Wenn ein Kollektenbeutelchen erzählen könnte…

Kollektenbeutelchen und -büchlein zur Sammlung für den Mörschieder Schulhausbau 1707 (AEKR Boppard, Bestand 4KG 025B, Hintersponheimisches Archiv, Bd. 21, Nr. 5)

Bauen war schon immer eine teure Angelegenheit – und für kleine Kirchengemeinden auf dem Land galt das ganz besonders. Als im Jahr 1707 die Gemeinde Mörschied im Hunsrück ein eigenes Schulhaus bauen wollte, um den Kindern den beschwerlichen Fußweg in den Pfarrort Herrstein zu ersparen, war es nur dem Organisationstalent des damals für die Hintere Grafschaft Sponheim zuständigen lutherischen Inspektors Johann Peter Klick in Trarbach zu verdanken, dass zahlreiche Nachbargemeinden etwas zu dem Projekt beisteuerten und schließlich eine erkleckliche Summe zusammenkam. Klicks rühriges Wirken ist im Aktenbestand des Hintersponheimischen Archivs anschaulich dokumentiert, und selbst der Kollektenbeutel, in dem er die eingesammelten Gelder aufbewahrte, ist erhalten.

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Bericht aus Bad Neuenahr: Bergung von Akten aus dem Gemeindearchiv.

Einige Tage nach dem schlimmsten Hochwasser im Ahrtal, wurden wir als Landeskirchliches Archiv von der Ev. Kirchengemeinde Bad Neuenahr um Unterstützung bei der Bergung ihres Archivguts gebeten. Schon bei der Anreise hatte ich den Eindruck durch ein „Kriegsgebiet“ zu fahren. An solche Bilder muss man sich erst mal gewöhnen. Ich wohne zwar an der Mosel und kenne Hochwasserlagen, aber das was ich sah, war einfach unvorstellbar.

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Womit beschäftigten sich die Damen des Deutschen Evangelischen Frauenbundes?

Im Herbst 2020 war der Deutsche Evangelische Frauenbund bereits Inhalt eines Blogbeitrags mit seinen Frauenkalendern und einem Blick in die Mitgliederlisten. Über die Arbeit der Ortgruppen wird im „Mitteilungsblatt des Rheinischen Verbandes des Deutsch-Evang. Frauenbundes“ berichtet, das seit 1933 erschien und in unserer Archivbibliothek unter der Signatur ZK 1109 vorhanden ist.

Die Ortsgruppe Boppard berichtet in der Ausgabe Nr. 2 vom Mai 1934 über das Vereinsjahr 1933/34. Eine Mitgliederversammlung wurde nicht abgehalten, es wurden jedoch drei „große Mütterabende“ durchgeführt. Themen waren Vorträge („Katharina von Bora und Luthers Familienleben“; „Die Lage in der evangelischen Kirche“, durch den Ortspfarrer Goebel; „Mathilde Wrede, der Engel der Gefangenen“), Aufführungen durch Kindergruppen (Lutherspiel; Adventsspiel).und Gesangsdarbietungen.

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Präses Dr. Latzel besichtigt in Bad Neuenahr das zerstörte Gemeindearchiv

Unser rheinischer Präses Dr. Thorsten Latzel besucht einige der von den Überflutungen am stärksten heimgesuchten Kirchengemeinden. Er macht sich ein Bild von den Schäden und sucht das Gespräch mit den betroffenen Menschen. In Bad Neuenahr-Ahrweiler zeigt ihm Elke Eumann, die Leiterin des Gemeindeamtes, das völlig zerstörte Archiv: https://news.ekir.de/meldungen/2021/07/kirchehilft-praeses-latzel-besucht-von-hochwasser-betroffene-sowie-helfende/

Das Archiv der 1878 gegründeten Kirchengemeinde war zuletzt 2012 mit einem knapp 200-seitigen Repertorium erschlossen worden. Ein vollständiger Überblick über die archivische Gesamtlage in den betroffenen Kirchenkreisen der EKiR liegt noch nicht vor. Aktuelle Infos und Kontaktadressen zu den notwendigen Bergungsmaßnahmen von Archivgut finden Sie hier.

Notfallmanagement zu Wasserschäden in Gemeindearchiven

die Unwetter der vergangenen Tage haben im Gebiet der EKiR natürlich auch im Archivbereich zu enormen Schäden geführt. Neben Stadtarchiven wie Stolberg und Leichlingen sind auch Archiv- und Registraturräume von Kirchengemeinden schwer getroffen worden. Schwerpunkte in NRW sind die Nordeifel, der Raum Aachen und der Raum Düsseldorf/Wuppertal/Bergisches Land. Im rheinland-pfälzischen Teil der Landeskirche sind es die Regierungsbezirke Trier und Koblenz.

