Über Dr. Andreas Metzing

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Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren lagert ältere Kirchenbücher in die Archivstelle Boppard aus

Das Diersfordter Kirchenbuch 1818-1926 (KB 433/3)

Schon seit längerer Zeit trug sich die Kirchen-gemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren (Kirchenkreis Wesel), deren Wurzeln bis in das Reformationsjahrhundert zurückreichen, mit dem Gedanken, die älteren Kirchen-bücher der beiden Vorgängergemeinden Bislich (Kirchenbuchüberlieferung ab 1711) und Diersfordt (Kirchenbuchüberlieferung ab 1649) in die Archivstelle Boppard aus-zulagern. Jetzt machten Pfarrer Winfried Junge und Archivbetreuer Siegfried Meding Nägel mit Köpfen und überbrachten 21 Kirchenbücher und ältere Presbyteriums-protokollbücher vom Nieder- an den Mittelrhein.

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Süddeutscher Kirchenarchivtag in Boppard 2019

28. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Boppard

Zur alljährlichen Fachtagung der süddeutschen Kirchenarchive hatte am 3. und 4. Juni 2019 die Evangelische Archivstelle Boppard eingeladen. Bei strahlendem Sommerwetter waren 35 Kolleginnen und Kollegen an den Mittelrhein gereist, um sich über das Thema „Archive im Zeitalter von Web 2.0 – Neue Wege durch Kooperation“ auszutauschen. Gerade angesichts der fachlichen Herausforderungen des digitalen Zeitalters, so betonte der Bopparder Archivleiter Andreas Metzing in seinen Begrüßungsworten, sei eine archivspartenübergreifende Zusammenarbeit das Gebot der Stunde. Bewusst waren deshalb für die Fachvorträge nicht nur Referentinnen und Referenten aus kirchlichen Archiven, sondern auch aus anderen Archivsparten eingeladen worden, insbesondere aus dem kommunalen Bereich.

In der ersten Tagungssektion standen die verschiedenen Kooperationsmodelle digitaler Langzeitarchivierung im Mittelpunkt. Zunächst gab Ulrich Fischer vom Historischen Archiv der Stadt Köln eine Einführung in die Thematik, verbunden mit einem Überblick über die derzeit in Deutschland bestehenden Langzeitarchivierungsverbünde. Er betonte, dass sich die digitale Archivierung inzwischen zur Kernaufgabe archivarischen Handelns entwickelt habe. Gerade für kleinere Archive, die bei der Bewältigung dieser fachlichen, organisatorischen und juristischen Herausforderung manchmal noch ganz am Anfang stünden, sei es deshalb umso wichtiger, durch geeignete Kooperationsmodelle von der Erfahrung anderer, die auf diesem Weg schon weiter seien, zu profitieren.

Im Anschluss an den Einführungsvortrag wurden die beiden derzeit in Deutschland existierenden Langzeitarchivierungsverbünde detailliert vorgestellt. Johanna Schauer-Henrich erläuterte den Tagungsteilnehmern die Kooperationsmöglichkeiten kleinerer Archive mit dem Digitalen Magazin des Landesarchivs Baden-Württemberg (DIMAG). Als frühere Mitarbeiterin des Landeskirchlichen Archivs Karlsruhe und derzeitige Kreisarchivarin von Biberach an der Riß erklärte sie anschaulich und praxisbezogen die Vorteile, die der Verbund DIMAG sowohl für kirchliche als auch für kommunale Archive bietet. Auch Hannah Ruff vom Archivamt für Westfalen in Münster betonte in ihrer Präsentation der Langzeitarchivlösung DiPS.kommunal die archivspartenübergreifende Dimension. Primäre Zielgruppe des Verbundes sind zwar zunächst die nordrhein-westfälischen Kommunalarchive, doch ist er prinzipiell offen für die Beteiligung auch anderer Archivtypen. Beide Referentinnen unterstrichen die Notwendigkeit, von archivischer Seite bereits bei der Entwicklung der in den Verwaltungen eingesetzten digitalen Fachverfahren Einfluss darauf zu nehmen, dass eine Schnittstelle zu einem Langzeitarchivierungsverbund eingeplant wird. Von ebenfalls grundlegender Wichtigkeit ist die Kooperation mit einem leistungsstarken Rechenzentrum.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 28. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive am 3. und 4. Juni 2019 in Boppard. (Foto: André Mageney)

Nach einer Führung durch zwei der schönsten Bopparden Kirchen klang der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen unter freiem Himmel an den Bopparder Rheinanlagen gemütlich aus. Am folgenden Vormittag, der mit einer Andacht in der evangelischen Christuskirche begann, stand in der zweiten Tagungssektion das Thema „Neue Präsentationsformen für Archive im Web 2.0“ im Mittelpunkt. Joachim Kemper vom Stadtarchiv Aschaffenburg sprach über Social-Media-Strategien für kleinere Archive und führte an ausgewählten Besipielen vor, wie die ganze Bandbreite der heutigen  sozialen Medien für die archivische Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll nutzbar gemacht werden kann. Aktivitäten wie etwa eine eigene Facebookseite oder ein Blog, aber auch Präsenz  auf Twitter oder in einem eigenen Youtube-Kanal böten auch für kleinere Archive Möglichkeiten, ihr traditionelles Image zu überwinden und sich neue und jüngere Interessenten- und Nutzerkreise zu erschließen. Selbst WhatsApp-Gruppen können heutzutage für die archivische Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden.

Als Beispiel einer für Archive besonders geigneten Form der interaktiven Öffentlichkeit im Web 2.0 stellte Tatjana Klein das Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland vor. Neben einer Einführung  in den Aufbau und die Funktionsweise dieses Blogs legte sie einen besonderen Focus auf die mannigfachen Vernetzungsmöglichkeiten. Durch Verlinkungen mit anderen Blogs werden die geposteten Inhalte Teil einer komplexen Blogosphäre. Den Usern wird dadurch ein unkomplizierter Zugriff auf inhaltlich ähnlich gelagerte Beiträge anderer Blogs ermöglicht, während den Archiven ein niederschwelliges Angebot zur digitalen Kommunikation mit ihren Nutzern zur Verfügung steht. In der anschließenden, äußerst lebhaften Diskussion wurde neben großer Zustimmung auch die Sorge geäußert, dass die eher flüchtigen Kommunikationsformen via Blog, Facebook oder Twitter zu einem Absinken des Niveaus der inhaltlichen Anfragen an die Archive führen könnten. Dem hielten beide Referenten übereinstimmend entgegen, dass bei der Heranführung neuer Interessenten an die spezifisch archivischen Arbeitsbedingungen zwar durchaus ein gewisser Mehraufwand erforderlich sei, der aber durch die Chancen, die in der Kontaktaufnahme zu einem medienaffinen, jungen Publikum liegen, bei weitem überwogen würde.

In der dritten Sektion der Tagung, die unter dem Titel „Web 2.0 als neuer Weg der Erschließung?“ stand, stellte Andreas Metzing den aktuellen Sachstand des Crowdsourcing-Projekts „Erschließung der Kölner Miltärkirchenbücher“ vor, das seit einem Jahr von der Evangelischen Archivstelle Boppard gemeinsam mit dem Verein für Computergenealogie betrieben wird. Durch die Netzcommunity werden genealogisch relevante Daten aus den im Internet frei einsehbaren Kirchenbüchern mithilfe der Software DES erfasst und in eine Datenbank eingespeist, die in Echtzeit online abrufbar ist und eine digitale Alternative zu den klassichen Familienbücher darstellt. Nach einem Jahr lässt sich sagen, dass das Projekt zwar bisher nicht alle anfänglichen Erwartungen erfüllt hat und insbesondere die erhoffte größere Wahrnehmbarkeit des Archivs aufgrund des langesamen Fortgangs des Projekts bislang noch nicht eingetreten ist. Dennoch zog Metzing eine insgesamt positive Zwischenbilanz, da das Projekt praktisch keine Sach- oder Personalressourcen bindet, aber trotzdem qualitativ sehr zufriedenstellende Ergebnisse liefert. Ein Anschlussprojekt in Kooperation mit dem Kirchenbuchportal Archion ist grundsätzlich möglich.

In der Abschlussbesprechung äußerten sich alle Beteiligten hochzufrieden mit dem inhaltlichen Ertrag der diesjährigen Südschienentagung. Die Vorträge beleuchteten die unterschiedlichsten Aspekte der Herausforderungen, aber auch der Chancen des Web 2.0 für die Archive, während das Thema Kooperation, das sich wie eine roter Faden durch alle Beiträge zog, eine Perspektive aufwies, die in Zukunft immer größere Bedeutung haben wird.

April Challenge #Archive30 – Tag 20: A Collection

„Eine Sammlung“ ist das heutige Thema, und zu diesem Anlass möchte ich einen für sich genommen recht unscheinbaren Bestand aus unserer Dienstbibliothek vorstellen, der aber bei Recherchen schon häufig ausgesprochen wertvolle Dienste geleistet hat: die Sammlung von Gemeindeverzeichnissen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 10: Animals, Teil 2

Titelblatt der Grundabgabentabelle („Fauller Hundt“) für das Dorf Nächst-Hochstetten, aus Bestand: AEKR 4KG 066B (Ev. Kirchengemeinde St. Johannisberg), Altes Archiv a 3

Mein Fauller Hundt

Macht Eß Kundt

Waß Ein Jeder Gibt

Von Seinem Grundt

Mit diesem Vierzeiler ist ein Dokument aus dem Jahr 1762 überschrieben, das sich im Archivbestand der Kirchengemeinde Sankt Johannisberg an der Nahe befindet. Von der Sache her handelt es sich um ein für das 18. Jahrhundert völlig gängiges Schriftstück: eine tabellarische Übersicht über die auf verschiedenen Bodenqualitätsklassen lastenden Grundabgaben. Was stutzig macht, ist die Bezeichnung „Fauler Hund“. Sie kommt nicht nur in dem kleinen Gedicht im Titel vor, sondern wird auch mit der größten Selbstverständlichkeit im Text verwendet: „Eß begreifft dieser faulle Hund in sich erstl. die 6 Classen oder Buchstaben über daß Ackerfeld, wie hoch jede Class geschätzt …“. Über die Hintergründe der Bezeichnung „Fauler Hund“ für eine derartige tabellarische Übersicht konnte das Bopparder Archivpersonal trotz intensiver Recherchen bislang nichts ermitteln. Deshalb wenden wir uns an die Netzcommunity: Wer weiß Näheres über den „Faulen Hund“?

Schriftgutlehrgang An Sieg und Rhein in Wahlscheid

Am 20. März 2019 fand in Wahlscheid der zweite Teil des Schriftgutverwaltungslehrgangs für Gemeindesekretärinnen des Kirchenkreises An Sieg und Rhein statt. Neun Damen und ein Herr waren im Gemeindehaus zusammengekommen, um sich über den Umgang mit dem Einheitsaktenplan, die Behandlung von Kassationsfällen und Fragen der elektronischen Kirchenbuchführung zu informieren. Die logistischen Rahmenbedingungen – ein angenehmer, heller Tagungsraum sowie ausreichend Tee, Kaffee und sonstige Verpflegung – waren von Frau Petra Jacob von der Kirchengemeinde Wahlscheid perfekt organisiert worden.

Schriftgutlehrgang AEKR

Das Thema Kassation – hier eine der Folien aus der Präsentation in dem Lehrgang – stieß bei den Teilnehmerinnen auf besonders großes Interesse. Schriftgutlehrgang an Sieg und Rhein in Wahlscheid

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Karl August Groos (1789-1861) – Ein Pfarrerleben in Zeiten des Umbruchs

Karl Groos als Konsistorialrat (Quelle: Jubilate! Denkschrift zur Jahrhundertfeier der evangelischen Gemeinde Coblenz, 1903, S. 93. Bei der Namensschreibung „Groß“ handelt es sich um einen Irrtum)

Zum 230. Mal jährt sich heute die Geburt eines Mannes, der als Pfarrer in der Geschichte der rheinischen Kirche weitestgehend vergessen ist und allenfalls noch als Vertoner des bekannten Gedichts von Max von Schenkendorf „Freiheit die ich meine“ gelegentlich Erwähnung findet: Karl August Groos. Die Biographie dieses Theologen, der als junger Mann in den Befreiungskriegen gegen Napoleon mitkämpfte und sein Leben schließlich als Konsistorialrat in der Kirchenverwaltung der Rheinprovinz beschloss, war in vielerlei Hinsicht typisch für die evangelischen Pfarrer seiner Generation. Es lohnt sich deshalb, seinen Werdegang, der über Jahrzehnte hinweg eng mit der Geschichte des rheinischen Protestantismus in den ersten zwei Dritteln des 19. Jahrhunderts verbunden war, in den wesentlichen Zügen nachzuzeichnen.

Wittgensteiner Wurzeln

Karl Groos war kein Rheinländer, sondern ein Sohn des Wittgensteiner Landes. Am 16. Februar 1789 in Saßmannshausen bei Laasphe geboren, entstammte er einer alteingesessenen und weitverzweigten Familie, die über Generationen hinweg viele Staatsbeamte, Ärzte und Theologen hervorgebracht hatte. Schon sein Urgroßvater und sein Großvater waren Pfarrer gewesen, ebenso ein Großonkel, zwei Onkel und ein Vetter. Andere Mitglieder der Familie Groos hatten der kleinen Grafschaft Wittgenstein und später dem preußischen Staat als Hüttenverwalter und höhere Verwaltungsbeamte gedient. Karls  jüngerer Vetter Wilhelm Groos brachte es zum Landrat des Kreises Wittgenstein; Wilhelms Brüder Emil und Eduard Groos wurden angesehene Mediziner mit dem Titel eines fürstlichen Hofrats und Ehrenbürger von Laasphe.

Die politische Sozialisation des jungen Karl Groos stand ganz im Zeichen des gesellschaftlichen Umbruchs, den die Französische Revolution, die in seinem Geburtsjahr 1789 ausgebrochen war, in ganz Europa ausgelöst hatte. Als der 17jährige Groos im Jahr 1806 das Theologiestudium in Marburg aufnahm, hatte seine Wittgensteiner Heimat soeben aufgrund der Rheinbundakte vom 12. Juli ihre Reichsunmittelbarkeit verloren. Wenige Wochen später hörte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf zu existieren, und im Oktober desselben Jahres wurde die preußische Armee bei Jena und Auerstedt von den Truppen Napoleons vernichtend geschlagen. All diese Ereignisse – das Ende der deutschen Kleinstaaterei, die Auflösung des Alten Reichs und die von vielen Zeitgenossen als nationale Schmach empfundene Niederlage gegen die Franzosen – dürfte den jungen Karl Groos zutiefst geprägt haben. Auch seine studentische Tätigkeit als Erzieher in der Familie des 17 Jahre älteren Reichsgrafen Christian Detlev Karl zu Rantzau, eines aufgeklärten Geistes, der 1793 in der Deutschen Monatsschrift den Essay „Über die Nationalgleichgültigkeit der Deutschen gegen öffentliche Denkmäler“ publiziert hatte, brachte ihn in Kontakt mit der frühen Nationalbewegung. Die Söhne Heinrich und Ernst zu Rantzau begleitete er nach Genf und Berlin und trat 1813 mit dem damals 17jährigen Heinrich als Freiwilliger ins preußische Garde-Jäger-Bataillon ein, das eine wichtige Rolle in den Befreiungskriegen 1813/14 spielte.

Freiheit die ich meine

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Chorgesang an Weihnachten 1918 – Der lange Weg zur Normalität

Der Erste Weltkrieg hatte das kirchliche Leben in all seinen Bereichen zutiefst erschüttert. Nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 normalisierten sich die Verhältnisse allmählich, und zu Weihnachten konnte man  in vieler Hinsicht wieder an die Vorkriegsverhältnisse anknüpfen – freilich mit so mancher Einschränkung, wie das Beispiel der ersten Nachkriegprobe des Kirchenchors der evangelischen Gemeinde Trarbach an der Mosel zeigt, die im Protokollbuch des Chores dokumentiert ist.

Protokollbuch des Kirchenchors des Evangelischen Gemeinde Trarbach/Mosel, 1900-1977 (Bestand 4KG 058B, Nr. 113)

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