AEKR auf dem 55. Rheinischen Archivtag

55. Rheinischer Archivtag

Am 24. und 25. Mai tagte der Rheinische Archivtag nach zwei Jahren der Corona-Pause endlich wieder in Präsenz! Eingeladen wurde für die zweitägige Veranstaltung dieses Jahr nach Erkelenz. Das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland ließ es sich nicht nehmen, am Archivtag teilzunehmen, so dass dieses von vier Mitarbeitenden vertreten wurde.

Die Tagung stand ganz unter dem Betreff „Katastrophen- und Krisenmanagement“. Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte, auch wenn man Archive damit vielleicht nicht in erster Linie assoziiert. Archivare als Krisenmanager?! Sind das nicht die, die ganz gemütlich und ungestört im Keller alte Papiere ordnen? Nein, nicht ganz. Archive wie Bibliotheken, Museen oder andere Kultureinrichtungen sind nicht vor Katastrophen und Unglück gefeit und müssen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten darauf einstellen. Der ein oder andere hat möglicherweise die Bilder des Elbhochwassers 2002, des Brandes der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004 oder des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs 2009 noch im Kopf. Noch gegenwärtiger ist die Flutkatastrophe vom 15. Juli 2021 oder der Angriff auf die Ukraine im Februar diesen Jahres. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine war der Vortrag von Anna Furman, der Leiterin der Stiftung und Holocaust-Gedenkzentrum Babyn Jar, die live zugeschaltet wurde, besonders eindrucksvoll. Sie berichtete über die Tätigkeit des Babyn Yar Holocaust Memorial Centers (BYHMC) in Kiew vor dem Krieg und wie sich dieser auf die Arbeit auswirkt und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Menschen aber auch das Kulturgut in der Ukraine zu schützen.

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Gegen den Kolportageschund!? Protokolle der KreissynodenTeil 3

Die Serie der Onlinestellung der Protokolle der 35 Kirchenkreissynoden im Zeitraum ca. 1850 bis 1933 findet ihren Abschluss. Auf der Homepage des Archivs der EKiR ist jetzt der dritte und letzte Teil der Veröffentlichungen einsehbar. Zum Stöbern, Recherchieren und Download stehen die Digitalisate der Synoden der Kirchenkreise Niederberg, Saarbrücken, Simmern, Sobernheim, Solingen, St. Johann, Trarbach, Trier, St. Wendel, Wesel, Wetzlar und Wied bereit.

Nun mag die Lektüre von Sitzungsniederschriften in den Augen einiger nicht den aufregendsten Lesestoff darstellen. Schließlich geht es in Protokollen vor allem darum möglichst wortgetreu festzuhalten, wer, wann, was, wozu gesagt bzw. getan hat oder was in welcher Reihenfolge beschlossen wurde. Entsprechend lassen vielleicht die Protokolle der Kreissynoden auch nur die Herzen von Kirchenkreisgeschichtsforschern höher schlagen. Doch sind die Berichte der Superintendenten als Quellensatz nicht nur für die Beantwortung von Fragen der Kirchenkreisgeschichtsforschung von Interesse. Sie können sich durchaus auch für benachbarte (geschichts)wissenschaftliche Disziplinen als ein nicht uninteressantes, quellenhistorisches Kleinod erweisen, indem sie Licht auf politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Verhältnisse einer Gesellschaft werfen.

Das königliche Konsistorium etwa erließ 1906 folgendes Proponendum an die Kreissynoden: „Die Aufgabe der Gemeindemitglieder und der kirchlichen Organe in Bekämpfung der Unkeuschheit mit besonderer Berücksichtigung der verderblichen Wirkungen der unsittlichen Literatur“. Dieser Aufgabe nahm man sich auch eifrig an, denn es stand außer Frage fest: „Unzucht und Unsittlichkeit haben in unserer Zeit mächtig zugenommen, gewaltig um sich gegriffen und sich mehr als früher in die Oeffentlichkeit gewagt“ (s.u.).

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Nachlass von Pfarrer Eberhard von Mering (1909-1944)

Auf der Website des Archivs ist jetzt das Findbuch zum Nachlass von Pfarrer Eberhard von Mering online abrufbar.

