Künstlerische Würdigung für Magdalene von Waldthausen

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait von Magdalene von Waldthausen (1886-1972) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Frau von Waldthausen war seit 1929 bis 1951 Vorsitzende der Rheinischen Frauenhilfe, die sie ab 1933 in den Konflikten mit dem NS-Regime und der offiziösen Reichskirche auf dem Kurs der Bekennenden Kirche hielt. Nach 1945 machte sie sich um die Sicherung des vollen kirchlichen Wahlrechtes für Frauen verdient.

Schöpfer des Portraits ist der Künstler Thomas Baumgärtel, auch als „Bananensprayer“ bekannt. Ein Audiobeitrag zur Biografie ist hier abrufbar.

Soziale Fürsorge im 16. Jahrhundert

Ausstellung Anvertraute Zeit 1535

1535 – Armenfürsorge; Armenordnung der Evangelisch reformierten Gemeinen in dem Herzogtum Berg

Die evangelischen Kirchenordnungen der frühen Neuzeit enthielten von Beginn an Regelungen zur Armenfürsorge. Dieses Thema haben wir in unserer Online-Ausstellung „Anvertraute Zeit“ illustriert. Ähnlich wie in dem Beispiel aus Aachen 1579 wurden jährlich die Einnahmen- und Ausgabenrechnungen der Armenkasse gelegt. Die Einnahmen rekrutierten sich aus Vermächtnissen, Schenkungen, Stiftungen und Bußgeldern, wobei das angesammelte Kapital durch geschickte Kreditvergaben noch gemehrt werden konnte. „Fremde Bettler“ fanden bei der Verteilung zumeist keine Berücksichtigung; als Idealtyp wurde ihnen der ortsansässige, fromme, arbeitsame und unverschuldet in Not geratene Arme gegenüber gestellt.

Das gesiegelte Testament der Aachener Eheleute Laurents und Feyen von Eiss aus dem Jahr 1597 illustriert das Finanzierungssystem. Beide sind an der in der Stadt grassierenden Pest erkrankt und vermachen den Armen der reformierten Kirchengemeinde 100 Taler, da sie keine Leibeserben haben und ihr Onkel bereits von der Armenkasse unterhalten wird.

Eine weitere Einnahmequelle bildete der anlässlich der Reformation eingezogene Klosterbesitz. In Meisenheim am Glan wurden 1535 die nicht mehr benötigten liturgischen Gewänder und Alben an Bedürftige unentgeltlich verteilt bzw. an Bessergestellte verkauft. Die Verteilungsliste findet sich mitte links auf der Ausstellungstafel: „Des tauben Clasen Stieftochter, ist lame“ erhielt dabei ein altes grünes Messgewand .

Archivarbeit von analog bis digital – verstaubt ist was anderes

FaMI-Auszubildende Laura Bremer bei der Erschließung des Bestandes 8SL 080 (AV-Medien)

Mein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland:

Während der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv steht unter anderem ein Praktikum in einem anderen Archiv auf dem Plan. Da ich bereits im Studium ein Stadtarchiv kennengelernt habe und die Ausbildung im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland mache, habe ich das Praktikum als Möglichkeit gesehen, eine weitere Archivsparte kennenzulernen. So bin ich zum Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland gekommen.

Praktikum im AEKR

AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ), aus Bestand: AEKR 8SL 080 (AV-Medien)

Bei Archivarbeit denken viele sicherlich zuerst an stapelweise altes Papier und Berge aus Akten, die in einem staubigen Raum liegen – am besten in einem Keller. Doch in einem Archiv kann man viel mehr finden als Papier und übermäßig verstaubt ist es dort auch nicht. Ich durfte mich während meines fünfwöchigen Praktikums gleich mit einer Vielzahl verschiedener Medien beschäftigen. Bei der Verzeichnung einer AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ) habe ich Videokassetten, CDs, Audiokassetten, DVDs, Schallplatten und Tonbänder in der Datenbank des Archivs aufgenommen. Mit teilweise eigenen Produktionen, aber auch vielen Mitschnitten von Gottesdiensten sowie Fernseh- oder Radiosendungen bot diese Sammlung eine abwechslungsreiche Mischung.
In diesem Zusammenhang wurde mir das Thema der Digitalisierung besonders bewusst. Die Aufnahmen und Produktionen liegen alle in ihrer ursprünglichen Medienform vor, doch wie lange können sie so erhalten bleiben? Sicher ist, dass sie nicht für immer abspielbar bleiben werden. Aber muss deswegen jedes einzelne der gut 300 Medien der FFFZ-Sammlung digitalisiert werden? Eine schwierige Frage, bei der vor allem kleine und mittelgroße Archive immer abwägen müssen, ob dieser Schritt wirklich sinnvoll ist oder ob nur einzelne Stücke aufgrund von Nutzeranfragen digitalisiert werden. Es bleibt in dieser Hinsicht sicherlich in allen Archiven noch die kommenden Jahrzehnte sehr spannend.

