Heiße Sommertage: Probleme für das Klima im Archivmagazin

Bestandserhaltung im Archiv ist ein wichtiges und präsentes Thema. Um eine dauerhafte Aufbewahrung und Erhaltung von Archivgut zu gewährleisten sind die in den Magazinen herrschenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerte von essentieller Bedeutung. Ein Raumklima, das nicht an die dort gelagerten Archivalien angepasst ist, beeinträchtigt die Haltbarkeit, schädigt diese und reduziert somit die Lebensdauer maßgeblich. Weiterhin kann eine zu hohe Luftfeuchtigkeit und eine zu hohe Raumtemperatur dazu führen, Schimmel zu erzeugen und den chemischen Abbauprozess von Papier deutlich zu beschleunigen. Daher ist die Schaffung eines geeigneten und konstanten Magazinklimas eine zentrale Aufgabe im Archiv.

Archivmagazin K29

Gerade in den Sommermonaten diesen Jahres hatten auch wir im Archiv der EKiR damit zu kämpfen, dass Klima in unseren Magazinräumen konstant zu halten. Teilweise geriet der Wert der Luftfeuchtigkeit an die 60 % Grenze. Mit Hilfe von Luftentfeuchtungsgeräten ist es uns gelungen, die Werte auf unter 50 % zu stabilisieren und große Schwankungen zu vermeiden. Der elektrische Luftentfeuchter entzieht der Luft dabei die Nässe und sammelt das Wasser in einem Auffangbehälter. Diesen kann man anschließend mit nur wenigen Handgriffen entleeren und wieder in das Gerät einsetzen. Immer wieder mussten die Geräte von Magazin zu Magazin verlegt werden, je nachdem, wo gerade Bedarf war, denn die Magazinräume sind verschieden konzipiert und haben unterschiedliche Raumgrößen. Deshalb musste bei steigender Luftfeuchtigkeit magazinabhängig reagiert werden.

Archivmagazin K20

Weiterhin ist auch darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark absinkt, denn dies könnte zur Austrocknung der Materialien führen und diese somit anfällig für Beschädigungen machen. Grundsätzlich ist daher darauf zu achten, dass das Archivgut keinen großen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist. Dies haben wir durch ein durchdachtes Konzept und das Zusammenarbeiten aller Kollegen gut geschafft.

Wir hoffen, dass sich die Werte nun durch die absinkende Außentemperaturen weitestgehend normalisiert haben.

E-Learning-Kurs Bestandserhaltung

Seit 2018 steht der E-Learning-Kurs „Bestandserhaltung“ online zur Verfügung. Er vermittelt die Grundlagen der Bestandserhaltung als elektronisch gestütztes Selbstlernprogramm. Über Videos und Multiple-Choice-Aufgaben werden u. a. die sachgerechte Lagerung von Archivgut, die Schadenserkennung und der Umgang mit schimmelbefallenem Schriftgut trainiert. Beteiligt an der Konzeption war auch das rheinische Archivamt in Brauweiler, das ergänzend ein entsprechendes LVR-Conservation-Kit entwickelt hat

In der Archivberatung bei Kirchengemeinden der EKiR haben wir seither bei Ortsterminen unsere ehrenamtlichen Archivbetreuer auf diese Fortbildungsmöglichkeit hingewiesen. Das erhaltene Feedback war immer positiv. In den weiteren Themenfeldern „Ablage nach dem Einheitsaktenplan der EKiR“ oder auch der Kassationsberatung („Wie werfe ich richtig weg?“) wären solche E-Learning-Angebote sicherlich eine sinnvolle Ergänzung etwa zu den klassischen Schriftgutlehrgängen für das Personal in den kirchlichen Verwaltungsämtern. Im Sinne des Konzepts eines Blended Learning stehen sie auf der To-Do-Liste.

Eine frühe Warnung vor Papierzerfall

Über die online gestellten Jahrgänge der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“ haben wir unlängst berichtet. Im Band 1931, S. 119-121 formulierte Pfarrer Lic. Heinrich Müller „Kirchengeschichtliche Wünsche zur kommenden Verwaltungsordnung“. Hier findet sich folgende Problemanzeige:

„Bei dem heute üblich gewordenen Schreibmaschinenpapier werden große Aktenmassen unserer Archive in einigen Jahrzehnten sich von selbst auflösen. Dies mag bei der heutigen Papierflut kein allzu großer Schade sein. Anders aber ist es bei den wichtigsten Dokumenten, Kirchenregistern und Verhandlungsbüchern. Wir kennen Kirchenbücher aus so schlechtem Papier, daß sie in 100 Jahren völlig zersplittern. Es gibt Niederschriften mit so schlechter Tinte in den Kirchenbüchern, daß schon heute nur mit Mühe noch die Seiten entziffert werden. In einiger Zeit wird es ganz damit zu Ende sein. Beste Urkundentinte, bestes haltbares Papier muß in solchen Fällen erstes Erfordernis sein. Hier dürfen die Gemeinden nicht mit Pfennigen sparen wollen.“

Müller (1880-1970) war Pfarrer in Diersfordt am Niederrhein und Leiter des Provinzialkirchlichen Amtes zur Pflege rheinischer Kirchengeschichte. Er kombinierte daher den Blick des erfahrenen Verwaltungspraktikers mit der Verantwortung für historisch bedeutsames Schriftgut. Die Thematik des industriell hergestellten Holzschliffpapiers, das durch seinen Säuregehalt von innerem Zerfall bedroht ist, rückte dann erst in den 1990er Jahren ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit. Plakativ vermarktet wurde dies u. a. durch Titel wie „Der saure Tod im Bücherregal“. Konkurrierende Industrienormen für sog. alterungsbeständiges Papier machen die archivische Verwaltungsberatung bis in die Gegenwart nicht leichter.

„Zehn Dinge, die Archivaren Angst machen“

Zehn Dinge, vor denen auch ich mich (nicht nur an 🎃 Halloween) grusel. Ein sehr originelles Video vom US National Archiv, das den Nagel auf den Kopf trifft und einfach erwähnt werden muss! 👇

 

Und was wären Archive ohne Menschen, also ohne Nutzer und Archivare??? Daniela Gillner zeigt es uns in der auf Twitter:

Jetzt online: Videos und Präsentationen des 78. Südwestdeutschen Archivtags in Augsburg

Nützliche Tipps und Hinweise, wenn es um Fragen der Planung von Archivmagazinen, Techniken der Magazinverwaltung und Schädlingsbekämpfung geht.

>> hier die Präsentationen und Videos auf Youtube:

Weitere Infos zu Papierfischchen bei den Archivberatungsstellen Rheinland und Westfalen: