Kirchenglocken für Kriegszwecke

Tatjana Klein hatte vor drei Jahren in unserem Blog über die Beschlagnahme von Kirchenglocken für Kriegszwecke berichtet . Zu diesem Thema hat vor kurzem das Archiv- und Fortbildungszentrum des Landschaftsverbandes Rheinland in seiner Online-Reihe „Zeitlupe“ als „Dokument des Monats Oktober 2019“ einen Beitrag von Katharina Schmude über die Rückgabe der Glocke aus Schloß Moyland bei Kleve veröffentlicht. Ausführlich wird hier allgemein der Ablauf v.a. der Rückgabe der nicht eingeschmolzenen Kirchenglocken aus dem Rheinland dargestellt.

Klassenfoto mit Massenmörder, oder: Die Problematik christlicher Schuldvergebung

Der vielfach ausgezeichnete Journalist Jürgen Gückel hat jetzt eine aufrührende Studie zu dem SS-Hauptsturmführer Artur Wilke veröffentlicht, seinem ersten Lehrer in der Nachkriegszeit. 1963 wurde dieser zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Hierzu hat Gückel auch im Archiv der EKiR geforscht. Wer aber war Artur Wilke und warum finden sich zahlreiche Briefe von ihm im Düsseldorfer Archiv?

Klassenfoto mit Massenmörder; Vandenhoeck & Ruprecht; ISBN: 978-3-525-31114-1

Diese Fragen führen zu einem Bestand, der seit seiner Erschließung 2005 bereits Gegenstand mehrerer wissenschaftlicher Publikationen wurde: Der Nachlass des Wuppertaler Theologen Prof. Hermann Schlingensiepen enthält umfängliche Korrespondenzen mit den in den großen NS-Prozessen der 1960er Jahre verurteilten Massenmördern der Einsatzgruppen und Konzentrationslager.

Weiterlesen

Heute vor 75 Jahren: Die Zerstörung des Provinzialkirchlichen Archivs in Bonn

Provinzialkirchenarchiv in Bonn, vorderer Archivraum, um 1935, Aufnahme: Kugler, AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 28_00005

Der Dies ater in der mittlerweile 166-jährigen Geschichte unseres Archivs ist der 18. Oktober 1944: An jenem Tag verloren bei dem schweren Luftangriff auf Bonn mehr als 300 Menschen ihr Leben. Auch das Archivgebäude in der Hofgartenstraße 7 wurde völlig zerstört. Wie war das Archiv aber überhaupt nach Bonn gekommen? Welche Überlieferungsverluste sind eingetreten? Und vor allem: Hätte sich das Archiv nicht besser vorbereiten müssen?

Weiterlesen

Otto Bartning und die Notkirchen

Der Architekt Otto Bartning (1883-1959) erarbeitete in der Nachkriegszeit ein Programm an standardisierten Notkirchen, um dem Mangel an Gottesdienststätten rasch abzuhelfen. Bis 1953 entstanden in Deutschland über 100 dieser Kirchen, von denen allein im Rheinland noch zwölf erhalten sind. Das Archiv der EKiR enthält zahlreiche Dokumente über das Wirken Bartnings, u. a. im Bestand Hilfswerk.

Am 6. Oktober 2019 eröffnet das LVR Freilichtmuseum Kommern eine Ausstellung über diesen bedeutenden Architekten. Herausragendes „Objekt“ ist die Versöhnungskirche aus Overath, die dort Anfang des Jahres abgebaut und in Kommern auf dem „Marktplatz Rheinland“, der das Leben in der Nachkriegszeit dokumentiert, vollständig wieder aufgebaut worden ist.

April Challenge #Archive30 – Tag 4: Memory

Erinnerung an Pfarrer Klaus Lohmann

Siehe dazu den Blogbeitrag vom 14. November 2018: 80 Jahre Novemberpogrome: Tagebucheintrag Pfarrer Klaus Lohmann. Hier finden sich auch weitere Infos zu seiner Person und Hinweise zu Beständen.