Viel Spannendes passiert bei der Archivarbeit aber auch schon in der Gegenwart. So durfte ich mit Herrn Dr. Flesch einen Außentermin begleiten. Die Witwe eines Pfarrers hat seinen Nachlass dem Archiv angeboten. Mit genügend leeren Kartons ging es dann mitten in die Kölner Innenstadt, um den Nachlass vor Ort grob zu sichten. Alles, was von Relevanz sein könnte, wurde eingepackt und ins Archiv transportiert. Ich fand es sehr faszinierend, wie lebhaft die Dame während unseres Besuchs über das Leben ihres verstorbenen Mannes erzählt hat und sich dabei an viele Details noch genau erinnern konnte. So haben die vielen Unterlagen sofort Leben eingehaucht bekommen. Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 28: Outreach

Analoge Öffentlichkeitsarbeit des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland

Das Thema ist „Outreach“ – „Reichweite“, der Begriff auf der deutschsprachigen Themenliste lautet allerdings „Öffentlichkeitsarbeit“. Bezogen auf das Landeskirchliche Archiv könnte man feststellen, das Archiv habe bis zum Jahr 2000 kaum Öffentlichkeitsarbeit, aber doch eine Reichweite gehabt.

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Escape The Archive – Escape Room

Ein spielerisches Konzept zum Kennenlernen der Archivarbeit-  im Archiv des Bistums Speyer, via : Archive2.0

weitere Infos dazu auf der Seite des Bistums Speyer: Escape the Archive – Die Premiere

Weitere „Escape the Archive“ Angebote mitlerweile auch beim Stadtarchiv Krefeld:  „Das Erbe der Seidenbarone“

Im Zeichen des Bergischen Löwen: Akademietagung in Bensberg

Eine mehrhundertjährige Geschichte des Herzogtums Berg hat zahlreiche und vielfältige Denkmale und kulturlandschaftlichen Zeugnisse hinterlassen. Sichtbares und Verborgenes erinnert an eine wechselvolle Geschichte: Bauwerke, regionale Bautypen, Kulturlandschaft und Wirtschaftsgeschichte sind von den Herrschaften des Herzogtums Berg geprägt.
Wie weit hat das Herzogtum Berg die Region tiefgreifend geprägt? Wie kann heute angemessen mit dem „Erbe von Berg“ umgegangen werden? Welche neuen Forschungsergebnisse liegen zum kulturellen Erbe des Herzogtums Berg vor? Welche Bedeutung hat „Berg“ heute in Nordrhein-Westfalen?

Diesen Fragen widmet sich eine Tagung der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg am 25.-26. November 2018. Auch kirchengeschichtliche Aspekte wie der Bautyp der „Bergischen Predigtkirche“ werden behandelt. Genaue Infos zu Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Fortbildungsveranstaltung „Alles gut geordnet und verzeichnet? Die Auswirkungen der kirchlichen Verwaltungsstrukturreform auf die Schriftgutverwaltung“

Bisher galt die Regel: Vor Ort, in den jeweiligen Kirchengemeinden, werden die Unterlagen der kirchlichen Einrichtungen verwahrt. Dies sah die kirchliche Archivgesetzgebung im Einklang mit der presbyterial-synodalen Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland, ihrer Verfassung, vor. Im Bedarfsfall soll das Presbyterium, das Leitungsorgan der Kirchengemeinde, auf die Dokumente unmittelbar zugreifen können. Dies setzt allerdings voraus, dass die Akten gemäß der Schriftgutordnung und dem Registraturplan geführt werden – in der Praxis eher die Ausnahme als die Regel.

Die Verwaltungsstrukturreform der evangelischen Kirche im Rheinland lässt das Vor-Ort-Prinzip obsolet werden. Ihr Ziel, die mittlere Ebene, die Kirchenkreise und ihre Verwaltung, zu stärken, bringt es mit sich, dass nunmehr hier verstärkt die Akten angelegt und geführt werden. Vor Ort, in den Kirchengemeinden, finden sich zwar noch Akten, die jedoch eher den Charakter von Handakten haben: Sie werden nicht systematisch geführt, sondern bedarfsweise, nach Gutdünken angelegt. Das Kriterium „Vollständigkeit“ erfüllen diese Aktenbestände nicht.

Archive sind bei diesen Reformen nicht außen vor, sondern mittendrin im Geschehen. Einerseits sind die finanziellen Aufwendungen in personeller und räumlicher Hinsicht erheblich, andererseits verlangt die Gesetzgebung, Unterlagen auch von Einrichtungen, die nicht mehr oder nur in veränderter Form existieren, zu magazinieren. Wenn mit dem Argument der Kostensenkung ehemals getrennte Verwaltungen vereinigt und als Folge Verwaltungsgebäude aufgegeben werden, muss über die Archivstandorte nachgedacht werden.

Hierzu bietet das Archiv der EKiR in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland am 6. November 2018 eine Fortbildungsveranstaltung in Köln an. Den Programmflyer zur Tagung finden Sie hier, die Online-Anmeldung erfolgt über die Seite des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums.