Handbuch der Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland liegt vollständig vor

Kürzlich wurde mit der Vorlage des vierten Bandes (Buchstaben S – Z) das Projekt des Handbuchs „Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland von der Reformation bis zur Gegenwart“ abgeschlossen. Im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte hat Jochen Gruch die Daten von genau 14.978 Pfarrpersonen für das Gebiet unserer Landeskirche zusammengestellt und bearbeitet. Ulrich Dühr zeichnet für die Angaben der Literatur zu den Theologinnen und Theologen verantwortlich. Die mühevolle Arbeit der Satzerstellung und Korrektur leisteten Dr. Beate und Dr. Ferdinand Magen.

Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland von der Reformation bis zur Gegenwart; Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn, 2020, ISBN: 978-3-7749-4021-5

Mit diesem Handbuch steht nun auch für die rheinische Kirchen- und Sozialgeschichte und die genealogische Forschung ein modernes Arbeitsmittel zur Verfügung, wie es z. B. für die Kirchenprovinz Sachsen, Thüringen und Schlesien der Fall ist. Für einige Landeskirchen liegen nur z. T. Jahrzehnte alte Pfarrerbücher vor, für manche gar keine.

Das Pfarrerbuch basiert auf der Pfarrerkartei des Landeskirchlichen Archivs, dessen Leitung zu Beginn der 2000er Jahre beschloss, diese Daten in einer Datenbank zu erfassen. Erst in zweiter Linie kam die Möglichkeit in den Blick, diese für die Publikation eines neuen „Pfarrerbuches“ zu nutzen, um den „Rosenkranz“ aus dem Jahr 1958 zu ersetzen. So kam es zur Kooperation mit dem Verein für Rheinische Kirchengeschichte, der die Veröffentlichung in seiner Schriftenreihe vornahm.

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„Der letzte Briefwechsel ist schon fast archivreif“

Bei der Recherche in dem Nachlass des Pfarrers Wolfgang Scherffig fiel mir in einer Akte mit Korrespondenz ein Begriff ins Auge, der in den Arbeitsalltag eines Archivars gehört, den ich aber nicht in einem Briefwechsel zweier Pfarrer vermutet hätte. Scherffig schreibt am 09.10.1957 an seinen Amtskollegen Pfarrer Lassek in Baruth/Mark in Brandenburg in der DDR:

Die Monate rollen uns unter den Händen fort und nach einiger Zeit stellen wir fest, dass der letzte Briefwechsel schon fast archivreif ist.

Ich finde es wirklich erstaunlich, dass Scherffig hier diesen Fachbegriff verwendet. Eine Umschreibung wie „unser letzter Briefwechsel liegt schon länger zurück“ wäre doch naheliegender gewesen? Wir können Pfarrer Scherffig heute nicht mehr fragen, aber immerhin könnte man ihm eine gewisse Weitsicht attestieren, denn – nicht nur – dieser Schriftwechsel Scherffigs wurde archivreif und ist auch archivwürdig und daher heute Bestandteil des Nachlasses 7NL 038 (Zitate aus Nr. 10). Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 26: Object

Porzellantasse als Geschenk für Pfarrer Denhard

Geschenktasse der Gemeinde Stolberg für Pfarrer Denhard zum Dank für seinen Verbleib in der Gemeinde, 1791; aus Bestand: AEKR Düsseldorf, 8SL 063 (Sammlung Denhard), Nr. 14

Diese wunderschöne filigrane Porzellantasse erhielt Pfarrer Wilhelm Valentin Denhard von der Gemeinde Stolberg, nachdem er sich entschieden hatte, die Berufung an die Hochdeutsche Gemeinde in Amsterdam nicht anzunehmen und Stolberg treu zu bleiben. Eine Familienlegende besagt, sie sei außerdem mit Golddukaten gefüllt gewesen. Mehr zu diesem Fall von Pfarramts-Poker lesen Sie in diesem älteren Beitrag aus dem Jahr 2015.

April Challenge #Archive30 – Tag 4: Memory

Erinnerung an Pfarrer Klaus Lohmann

Siehe dazu den Blogbeitrag vom 14. November 2018: 80 Jahre Novemberpogrome: Tagebucheintrag Pfarrer Klaus Lohmann. Hier finden sich auch weitere Infos zu seiner Person und Hinweise zu Beständen.

