Kennen Sie Konrad Heresbach?

Ja natürlich, wenn Sie etwa in Mettmann das nach ihm benannte Gymnasium besucht haben oder generell gut bewandert in der niederrheinischen Landes und Religionsgeschichte des 16. Jahrhunderts sind. Aber die Beschäftigung mit seiner Persönlichkeit lohnt sich für alle.

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait des Humanisten und fürstlichen Rates Konrad Heresbach (1496-1576) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Informationen zu seiner Vita und zur künstlerischen Realisierung finden Sie hier.

Der Preußenadler über dem Saar-Département

Bescheinigung der Übergabe von vier Siegelstempeln durch den Wolfer Pfarrer Friedrich Adolph Bartz an den Kreissekretär des neu geschaffenen Kreises Bernkastel am 10. März 1817 (Bestand 4KG 059B, KG Wolf/Mosel, Nr. 102).

Im Zuge einer Recherche im Bestand der Kirchengemeinde Wolf/Mosel sprang ein Schreiben aus dem Jahr 1817 mit vier Siegelstempeln ins Auge, von denen zwei auf den ersten Blick Widersprüchliches zu vereinigen scheinen: Über der in der Zeit der französischen Herrschaft zwischen 1798 und 1813 gebräuchlichen Bezeichnung „Saar-Departement“ thront der preußische Adler, und dem ebenfalls von den Franzosen kreierten Verwaltungsterminus „Local-Consistorium“ sind die Worte „Koen. Preussisches“ vorangestellt.

Historischer Hintergrund dieses Kuriosums ist, dass sich der Übergang von der französischen Administration zur preußischen Verwaltung in einem längeren Prozess vollzog, der sich von 1814 bis 1818 erstreckte. Wie immer in politischen Übergangszeiten konnten die alten Strukturen nicht von heute auf morgen aufgehoben werden, doch trotzdem musste man schon nach den neuen Bedingungen arbeiten, und so wurden zeitlich befristete Zwischenlösungen erforderlich.

Die französische Verwaltung hatte bekanntlich in den seit 1792 eroberten Gebieten auf dem linken Rheinufer im Jahr 1798 vier Départements eingerichtet, darunter das Département de la Sarre mit dem Verwaltungssitz in Trier. Untergliedert waren die Départements in Arrondissements und Kantone, wie das in Frankreich bis heute üblich ist. Als 1814 die verbündeten Armeen das linksrheinische Gebiet eroberten und ein gemeinschaftliches Generalgouvernement Mittelrhein einrichteten, ließ man die französischen Verwaltungsstrukturen zunächst bestehen und ersetzte lediglich die französischen Bezeichnungen durch deutsche: Das „Arrondissement Birkenfeld“ wurde zum „Kreis Birkenfeld“, das „Département de la Sarre“ zum „Saar-Departement“.  Genauso verfuhr man mit den kirchlichen Strukturen: Die von den Franzosen durch die Organischen Artikel von 1802 eingerichteten Lokalkonsistorien, in denen mehrere bisherige Kirchengemeinden zusammengefasst waren, behielt man bei, ebenso die den Lokalkonsistorien auf Arrondissement-Ebene übergeordneten lutherischen Inspektionen.

Siegel aus der Zeit 1814-1815 vor der preußischen Inbesitznahme des Gebiets südlich der Mosel (Bestand 4KG 059B, KG Wolf/Mosel, Nr. 102).

Die beiden oben zu sehenden Siegelstempel der lutherischen Inspektion des Kreises Birkenfeld und des Lokalkonsistoriums Wirschweiler zeugen von dieser Periode. Hoheitszeichen enthalten diese Stempel nicht, weil das linksrheinische Gebiet bis Mai 1815 noch einer gemeinschaftlichen Verwaltung unterstellt war: Für das Saar-Departement war zunächst das gemeinsame Generalgouvernement Mittelrhein zuständig, ab Mitte 1814 dann für die Gebiete südlich der Mosel eine gemeinschaftliche Österreichisch-Bayerische Landes-Administrations-Kommission mit Sitz in Bad Kreuznach.

Siegel aus der Zeit zwischen 1815 und 1816, als das Gebiet des Saar-Departements bereits preußisch war, aber die neuen administrativen und kirchlichen Strukturen (Landkreise und Kirchenkreise) noch nicht eingerichtet waren (Bestand 4KG 059B, KG Wolf/Mosel, Nr. 102).

Erst der Wiener Kongress sprach 1815 auch das südlich der Mosel gelegene Territorium dem Königreich Preußen zu (zunächst nur bis zur Linie Bad Kreuznach – Medard – Konz, im Sommer 1816 dann auch das südlich dieser Linie gelegene, unmittelbar an Frankreich grenzende Gebiet der nachmaligen Rheinprovinz, von dem jedoch die Landstriche um Birkenfeld, Sankt Wendel und Meisenheim an Oldenburg, Sachsen-Coburg und Hessen-Homburg abgetreten werden mussten) – und seit dieser Zeit erscheint auch der preußische Adler in den entsprechenden Kirchensiegeln. Die von den Franzosen kreierten Begriffe des Saar-Departements und des Lokalkonsistoriums behielten aber für eine Übergangszeit – nämlich bis zur Einrichtung der Landkreise und der Kirchenkreise 1816/1817 – auch unter dem Preußenadler noch Gültigkeit.

Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Oberstein

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KG 119B Oberstein. Die Herrschaft Oberstein gehörte zur pfälzischen Grafschaft Falkenstein und stand bis 1675 den Grafen von Daun, bis 1766 den Grafen von Leiningen-Heidesheim und bis 1794 den Grafen von Limburg-Styrum zu. Die Siedlung entstand unterhalb der Burgen Bosselstein und Schloss Oberstein, Sitz der beiden Hauptlinien der 1075 erstmals genannten Herren von Stein (Oberstein). An einer Felswand unterhalb von Burg Bosselstein ließ Graf Wirich IV. von Daun zwischen 1482 und 1484 die Felsenkirche errichten. Nach Einführung der Reformation durch Graf Philipp Franz von Daun 1572 ging die Kirche an die evangelische Gemeinde Oberstein über und blieb bis 1964 deren einziges Gotteshaus. Nach Bildung des Fürstentums Birkenfeld 1817 wurden die nun preußischen Ortschaften Breungenborn, Ausweiler, Frauenberg und Hammerstein der Kirchengemeinde Reichenbach zugewiesen, gleichzeitig die vier Abteigemeinden Göttschied, Regulshausen, Gerach und Hintertiefenbach von Georg-Weierbach nach Oberstein umgepfarrt. Hintertiefenbach ging 1842 an die Kirchengemeinde Fischbach; Göttschied wurde zum 1.1.1963 zur eigenständigen Gemeinde erhoben.

Zwei der ältesten Schriftstücke, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 119B Nr. 48

Das Schriftgut umfasst im Kern einen Zeitraum von 1814-1935, einige wenige Schriftstücke reichen in das späte 17. und 18. Jahrhundert zurück, die Jahresrechnungen des Kirchen-, Pfarrei- und Kirchenbaufonds gehen bis 1947. Unterlagen die ehemalige Filiale Göttschied betreffend wurden offenbar nach deren Erhebung zur eigenständigen Kirchengemeinde dem Bestand weitgehend entnommen. Schwerpunkt des Schriftguts bildet das Rechnungswesen (v.a. Jahresrechnungen des Kirchen-, Pfarrei- und Kirchenbaufonds), recht gut dokumentiert sind auch das Grundstücks- und Gebäudewesen, das Unterrichtswesen sowie das Personalwesen. Erhalten sind auch zahlreiche Verfügungen betreffend besondere Gottesdienste und Veranstaltungen anlässlich von Gedächtnisfeiern oder Familienangelegenheiten des großherzoglich-oldenburgischen Hauses, außerdem eine entsprechende Überlieferung aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Zwei Stahlschränke voller Wissen. Die Findmittel der Gemeindearchive

Zwei abschließbare Stahlschränke bewahren im Archiv der Rheinischen Landeskirche das strukturierte Wissen der Gemeindearchive.

Auf unserer Website finden Sie unter Externe Bestände digitalisierte Findmittel bzw. Repertorien einzelner Gemeindearchive der Rheinischen Landeskirche. Zuletzt wurden die Repertorien der Kirchengemeinde Bonn und Rheydt zu den bis dahin zehn durchsuchbaren PDF-Dateien hinzugefügt. Die Auswahl richtet sich nach der historischen Relevanz der Bestände. Warum Sie dort nicht die Findmittel aller Rheinischen Gemeindearchive finden, möchte ich bei dieser Gelegenheit kurz erläutern.

Ein Archiv ohne Findmittel ist verlorenes Wissen. Der Bestand ist zwar greifbar, kann aber nicht effizient genutzt werden, weswegen es eine Hauptaufgabe von Archiven ist, die Nutzbarmachung der Archivalien für wissenschaftliche und persönliche Forschungen u.a. durch die Verzeichnung zu gewährleisten. Heute geschieht das mit digitalen Erfassungsprogrammen und wird mit wenig Aufwand auch direkt online für die Nutzer zugänglich gemacht. Übergreifende Portale ermöglichen sogar die Suche über mehrere Findmittel verschiedener Institutionen.

Vor diesen digitalen Möglichkeiten wurden die Findmittel hand- oder maschinenschriftlich angefertigt und als gebundene Bücher sorgfältig aufbewahrt. Häufig gab es nur wenige Exemplare dieser Findbücher, deren Wert weit über den des Erschließungsaufwandes hinausgeht. Insbesondere in den Kirchenarchiven mit alten Beständen wäre eine erneute Verzeichnung der Altbestände mindestens eine Lebensaufgabe.

Das Archiv der Rheinischen Landeskirche bewahrt die Belegexemplare der Gemeindearchive nicht umsonst in Stahlschränken auf. So sind sie vor äußeren Einflüssen am besten geschützt. Des Weiteren versuchen wir, die alten Repertorien der Gemeinden als Digitalisate zu sichern und so wiederum in den Fundus der digitalen Findmittel einzufügen.

Die beiden Stahlschränke im Archiv der Rheinischen Landeskirche beinhalten aber, wie man sieht, über 700 solcher Findbücher und die Erfassung dieser externen Bestände muss sich einreihen in die übrigen Digitalisierungsprojekte des Archivs. Die Auswahl wird deswegen nach dem Informationswert der Bestände getroffen. Besonders die alten und lückenlosen Überlieferungen rücken dabei in den Vordergrund, weil sie einen hohen historischen Wert besitzen und zudem datenschutzrechtlich unproblematisch sind.

Zwei neue Dateien sind diese Woche hinzugefügt worden, weitere werden folgen. Perspektivisch sollen natürlich all diese Bestände über Archive NRW in das Archivportal Deutschland integriert werden. Bis dahin müssen Sie aber nicht auf das Wissen in den Stahlschränken verzichten. Wir schauen gerne nach und die Archive der Kirchengemeinden haben ihre Bestände immer noch am besten im Blick.

Kontrolleure des Gemeindelebens

Unter dieser treffenden Überschrift beschreibt ein aktueller Beitrag auf ekir.de die Tätigkeit der kirchlichen Visitatoren im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken im 16. Jahrhundert.

Der erste Band der Protokolle dieser Visitationen ist 2019 in der Schriftenreihe des Archivs erschienen. Band II für den Zeitraum bis 1588 ist bereits in Arbeit.

Kirchenpässe als Mitgliedsausweis?

Mitgliedskarten für alle möglichen Einrichtungen und Unternehmen begleiten unser Leben, heute zumeist in Plastikform. Bereits vor über hundert Jahren legte ein privater Verlag der Evangelischen Kirchengemeinde Köln einen solchen Kirchenpass zur Einführung vor.

Stefanie Schensar, Leiterin des Archivs des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region, erläutert in ihrer Reihe „Archivale des Monats“ in der Zeitung „Unsere Kirche“ anschaulich die Zusammenhänge. Das Kölner Presbyterium sah jedenfalls 1908 kein rechtes Verhältnis von Kosten und Ertrag und lehnte die Einführung ab. Ein Muster befindet sich noch im Kölner Archiv.

Bücher zu evangelischen Kirchenbauten in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

An die regionalen Beiträge möchte ich noch einen Artikel anschließen, der einen Überblick gibt über die Buchtitel, die sich mit Kirchenbauten im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland als Ganzes oder eines überregionalen Teiles befassen.

Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde; Kirche am Rhein – Eine Bilddokumentation

Vom Inhalt und Aufbau her sind die folgenden Titel z. T. kaum vergleichbar. Erstmals erschien 1968 ein Überblick über „Architektur und Kunst in der Ev. Kirche im Rheinland“, wie der Untertitel zu dem Bildband „Burgen Gottes – Zelte der Gemeinde“ lautet. Über 150 meist großformatige Abbildungen geben einen Überblick über die Kirchen in Voll- oder Detailansichten. Einige Fotos zeigen andere Motive der Kunst oder Architektur. Einen „Ideengeber“ hatte laut Vorwort der Band in dem Bildkalender „Das Evangelische Rheinland“, der ab 1956 bis 1970 erschienen ist; das Landeskirchliche Archiv besitzt eine Sammlung der Kalenderjahrgänge.

Ein Gesamtporträt unserer Landeskirche zeigen sollte der Nachfolge-Band „Kirche am Rhein. Eine Bilddokumentation“, den Hans-Otto Kindermann 1984 herausgab. Geschichte, Landschaft, Leben in der Gemeinde und Personen kommen hier zu Architektur und Kunst hinzu. Auf 216 Seiten wechseln sich klein- und großformatige Fotos mit Texten ab.

Kirche entdecken und erleben: Ein Reiseführer durch die Evangelische Kirche im Rheinland mit ihren 46 Kirchenkreisen
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