Neues Findbuch online: Evangelische Akademie Mülheim an der Ruhr Bestand II

Das Teilfindbuch des Bestandes 2LR 010II Evangelische Akademie Mülheim an der Ruhr ist nun auf unserer Homepage als PDF-Datei abrufbar. Die Mülheimer Akademie diente als Konferenzzentrum und Tagungshaus und daher umfasst das Findbuch vornehmlich das Tagungsgeschehen der Akademie, sowie Veranstaltungen, Schriften und Publikationen. Darüber hinaus beinhaltet es auch einige Fotografien des Hauses (zahlreiche Außen- und Innenansichten), sowie einzelner Veranstaltungen vor Ort. Aber auch die kreativ gestalteten Gästebücher innerhalb des Bestandes sind nicht uninteressant. Lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag aus Oktober 2022.

Evangelische Akademie Mülheim/Ruhr Hans Lachmann, Schachtel Nr. 141: Arbeitslose

MRA und Sing-Out

Drei Flyer zu Sing-out Deutschland; Quelle: 8SL081 Moralische Wiederaufrüstung, Nr. 13

Auf der Webseite des Archivs ist das Findbuch zur Sammlung 8SL081 Moralische Wiederaufrüstung nun online abrufbar. Die Moralische Wiederaufrüstung (Moral Re-Armament, MRA) ist eine in den 1930er Jahren formierte Bewegung. Der amerikanische Pastor Frank Buchman gilt als Begründer der Nichtregierungsorganisation, die ihren Sitz seit 1946 im schweizerischen Caux hat. Die internationale Bewegung nimmt während des Kalten Krieges eine antikommunistische Haltung ein und setzt sich zum Ziel, die „Welt aus den moralischen und sittlichen Kräften heraus“ zu erneuern (Caux. Bericht über die Weltkonferenz für Moralische Aufrüstung in Caux ob Montreux, Wuppertal 1948, S. 6).

1949 formiert sich in Bonn der eingetragene Verein „Gemeinschaft der Freunde der Moralischen Aufrüstung“. MRA veröffentlicht in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Theaterschauspiele und Filme, die in Deutschland und international aufgeführt werden. 1965 entsteht auf Mackinac Island, einem Tagungsort der MRA, die musikalische Jugendbewegung „Sing-Out“. Im darauffolgenden Jahr geht das amerikanische Sing-Out´66 auf Deutschlandtournee.

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Märtyrersuppe mit Dunkelmännerklöschen und 12-Apostel-Wein

In Sammlungsbeständen kann man bekanntlich – und oftmals unverhofft – auf Vielerlei stoßen. Der redliche Versuch ein Thema besonders gewissenhaft zu dokumentierten kann sich auch durchaus zu einer regelrechten „Sammlungswut“ steigern. Alles thematisch zusammenhängende wird konsequent aufbewahrt (gerne auch in doppelter, dreifacher oder x-facher Ausführung). Woher dabei eine Archivalie stammt oder wie genau sie nun ihren Weg in eine Sammlung fand, bleibt manchmal leider unbeantwortet. Nebulös verbleibt so z.B. der Pfad der Stilblüten aus dem Reichsberufswettkampf von 1937 in die Kirchenkampfsammlung V.

Ähnliches gilt auch für die maschinelle Abschrift eines Briefes vom Mainzer Bischof Albert Stohr (1890-1961) vom 26. Oktober 1935 an den Reichsstatthalter im Gau Hessen-Nassau Jakob Sprenger (1884-1945). Dokumentationsmaterialien zu katholischen Geistlichen fallen ja eigentlich in den Zuständigkeitsbereich katholischer Archive. Fairerweise muss man sagen, dass der Inhalt des Schreibens doch nachvollziehen lässt, warum es evtl. aufbewahrt wurde.

Der Bischof von Mainz zeigt sich in seinem Schreiben entrüstest über staatliche Versuche, katholische Jugendliche in die Hitlerjugend zu zwingen. Ein Problem mit dem sich auch evangelische Landeskirchen konfrontiert sahen. Der Zusammenschluss ev. Jugendverbände zum Ev. Jugendwerk Deutschlands mit ca. 700.000 Mitgliedern schützte diese nicht davor, von Reichsbischof Ludwig Müller höchstpersönlich in einem Abkommen vom 19. Dezember 1933 trotz Einsprüchen und Protesten an die Hitlerjugend ausgehändigt zu werden. Nur durch die Aufhebung von Mitgliedschaften der Jugendlichen von ihren jeweiligen Vereinen und Verbänden fand man doch noch eine Möglichkeit, sich der HJ zu entziehen.

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Ein Weihnachtsgedicht von 1875

Ein besinnliches Weihnachtsgedicht von Pfarrer Martin Hugo Lange (1818-1895) aus dem Nachlassbestand der Pfarrerfamilie Lange aus Halberstadt. Der Bestand verfügt über eine umfangreiche Gedichtsammlung.

Martin Hugo Lange war 1853-1893 Domprediger in Halberstadt und hat Gedichte unter dem Pseudonym „Martin“ veröffentlicht. Sein Sohn Siegfried Lange war ebenfalls Domprediger in Halberstadt (1853-1945). Über dessen Sohn Joachim Lange (1895-1975) gelangte das Familienarchiv der Theologenfamilie ins Rheinland.