Tagebucheintrag von Pfarrer Klaus Lohmann, nach der Pogromnacht am 9./10 November 1938, Tagebuchnotiz unter dem Datum: Montag, 14.11.1938; aus Bestand: AEKR 7NL 091 (Nachlass Pfr. Klaus Lohmann)

Fröhliche Weihnachten wie in 1852

Wir wünschen allen fröhliche Weihnachten und verabschieden uns bis zum 04.01.2019 in die Weihnachtspause

Pfarrerfamilie Garschagen 1852

Familie Garschagen vor dem Weihnachtsbaum und einem Tisch mit Geschenken, um Weihnachten 1852, v.l.n.r.: Friedrich Wilhelm, Christiane Wilhelmine, Peter Karl, Lebrecht (Pfarrer), Julius (Pfarrer), Wilhelmine, Peter Carl, Richard; Bestand: AEKR 7NL 142 (Pfarrerfamilie Garschagen), Nr. 49

Sicherlich war auch das Weihnachtsfest der Pfarrerfamilie Garschagen fröhlicher und ausgelassener, als das Foto aus dem Jahr 1852 vermuten lässt. Man muss ihr wohl zu Gute halten, dass Fotografie damals eine seltene und ernste Angelegeheit war. Immerhin standen sich die Familienmitglieder recht nah. Die Brüder und späteren Pfarrer Leberecht und Julius, links und rechts neben dem Weihnachtsbaum, studierten sogar zeitweise gemeinsam. Umfangreiche Familienkorrespondenz und weitere Fotografien finden sich im Familiennachlass bei uns im Archiv.

In diesem Sinne: Feiern Sie ausgelassen und genießen Sie die Feiertage mit ihren Lieben!

80 Jahre Novemberpogrome: Tagebucheintrag Pfarrer Klaus Lohmann

Predigt in der Pogromnacht für die Juden im Jahre 1938

Lohmann, Klaus, Vikar Ausbildungsamt der Bekennenden Kirche Johannes Schlingensiepen
1936, Pfarrer; Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 80088_08

In Gedenken an die Pogrome erinnern wir an Pfarrer Klaus Lohmann, der den folgenden Tagebucheintrag taggenau genau vor 80 Jahren am 14. November 1938 bezogen auf die Ausschreitungen und Synagogenbrände der Pogromnacht des 9./10. November 1938 verfasste:

Tagebucheintrag von Pfarrer Klaus Lohmann, nach der Pogromnacht am 9./10 November 1938, Notiz unter dem Datum: Montag, 14.11.1938; aus Bestand: AEKR 7NL 091 (Nachlass Pfr. Klaus Lohmann)

„Morgens telefoniert mich die Stapo an: ich solle erscheinen! Verhör wegen meiner gestrigen Predigt. Ich habe gestern gesagt, dass ‚alle Völker‘ sich vor Gott verantworten müssen, Russland u. auch Deutschland. Weiter, dass auch die Juden Christi Brüder u. somit unsere Brüder sein können! – Ich werde laufen gelassen – für wie lange? – Frauenhilfe, Andacht über Offbg 1, 1-3. Abds [Abends] Gemeindeversammlung in meiner Wohnung. Ich spreche fast anderthalb Stunden zur Lage, u. ich glaube, die Leute verstehen, dass wir weiter den Weg der BK gehen müssen.“

Klaus Lohmann, Montag, den 14. November 1938.

Anlass des Verhörs war diese Predigt, die er als maschinenschriftliches Manuskript bei der Gestapo einreichen musste: Weiterlesen

Hans und Lotte Josten: Gründer des Rheinischen Pfarrfrauendienstes

Freizeit des Rheinischen Pfarrfrauendienstes, ca. 1958, eingekreist: Pfarrer Hans Josten und Ehefrau Lotte Josten, aus Bestand: AEKR, 5WV 016 (Rheinischer Pfarrfrauendienst), Nr. 29

Im Sommer 2016 wurde hier bereits über die Neuverzeichnung zweier Bestände zur Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauendienstes berichtet.

Diesem Thema widmet sich nun einen neue Vitrinenausstellung des Archivs der EKiR im oberen Foyer des Landeskirchenamtes. Neben der Geschichte des Rheinischen Pfarrfrauen im Allgemeinen stellt die Ausstellung auch zwei der sicherlich wichtigsten und richtungsweisensten Protagonisten des Pfarrfrauendienstes vor: Das Ehepaar Hans und Lotte Josten. Weiterlesen