Zum Stellenwert von Archivarbeit in Kirchengemeinden

Stimmungsbild über die Situation des Sonderdienstes in der rheinischen Kirche 1990, Zeichnung: Andreas Krzok, Bestand: AEKR Bibliothek, ZK 70 Der WEG 1990 Nr. 28, S.8

Diese Karikatur aus dem Jahr 1990 bündelt am Beispiel einer Archivordnung meisterhaft sämtliche Vorurteile und Standesdünkel der saturierten Pfarrerschaft: Interpretation des theologischen Nachwuchses als billige Arbeitskräfte, im Wortsinn verstaubte Geschlechterstereotype und last but not least die übliche Geringschätzung professioneller kirchlicher Archivarbeit.

Ernster kirchenpolitischer Hintergrund der Zeichnung ist die „Theologenschwemme“ der 1980er Jahre im Rheinland. Als Auffangstation richtete die Landeskirche 1985 den sog. Sonderdienst ein. Es handelte sich um befristete Stellen für gewisse Funktionsbereiche oder zur Entlastung von Gemeindepfarrern. Von den hunderten Sonderdienstlern sind viele doch noch im Pfarrdienst angekommen, viele haben aber auch andere Berufslaufbahnen eingeschlagen. Ihre Interessenvertretung ist der Rheinische Konvent.

Zeichner ist Andreas Krzok, der langjährige Chefredakteur der früheren rheinischen Kirchenzeitung „Der WEG“.

Archivarbeit von analog bis digital – verstaubt ist was anderes

FaMI-Auszubildende Laura Bremer bei der Erschließung des Bestandes 8SL 080 (AV-Medien)

Mein Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland:

Während der Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv steht unter anderem ein Praktikum in einem anderen Archiv auf dem Plan. Da ich bereits im Studium ein Stadtarchiv kennengelernt habe und die Ausbildung im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland mache, habe ich das Praktikum als Möglichkeit gesehen, eine weitere Archivsparte kennenzulernen. So bin ich zum Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland gekommen.

Praktikum im AEKR

AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ), aus Bestand: AEKR 8SL 080 (AV-Medien)

Bei Archivarbeit denken viele sicherlich zuerst an stapelweise altes Papier und Berge aus Akten, die in einem staubigen Raum liegen – am besten in einem Keller. Doch in einem Archiv kann man viel mehr finden als Papier und übermäßig verstaubt ist es dort auch nicht. Ich durfte mich während meines fünfwöchigen Praktikums gleich mit einer Vielzahl verschiedener Medien beschäftigen. Bei der Verzeichnung einer AV-Sammlung des Film Funk und Fernseh Zentrums der Evangelischen Kirche im Rheinland (FFFZ) habe ich Videokassetten, CDs, Audiokassetten, DVDs, Schallplatten und Tonbänder in der Datenbank des Archivs aufgenommen. Mit teilweise eigenen Produktionen, aber auch vielen Mitschnitten von Gottesdiensten sowie Fernseh- oder Radiosendungen bot diese Sammlung eine abwechslungsreiche Mischung.
In diesem Zusammenhang wurde mir das Thema der Digitalisierung besonders bewusst. Die Aufnahmen und Produktionen liegen alle in ihrer ursprünglichen Medienform vor, doch wie lange können sie so erhalten bleiben? Sicher ist, dass sie nicht für immer abspielbar bleiben werden. Aber muss deswegen jedes einzelne der gut 300 Medien der FFFZ-Sammlung digitalisiert werden? Eine schwierige Frage, bei der vor allem kleine und mittelgroße Archive immer abwägen müssen, ob dieser Schritt wirklich sinnvoll ist oder ob nur einzelne Stücke aufgrund von Nutzeranfragen digitalisiert werden. Es bleibt in dieser Hinsicht sicherlich in allen Archiven noch die kommenden Jahrzehnte sehr spannend.

Viel Spannendes passiert bei der Archivarbeit aber auch schon in der Gegenwart. So durfte ich mit Herrn Dr. Flesch einen Außentermin begleiten. Die Witwe eines Pfarrers hat seinen Nachlass dem Archiv angeboten. Mit genügend leeren Kartons ging es dann mitten in die Kölner Innenstadt, um den Nachlass vor Ort grob zu sichten. Alles, was von Relevanz sein könnte, wurde eingepackt und ins Archiv transportiert. Ich fand es sehr faszinierend, wie lebhaft die Dame während unseres Besuchs über das Leben ihres verstorbenen Mannes erzählt hat und sich dabei an viele Details noch genau erinnern konnte. So haben die vielen Unterlagen sofort Leben eingehaucht bekommen. Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 6: Patterns

„Burcard Gotthelff Struvens Ausführliche Historie der Religions-Beschwerden zwischen denen Römisch-Catholischen und Evangelischen im Teutschen Reich“, erschienen in Leipzig in zwei Bänden 1722

Patterns – Muster, das ist ein weites Feld, auch im Archiv. Zunächst dachte ich an Muster von Ablagesystemen und dachte, ich hätte da etwas im Schrank. Ich fand aber nichts, also habe ich es wohl weggeschmissen. In ein Archiv passen auch Formularsammlungen, das sind ja auch Muster. Staub-trockenes Thema, unsere Kollegen im Zweigarchiv in Boppard haben entsprechende Sammlungen, wir wohl nicht. Dann fielen mir Schriftmuster ein, Vorlagen z.B. der Buchstaben in der alten deutschen Schreibschrift, die vielen Archivbenutzern das Lesen der Handschriften bis in Zeit der 1940er Jahre erschwert.

Präsentieren möchte ich aber andere Muster: Alte Bücher haben teilweise Einbände, die Muster aufweisen, entweder außen auf dem Vorder- und Hinterdeckel, oder, wie in meinem Beispiel, auf dem Innendeckel, auch als Spiegel bezeichnet. Der Spiegel wurde meistens aus aufgeklebten Papier- oder Pergamentblättern hergestellt. Im vorliegenden Fall ist es ein farbenfroher, teils wellenförmiger Schmuck. Aufgeklebt ist ein Exlibris, also eine Marke, die zur Kennzeichnung des Eigentümers des Buches dient. Wer hinter den Initialen steckt, ist unbekannt. Das Buch stammt aus dem Nachlass des Professors Gerhard Goeters, der es wiederum von seinem Vater, Professor Wilhelm Goters, geerbt hatte (siehe den handschriftlichen Eintrag auf der rechten Seite oben „W.G. Goeters“). Es handelt sich um das Werk „Burcard Gotthelff Struvens Ausführliche Historie der Religions-Beschwerden zwischen denen Römisch-Catholischen und Evangelischen im Teutschen Reich“, erschienen in Leipzig in zwei Bänden 1722 (Archivbibliothek Goe 251).

Camping-Seelsorge der Rheinischen Kirche, Teil 2

Campingmission, Kirche unterwegs, Kinderspiel, Die Sieger jubeln, Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_026

Im vergangenen Herbst berichteten wir über „Kirche unterwegs“ als Camping-Seelsorge und das interessante Spezialfahrzeug, das für diesen Zweck eingesetzt wurde. Nun bekam ich ein Heft „Nachrichten aus der Rheinischen Volksmission“, Sondernummer, in die Hände mit der Überschrift „Kirche zwischen Wohnwagen und Zelten. Erfahrungen und Erkenntnisse aus zwei Jahren Campingmission“. Autor ist der Gemeindemissionar Gerhard Gruska, den wir bereits kennengelernt hatten. Er berichtet über die Campingarbeit 1963, also das erste vollständige Einsatzjahr des Busses. Weiterlesen

Das Evangelische Rheinland: Eine Zeitschrift aus der Weimarer Republik ist online

Das Evangelische Rheinland 1924

War Ihnen bekannt, dass es in den 1920er Jahren in der Rheinprovinz eine evangelische Laienspielberatungsstelle gab? Sind Ihnen die regelmäßigen „Tagungen rheinischer evangelischer Stadtverordneter und Parlamentarier“ ein Begriff? Beides stellt zugegeben selbst für kirchliche Zeithistoriker keine Bildungslücke dar. Es veranschaulicht aber die unglaubliche Vielfalt an Themen und Arbeitsfeldern, die während der Weimarer Republik in der Rheinischen Provinzialkirche diskutiert wurden.

Sie spiegelt sich wider in der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“, die nur von 1924 bis 1933 erschienen ist. Alle Jahrgänge sind jetzt auf unserer Homepage zugänglich und über OCR trotz Frakturschrift leicht durchsuchbar.

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Seltene Zeitschrift zur Dienstgruppenseelsorge in den Sachakten des Landeskirchenamtes

Titelblätter der Zeitschrift der Betreuungsgemeinschaft e.V./ Interessengemeinschaft für die Deutschen Zivilen Arbeitsgruppen, 1949-1971; in: Bestand 1OB 017I, Nr. 368-375

In den Sachakten des Landeskirchenamtes zur Dienstgruppen-Seelsorge (1OB 017I, Nr. 368-375, Az. 11-7-5) bin ich auf mehrere Ausgaben einer Zeitschrift der Betreuungsgemeinschaft der Deutschen Dienstorganisationen e.V. gestoßen.Sie ermöglicht interessante Einblicke in ein bisher wenig bekanntes Feld seelsorgerlicher Arbeit.

Es ist nicht ganz einfach den vollständigen Erscheinungsverlauf der Zeitschrift nachzuvollziehen, da sie mehrfach den Namen gewechselt hat: von „GCLO-Echo“ zu „GSO-Echo“, „BG-Echo“ und schließlich nur noch „Das Echo“. Die Zeitschriftendatenbank (ZDB) listet nur wenige vereinzelte Ausgaben auf. Für die Anfangsjahre ist unser Archiv sogar der einzige Eintrag. Weiterlesen

Wo finde ich Quellen zu Gerhard Tersteegen?

Anlässlich des 250. Todestages erinnert die EKiR mit einer biografischen Skizze an Gerhard Tersteegen und verweist dabei auf die kirchenhistorischen Quellen zum Leben, Werk und Netzwerk seiner Person. Viele seiner originalen Briefe verteilen sich in unserem Archiv über mehrere Sammlungsbestände. Sie sind uns im Laufe der Zeit über private Zustiftungen übergeben worden. Eine gute Grundlage für die Quellenforschung bietet die Edition von Professor Gustav Adolf Benrath. Weitere Tersteegen-Werke und Literatur über ihn können im Katalog der Archivbibliothek recherchiert werden.

Wer hierzu Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden.

Kuriositäten: Bettgestell, Gehstock, Schrank und Kommode

Teilansicht des historischen Tersteegen-Zimmers, Tersteegenhaus Waldbröl, AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), Bildserie 80106

Seit der Auflösung des Evangelischen Brüdervereins in Waldbröl-Rölefeld finden sich bei uns auch das Inventar des sogenannten Tersteegen-Zimmers sowie die Bestände der Bibliothek Otterbeck, die sich noch aus der Zeit Tersteegens erhalten haben. Weitere Infos finden sich im PDF-Findbuch .

Teilansicht des historischen Tersteegen-Zimmers, Tersteegenhaus Waldbröl, AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), Bildserie 80106