Die diesjährige Ausgabe der Zeitschrift des Verbandes kirchlicher Archive Nr. 65 (2025) ist jetzt online einsehbar. Der Band enthält 13 interessante Beiträge zu vielfältigen archivischen Themen und Projekten in den landeskirchlichen und diakonischen Archiven der EKD. Den Schwerpunkt der Publikation bilden jedoch „digitale Strategien entweder direkt zur Archivierung oder zur Präsentation von Archiv- und Bibliotheksgut“ (S. 7).
Einblick in den rheinischen Archivalltag und die Archivpraxis gewährt Stefanie Sternemann mit ihrem Beitrag „Umzug als Chance. Ein Bestandserhaltungskonzept für das Archiv des Ev. Kirchengemeindeverbands Köln und Region“.
Abgerundet wird der Band wie gewohnt mit den Tätigkeitsberichten der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der EKD sowie des Verbands kirchlicher Archive.
Das landeskirchliche Archiv erhält täglich Post – nur nicht unbedingt vom anderen Ende der Welt. Eine Buchsendung aus Japan ließ das Archivteam daher letztens kurz grübeln, wer denn möglicherweise was und wann aus Japan bestellt haben mochte? Ein Blick in die Mails und ein Abgleich mit dem Namen des Absenders lösten das Rätsel schnell auf.
Mitsuaki Yamagata: Christen, die Hitler nicht fürchteten – Buchcover, Veröffentlichung 2026.
Die an uns zugestellte Publikation stammt vom Autor Mitsuaki Yamagata und trägt (übersetzt in etwa) den Titel: Christen, die Hitler nicht fürchteten: Eine Reise auf den Spuren des Widerstands gegen die Nazis. Eigenen Angaben nach ist Yamagata ein Doktor der Philosophie und interessiert sich sehr für das Thema Kirchenkampf, v.a. für diejenigen Christen, die sich der nationalsozialistischen Diktatur nicht beugten. Konkret nannte er u.a. Friedrich Weißler, Karl Friedrich Stellbrink, Konrad Graf von Preysing, Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp und Paul Schneider, der ihn besonders beindruckt hatte. In seiner an uns gestellten Anfrage erklärte er, ein Buch über diese Persönlichkeiten schreiben zu wollen und erbat die Erlaubnis, eine Fotografie von Paul Schneider verwenden zu dürfen.
Das Porträt von Paul Schneider im Halbprofil, dem Archiv durch die Tochter zur Verfügung gestellt, ist sowohl in unserem Online-Bildarchiv als auch flickr einsehbar. Die Fotografie gilt mittlerweile als gemeinfrei. Das Archiv erlaubte Herrn Yamagata natürlich die Verwendung und wies auch darauf hin, dass der Nachlass auf unserer Homepage digitalisiert vorliege. Als Dankeschön erhielten wir eine Ausgabe der Veröffentlichung, was uns natürlich freute. Zugegebenermaßen sind die Japanischkenntnisse des Archivteams leider nicht existent, was die Lektüre erheblich erschwert.
Karnevalssitzung im Rheinland, Fotograf: Hans Lachmann, Datum: ca. 1979, Signatur: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), BRD_1979_2034. CC BY-SA 4.0/Hans Lachmann
Das närrische Treiben ist in vollem Gange und die fünfte Jahreszeit steuert mit Rosenmontag auf seinen Höhepunkt zu. Wie es sich gehört, werden Karnevalssitzungen abgehalten und Büttenreden geschwungen. Man kostümiert sich farbenfroh, man singt, man schunkelt und wappnet sich bei Wind und Wetter für die zahlreichen Straßenumzüge – so ist es nun mal Brauch. Doch auch Bräuche unterliegen dem Wandel. Während sich einige tatsächlich bis in unsere Gegenwart gehalten haben, sind andere hingegen bereits in Vergessenheit geraten.
Das Wort „Karneval“ ist dem italienischen „carnevale“ entlehnt und bedeutet so viel wie „Fleischwegnahme“. Damit war ursprünglich der letzte Tag vor der Fastenzeit umrissen, die mit Aschermittwoch beginnt und mit dem Karsamstag endet. Seit dem 13. Jahrhundert beschränken sich die Feierlichkeiten jedoch längst nicht mehr auf diesen einen Tag, an dem die normale gesellschaftliche Ordnung tüchtig auf den Kopf gestellt wird – oft zum Unmut des klerikalen Standes. Das bunte Treiben beginnt an Altweiberdonnerstag und zieht sich bis zum Veilchendienstag hin. Seit dem 19. Jahrhundert wird die fünfte Jahreszeit zudem bereits am 11. November eingeläutet. In Düsseldorf wird dies beispielsweise an der Symbolfigur des Hoppeditz verdeutlicht, der am 11.11. um 11:11 Uhr erwacht und den Startschuss für die närrische Saison in der Landeshauptstadt gibt.
In der vergangenen Woche wurde es bei uns im hausinternen Studio des Landeskirchenamtes richtig lebendig: Wir hatten einen Videodreh! Im Mittelpunkt stand ein Thema, das viele Benutzer*innen immer wieder beschäftigt – Familienforschung und wie diese bei uns im Archiv abläuft.
Wir geben im Video Einblicke darin, mit welchen Hilfsmitteln wir arbeiten, welche Rolle Kirchenbücher spielen und welche Angaben man für eine erfolgreiche genealogische Recherche eigentlich benötigt. Hinter der Kamera führte Anastasia souverän die Regie. Vor der Kamera standen Marius und Annika als Protagonisten. Marcel Kuss begleitete den gesamten Dreh und übernimmt anschließend auch den Schnitt als Videoredakteur.
Der Drehtag hat uns richtig Spaß gemacht und wir freuen uns schon darauf, das fertige Ergebnis zu präsentieren. Das Video erscheint nächstes Jahr zum Tag der Archive – also unbedingt vormerken!
Der im Jahre 2004 verstorbene Pietismusforscher Horst Neeb widmete sich in seinem Ruhestand der pietistischen Forschung und leistete hierbei herausragende Beiträge, die bis in die Gegenwart von Relevanz zeugen. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums seiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Haan/Rheinland, verfasste Neeb einen Artikel über die Historie, der in der Festschrift der Gemeinde veröffentlicht worden ist. Hierbei recherchierte Neeb, dass die Gemeinde durch den engeren Freundeskreis des bedeutenden Pietisten Gerhard Tersteegen begründet wurde. Durch diese Erkenntnis entfacht, machte Horst Neeb die noch erhaltenen Tersteegen-Briefe ausfindig und widmete sich fortan der historischen Forschung.
Das Portal Rheinische Geschichte hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem wahren Schatzhaus an Beiträgen zu allen Facetten rheinischer Landes- und Kulturgeschichte entwickelt. Ich habe mir mal angeschaut, wo überall Themen und Biografien aus der evangelischen Kirchengeschichte des Rheinlandes begegnen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, kommt man derzeit auf 61 Beiträge, von denen immerhin ein Drittel von Mitarbeitenden des Archivs der EKiR verfasst worden ist. Aus den Portalrubriken „Orte & Räume“ sowie „Epochen & Themen“ sind zu nennen:
Im Februar ist die erste wissenschaftliche Biografie über den Kölner Rechtsanwalt Dr. Robert Servatius (1894-1983) erschienen. Dieser erlangte zweifelhafte Berühmtheit als Strafverteidiger des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann bei dessen Prozess in Jerusalem, der mit dem Todesurteil und der Hinrichtung Eichmann am 1. Juni 1962 endete. Seine „Affinität zu hochrangigen NS-Tätern“ (so die Rezension der FAZ vom 4.3.2025) hatte Servatius bereits seit dem Nürnberger Militärtribunal 1945/46 auch in zahlreichen weiteren Gerichtsverfahren an den Tag gelegt.
Robert Servatius während des Kreuzverhörs im Prozess gegen den Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann im Beit Ha’Am in Jerusalem am 03.07.1961.
Im Archiv der EKiR findet sich ein Schreiben von Servatius vom 25. September 1962 an Professor Hermann Schlingensiepen in Wuppertal, das die Mentalität dieses Juristen eindrücklich veranschaulicht.
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