Neues vom Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“

Es gibt wieder neue Folgen für alle, die Podcasts lieben und sich für rheinische Kirchengeschichte interessieren!

In der 11. Podcast Folge „Kampf für Frauen im Pfarramt – Aus dem Leben von Ina Gschlössel (1898-1989)“ wird der Werdegang einer Frau beleuchtet, die sich mit dem Status Quo nicht zufrieden gab und sich für die Rechte von Mädchen und Frauen stark machte.

Die Podcast Folge 12. „Klare Positionierung in der NS-Zeit – Pfarrer Hans Encke (1896-1976)“ lenkt den Fokus auf die Vita eines Mannes, der sich in seiner Gemeinde stark machte gegen den Einfluss der Deutschen Christen und des Nationalsozialismus.

Wer schon immer mal einen „Blick hinter die Kulissen“ des Podcasts werfen wollte, erhält nun die Gelegenheit dazu. Prof. Dr. Thomas Schneider und Dr. Bettina Förster stellen den Podcast vor.

Wie immer: viel Spaß beim Reinhören!

Post aus Japan – Nutzen und Reichweite von Digitalisaten

Das landeskirchliche Archiv erhält täglich Post – nur nicht unbedingt vom anderen Ende der Welt. Eine Buchsendung aus Japan ließ das Archivteam daher letztens kurz grübeln, wer denn möglicherweise was und wann aus Japan bestellt haben mochte? Ein Blick in die Mails und ein Abgleich mit dem Namen des Absenders lösten das Rätsel schnell auf.

Mitsuaki Yamagata: Christen, die Hitler nicht fürchteten – Buchcover, Veröffentlichung 2026.


Die an uns zugestellte Publikation stammt vom Autor Mitsuaki Yamagata und trägt (übersetzt in etwa) den Titel: Christen, die Hitler nicht fürchteten: Eine Reise auf den Spuren des Widerstands gegen die Nazis. Eigenen Angaben nach ist Yamagata ein Doktor der Philosophie und interessiert sich sehr für das Thema Kirchenkampf, v.a. für diejenigen Christen, die sich der nationalsozialistischen Diktatur nicht beugten. Konkret nannte er u.a. Friedrich Weißler, Karl Friedrich Stellbrink, Konrad Graf von Preysing, Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp und Paul Schneider, der ihn besonders beindruckt hatte. In seiner an uns gestellten Anfrage erklärte er, ein Buch über diese Persönlichkeiten schreiben zu wollen und erbat die Erlaubnis, eine Fotografie von Paul Schneider verwenden zu dürfen.

Das Porträt von Paul Schneider im Halbprofil, dem Archiv durch die Tochter zur Verfügung gestellt, ist sowohl in unserem Online-Bildarchiv als auch flickr einsehbar. Die Fotografie gilt mittlerweile als gemeinfrei. Das Archiv erlaubte Herrn Yamagata natürlich die Verwendung und wies auch darauf hin, dass der Nachlass auf unserer Homepage digitalisiert vorliege. Als Dankeschön erhielten wir eine Ausgabe der Veröffentlichung, was uns natürlich freute. Zugegebenermaßen sind die Japanischkenntnisse des Archivteams leider nicht existent, was die Lektüre erheblich erschwert.

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Pfingstbesuch aus Tschechoslowakei 1962 in Kaiserswerth

In den 1960er und 70er Jahren nimmt der Kaiserswerther Pfarrer Bernhard Wiebel als Mitglied der Kirchlichen Bruderschaft im Rheinland an den Allchristlichen Friedensversammlungen in Prag teil und ist an der Arbeit der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) in der Bundesrepublik aktiv beteiligt. Die Christliche Friedenskonferenz war eine 1958 ins Leben gerufene internationale Friedensorganisation, die maßgeblich vom tschechischen protestantischen Theologen Josef L. Hromádka geprägt wurde.

