Schreibschriften – Eine illustrierte Kulturgeschichte

Unter diesem Titel hat die Grafikerin Lena Zeise jetzt einen sehr ansprechend gestalteten Überblick über die Schriftarten und Schreibtechniken von der Antike bis zur Gegenwart vorgestellt. Eine ausführliche Besprechung finden Sie hier.

Obgleich der Band zahlreiche aussagekräftige Schriftbeispiele von der Antike bis zum 20. Jahrhundert bietet, ist er nicht als praktische Übungshilfe für das Transkribieren der gotischen Minuskel oder der deutschen Kurrentschrift zu verstehen. Hierfür gibt es in Buchform und im Web zahlreiche hilfreiche Angebote gerade auch für familienkundlich Interessierte. Ein guter Überblick findet sich bei Archivalia. Für die ganz Eiligen seien hier etwa die „Zehn Goldenen Regeln der Paläographie“ genannt, u. a. mit dem meines Erachtens empirisch wirklich zutreffenden Tipp: „Im Zweifel ist es immer ein ´W´…“

Warum also der Buchhinweis in einem Archivblog? Nun, es schadet auch den meist sehr pragmatisch agierenden Archivarinnen und Archivaren nicht, den Blick vom reinen Entzifferungsgeschäft auf die Kulturtechnik des Schreibens zu weiten. Diese ist bekanntlich durch den technisch-kulturellen Wandel vielfach bedroht. Der vorliegende Band regt dazu an, wieder stärker ihren kognitiven Wert anzuerkennen.

Rückblick: Tag der Archive 2020 in Düsseldorf

Tag der Archive in Düsseldorf 2020

Nachdem den Besuchern des Tages der Archive in Düsseldorf in der vergangenen Woche ein umfangreiches Programm zum Thema Archivwesen, Kultur, Sport- und Lokalgeschichte geboten wurde, möchten wir hier auf unserem Blog einmal resümieren.

Für uns im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland startete die Woche am Montag mit einer Führung durch unsere „Katakomben“. Anhand von Quellen des Mittelalters bis hin zum 20. Jahrhundert (z.B. Mittelalterliche Urkunden; Protokollbücher, Kirchenbücher, Plakate und Tagebücher), wurde den Teilnehmern ein kleiner Eindruck über unsere Archivbestände gegeben. Im Anschluss war noch genügend Zeit für Fragen und gegenseiten Austausch.

Am Dienstag waren wir dann im Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße vertreten. An diesem Abend stellten sich die teilnehmenden Archive vor. Dazu referierten Dr. Michael Matzigkeit (Archiv des Theatermuseums), Eva Lanzerath M.A.  und Markus Nemitz (Fotoarchiv des LVR-Zentrums für Medien und Bildung), Dr. Stefan Flesch (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland) unter der Moderation von Dr. Enno Stahl.

Dr. Stefan Flesch beim Vortrag im Heinrich-Heine-Institut

Am Mittwoch besuchten wir das Universitätsarchiv der Heinrich-Heine Universität. Dabei bot Herr Dr. Julius Leonhard Einblicke in die Universitäts- und Archivgeschichte anhand eines ausführlichen Vortrags und der Präsentation von verschiedenen Archivalien.

Ausgewählte Quellen des Universitätsarchivs der HHU

Für Donnerstag hatten wir Quellen zur Geschichte der evangelischen Gemeinden in Düsseldorf ausgewählt, sowie Koch- und Arzneirezepte des 18. Jahrhunderts. Diese wollten wir in der Neanderkirche auf der Bolker Straße präsentieren. Im Hinblick auf die Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor der Verbreitung von CoV19 haben wir beschlossen, diese Veranstaltung zu vertagen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Gerne informieren wir sie, sobald eine Entscheidung über einen Ersatztermin getroffen wurde.

Festhalten lässt sich, dass der Tag der Archive schöne Einblicke in die verschiedenen Archivsparten gegeben hat und sich die teilnehmenden Archive große Mühe mit dem Programm gegeben haben.

„Bist du schon eingestaubt?“

Die Materialsichtung erfordert einen klaren Blick

Wer kennt sie nicht, diese sogenannten „Stereotype“? Sie begegnen uns überall im Alltag – so also auch, als ich erzählte, dass ich ein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland machen würde. Für manche hieß das, den ganzen Tag verstaubte Akten im Keller zu wälzen, etwa so, wie es manchmal im Fernsehen dargestellt wird.
Ich persönlich hatte selbst noch keine konkrete Vorstellung dessen, was mich im Praktikum erwarten würde. Immerhin konnte ich nach meinem ersten Tag mit einem Schmunzeln berichten, dass sich die Magazine, in denen die Archivalien aufbewahrt werden, im Untergeschoss befinden, entgegengesetzt einiger Annahmen, waren diese jedoch nicht verstaubt.

Aus einem der Magazine holte ich den Bestand herauf, den es von mir zu erschließen galt. Es handelte sich um einen Teilnachlass eines ehemaligen Pfarrers aus Bonn. In den kommenden Tagen machte ich mich daran, das Material zu sichten. Schnell hatte ich die ersten spannenden Entdeckungen gemacht: „Mein“ Nachlasser äußerte sich zum „Kirchenkampf“ hielt nach Ende des zweiten Weltkrieges Predigten in Schweriner Flüchtlingslagern und positionierte sich zu politischen Themen (so beispielsweise zur Oder-Neiße-Grenze oder zum politischen Nachtgebet).

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Kirchliche Registraturberatung im Wandel der Zeiten

Seit 2004 genießen wir in der Ev. Kirche im Rheinland den erfreulichen Zustand, dass der IT-kompatible Einheitsaktenplan für alle Ebenen der Verwaltung (Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche) Anwendung findet. Freilich bedarf er steten Trainings, wozu das Archiv der EKiR regelmäßig Schriftgutlehrgänge anbietet. Dort wird die korrekte Ablage nach Aktenzeichen eingeübt, die durch die Einführung von DMS-Systemen fast noch wichtiger als im herkömmlichen Papierzeitalter geworden ist.

Taschenbuch: Scribemecum pastorale, von Karlheinrich Dumrath, 1963

Der Bedarf an praktischen Beratungshilfen für die Kirchengemeinden war ein Thema für alle Landeskirchen. Ein früher Vertreter dieses Genres bildete das Büchlein „Scribemecum Pastorale“, das Karlheinrich Dumrath 1961 beim Evangelischen Presseverband in München publizierte. Die launig formulierten Texte und zahlreichen Zeichnungen nahmen die Missstände in der kirchlichen Schriftgutverwaltung nicht nur ins Visier, sondern boten auch konkrete Tipps zur Abhilfe. Weiterlesen

Künstlerische Würdigung für Magdalene von Waldthausen

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait von Magdalene von Waldthausen (1886-1972) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Frau von Waldthausen war seit 1929 bis 1951 Vorsitzende der Rheinischen Frauenhilfe, die sie ab 1933 in den Konflikten mit dem NS-Regime und der offiziösen Reichskirche auf dem Kurs der Bekennenden Kirche hielt. Nach 1945 machte sie sich um die Sicherung des vollen kirchlichen Wahlrechtes für Frauen verdient.

Schöpfer des Portraits ist der Künstler Thomas Baumgärtel, auch als „Bananensprayer“ bekannt. Ein Audiobeitrag zur Biografie ist hier abrufbar.

Soziale Fürsorge im 16. Jahrhundert

Ausstellung Anvertraute Zeit 1535

1535 – Armenfürsorge; Armenordnung der Evangelisch reformierten Gemeinen in dem Herzogtum Berg

Die evangelischen Kirchenordnungen der frühen Neuzeit enthielten von Beginn an Regelungen zur Armenfürsorge. Dieses Thema haben wir in unserer Online-Ausstellung „Anvertraute Zeit“ illustriert. Ähnlich wie in dem Beispiel aus Aachen 1579 wurden jährlich die Einnahmen- und Ausgabenrechnungen der Armenkasse gelegt. Die Einnahmen rekrutierten sich aus Vermächtnissen, Schenkungen, Stiftungen und Bußgeldern, wobei das angesammelte Kapital durch geschickte Kreditvergaben noch gemehrt werden konnte. „Fremde Bettler“ fanden bei der Verteilung zumeist keine Berücksichtigung; als Idealtyp wurde ihnen der ortsansässige, fromme, arbeitsame und unverschuldet in Not geratene Arme gegenüber gestellt.