Tagebucheintrag von Pfarrer Klaus Lohmann, nach der Pogromnacht am 9./10 November 1938, Tagebuchnotiz unter dem Datum: Montag, 14.11.1938; aus Bestand: AEKR 7NL 091 (Nachlass Pfr. Klaus Lohmann)

Leerer Bauch studiert nicht gern: Die Ernährungslage an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal in der Nachkriegszeit

Studentenspeisung – Sommersemester 1951, aus Bestand: AEKR 2LR 045 (Kirchliche Hochschule Wuppertal), 4679

Die Sentenz in der Überschrift gilt ebenso wie ihre bekanntere Umkehrung („Plenus venter non studet libenter“). Als die vom NS-Regime 1937 verbotene Kirchliche Hochschule Wuppertal im Herbst 1945 ihren Lehrbetrieb wieder aufnahm, galt es vor allem auch, die Verpflegung für die 78 Studierenden -darunter zwei Frauen- und ihre Dozenten sicher zu stellen. Die umfänglichen Akten des Bestandes KiHo im Archiv der EKiR dokumentieren die kreativen Wege, die hierbei von den Verantwortlichen beschritten wurden. Weiter halfen dabei ein Netzwerk an Sponsoren und die in der Vereinsstruktur der KiHo begründete Spendenkultur.

So fragte im März 1949 ein Pastor aus der agrarisch strukturierten Grafschaft Bentheim bei der KiHo an, ob sich die Tochter des Schulrates, die gerade das Abitur bestanden hatte, für ein Theologiestudium bewerben könne. Unvermittelt folgt im Brief dann dieser Abschnitt: „Ob in den nächsten Wochen einer ihrer Studenten noch in die Grafschaft kommt? Ich werde die Schlachtspende aus unserer Gemeinde nicht allein nach dort bringen können. Es ist noch schätzungsweise 60-80 Pfund zurück.“ Weiterlesen

Beschaffung von Abendmahlsoblaten und Abendmahlswein im Kriegsjahr 1942

Rundschreiben des Rheinischen Konsistoriums betr. Beschaffung von Abendmahlsoblaten und Abendmahlswein, 27.03.1942, aus Bestand: AEKR Boppard 8SL 055B (Anordnungen-Rundschreiben-Merkblätter)

Im Kriegsjahr 1942 war es für die Kirchen nicht einfach Abendmahlsoblaten und Abendmahlswein zu beschaffen.
Da das Wetter 1941 nicht besonders gut war, bis zum Mai war es regnerisch und kalt, blieben die Erträge in der Landwirtschaft und Weinbau hinter den Erwartungen zurück.
Dies führte dazu, dass verschiedene Kirchengemeinden nachfragten, ob es möglich wäre, Bezugsscheine für diese Produkte zu bekommen, um Oblaten selber herzustellen und Wein für das Abendmahl zu haben. In den überwiegend landwirtschaftlich geprägten Regionen war es kein so großes Problem wie in den Städten. Hinzu kam auch das Problem bei der Ernte, das sich viele Männer als Soldaten an der Front befanden und somit für die Arbeit auf den Feldern und im Weinberg nicht zur Verfügung standen.
Das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz erließ ein Schreiben, das die Probleme darlegte, aber auch gleichzeitig Lösungen aufzeigte.
Auszüge aus dem Schreiben: „Unter Bezugnahme auf obiges Schreiben…..teile ich mit, dass ich die Getreidewirtschaftsverbände angewiesen habe, auf Antrag den Kirchengemeinde Mehlbezugscheine auszustellen. Mit Rücksicht darauf, dass ein höher ausgemahlenes Weizenmehl für die Herstellung von Oblaten nicht geeignet ist,….habe ich mich damit einverstanden erklärt, für diese Zwecke Dunst zur Verfügung zu stellen.“
Unter „Dunst“ ist der zwischen Gries und Mehl stehende Ausmahlungsgrad des Getreidekorns zu verstehen.
In einem weiteren Erlass gibt der Evangelische Oberkirchenrat bekannt, dass er sich mit den hier und dort entstandenen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Abendmahlwein befassen will.
Die Kirchenkanzlei empfahl deshalb, die Pfarrämter anzuweisen, mit dem vorhandenen und dem in nächster Zeit zu erwerbenden Abendmahlswein äußerst sparsam umzugehen und ihn gegebenenfalls nur noch mit Wasser gemischt zu gebrauchen. Von einer Wiederverwertung nicht gebrauchten Weins aus Abendmahlkelchen sei dabei jedoch selbstverständlich aus hygienischen Gründen grundsätzlich abzusehen.