Christliche Friedenskonferenz in Prag 1961 oder 1968 mit Pfarrer Bernhard Wiebel (Mitte);
Quelle: AEKR 7NL 017, Nr. 145; Fotograf unbekannt

Bernhard Wiebel war von 1951 bis zu seiner Emeritierung 1972 Pfarrer an der Evangelischen Diakonissenanstalt Kaiserswerth. Zuvor war er vier Jahre Superintendent des Kirchenkreises Trier und Pfarrer in Gerolstein (1934-1951).

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Otium cum dignitate

Bevor wir unseren Archivleiter, Dr. Stefan Flesch, in den wohlverdienten Ruhestand schicken und der Staffelstab offiziell weitergegeben wird, begleiten wir ihn auf seiner letzten Archivführung. Aber entscheiden Sie selbst für sich und wählen die KISS1 Variante mit einem Augenzwinkern oder alternativ die längere Fassung mit Archivalien „en détail” weiter unten.

Wer es ausführlicher mag, schaut gerne hier vorbei:


  1. Apronym aus dem Marketing mit der Bedeutung „Keep It Short and Simple“ / „Gestalte es kurz und einfach“ ↩︎

Christi Himmelfahrt – „Der am wenigsten verstandene Feiertag“

Vor knapp zwei Jahren übergab Prof. Dr. Joachim Conrad dem Landeskirchlichen Archiv einen geordneten und verzeichneten Bestand (Repertorium) im Umfang einer Archivmappe mit Dokumenten des am 12. Februar 1944 bei Michailowka / Nikopol gefallenen rheinischen Hilfspredigers Werner Bernhardt. Der Bestand wurde zur Biografischen Sammlung (8SL 045) aufgenommen. Geboren wurde Bernhardt als Sohn eines Malermeisters am 1. März 1911 in Barmen. Er studierte Theologie in Marburg, Göttingen und Bonn. Nach dem Vikariat in Speldorf verrichtete er seinen Hilfsdienst zuletzt in Waldniel, als er 1940 in den Militärdienst eingezogen wurde. Neben Arbeiten aus Studium und Examen hat der Nachlass vornehmlich Predigten und Andachten zum Inhalt.

Bernhardt, Werner (1911-1944)
Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 012B_0269

Exemplarisch soll hier eine Predigt an Himmelfahrt 1938 vorgestellt werden. Der 27-jährige Hilfsprediger Bernhardt hält eine Predigt zu Markus 16,14-20 und fordert die Gemeinde auf, sich zu „besinnen, auf das, was uns dieser heutige Feiertag sein soll und was er ist.“ Denn auch schon 1938 wird der Feiertag gerne dafür genutzt, einen „schönen traditionellen Himmelfahrtsausflug“ zu machen und den „beginnenden Frühling würdig zu begrüßen“. Bernhardt stellt fest, dass Christi Himmelfahrt „dasjenige von allen christl. Festen (ist,) welches eigentlich am wenigsten verstanden wird.“

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Evangelische Themen im LVR-Portal Rheinische Geschichte

Das Portal Rheinische Geschichte hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem wahren Schatzhaus an Beiträgen zu allen Facetten rheinischer Landes- und Kulturgeschichte entwickelt. Ich habe mir mal angeschaut, wo überall Themen und Biografien aus der evangelischen Kirchengeschichte des Rheinlandes begegnen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen, kommt man derzeit auf 61 Beiträge, von denen immerhin ein Drittel von Mitarbeitenden des Archivs der EKiR verfasst worden ist. Aus den Portalrubriken „Orte & Räume“ sowie „Epochen & Themen“ sind zu nennen:

Evangelische Kirche im Rheinland; Vorgeschichte und Geschichte der Union zwischen Lutheranern und Reformierten im Rheinland; Barmer Theologische Erklärung; Die Rheinische Mission; Die Rheinische Frauenhilfe; Die evangelische Gemeinde Trier im Kulturkampf

