Über Dr. Andreas Metzing

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Konfessionelle Zwänge unter dem landesherrlichen Kirchenregiment

Gottesdienstliche Gebete für die Gesundheit des Landesherrn waren in der Zeit des landesherrlichen Kirchenregiments, die in Deutschland bis 1918 währte, eine Selbstverständlichkeit. In gemischtkonfessionellen Territorien der Frühen Neuzeit konnte es dabei vorkommen, dass eine Gemeinde inbrünstig für einen Fürsten beten musste, der einer anderen Konfession als der ihrigen angehörte oder sogar deren ausgewiesener Gegner war. Das war im 18. Jahrhundert in der Kurpfalz der Fall.

Erste und letzte Seite des Gebets um Genesung des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm, 1712 (AEKR Boppard, Bestand Kirchengemeinde Heddesheim, Nr. 4, Akte 08)

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Blut ist dicker als Weihwasser

Wie in vielen  Hunsrücker Kirchen, so ist auch in der Stephanskirche in Simmern neben dem Wappen der Grafen von Sponheim mit seinem charakteristischen Schachbrettmuster auch das weiß-blaue Wittelsbacherwappen zu sehen. Historischer Hintergrund ist, dass nach dem Aussterben des Sponheimer Grafenhauses im Spätmittelalter ein Teil seiner Gebiete an die Wittelsbacher Linien Kurpfalz und Pfalz-Zweibrücken vererbt wurde. Aus der Zweibrücker Linie ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts das bayerische Königshaus hervor.

Wappenstein von 1557 im Chorraum der Stephanskirche Simmern mit dem kurpfälzischen Löwen, dem blau-gold geschachten Wappen der Vorderen Grafschaft Sponheim und dem weiß-blau gerauteten Wittelsbacher Wappen (Quelle: www.hunsrueck-museum.de/wp-content/uploads/2017_reformation-simmern-4.jpg)

Dass die Beziehungen zwischen Bayern und dem Hunsrück noch im 20. Jahrhundert durchaus wirkmächtig waren, beweist ein Schriftstück, das jetzt bei Ordnungsarbeiten am Aktenbestand der Kirchengemeinde Simmern zutage getreten ist. Seine Koenigliche Hoheit Prinz-Regent Luitpold von Bayern haben Allergnädigst geruht, zur Restauration der evangelischen Stadtkirche in Simmern den Betrag von 1000 M. (Eintausend Mark) zu spenden“, heißt es in einem am 11. August 1904 vom Königlich Bayerischen Hof-Secretariat ausgefertigten Schreiben.

Schreiben des Königlich Bayerischen Hof-Secretariats an das Presbyterium der Ev. Gemeinde Simmern vom 11. August 1904 (AEKR Boppard, Best. 4KG 113B, Kirchengemeinde Simmern-Altweidelbach)

In der evangelischen Gemeinde Simmern wird man sich über diesen großzügigen Zuschuss aus dem katholischen Bayern gefreut haben. Er belegt eindrücklich, dass trotz der konfessionellen Unterschiede im Bewusstsein der Zeitgenossen die alten dynastischen Verbindungen von der Isar in den Hunsrück und die gemeinsame wittelsbachische Vergangenheit noch sehr präsent waren.

 

Hinweis: Der Wappenstein wurde auch in einer Sonderausstellung zum Thema „Der Kampf um die Wahrheit – Gesellschaftlicher Umbruch, Reformation, Gegenreformation
und Konfessionalisierung im 16. und 17. Jahrhundert“ gezeigt.

Ein Fotoalbum aus der Zeit des Kirchenkampfs

Ein wertvolles Dokument aus dem persönlichen Nachlass des Koblenzer Pfarrers und Superintendenten Wilhelm Rott (1908-1967) wurde jetzt der Evangelischen Archivstelle Boppard übergeben und den Unterlagen beigefügt, die sich schon in Boppard befanden. Es handelt sich um ein Fotoalbum, das Bilder aus dem Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern) enthält.

Titelblatt des Fotoalbums mit Bildern aus dem Wintersemester 1936/37 (aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)

Wilhelm Rott war zwischen 1935 und 1937 Studieninspektor in dem von von Dietrich Bonhoeffer geleiteten Seminar. In der von der offiziellen altpreußischen Kirchenleitung als illegal eingestuften Einrichtung wurden bekenntniskirchliche Vikare auf den Pfarrdienst vorbereiten. Neben der theologischen Wissensvermittlung legte Bonhoeffer großen Wert auf christlichen Gemeinschaftsgeist im alltäglichen Leben, so wie er es in seiner 1938 erschienenen Schrift „Gemeinsames Leben“ im Rückblick auf die Finkenwalder Erfahrungen ausgeführt hatte. Andachten, geistliche Übungen und gemeinsames Singen und Musizieren strukturierten den Tag der Vikare in Finkenwalde. Dass darüber hinaus aber gelegentlich auch noch Zeit für gesellige Aktionen blieb, belegt das „Gruppenbild mit Schneemann in Segenshaltung“ auf anrührende Weise.

Gruppenbild der Finkenwalder Vikare im Wintersemester 1936/37. Dietrich Bonhoeffer in der 2. Reihe von oben 3 v. l., Wilhelm Rott schräg unterhalb rechts neben ihm, Fotograf unbekannt. aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 024B (Nachlass Superintendent Wilhelm Rott)

Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Darmstadt

Am 4. und 5. Juni 2018 fand in Darmstadt die 27. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive. Eingeladen hatte das Archiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das ein interessantes, vielfältiges und manchmal auch kontroverses Programm zusammengestellt hatte.

In einem ersten Block ging es um aktuelle Themen aus der kirchenarchivischen Praxis. Zunächst gaben Siglind Ehinger (Stuttgart) und Holger Bogs (Darmstadt) einen Sachstandsbericht über ein Problemfeld, mit dem viele Kirchenarchive konfrontiert sind: Die Übernahme  unerschlossener und oft sehr umfangreicher Altregistraturen diakonischer Einrichtungen, deren archivische Bearbeitung im laufenden Dienstbetrieb nur sehr schwer zu bewältigen ist. Es folgte ein Überblicksreferat von Birgit Hoffmann (Wolfenbüttel) über den aktuellen Stand der Diskussion um das Strategiepapier der kirchlichen Archive und Bibliotheken. Im Anschluss daran führte Henning Pahl (Berlin) in die aktuelle rechtliche Situation nach Inkrafttreten des neuen EKD-Datenschutzgesetzes und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung ein.

Der zweite inhaltliche Block war zwei Themen gewidmet, über die schon auf der letztjährigen Tagung in Speyer diskutiert und für die eine Vertiefung gewünscht worden war, nämlich Pfarrarchivpflege und Kooperation mit Ehrenamtlichen. Hannelore Schneider (Eisenach) sowie Udo Wennemuth und Johanna Wohlgemuth (beide Karlsruhe) gaben Praxisberichte über den Stand der Archivpflege in der mitteldeutschen und in der badischen Landeskirche. Insbesondere das badische Modell, bei dem mit von der Landeskirche finanzierten Projektstellen innerhalb von fünf Jahren sämtliche badischen Pfarrarchive erschlossen werden sollen, stieß auf großes Interesse, aber auch auf Skepsis hinsichtlich der Realisierbarkeit.

Den inhaltlichen Schlusspunkt der Tagung setzte Andreas Metzing (Boppard) mit einem Bericht über die Zusammenarbeit des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland mit genealogischen Vereinen. Das Konzept des Archivs der EKiR, als Gesellschafter des Kirchenbuchportals ARCHION seine Gemeindekirchenbücher grundsätzlich in diese Bezahlplattform einzustellen, aber sich gleichzeitig die Freiheit vorzubehalten, im überschaubaren Segment der Militärkirchenbücher auch Erfahrungen mit Open-Access-Lösungen (Zusammenarbeit mit dem Verein für Computergenalogie und dem Portal Matricula) zu sammeln, wurde ausgesprochen kontrovers diskutiert. Gerade in diesem Punkt verspricht die nächstjährige Tagung, die Anfang Juni 2019 von der Archivstelle Boppard ausgerichtet werden wird, Anlass für weitere Debatten zu werden.

April Challenge #Archive30 – Tag 17: A collection (eine Sammlung)

Auch wenn das Jäger- und Sammlertum nicht zu den archivarischen Tugenden gehört – Sammelgut hat in Archivbeständen seinen festen Platz. In der Evangelischen Archivstelle Boppard ist insbesondere die Dienstsiegelsammlung im steten Wachstum begriffen. Nicht mehr im Gebrauch befindliche Siegelstempel werden aufgrund ihres dreidimensionalen Formats nicht mit dem sonstigen Schriftgut, sondern in einer besonderen Sammlung aufbewahrt. Für Ausstellungen zu Gemeindejubiläen werden besonders gerne die älteren Stücke präsentiert, auf denen oftmals der preußische Adler zu sehen ist.

Den Gefallenen zur Mahnung

Gefallener Pastor wurde postmortal getraut“ – so war es Anfang März in diesem Blog zu lesen.  Dass es aber auch ein eigenes liturgisches Formular für die Trauung Gefallener gab, mit dem sich sogar die Provinzialsynode befasst hat, erscheint auf den ersten Blick noch erstaunlicher. Und doch trägt der § 160 der rheinischen Provinzialsynodalverhandlungen des Jahres 1853 genau diese Überschrift.

Protokoll der 8. Rheinischen Provinzialsynode 1853, S. 276

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Was bleibt vom Predigerseminar Bad Kreuznach?

Betonverglaste Fensterleiste von Hanns Pastor in der Kapelle des Predigerseminars Bad Kreuznach (Foto: © Günter Perplies), aus Bestand: AEKR Boppard 2LR 041B (Predigerseminar Bad Kreuznach), Nr. 172.

Hanns Pastor, ein Pionier der abstrakten Kunst der 1950er und 1960er Jahre, hätte 2017 seinen 100. Geburtstag feiern können. Der Aachener Galerist Günter Perplies, ein Freund Hanns Pastors aus dessen letzten Lebensjahren, hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, das Werk des Künstlers zu dokumentieren. Seine Recherchen führten ihn auch in die Evangelische Archivstelle Boppard. Weiterlesen