Das gesiegelte Testament der Aachener Eheleute Laurents und Feyen von Eiss aus dem Jahr 1597 illustriert das Finanzierungssystem. Beide sind an der in der Stadt grassierenden Pest erkrankt und vermachen den Armen der reformierten Kirchengemeinde 100 Taler, da sie keine Leibeserben haben und ihr Onkel bereits von der Armenkasse unterhalten wird.

Eine weitere Einnahmequelle bildete der anlässlich der Reformation eingezogene Klosterbesitz. In Meisenheim am Glan wurden 1535 die nicht mehr benötigten liturgischen Gewänder und Alben an Bedürftige unentgeltlich verteilt bzw. an Bessergestellte verkauft. Die Verteilungsliste findet sich mitte links auf der Ausstellungstafel: „Des tauben Clasen Stieftochter, ist lame“ erhielt dabei ein altes grünes Messgewand .

Archivarbeit von analog bis digital – verstaubt ist was anderes

FaMI-Auszubildende Laura Bremer bei der Erschließung des Bestandes 8SL 080 (AV-Medien)

Mein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland:

Während der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv steht unter anderem ein Praktikum in einem anderen Archiv auf dem Plan. Da ich bereits im Studium ein Stadtarchiv kennengelernt habe und die Ausbildung im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland mache, habe ich das Praktikum als Möglichkeit gesehen, eine weitere Archivsparte kennenzulernen. So bin ich zum Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland gekommen.

Praktikum im AEKR

AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ), aus Bestand: AEKR 8SL 080 (AV-Medien)

Bei Archivarbeit denken viele sicherlich zuerst an stapelweise altes Papier und Berge aus Akten, die in einem staubigen Raum liegen – am besten in einem Keller. Doch in einem Archiv kann man viel mehr finden als Papier und übermäßig verstaubt ist es dort auch nicht. Ich durfte mich während meines fünfwöchigen Praktikums gleich mit einer Vielzahl verschiedener Medien beschäftigen. Bei der Verzeichnung einer AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ) habe ich Videokassetten, CDs, Audiokassetten, DVDs, Schallplatten und Tonbänder in der Datenbank des Archivs aufgenommen. Mit teilweise eigenen Produktionen, aber auch vielen Mitschnitten von Gottesdiensten sowie Fernseh- oder Radiosendungen bot diese Sammlung eine abwechslungsreiche Mischung.
In diesem Zusammenhang wurde mir das Thema der Digitalisierung besonders bewusst. Die Aufnahmen und Produktionen liegen alle in ihrer ursprünglichen Medienform vor, doch wie lange können sie so erhalten bleiben? Sicher ist, dass sie nicht für immer abspielbar bleiben werden. Aber muss deswegen jedes einzelne der gut 300 Medien der FFFZ-Sammlung digitalisiert werden? Eine schwierige Frage, bei der vor allem kleine und mittelgroße Archive immer abwägen müssen, ob dieser Schritt wirklich sinnvoll ist oder ob nur einzelne Stücke aufgrund von Nutzeranfragen digitalisiert werden. Es bleibt in dieser Hinsicht sicherlich in allen Archiven noch die kommenden Jahrzehnte sehr spannend.

Viel Spannendes passiert bei der Archivarbeit aber auch schon in der Gegenwart. So durfte ich mit Herrn Dr. Flesch einen Außentermin begleiten. Die Witwe eines Pfarrers hat seinen Nachlass dem Archiv angeboten. Mit genügend leeren Kartons ging es dann mitten in die Kölner Innenstadt, um den Nachlass vor Ort grob zu sichten. Alles, was von Relevanz sein könnte, wurde eingepackt und ins Archiv transportiert. Ich fand es sehr faszinierend, wie lebhaft die Dame während unseres Besuchs über das Leben ihres verstorbenen Mannes erzählt hat und sich dabei an viele Details noch genau erinnern konnte. So haben die vielen Unterlagen sofort Leben eingehaucht bekommen. Weiterlesen