Bei den „Biographien“ begegnen folgende Persönlichkeiten aus dem 16.-20. Jahrhundert:

Joachim Beckmann; Peter Beier; Andreas Bräm; Martin Bucer; Wilhelm Busch

Johannes Campanus; August Theodor Christlieb; Adolf Clarenbach; Johann Clauberg; Samuel Collenbusch

Ludwig Doll

Elias Eller

Engelbert Faber; Emanuel Felke; Friederike Fliedner; Theodor Fliedner; Heinrich Forsthoff; Georg Fritze

Martin Gauger; Heinrich Grüber; Ina Gschlössl

Albert Hackenberg; Oskar Hammelsbeck; Heinrich Held; Paul Humburg

Karl Immer

Carl Jatho

Friedrich Karrenberg; Aenne Kaufmann; Karl Klingemann; Friedrich Wilhelm Krummacher; Johann Abraham Küpper

Peter Lo; Johannes Löh

Georg Maus

Friedrich Nieden

Otto Ohl; Caspar Olevian

Christian Rogge; Wilhelm Roß; Annemarie Rübens

Ludwig Schmidtborn; Paul Schneider; Dorothee Sölle; Ernst Stoltenhoff

Gerhard Tersteegen

Valentin Umbeck; Theodor Undereyck

Magdalene von Waldthausen; Ludwig Weber; Otto Wehr; Gerhard Westerburg; Hermann von Wied; Johann Heinrich Wiesmann: Walther Wolff

Österliche Predigt im Semestereröffnungsgottesdienst der KiHo Wuppertal vor 50 Jahren

Pfarrer Hans Rudolf Jürgen Fangmeier (1931-2013) war Dozent und später Professor an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. 1963 promovierte er bei Karl Barth in Basel mit dem Thema Erziehung in Zeugenschaft. Karl Barth und die Pädagogik. Fünf Jahre später wurde Fangmeier auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal berufen. Die Professur war mit der Pfarrstelle der evangelisch-reformierten Gemeinde im niederbergischen Schöller verbunden. In beiden Funktionen folgte er Wilhelm Niesel im Amt.

In einer österlichen Semestereröffnungspredigt in der Kirchlichen Hochschule Wuppertal am 15. April 1975 bezieht Fangmeier Stellung zum Theologiestudium und den damit verbundenen Hindernissen:

Jürgen Fangmeier spricht auf der 9. Wissenschaftlichen Tagung der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft, 3.6.2007, Mülheim an der Ruhr
Signatur: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 013_0164

Sie, liebe Kommilitonen, drängen zahlreich ins Theologiestudium – in einer Zeit, wo der kirchliche Wohlstand nachläßt oder aufhört, wo deshalb „Planstellen“ reduziert werden müssen…, und wo zugleich Rückversicherung schwieriger wird. (…)

In der Zukunft – die derweise naht, daß sie für uns schon begonnen hat – ist die persönliche Sicherheit klein zu schreiben. ‘..der verleugne sich selbst‘ ! Arbeit aber wird durchaus da sein. Denn die Menschen um uns befinden sich in tiefer Glaubensverlegenheit (auch wenn sie aus der Kirche austreten). Sie wollen von uns nicht überfordert, aber sie wollen geliebt sein und wollen geholfen haben, gehorsam (oder doch nicht ganz und gar ungehorsam) leben und getrost sterben zu können. „Planstellen“ können rar werden, aber A r b e i t wird sein. (…) Schon das Studium ist Kreuz bzw. will als solches genommen und getragen sein.

Die Predigt hat auch nach 50 Jahren ihre Aktualität kaum verloren. Die Tätigkeit der KiHo wird in der bisherigen Form bis Ende März 2027 eingestellt. Die Landessynode 2025 der Evangelischen Kirche im Rheinland hat die Errichtung eines Theologischen Bildungscampus als Weiterbildungsgesellschaft beschlossen.

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