Bestand 1OB019M – Ostpfarrerversorgung

Am 21. Juni 1946 beschloss der Rat der EKD die „Verordnung zur Versorgung und Verwendung von Ostpfarrern“. Als solche galten alle Pfarrer aus dem Gebiet der ehemaligen DEK (Deutsche Evangelische Kirche) östlich der Oder-Neisse-Linie (einschließlich Wartheland und Sudetengau), nicht aber die Pfarrer, die in der russischen Besatzungszone tätig waren. Folglich bietet der Bestand „1OB019M – Ostpfarrerversorgung” einen ganz besonderen Einblick in die zwangsläufige Veränderung der Gesellschaft und die damit einhergehende Neustrukturierung der Kirche. Bei den meisten „Ostpfarrern“ handelte es sich um vertriebene Volksdeutsche, die zusammen mit ihren Gemeinden aus den östlichen Gebieten der ehemaligen DEK vertrieben worden sind. Demnach erscheint es nicht verwunderlich, dass sich im Bestand spektakuläre und teils unglaubliche Biografien finden lassen.

Eine dieser besonderen Biografien findet sich unter der Aktennummer „287, Pfarrer Ferdinand Sommer“. Seinen Pfarrdienst trat Pfarrer Sommer im Jahre 1913 in der Gemeinde Przemysl-Galizien an. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bescherte dieser Tätigkeit allerdings ein rasches Ende. Am 3. Juli 1951 schrieb Georg Faust, Propst i.R. an die „Amtsbrüderliche Hilfskasse des Bayr. Pfarrvereins“, dass Pfarrer Sommer „als die Festung Przemysl von den Russen eingenommen wurde“ vom Festungskommandanten zum evangelischen „k.u.k. Militär-Subsidiar Seelsorger“ ernannt worden ist. In dieser Funktion habe er 10 000 Soldaten betreut und beerdigt. Hierbei soll es sich nicht nur um Volksdeutsche, sondern auch um Polen, Tschechen, Ungarn und Slowaken gehandelt haben. Nach dem Fall der Festung ging Pfarrer Sommer freiwillig mit seiner Mannschaft in russische Gefangenschaft, die erst 1918 (aus gesundheitlichen Gründen) ein Ende fand. Anschließend wurde ab 1919 die Pfarrstelle innerhalb der deutschen Gemeinde in Schutzberg/Glogovac (Bosnien) bekleidet. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurden die deutschen Siedlungen in Bosnien nach Litzmannstadt umgesiedelt. In einem Vermerk an die „Evang. Luth. Landeskirche München“ vom 15. April 1953 wird das Schicksal der Deutschen wie folgt beschrieben: „Im November 1942 wurden die Bosniendeutschen durch einen Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und dem Unabhängigen Staate Kroatien aus letzterem herausgenommen und in die deutschen Ostgebiete umgesiedelt. Bargeld, Sparbücher und Wertpapiere mussten an die Reichsregierung abgeliefert werden. (…) Das Vermögen der Kirchengemeinde fiel durch diesen Staatsvertrag der Evang. Luth. Kirche in Kroatien (Agran) zu (…)“ (1)

1OB019M – Ostpfarrerversorgung

Mit der Umsiedlung wurden die Aussiedler deutsche Staatsbürger und so den anderen Bürgern gleichgestellt. In einem Schreiben argumentiert Sommer, dass allen Beamten und Angestellten die lückenlose Zahlung der Ruhestandsgelder vertraglich zugesichert worden wäre. Wie in der Akte Nr. 287 ausführlich dokumentiert, gestaltete sich die Anerkennung der geleisteten Tätigkeiten in der Praxis äußerst problematisch. Pfarrer Sommer musste daher bis zu seinem Tod im Jahr 1966 um die Rentengewährung kämpfen.