Der Nachlass besteht aus vorwiegend privater Korrespondenz. Aus der Zeit von 1933-1936 gibt es 420 Briefe zwischen Eberhard von Mering und seiner Verlobten Ruth Liebert, die er am 17.08.1937 heiratet. Unter anderem reflektiert das Paar intensiv über den Beitritt in die Bekennende Kirche im Winter 1934.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Nachlasses sind die Feldpostbriefe. Es gibt 417 Briefe von Eberhard von Mering an seine Familie aus der Zeit seiner Einberufung zum Militär von Mai bis September 1940 und der zweiten Einberufung im September 1943 bis zu seinem Tod als Soldat bei der Schlacht um Dorpat (heute Tartu/Estland) am 21. August 1944. Sein letzter erhaltener Brief vom 15. August 1944 zeigt ihn als liebevollen Ehemann und Vater, der durch den Krieg von seiner Familie getrennt ist.

Eberhard von Merings letzten Zeilen richten sich an seine sechsjährige Tochter Christa, die bald ihren ersten Schultag hat. Christa Lippold, geb. von Mering, überreichte in den Jahren 2020 und 2021 unserem Archiv in mehreren Teilen das Nachlassfragment ihres Vaters. Frau Lippold führt eine lesenswerte Webseite zur Familiengeschichte und hält das Andenken an Ihren Vater in Ehren.

Feldpostbrief von Eberhard von Mering an seine Frau Ruth von Mering Datum: 15.08.1944 Ort: Dorpat (heute Tartu/Estland) Signatur: 7NL 225, Nr. 50; Seite 1
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Neues Lernvideo zum Thema Schriftgutverwaltung ist online

Im März ist die neue Reihe von Lernvideos zum Thema Schriftgutverwaltung mit einer Einführung in die neue Schriftgutverordnung (SGVO) gestartet. Jetzt ist das zweite Video online und diesmal geht es direkt in die Praxis und um die Frage: Wie lege ich eine Registratur an? Dazu wird das zentrale Hilfsmittel zur Schriftgutverwaltung, der Einheitsaktenplan der EKiR, näher beleuchtet und Wege aufgezeigt, wie man mit Hilfe des Aktenplans die Registratur auf die jeweilige Verwaltung zuschneidet.

Dieses Schulungsmaterial kann von Interessierten zu jeder Zeit in Anspruch genommen werden.

Wir freuen uns über Feedback und Vorschläge für weitere Videothemen!

Der Archivar – Eine Kurzerzählung aus dem Jahr 1969

Die rheinische Kirchenzeitung „Der Weg“ hatte sich zeit ihres Bestehens (1945-2003) nicht unbedingt durch ein intensiveres Interesse an archivischen Belangen ausgezeichnet. Ein umso überraschenderer Fund gelang Kollegin Stefanie Sternemann vom Archiv des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region: In der Ausgabe vom 19.1.1969 wurde die Kurzgeschichte „Der Archivar“ von Anneliese Berkenkamp publiziert.

Berkenkamp (geb. 1925) ist eine Berliner Malerin und Schriftstellerin, die auch zu dieser Erzählung eine eigene Illustration beisteuerte. Sie zeigt den namenlosen „Archivar“ in seinem spitzweghaften Idyll, dessen Seelenfrieden höchstens durch die physische Präsenz seiner Mitarbeiterin Fräulein Triller beeinträchtigt wird.

Nun ist das Thema „Archivare in der Literatur“ (es geht in der Tat nie um Archivarinnen) nahezu unerschöpflich, wozu es auch bereits erste Beiträge gibt. Fast alle dieser Publikationen eint die innige Lust an Klischees und dies gilt sehr ausgeprägt auch für diese Erzählung: „Ja, hier ist er zu Hause, der Wanderer im Ablauf der Geschichte, der selbst nirgends verzeichnet sein wird, hier wächst seine Lust zwischen trockenen knappen Zahlen…, ein Diener des lieben Gottes, der darauf achtet, dass nichts Denkwürdiges verlorengehe.“

Der abendliche Empfang durch seine Gattin fällt dann eher unterkühlt aus: Nach dem stundenlangen Memorieren von Gedenktagen in „tröstlichen dicken Folianten“ und dem „vertrauten süßen Geruch von vergilbten Blättern“ hatte er ein einziges Datum vergessen: den Geburtstag seiner Frau.