Der Nachlass Walter Hoerder und die Evangelische Bühnengilde Koblenz

Auf der Website des Archivs ist jetzt das Findbuch zum Nachlass Walter Hoerder (7NL 133B) online verfügbar. Walter Hoerder (1904-1999) war lange Jahre Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz. In den 1920er und 1930er Jahren engagierte er sich als Regisseur der Evangelischen Bühnengilde Koblenz, einer zwischen 1922 und 1935 bestehenden Laienschauspielergruppe. Die Bühnengilde führte sowohl Theaterstücke zur religiösen Erbauung auf wie die Tragödien „Franz von Sickingen“ und „Glaube und Heimat“ oder das Festspiel „Luther, der Lebendige“, als auch Lustspiele und Schwänke wie „Die 3 Zwillinge“ oder „Komtesse Guckerl“.

Evangelische Bühnengilde Koblenz, Tragödie „Glaube und Heimat“, 21. April 1929; aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 133B (Nachlass Walter Hoerder)

Die Theatergruppe trat regelmäßig im großen Saal des Gemeindehauses am Altlöhrtor auf und gestaltete außerdem besondere Feierlichkeiten und Veranstaltungen. Zur Wiedereinweihung der Florinskirche am 7. September 1929 inszenierte sie das Sprechoratorium „Haus aller Häuser“, anlässlich der 33. Generalversammlung des Evangelischen Bundes führte sie in der Koblenzer Rheinhalle das Festspiel „Zeitenwende. Dramatisches Gemälde um Adolf Clarenbach“ auf. Die Evangelische Bühnengilde prägte so maßgeblich das kulturelle Leben der Kirchengemeinde Koblenz in der Zeit der Weimarer Republik. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden ihre Gestaltungsspielräume immer enger, bis sie im Frühjahr 1935 ihre Arbeit einstellen musste.

Evangelische Bühnengilde Koblenz, Lustspiel „Komtesse Guckerl“, 7. April 1929; aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 133B (Nachlass Walter Hoerder)

Zur Tätigkeit der Bühnengilde sind im Nachlass von Walter Hoerder wertvolle Dokumente wie zahlreiche Textbücher für Theaterstücke, Schriftverkehr, Programmzettel, Skizzen von Bühnenbildern, Jahresberichte und ein Protokollbuch erhalten. Einen schönen Eindruck davon vermittelt ein Album auf der flickr-Seite des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Nachlass besteht des Weiteren aus persönlichen Unterlagen von Walter Hoerder wie Briefen, Postkarten und Fotos, ergänzt durch eine Sammlung von Zeitungsartikeln, Büchern und einigen Objekten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Corona-Krise und die Zeit danach – eine Überlegung

Bislang wurde sich auf Grund der aktuellen Corona-Krise stark damit auseinandergesetzt, was die veränderten Bedingungen für das aktuelle Leben und vor allem den Arbeitsalltag bedeutet. In einem vorherigen Beitrag, haben wir bereits über die Herausforderungen der Archivarbeit im Homeoffice berichtet. Nach nun fast fünf Wochen hat man sich zunehmend mit seinen neuen Arbeitsabläufen arrangiert. Daher stellt sich nun vielmehr die Frage: Wie geht es danach weiter? Oder vielmehr noch: Welche Auswirkungen und Konsequenzen hat die Corona-Pandemie für Archive, speziell für Kirchenarchive?

Dies sind nicht nur Fragen, die wir uns im Archiv der EkiR stellen, sondern wahrscheinlich alle Archive. Die Corona-Krise beeinflusst aktuell nicht nur die Menschen auf sozialer Ebene, sondern hat auch massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Wir befinden uns in einer extremen Ausnahmesituation, deren Folgen wir heute noch nicht einschätzen können. Daher verlangt dies nach einer Dokumentation von Bild- und Schriftquellen, um eine möglichst genaue Darstellung für die nachfolgenden Generationen zu skizzieren.

Weiterhin bleibt zu überlegen, in wie weit sich bisher grundlegende Rahmenbedingungen der Archivarbeit möglicherweise ändern werden (Paradigmenwechsel!?). Wird es in Zukunft eine Art Notfallplan für eben solche Krisensituationen geben? Wie werden diese im konkreten Fall aussehen?

Für Kirchenarchive bedeutet die Corona-Pandemie auf jeden Fall eine historische Zäsur, da beispielsweise über Wochen hinweg keine Gottesdienste abgehalten werden konnten oder die Not so erfinderisch machte, dass im Düsseldorfer Autokino Ostergottesdienste abgehalten wurden.

Es bleibt noch offen, wie lange uns diese Krise beeinflussen und wie künftig damit (vor allem archivarisch) umgegangen wird.

Kirchenführer Bad Bertrich, klein aber fein

Kirchenführer Bad Bertrich, S. 1 u. S. 4

Von der Evangelischen Kirche in Bad Bertrich, die von dem Pfarrer aus Zell als Kurseelsorger mitbetreut wurde, findet sich ein kleiner Kirchenführer in dem Format 21cm x 15cm im erschlossenen Bestand. Dieser ist doppelseitig bedruckt, gefaltet und in schwarz/weiß gehalten. Dieser kleine Führer enthält die wichtigsten Angaben zur Kirche und lag zur Mitnahme der Kurgäste aus, wenn die Kirche geöffnet war, daneben befand sich die Spendendose. Der Führer befindet sich in dem Bestand 4KG102B Zell-Bad Bertrich-Blankenrath.

