Lücke in den Kirchenbüchern der Gemeinde Thalfang geschlossen

Wie in vielen linksrheinischen Kirchengemeinden, so weisen auch die Kirchenbücher der Gemeinde Thalfang im Hunsrück die „Franzosenzeitlücke“ auf: Die damalige französische Verwaltung dekretierte 1798 die Schließung sämtlicher Tauf-, Heirats- und Sterberegister, und erst ab 1818 sind für Thalfang wieder Kirchenbücher überliefert. Im Zuge der Überstellung des Archivs der Kirchengemeinde Thalfang in die Archivstelle Boppard tauchten jetzt Unterlagen auf, mit denen diese Lücke überbrückt werden kann.

Aufzeichnungen über die Thalfanger Heiraten 1798-1800 („Heirathsacten im Jahr 7 der Republick u. 8“). In der Spalte ganz links steht das Datum nach dem französischen Revolutionskalender – im obersten Eintrag der 22. Ventôse VII. Rechts daneben steht dasselbe Datum nach dem gregorianischen Kalender in der Reihenfolge Jahr, Monat und Tag, hier der 12. März 1799.

Nach der von den Franzosen 1798 erwirkten Schließung der Kirchenbücher mussten alle Personenstandsfälle in die neu eingeführten Zivilstandsregister eingetragen werden. Sie wurden nicht mehr von den Pfarrern, sondern von den Bürgermeistern in ihrer Funktion als Zivilstandsbeamte geführt. In Thalfang jedoch, wie in einigen anderen Kirchengemeinden auch, führte der Pfarrer weiterhin Aufzeichnungen über die vollzogenen kirchlichen Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Bestattungen) – allerdings nicht wie bisher in gebundenen Folianten, sondern in einfachen Heften, die man in der Gemeinde dann nicht mehr bei den Kirchenbüchern, sondern bei den Akten aufbewahrte. Das war wohl der Grund dafür, dass sie allmählich in Vergessenheit gerieten. Jedenfalls hatte man bei den Fotokopier- und Verfilmungsaktionen der 1960er und 1970er Jahren nur die gebundenen Bücher aus der Zeit vor 1798 und nach 1818 im Blick. Dass auch aus der Zeit dazwischen Aufzeichnungen über kirchliche Amtshandlungen vorhanden waren, wusste man damals offenbar nicht mehr.

Die jetzt wieder aufgetauchten Unterlagen füllen vor allem für Genealogen eine Lücke. Zwar liegt mit dem Familienbuch der Mark Thalfang seit 1989 eine wertvolles familienkundliches Hilfsmittel vor, in dem neben den Angaben aus den älteren Kirchenbüchern auch die Informationen aus den Zivilstandsregistern der französischen Zeit eingearbeitet sind, doch umfasst das Familienbuch nur den Zeitraum zwischen 1650 und 1805. Für die Zeit von 1806 bis 1818 – dem Jahr, in dem die „richtigen“ Kirchenbücher der Gemeinde Thalfang wieder einsetzten – bestand bis dato eine genealogische Informationslücke. Mit der Digitalisierung der jetzt wiedergefundenen Aufzeichnungen und ihrer Einstellung in das Kirchenbuchportal Archion wird diese Lücke in absehbarer Zeit geschlossen sein.

Im Familienbuch Thalfang sind die Kirchbuch- und Zivilstandsdaten von 1650 bis 1805 erfasst. Die jetzt aufgetauchten Aufzeichnungen reichen bis 1818 und ermöglichen den Anschluss an die Kirchenbücher des 19. Jahrhunderts. In der Abbildung sind Taufen aus den Jahren 1806 und 1807 zu sehen. Der Revolutionskalender spielte in dieser Zeit keine Rolle mehr; er war mit Ablauf des 10. Nivôse XIV (31. Dezember 1805) wieder abgeschafft worden.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Dr. Andreas Metzing. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.

Über Dr. Andreas Metzing

Hallo, ich bin Andreas Metzing und blogge hier zu diversen Themen (Kirche/ Geschichte/ Archiv). Ihnen hat der Artikel gefallen? Dann teilen Sie ihn, ich freue mich darüber! Oder möchten Sie über neue Blogartikel informiert werden? Dann abonnieren Sie unser Archivblog per RSS-Feed – das finden Sie rechts oben auf der Startseite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.