Das Findbuch der Kirchengemeinde Merxheim-Weiler ist online

Porträt (Scherenschnitt) des Pfarrers Karl Chelius (1835-1838), aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 121B Merxheim-Weiler Nr. 9

Neu auf der Website des Archivs ist das Findbuch der Kirchengemeinde 4KG 121B Merxheim-Weiler. In Merxheim hielt das Luthertum zwischen 1541 und 1554 Einzug. 1866 kam der Ort mit dem Oberamt Meisenheim an Preußen, am Reformationsfest 1870 trat die Gemeinde der Union bei. Im selben Jahr fielen Pfarrhaus und Kirche einem Großbrand zum Opfer und wurden bis 1874 wieder aufgebaut. Weiler wurde 1540-50 durch die Reformation von der bisherigen Muttergemeinde Simmern unter Dhaun gelöst und eigene Pfarrei. Die evangelische Kirche wird als Tochterkirche von Simmern bereits 1349 erstmals erwähnt. 1716 wurde Seesbach nach Weiler überwiesen. Die um 1000 dort erbaute Semendiskapelle diente von 1716 bis 1889 als Simultaneum, 1911 konnte die neue evangelische Kirche eingeweiht werden. Die Evangelische Kirchengemeinde Merxheim-Weiler wurde am 1.7.1973 errichtet, am 1.7.1979 nach dem erneuten Anschluss des zwischenzeitlich mit Monzingen vereinigten Seesbach in Merxheim umbenannt und am 1.1.2016 schließlich mit Meddersheim und Monzingen zur Gemeinde Mittlere Nahe zusammengeschlossen. Das Schriftgut umfasst einen Zeitraum von 1484 bis 2016 und beeindruckt u.a. durch seinen Altbestand, der in Einzelstücken noch in vorreformatorische Zeit zurückreicht (verschiedene Dokumente zur Orts- und Regionalgeschichte ab 1484, Einkünfte und Kapitalien vor 1532, Pfarrkompetenz ab 1598, Schulwesen ab 1660, Simultaneum in Weiler und Seesbach ab 1698).

150 Jahre Reichsgründung oder „…siehe was der Herr an uns gethan…“

Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) – AEKR 8SL 046, D. Julius Disselhoff, Kaiserbüchlein oder Kaiser Wilhelms Lehr- und Meisterjahre, 4. Aufl., Kaiserswerth ca. 1890.

Heute vor genau 150 Jahren wurde 1871 im Spiegelsaal von Versailles – dem Herzen Frankreichs – das Deutsche Kaiserreich ausgerufen. Der preußische König Wilhelm I. wurde zum deutschen Kaiser proklamiert und die Deutsche Einheit begründet.
Der 18. Januar avancierte damit zu einem geschichtsträchtigen Datum, welches besonders in der Historiographie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts positiv konnotiert war. Damalige Historiker sahen „den 1871 gegründeten, von Preußen dominierten Nationalstaat als den natürlichen, unvermeidlichen und bestmöglichen Endpunkt der historischen Entwicklung Deutschlands seit der Reformation“ (Clark, Christopher: Preußen, 20083, S.10). Ähnlich dachte und fühlte wohl die deutsche Bevölkerung. Ganz euphorisch von raschen Feldsiegen und Staatswerdung störte es sie nicht, dass die Geburt des Nationalstaates „von oben“ inszeniert wurde oder dass in Versailles gewählte Volksvertreter fehlten.

Einblicke in die Stimmungslage im Rheinland, namentlich seitens kirchlicher Vertreter, gewähren die Protokolle der Kreissynoden des Jahres 1871, die im Rahmen der Dankgottesdienste am 18. Juni 1871 gehaltenen Predigten oder Feldpredigten aus dem deutsch-französischen Feldzug.

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Der große Unbekannte: Der Archivbestand „Provinzialkirchenarchiv“ enthält zahlreiche Quellen zur lokalen Kirchengeschichte

Unser Archivbestand 1OB 020 (Provinzialkirchenarchiv) bildete 1853 den Grundstock unseres damals gegründeten Archivs. Über seine Geschichte können Sie hier näheres erfahren. Auf der Webseite des Archivs finden Sie weitere Informationen zu diesem Bestand und die bisherige Ausgabe des Findbuches als Datei. Dieses Findbuch lag bisher nur als Textdatei vor. Jetzt wurde der Datenbestand in unsere Archivsoftware retrokonvertiert. Diese wiederum dient als Basis, um diesen wichtigen Bestand auch in die Metadatenbanken Archivportal-NRW, -D[eutschland] und -Europa einbinden zu können.

Bei der Retrokonversion fiel mir wieder auf, dass dieser Bestand auch viele Quellen zur lokalen Kirchengeschichte bereithält. Das sind nicht nur die Protokolle der Synoden der verschiedenen Bereiche v. a. der reformierten Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts, über die wir in einem früheren Beitrag berichtet hatten. Es handelt sich auch um zahlreiche Einzelakten zur örtlichen Kirchengeschichte. Einen Überblick der Ortsnamen bietet die Beschreibung des Bestandes auf unserer Webseite.

Acta betreffend der Reformierten Gemeinde zu Frechen aus Bestand: 1OB 020 (Provinzialkirchenarchiv), 109
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12 neue Findbücher online!

Auf der Website des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland kann von nun an in 12 weiteren Findbüchern recherchiert werden.

Unter ‚Landeskirchliche Ämter und Einrichtungen‘ sind folgende Bestände zu finden:

2LR 002 Pfarrerdienst beim Evangelischen Konsistorium der Rheinprovinz, Konsistorialrat Helmut Rößler,
2LR 013M Evangelische Landvolkshochschule Altenkirchen,
2LR 036B Evangelische Studentengemeinde Bonn,
2LR 037B Evangelische Studentengemeinde Köln,
2LR 045 Kirchliche Hochschule Wuppertal (KiHo).

Zur Bestandsgruppe ‚Selbständige Werke und Einrichtung“ kamen hinzu:

5WV 005 Bergische Bibelgesellschaft,
5WV 014M Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Im Bereich der ‚Handakten‘ sind nun auch die des ehemaligen Präses Peter Beier einsehbar:

6HA 030 Präses D. Dr. phil. h.c. Peter Beier.

Eine Erweiterung erfuhr auch die Bestandsgruppe der ‚Nachlässe‘:

7NL 038 Pfarrer Wolfgang Scherffig,
7NL 094 Pfarrer Dr. Hermann Korth,
7NL 098 Superintendent Hermann Becker.

Innerhalb der ‚Sammlungen‘ ist die der Handschriften recherchierbar.

8SL 048 Handschriften.

„Finsternis bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker“: Aus den Adventspredigten von Heinrich Held vor 80 Jahren

Heinrich Held, Pfarrer in Essen – Rüttenscheid. Hier mit Hilfsprediger Werner Reitz (l) und Vikar Wolfgang Disselhoff (r) im Pfarrgarten, Essen, Reginenstraße 47, 1940. Aus Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL046 (Bildarchiv), 80017_053

Heinrich Held (1897-1957), Pfarrer in Essen-Rüttenscheid und 1948 zum ersten Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt, durfte nach dem Redeverbot, das die Gestapo 1938 gegen ihn verhängt hatte, nur noch in seiner Heimatgemeinde predigen. In der Online-Ausstellung „Evangelischer Widerstand“ und auf unserer Flickr-Präsenz finden Sie zahlreiche Bilddokumente zu seiner Biografie.

Seine im Nachlass überlieferte Adventspredigten aus dem Dezember 1940 enthalten zahlreiche verdeckte Spitzen gegen das NS-Regime. Helds persönlicher Mut ist umso höher zu bewerten, als Hitler damals, ein halbes Jahr nach dem Sieg im Westfeldzug, auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand.

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So setzte Held am Ersten Advent unter dem Titelzitat aus Jesaja 60, 2 fort: „ Es wird Menschen geben, die das mit Entrüstung ablehnen, dass Dunkel über den Völkern liegt. Sie werden sagen: Die großen Tage unseres Volkes, die steigen nun mächtig herauf; und die deutsche Sonne, die wird einst über der Welt leuchten. Wir sind keine politischen Propheten, und wir wissen nicht, ob das wahr ist. Aber selbst wenn das so wäre, dann würde der Prophet doch recht behalten… Die Finsternis, die kommt nämlich daher, dass niemand die Bosheit und die Sünde austreiben kann. Mit Kanonen und mit dem Schwerte kann man nicht gegen die Sünde kämpfen.“

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Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Adenau

Betsaal am alten Pfarrhaus, 1888, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 107B Adenau Nr. 57

Das um 1850 beginnende Archivgut der Kirchengemeinde Adenau spiegelt die extreme Diasporasituation einer Gemeinde wider, die sich zunächst nur aus wenigen in die rein katholische Hocheifel gekommenen Beamten und ihren Familien zusammensetzte. Sie wurden zuerst von Mayen, dann von Ahrweiler aus kirchlich betreut. Das Schriftgut dokumentiert nahezu lückenlos einen Zeitraum von 1847 bis 2013. Die Kirchengemeinde Adenau wurde am 1. April 1894 als Filialgemeinde von Neuenahr-Ahrweiler errichtet und am 21. Dezember 1906 zur eigenständigen Gemeinde erhoben. Zum 1. Januar 1977 wechselten nordrhein-westfälische Gemeindeteile zur Kirchengemeinde Flamersheim (KK Bad Godesberg). Das Findbuch der Kirchengemeinde 4KG 107B Adenau ist jetzt online auf der Website des Archivs verfügbar.

Einen Mokka, bitte…

Bei der Akte „1OB 017 I Nr. 2686 Beratungen und Gutachten des Landessynodalausschusses für sozialethische Fragen Bd. 1″ handelt es sich um den Schriftverkehr des Landeskirchenamtes mit dem Sozialethischen Ausschuß der Landeskirche. Also überwiegend mit dessen langjährigem Vorsitzenden, dem Velberter Fabrikanten Friedrich Karrenberg. Es geht nur wenig um inhaltliche Fragen, hauptsächlich um Formalia: Einladungen zu Sitzungen, Berufungen in den Ausschuß usw. Und natürlich um Tagungsabrechnungen.

Beratungen und Gutachten des Landessynodalausschusses f. sozialethische Fragen. Auslagen aus Bestand AEKR_1OB 017 (Landeskirchenamt – Sachakten), I, 2686

Am 30. Juni 1955 schrieb OKR Dr. Hans Ulrich der Pfarrvikarin bei der Kaiserswerther Diakonie Johanna Sommer den nebenstehend abgebildeten Brief. Das Rechnungsprüfungsamt hatte bemängelt, daß Frau Sommer 2,50 DM für einen Mokka erstattet bekommen wollte, den sie anläßlich ihrer Teilnahme am Bundesfrauentreffen des DGB getrunken hatte. Und Dr. Ulrich fügt die Ermahnung an, solches künftig zu unterlassen.

Nun waren die frühen rheinischen Vikarinnen ja eine besondere Gruppe, einerseits von der Landeskirche kleingehalten, sie durften längst nicht alles was Männer mit gleicher Ausbildung durften, andererseits hatten sie doch in wenigen Jahren einiges durchsetzen können. Sie ließen sich nun nicht mehr alles gefallen. Also wandte sich Frau Sommer an den Mann, in dessen Auftrag sie in Dortmund gewesen war: Friedrich Karrenberg. Karrenberg lebte für den Sozialethischen Ausschuß, wenn man die Akten durchsieht, stellt sich die Frage, wann er eigentlich Zeit für seine Firma und seine Familie hatte. Langeweile hatte er bestimmt nicht. Und nun muß er sich um einen Mokka für 2,50 DM kümmern. Er weiß, daß Frau Sommer gute Arbeit leistet, also setzt er sich für sie ein.

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