Kirchenführer Bad Bertrich, S. 2 u. S. 3

Neues Findbuch online: Nachlass des Stadtsuperintendenten Werner Krause (1916-2006)

Stadtsuperintendent Werner Krause – Foto: Hans Lachmann

Das Findbuch zum Nachlass des Stadtsuperintendenten Werner Krause 7NL 135 ist nun auf der Website des Archivs der Ev. Kirche im Rheinland online aufrufbar.

Ganze 26 Jahre lang – nämlich von 1959 bis 1985 – versah Werner Krause engagiert seinen Dienst als Pfarrer in der Johanneskirchengemeinde in Düsseldorf. In dieser Zeit baute er ein enges Vertrauensverhältnis zu seinen Gemeindemitgliedern auf. Dass dieses auch viele Jahre nach seinem Ruhestand hielt, bezeugen zahlreiche Korrespondenzen in diesem Bestand.

Werner Krause selber war kein gebürtiger Rheinländer. Am 28. Dezember 1916 in Krangen im Kreis Preußisch Stargard geboren, verbrachte er Kindheit und Jugend in Lauenburg in Hinterpommern. Dort besuchte er von 1923 an zuerst die Volksschule und wechselte 1927 an das Humanistische Gymnasium. Dabei zeichnete sich beim jungen Krause schon früh eine Begabung für Sprachen ab und spiegelte sich dementsprechend in guten Noten wider.

Weiterlesen

Die Findbücher der Kirchengemeinden Linz am Rhein und Bad Hönningen sind online

Auf der Website des Archivs sind jetzt die Findbücher der Kirchengemeinden 4KG 114B Linz am Rhein und 4KG 115B Bad Hönningen online verfügbar. Die evangelische Kirchengemeinde Linz wurde 1845 mit Unterstützung des Wiedischen Gustav-Adolf-Vereins gegründet und der Katharinenhof als Betsaal, Pfarrer- und Lehrerwohnung angekauft. Im gleichen Jahr fand der erste evangelische Gottesdienst in Linz statt. 1852 wurde ein eigener Friedhof angelegt, 1854 eine evangelische Volksschule eingerichtet. 1856 schließlich wurde die Kirchengemeinde selbständig. Die Einweihung der Evangelischen Kirche 1865 krönte das zwei Jahrzehnte währende Aufbauwerk. Die Kirchengemeinde Linz umfasste den größten Teil der Bürgermeistereien Linz, Unkel und Leutesdorf.

Einladung zur Einweihung des Betsaals im Katharinenhof 1845 (Ausschnitt) aus Bestand: 4KB 114B
Weiterlesen

„Franzosenzeit“ im Rheinland

Die französische Herrschaft in den Rheinlanden seit 1794/95 bringt den Protestanten in den Kurfürstentümern Trier und Köln die lang ersehnte Gleichberechtigung. Neue Gemeinden entstehen nun u. a. in Aachen, Koblenz, Köln und Neuss, die auch erstmals eigene Kirchen zugewiesen bekommen.

1802 geben die „Organischen Artikel“ Napoleons den zersplitterten evangelischen Landeskirchen eine neue einheitliche Struktur. Im gleichen Jahr veröffentlichen der lutherische Pfarrer von Stolberg und sein reformierter Kollege ein gemeinschaftliches Gesangbuch mit nicht weniger als 1.300 (!) Liedern. Die von der Aufklärung beeinflusste Sammlung soll „zur Beförderung einer vernünftigen Gottesverehrung und einer wahrhaft christlichen Toleranz“ dienen. Eindrücklich dokumentiert sie, wie die bisherigen innerprotestantischen Konfessionsunterschiede zwischen Reformierten und Lutheranern zugunsten des Unionsgedankens zurücktreten.

Gemeinschaftliches Gesangbuch der beyden protestantischen Gemeinen in Stollberg bey Aachen, herausgegeben von Johann Reisig und Heinrich Simon von Alpen, Frankfurt / Main 1802 aus AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 57_0006
Weiterlesen

Festlich herausgeputzt zur Konfirmation

Pfarrer Ulrich Kulke mit dem Konfirmandenjahrgang 1929 aus Niederkleen (KK Wetzlar), aus Bestand: AEKR 7NL176B (Pfarrer Ulrich Kulke), Nr. 54

Auf dem Land war es bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich und ist es in manchen Gegenden Deutschland heute noch Brauch, bei wichtigen familiären Festtagen Tracht zu tragen. Das galt neben Hochzeiten vor allem für die traditionell am Palmsonntag gefeierte Konfirmation, an der sich die Mädchen in der Regel erstmals öffentlich in der örtlichen Tracht zeigten. Im Nachlass des Pfarrers Ulrich Kulke (1892-1986), der zwischen 1926 und 1957 in Niederkleen (heute Kirchenkreis An Lahn und Dill) amtierte und zwischen 1946 und 1957 auch Superintendent des damaligen Kirchenkreises Wetzlar war, befinden sich zahlreiche Fotos von Niederkleener Frauen und Mädchen in der so genannten Hüttenberger Tracht, benannt nach der historischen Landschaft zwischen Wetzlar, Gießen und Butzbach. Unter den Bildern sticht besonders ein Konfirmationsfoto aus dem Jahr 1929 hervor, das den damals 37 jährigen Pfarrer Kulke mit den sieben Niederkleener Konfirmationskindern dieses Jahres zeigt, von denen drei Mädchen die Hüttenberger Tracht tragen. Was Kulke dazu veranlasst hat, eine solche Trachtenfotosammlung anzulegen, ist nicht überliefert. Möglicherweise übte für ihn als Berliner Großstadtjungen die Lebendigkeit der historischen Traditionen, wie er sie in der ländlichen Gesellschaft Mittelhessens kennenlernte und wie sie sich vor allem in der Tracht manifestierte, eine besondere Faszination aus.