1OB019M – Ostpfarrerversorgung
  1. Anzumerken ist hierbei, dass es sich bei beschriebenen „unabhängigen“ Staat Kroatien um einen Staat handelte, der unter dem Regime der Ustascha stand und somit als enger Verbündeter des Deutschen Reiches agierte.

Evangelische Minderheiten in der Welt: Protestantismus in Tschechien und der Slowakei

Die Historie der heutigen Nationalstaaten Tschechiens und der Slowakei gestaltet sich sicherlich als eine der spannenderen hinsichtlich der eigenen Nationen- und Identitätsbildung. Neben einer gemeinsamen Geschichte, weisen beide Nationalstaaten auch diverse unterschiedliche Prägungen auf, die oftmals im Gedächtnis der Öffentlichkeit wenig Beleuchtung finden. Offiziell konstituierte sich ein moderner Staat der „Tschechoslowakei“ erst im Jahre 1918 und zerfiel 1992 in die beiden heutigen Staaten. Bereits im 10. Jahrhundert fand eine Trennung der beiden „Völker“ statt, die de jure bis in das 20. Jahrhundert existierte. Während Tschechien zum österreichischen Reichsteil der Habsburger gehörte, wurde die Slowakei als „Oberungarn“ vor 1918 politisch und kulturell vornehmlich durch das königliche Ungarn geprägt. Natürlich darf die geographische Trennung nicht darüber hinweg täuschen, dass aufgrund der gemeinsamen mittelalterlichen Geschichte und Zugehörigkeit zu der westslawischen Sprachfamilie durchaus kulturelle und politische Verbindungen konserviert blieben, wie sich anschaulich am sogenannten „Völkerfrühling“ (Mitte des 19. Jahrhunderts) analysieren lässt. Dennoch erscheint es aufgrund der faktisch vorherrschenden Trennung ebenfalls nicht verwunderlich, dass beide Staaten eine durchaus weitreichende Pluralität aufweisen, die sich auch in konfessioneller Hinsicht zeigt.

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Soldatenporträts des Ersten Weltkriegs im Archiv der Kirchengemeinde Baumholder

Listen mit Namen von gefallenen Weltkriegssoldaten sind trauriger Bestandteil vieler Gemeindearchive. Auch im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Baumholder finden sich mehrere Tafeln mit den Namen von 117 Gefallenen des Ersten Weltkriegs, deren Todesdatum, -ort und -ursache sowie des Datums der jeweiligen Gedächtnisfeier. Ungewöhnlich hingegen ist ein großformatiges, aufwändig mit geprägtem Ledereinband, verzierter Schließe und Goldschnitt gestaltetes Fotoalbum mit den Porträts von 63 Soldaten der Jahre 1914-1918 aus Baumholder und den Dörfern der Umgebung, das den Kriegsteilnehmern ein Gesicht gibt.

aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 139B (Baumholder)

Die fast ausschließlich in Ateliers entstandenen Porträts folgen dem traditionellen Schema der Soldatenfotografie: Die Männer unterschiedlichen Alters, zum Teil fast noch jungenhaft, in Uniform werden überwiegend in Dreiviertelfigur dargestellt, sie stehen stramm aufrecht, die rechte Hand ist meist auf ein Tischchen oder einen Stuhl gelegt. Abhängig von Rang und Status trägt der Soldat in der anderen Hand Handschuhe oder hat einen Offizierssäbel umgeschnallt. Das Gewehr, sofern vorhanden, wird senkrecht an der rechten Körperseite gehalten. Ganz individuell hingegen sind die Gesichtsausdrücke der Männer: Einige geben sich selbstbewusst und entschlossen, die meisten aber wirken ernst, einige können ihren Unwillen kaum verbergen und manchen steht sogar die Angst vor dem Bevorstehenden unübersehbar ins Gesicht geschrieben.

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Kriegsmotive des Ersten Weltkriegs auf Feldpost im Nachlass Hermann Schlingensiepen

Im vergangenen Jahr berichtete ein Blogbeitrag über Feldpost und sonstige Kriegskorrespondenz in unserem Archiv. Eine Auflistung der Post in den einzelnen Archivbeständen rundet den Beitrag ab. Der Nachlass 7NL 016 des Professors Hermann Schlingensiepen hebt sich mit 936 Korrespondenzen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs deutlich von den anderen Beständen ab. Innerhalb der Schreiben in vielfältigen Formaten fallen einige farbige Postkarten mit Kriegsmotiven ins Auge.

Hermann Schlingensiepen, geboren 1896, hat sich nach dem Notabitur 1914 als Kriegsfreiwilliger gemeldet. 1916 wurde er, im Rang eines Unteroffiziers, vor Verdun durch eine Schussverletzung im Unterleib schwer verwundet. In der Zeit erreichte ihn zahlreiche Post, die im Bestand 1OB 016 archiviert ist, u. a. in den Archivalien Nr. 137 und 138, aus denen die hier dargestellten fünf Postkarten stammen. Im Oktober 1916 war die Post adressiert an das St. Petrus-Krankenhaus in Barmen, im Frühjahr 1917 an das Elternhaus in der Kaiserstraße in Unterbarmen. Schlingensiepen hatte sich eine offene Tuberkulose zugezogen, die er im Sommer 1917 in Bonn im Reserve-Lazarett „Brüderhaus“ kurierte.

Motiv „Der Sanitätshund im Felde“ zeigt Transport eines durch Sanitätshund aufgespürten Verwundeten, 16.10.1916. Aus Bestand: AEKR Düsseldorf 7NL 016 Nr. 137
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Chorgesang an Weihnachten 1918 – Der lange Weg zur Normalität

Der Erste Weltkrieg hatte das kirchliche Leben in all seinen Bereichen zutiefst erschüttert. Nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 normalisierten sich die Verhältnisse allmählich, und zu Weihnachten konnte man  in vieler Hinsicht wieder an die Vorkriegsverhältnisse anknüpfen – freilich mit so mancher Einschränkung, wie das Beispiel der ersten Nachkriegprobe des Kirchenchors der evangelischen Gemeinde Trarbach an der Mosel zeigt, die im Protokollbuch des Chores dokumentiert ist.

Protokollbuch des Kirchenchors des Evangelischen Gemeinde Trarbach/Mosel, 1900-1977 (Bestand 4KG 058B, Nr. 113)

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Die Festnachklänge zum Reformationsjubiläum 1917

Wie verlief das Reformationsjubiläum am 31.10.1917 in Düsseldorf? – Hierzu ist ein Bericht im Düsseldorfer Sonntagsblatt am 11.11.1917 erschienen. Die Abschrift dazu findet sich im Weltkriegsblog: „1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch“ zum Nachlesen:

Weitere lesenswerte Beiträge zum Thema des 400 jährigen Reformationsjubiläums:

Norbert Bangert zu den Feierlichkeiten in Hückeswagen vor 100 Jahren

Rainer Neumann: Reformationsjubiläum in Greifswald vor 100 Jahren

Festpredigt zum 400jährigen Reformationsjubiläum 1917

Festpredigt zum Reformationsjubiläum 1917, AEKR Archivbibliothek GB 29 005

Heute vor 100 Jahren wurde anlässlich des 400 jährigen Reformationsjubiläums eine Festpredigt von Pfarrer Karl Theodor Becker in der Christuskirche zu Köln mit dem Titel: „Die Gottestat deutscher Reformation und ihre Siegeskraft“, gehalten.

Die vollständige Predigt zum Nachlesen als PDF.

Eine Abschrift der Seiten 10-12 findet sich im Weltkriegsblog: 1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch. Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf die dort zahlreich publizierten Beiträge rheinischer Archive zum Themenschwerpunkt „400 Jahre Reformation“ zu finden im Web auch unter dem Hashtag #400JahreReformation.