Rückblick: Düsseldorfer Woche der Archive

Im Rahmen der diesjährigen Düsseldorfer Woche der Archive vom 8. bis 15. März beteiligen sich zahlreiche Archive in Düsseldorf mit Führungen, Vorträgen und Informationsangeboten. Auch wir konnten in den ersten Tagen bereits viele spannende Eindrücke sammeln und zahlreiche Interessierte begrüßen.

Den Auftakt bildete am Montag ein Besuch meiner Kolleginnen und Kollegen bei einer Führung im Düsseldorfer Stadtarchiv. Dabei erhielten sie Einblicke in die Arbeit des Archivs, seine Bestände und die vielfältigen Aufgaben der archivischen Praxis.

Im Anschluss war ich gemeinsam mit einem Kollegen auf dem Gelände von Henkel in Holthausen. Dort stellten sich mehrere Wirtschaftsarchive vor: die Archive von Henkel, ERGO und Rheinmetall. In Vorträgen unter dem gemeinsamen Thema des diesjährigen Archivtages „Alte Heimat – Neue Heimat“ präsentierten sie ihre Perspektiven auf Unternehmensgeschichte und Standortentwicklung. Die Beiträge waren dabei stark standortbezogen aufgebaut und zeigten anschaulich, wie eng Unternehmensgeschichte, regionale Entwicklung und Archivarbeit miteinander verbunden sind.

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Alte Heimat – Neue Heimat: Ein paar Worte zur Eingliederung der Heimatvertriebenen in die evangelischen Kirchengemeinden Düsseldorfs.

Die Beschäftigung mit der Eingliederung der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg liegt beim Thema „Alte Heimat – Neue Heimat“ natürlich nahe. Zunächst auch für die Präsentation des Landeskirchlichen Archivs auf dem Tag der Düsseldorfer Archive. Das Problem ist jedoch, das Landeskirchliche Archiv hat dafür nur wenige Unterlagen, denn die tatsächliche Arbeit geschah in den Kirchengemeinden und den freien kirchlichen Werken. Die Landeskirche ließ ein paar Statistiken erstellen, insgesamt leider ziemlich nichtssagend. Die Landes-, bzw. zunächst Provinzialkirche war nur für die Versorgung der vertriebenen Pfarrer und Kirchenbeamten zuständig, hierzu haben wir auch reichlich Quellen (die sogenannte „Ostpfarrerversorgung“). Natürlich gibt es bei den Sachakten des Landeskirchenamtes das Aktenzeichen 13-6 „Kirchliche Versorgung der Gemeinden“, vor allem 13-6-2 „Versorgung der Flüchtlinge und dadurch entstandenen Diasporagebiete“. Hier finden sich interessante Einzelberichte zu Problemen in den Gemeinden, jedoch nicht aus Düsseldorf (nächstgelegen Neuss und Ratingen-Homberg). Aber der Schwerpunkt wanderte sehr schnell zu Flüchtlingen aus der SBZ bzw. dann DDR, ab 1956 wurde unter diesem Aktenzeichen auch die Hilfe für Flüchtlinge aus Ungarn abgelegt. Und von hier war es nur noch ein kleiner Schritt zu Notständen auf der ganzen Welt, hier finden sich auch Akten zur Gründung von „Brot für die Welt“. Die Versorgung der deutschen Vertriebenen geriet in den Hintergrund. Was blieb, war Verbands- und Gremienarbeit (Ostkirchenausschuß, Flüchtlingsräte, die Frühgeschichte des „Öffentlichkeitsausschusses“ usw.).

Also ein Blick in die Literatur. Die ausführliche Geschichte der alten Düsseldorfer Gemeinde von Helmut Ackermann endet 1948 mit der Gemeindeteilung. Das Thema „Vertriebene“ wird nicht erwähnt, obwohl sie bereits mit Kriegsende kamen. Natürlich stiegen die Unterbringungs- und Versorgungsprobleme mit der Zahl eintreffender Vertriebener in den Jahren 1946-1950, aber auch die Zahl zurückströmender evakuierter Düsseldorfer stieg an, so daß das Zahlenverhältnis ungefähr gleich blieb. Und mehr Menschen bedeutete nicht nur mehr Esser, sondern auch mehr helfende Hände für den Wiederaufbau. Aber im Unterschied zu den Rückkehrern aus Evakuierung und Gefangenschaft brachten die Vertriebenen häufig andere Lebensauffassungen mit. Man hätte sich bei Ackermann schon ein paar Worte zum Aufeinanderprallen der unterschiedlichen kirchlichen Mentalitäten gewünscht. Andernorts war dies durchaus erwähnenswert. So bieten im Kirchenkreis Gladbach die beiden Kirchengemeinden Rheydt und Kirchherten zwei gegensätzliche Arten des Umgangs: Rheydt versuchte die andere, stärker lutherisch geprägte Tradition der Vertriebenen aus der Gemeindearbeit herauszuhalten und setzte dafür auch das Kooptationsverfahren bei den Presbyteriumswahlen ein (mit der Gefahr einer eigenständigen Gemeindegründung durch Vertriebene). Kirchherten nutzte das gleiche Kooptationsverfahren, um Vertriebene möglichst bald in die Gemeindeleitung einzubinden. Und man kam ihnen entgegen, indem ein Kreuz (sogar mit Corpus) auf den Abendmahlstisch der von der sonstigen Gestaltung her sehr reformierten Kirche von 1684 gestellt wurde. Allerdings stammte der neue Kirchhertener Pfarrer aus der Provinz Posen. Es wäre sehr verwunderlich, hätte es ähnliche Konflikte nicht auch in den Düsseldorfer Gemeinden gegeben.

Auch die durchgesehenen Gemeindegeschichten von Rath und Urdenbach bieten nichts zum Thema. Eine Erklärung könnten die Gemeindebücher des Kirchenkreises Düsseldorf von 1949/50 und 1956 bieten: wenn das Thema erwähnt wird, dann im Zusammenhang mit dem Gemeindedienst für Innere Mission, dem CVJM oder dem Hilfswerk, die beiden ersteren waren formal garnicht, und tatsächlich nur locker mit den Kirchengemeinden verbunden.

AEKR 8SL 046 (Bildarchiv) Hilfswerk 17/2089, Fotograf: Hans Lachmann

Will man etwas über das Ausmaß des Themas erfahren, muss man in die allgemeinen Darstellungen zur Düsseldorfer Geschichte blicken. Der von Peter Hüttenberger verfasste dritte Band der Stadtgeschichte geht im letzten Abschnitt „Düsseldorf unter britischer Besatzung“ auf den Seiten 700ff. ausführlich auf das Thema ein. Auch wenn die Formulierung „Kaufleute, Handwerker, Facharbeiter, Ingenieure und Fabrikanten verließen zu diese Zeit die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße“ in ihrer Verharmlosung der Umstände doch sehr unangenehm berührt. Im Begleitband zur Ausstellung des Stadtmuseums „1946 Neuanfang: Leben in Düsseldorf“ von 1986 gibt es ein eigenes Kapitel zur Eingliederung der Vertriebenen (S. 56-58). Im gleichen Werk hat Rudolf Mohr die evangelische Kirche dargestellt (S. 323-329). Auch er erwähnt keine Probleme mit den unterschiedlichen Frömmigkeitsformen. Der Unterabschnitt „Schwerpunkte des geistlichen Wiederaufbaus“ behandelt den Umgang mit ehemaligen Deutschen Christen.

Ergebnis: Wer etwas über die Eingliederung der Vertriebenen erfahren will, muß sich mit den Archivbeständen der Kirchengemeinden befassen. Als Überblicksliteratur kann das Buch von Felix Teuchert „Die Verlorene Gemeinschaft“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2018) empfohlen werden.

Vorbereitungen für die Woche der Archive fast abgeschlossen

Die Vorbereitungen für die Woche der Archive in Düsseldorf vom 8. bis 14. März 2026 gehen in die letzte Phase. Sie können sich schon auf das Programm freuen, welches heute erschienen ist.

Zur Einstimmung darauf können hier noch einmal tolle Projekte aus den vergangenen Jahren bestaunt werden.

Hergehört! Kurze Audiogramme der Teilnehmenden Archive:

https://tdad.hypotheses.org/hergehoert

Hergehört!
Audiogramme  – Berichte aus Düsseldorfer Archiven
https://tdad.hypotheses.org/hergehoert abgerufen am 30.01.2026

Hörspiel: Akten erzählen aus ihrem Leben

https://www.nrwision.de/mediathek/akten-erzaehlen-aus-ihrem-leben-hoerspiel-zum-tag-der-archive-2024-240131/

Akten erzählen aus ihrem Leben – Hörspiel zum Tag der Archive 2024,
https://www.nrwision.de/mediathek/akten-erzaehlen-aus-ihrem-leben-hoerspiel-zum-tag-der-archive-2024-240131/ abgerufen am 30.01.2026

Das Archiv im Studio – Videodreh zum Tag der Archive 2026

In der vergangenen Woche wurde es bei uns im hausinternen Studio des Landeskirchenamtes richtig lebendig: Wir hatten einen Videodreh! Im Mittelpunkt stand ein Thema, das viele Benutzer*innen immer wieder beschäftigt – Familienforschung und wie diese bei uns im Archiv abläuft.

Wir geben im Video Einblicke darin, mit welchen Hilfsmitteln wir arbeiten, welche Rolle Kirchenbücher spielen und welche Angaben man für eine erfolgreiche genealogische Recherche eigentlich benötigt.
Hinter der Kamera führte Anastasia souverän die Regie. Vor der Kamera standen Marius und Annika als Protagonisten. Marcel Kuss begleitete den gesamten Dreh und übernimmt anschließend auch den Schnitt als Videoredakteur.

Der Drehtag hat uns richtig Spaß gemacht und wir freuen uns schon darauf, das fertige Ergebnis zu präsentieren. Das Video erscheint nächstes Jahr zum Tag der Archive – also unbedingt vormerken!

Tag der Archive 2026: Das Motto steht fest

Alle zwei Jahre öffnen Archive in ganz Deutschland ihre Türen, um Geschichte erlebbar zu machen – so auch im kommenden Jahr beim „Tag der Archive“. Das vom VdA (Verband deutscher Archivarinnen und Archivare) bekannt gegebene Motto „Alte Heimat – Neue Heimat“ lädt dazu ein, sich mit der Geschichten von Migration, Ankommen, Vertrautem und Fremdem auseinanderzusetzen. Gerade in einer Stadt wie Düsseldorf, die von Wandel und kultureller Vielfalt geprägt ist, finden sich zahlreiche Anknüpfungspunkte. Die Planungen für das Programm laufen bereits an – ein spannender Anlass, um erste Ideen zu sammeln, Themenvorschläge zu skizzieren.

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Tag der Archive – Ein Jahr später: Planung für den Tag der Archive 2026 im Stadtarchiv Düsseldorf

Vor gut einem Jahr fand der letzte Tag der Archive statt, der zahlreichen Interessierten die faszinierende Welt der Archive und eine Vielzahl historischer Quellen näherbrachte. Diese Veranstaltung bot eine einmalige Gelegenheit, das wertvolle Kulturgut, das in den Archiven schlummert, zu entdecken und die spannende Arbeit der Archivare kennenzulernen.

Nun, ein Jahr später, trafen sich die teilnehmenden Archive erneut im Stadtarchiv Düsseldorf, um die Planungen für den Archivtag 2026 zu starten. Seit Jahren spielt dieser Tag eine zentrale Rolle dabei, das Bewusstsein für die Bedeutung von Archiven in unserer Gesellschaft zu schärfen, und wird auch 2026 wieder einen festen Platz im kulturellen Kalender einnehmen. Archive sind weit mehr als bloße Aufbewahrungsorte für Dokumente – sie sind das Gedächtnis der Gesellschaft. Sie bewahren Geschichte, Identität und kulturelles Erbe eines Landes. Der Archivtag soll das Verständnis fördern, wie essenziell die Arbeit der Archive ist. Besonders im Fokus steht dabei der regionale Bezug zu Düsseldorf. Ziel ist es, die Bedeutung der Archive als Orte der Erinnerung und Geschichte zu stärken und gleichzeitig der Öffentlichkeit ihre Relevanz im digitalen Zeitalter zu verdeutlichen.

Bei unserem Auftakttreffen wurden daher zunächst die wichtigsten Eckpunkte festgelegt, allen voran das Datum. Wie in den vergangenen Jahren wird es in Düsseldorf wieder eine „Woche der Archive“ geben, um allen Interessierten die Möglichkeit zu bieten, mehrere Archive und Veranstaltungen zu besuchen. Diese findet in der Woche ab dem 9. März 2026 statt. Merken Sie sich das Datum also gerne schon jetzt in Ihrem Kalender vor!

In den kommenden Monaten geht es dann in die inhaltliche Planung, um auch im nächsten Jahr wieder ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Alle Informationen dazu finden Sie wie gewohnt auf dem Blog zum Tag der Archive.

Nachlese zum Tag der Archive 2024

Gestern trafen sich die Archivarinnen und Archivare der Düsseldorfer Archive im Stadtarchiv, um die Woche der Archive noch einmal Revue passieren zu lassen. Insgesamt ergab sich ein durchaus positives Bild, was den Erfolg und die Besucherzahlen der einzelnen Veranstaltungen anging. Trotz Bahnstreik fanden zahlreiche interessierte Besucher den Weg in die Archive. Damit war dann auch für alle Beteiligten klar: Es wird 2026 wieder einen Tag der Archive geben! In welcher Form dieser stattfinden wird, ist zum heutigen Zeitpunkt noch unklar. Einig waren sich doch alle, dass es beim nächsten Mal mehr Kooperationen der einzelnen Archive untereinander geben soll. Auf Grund der geografischen Lage und der einzelnen Archivsparten bietet es sich an, sich untereinander noch mehr zu vernetzen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, was dann auch hoffentlich noch einmal ein breiteres Publikum anziehen wird. Wenn sie auf dem Laufenden bleiben wollen, dann schauen sie gern regelmäßig auf dem Blog Archive in Düsseldorf- Tag der Archive und mehr vorbei.