.“ Nach einer Ausbildung in der Bielefelder Druckerei der Fa. Bertelsmann habe er bei Callwey in München eine gute Stelle erhalten. Von München aus unternahm er die verhängnisvolle Reise. Seit neun Jahren habe er nun den Vater in der Leitung seiner Geschäfte sehr unterstützt, trotz seines „geschwächten Gesundheitszustands.“ Es folgen Schilderungen von Hoffnungen auf Heilung des Leidens und schließlich die Möglichkeit, sich bei „Prof. Dr. Förster in Breslau vermittelst chirurgischen Eingriffs ins Rückenmark“ einer allerdings „lebensgefährlichen Operation“ zu unterziehen. Weiterlesen