Quelle: Grapheion, J.: Martin Hugo Lange weiland Domprediger zu Halberstadt. Ein Lebensbild, Halberstadt 1909.
Quelle: AEKR 7NL057 Pfarrerfamilie Lange (Nr. 133)

Die Herberg zur Weihnacht   24.12.1875

Es legt die Stadt auf Thal und Höf
Ihr breites schwarzes Flügelpar,
der Weg vergeht im tiefen Schnee,
dem Wanderer starren Bart und Haar.

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Ausgerechnet Goethe? Ein Konfirmationsschein mit überraschendem Bildmotiv

Konfirmationsscheine sind die Nachfolger der frühneuzeitlichen Kirchenzeugnisse. Rein rechtlich bescheinigen sie den Vollzug der Konfirmation, vor allem dienten sie aber auch als Erinnerungsgabe. Seit ca. 1860 reicherten spezialisierte Kunstverlage sie zunehmend im Mehrfarbdruck mit einem Bildmotiv an. Eingerahmt konnten sie so als Wandschmuck dienen.

Sie bilden im Wortsinn das jeweilige Zeitkolorit ab und stellen somit eine aussagekräftige Quellengattung dar. Oft begegnen markige Lutherdarstellungen, gern auch in schwarz-weiß-roter und damit deutschnationaler Farbakzentuierung. Einen ausgezeichneten quellenkundlichen Überblick über die Konfirmationsscheine und ihre Interpretationsmöglichkeiten bietet der Karlsruher Kollege Heinrich Löber auf LEO-BW. Auch das Archiv der EKiR verfügt über eine entsprechende Sammlung.

Konfirmationsschein 1931 mit Portrait von Johann Wolfgang von Goethe. Aus Bestand: AEKR 8SL044(Tauf- und Konfirmationsscheine)

Ein Neuzugang aus dem Jahr 1931 zeigt nun ein eher untypisches Motiv: Ernst blickt der deutsche „Dichterfürst“ Johann Wolfgang von Goethe auf den armen Konfirmanden oder die bemitleidenswerte Konfirmandin herab. Es handelt sich um ein Werk des bekannten Malers Karl Bauer, der uns bereits bei einem Portrait Martin Luthers begegnet ist.

Man kann nur vermuten, dass die Motivauswahl des Verlages im Marketing-Hype des anstehenden Goethejahres 1932 (100. Todestag) erfolgte. Inhaltlich passt hier gar nichts zusammen: Goethe stand bekanntlich dem Christentum zumindest in seiner institutionalisierten Ausprägung zeit seines Lebens recht fremd gegenüber. Er ist selbst zwar noch 1763 in der Frankfurter Katharinenkirche konfirmiert worden, aber der Blick auf diese Produktion hätte ihn sicherlich bass erstaunt.

Düsseldorf zur Weihnachtszeit – Bilderstrecke

AEKR 8SL046 (Bildarchiv), Schachtel 1781

In den kommenden Wochen bis zum 24. Dezember finden sie hier wöchentlich Einträge mit Bezug rund um das Weihnachtsfest. Dazu starten wir passend zum 1. Dezember mit einer kleinen Fotoserie mit Bildern rund um die Düsseldorfer Innenstadt. Vielleicht erkennen sie die einzelnen Plätze ja wieder?
Vor allem der Bahnhofsvorplatz sieht heute ähnlich aus wie damals.

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„Ehesachen in Erkrath“ – Quellen des Provinzialkirchenarchivs online – Teil 2

1 OB 020 Nr. 782 -Ehesachen in Erkrath
1 OB 020 Nr. 782 -Ehesachen in Erkrath

Bei Ausuebung meines Amtes an hießiger Gemeinde, vor beiläufig anderthalb Jahren, fand ich unter andrem ein Paar vor, das in ehebrecherischer Verbindung lebte. Maria Christine Dörner, verehelichte Schmalt, 36 Jahre alt, lebte von ihrem Ehemann getrennt, und in unerlaubter Verbindung mit Wilhelm Vogelsang in der Gemeinde Mettmann, gleichfalls 36jährigen Alters. Auf dem Wege liebreicher und ernster Ermahnung sorgte ich sie zur freiwilligen Trennung zu bewegen, und eindringliches Zureden vermochte sie nach einiger Zeit zu diesem Entschlusse, so daß die Frau Schmalt auf Mai 1825 in Hilden eine Wohnung miethete, der Vogelsang aber hier zurückbleiben wollte“ (s.o. 1 OB 020 Nr. 782, S. 1).

Mit diesen Zeilen beginnt der kummervolle Bericht des Pfarrers Karl Keller (1798-1872) an die Königliche hochlöbliche Regierung zu Düsseldorf vom 8 Juni 1826. Keller trat 1825 seine erste Pfarrstelle in Erkrath an und sah sich zugleich mit einem frivolen Problem konfrontiert, dem Ehebruch. Zweifellos hatte sich der Pfarrer der „Gefallenen“ anzunehmen. Um jegliche Art der Wiedervereinigung zu verhüten, mussten beide getrennt werden. Zunächst schien sein Bemühen erfolgreich. Doch der Umzug der Frau Schmalt nach Hilden scheiterte unglücklicherweise am Benrather Bürgermeister, sodass sie weiterhin in der Nähe verblieb. Zum Entsetzen des Pfarrers wohnte sie nach einem Jahr sogar im selben Haus wie Wolfgang Vogelsang.

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