Was ist vor Ort zu tun? Das Schriftgut muss nach der Bergung zur Schimmelvermeidung möglichst rasch tiefgefroren und so für eine spätere Gefriertrocknung vorbereitet werden. Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum in Brauweiler hat alle wichtigen Informationen zur Bergung und Erstbehandlung von durchnässtem Archivgut hier online zusammengestellt. Sehr anschaulich informiert das Video des LWL-Archivamtes in Münster.

Es hilft jetzt nichts, über die beliebte Platzierung selbst wertvoller historischer Bestände in Kellerräumen von Pfarr- oder Gemeindehäusern zu philosophieren. Es muss jetzt versucht werden, zu retten, was zu retten ist.

Integriertes Pestmanagement zwischen Theorie und Praxis

Abb. 1: Schädlingsbild

Unter integrierter Schädlingsbekämpfung bzw. Integrated Pest Management (IPM) werden die Maßnahmen zur Erfassung und Bekämpfung eines Schädlingsbefalls in einer Institution zusammengefasst. Als zentraler Aspekt der Bestandserhaltung hat sich die Schädlingsbekämpfung zunehmend zu einem eigenen Wissens- und Forschungsbereich entwickelt, dessen Ergebnisse und Empfehlungen in der „DIN EN 16790 Erhaltung des kulturellen Erbes – Integrierte Schädlingsbekämpfung zum Schutz des kulturellen Erbes“ eingegangen sind. Als Archiv verfolgen wir die Entwicklung mit großem Interesse und versuchen so gut wie möglich, die Empfehlungen umzusetzen. Wie so häufig stehen der Theorie praktische Begebenheiten entgegen, weswegen ein Austausch zwischen den einzelnen kulturschützenden Institutionen in diesem Fall nicht nur wünschenswert, sondern unbedingt notwendig erscheint. Denn für Archive, Museen und Bibliotheken geht es beim IPM vordergründig um Insektenbefall, da Mäuse oder Ratten in den Magazinen keine Nahrung finden. Und genau das ist das Problem: Insekten, die sich von Papier oder Bestandteilen von Schriftstücken wie Klebemittel oder Tinte ernähren. Wie üblich bei einem Insektenbefall liegt zunächst das Problem darin, den Befall zu erkennen. Anders als Mäuse, die deutliche Spuren etwa am Boden hinterlassen, kommt man den Insekten meist nur durch Sichtung der Exponate, in unserem Fall, der Archivalien, auf die Schliche.

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Das FFFZ im Rückblick – eine kleine Chronik

In meinem Beitrag vom 20. Mai berichtete ich bereits, dass unsere Kollegen vor einiger Zeit im ehemaligen FFFZ vor Ort gewesen sind, um noch dort befindliche Akten und Ordner einzusammeln und zu sichern, bevor das Gebäude abgerissen wird. Ein Blick in den Bestand brachte den interessanten Fund einer kleinen Chronik hervor, die sich dem Schaffen und Wirken des ersten Jahrzehnts des Film Funk Fernseh Zentrums, also der Jahre 1993 bis 2003, widmet.

Aufnahme des Eingangs des FFFZ-Gebäudes. Fotograf: Hans Lachmann Ort: Düsseldorf

Ende der 1980er Jahre zeichnete sich deutlich ab, dass das Medienzentrum den Räumlichkeiten des Hauses der Diakonie entwuchs. Wollte man mit den fortschreitenden Entwicklungen in der Medienwelt hinsichtlich Technik, Anforderungen und Möglichkeiten mithalten, so galt es aufzurüsten. Die Notwendigkeit eines Neubaus war gesetzt. Mit dieser Zukunftsperspektive keimte in der Kirchleitung der EKiR auch die Idee des Baus eines zusätzlichen Gästehauses „als Ort der Begegnung und des Dialogs“ bzw. eines „modernen Forums für die Begegnung von Welt und Evangelium“ auf. Nach langen Diskussionen und Ringen um den Standort, die Kosten, die Finanzierung, das Gästehaus und (so die Anekdote) um ein Schwimmbad, legte die Kirchenleitung der Landessynode 1990 schließlich die Vorlage für die Errichtung eines integrierten Medien-und Kommunikationszentrums vor.

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