Über Annika Hansen

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Aus dem Homeoffice eines Archivars

Morgens direkt vom Bett zum Arbeitsplatz. Die Jogginghose einfach anlassen. Keine Bahn fahren und kein Fußweg im dunklen bis hin ins Büro. Für viele Arbeitnehmer eine Traumvorstellung. Seit heute ist dies erstmal auf unbestimmte Zeit die Realität, denn auf Grund des Corona-Virus befinden wir uns aus dem Archiv der Evangelischen Kirche alle im Homeoffice. Dies stellte uns zu Beginn doch vor einige Herausforderungen, denn was macht ein Archivar im Homeoffice? Okay, Literatur lesen, Emails beantworten, die Homepage und den Blog pflegen, dass geht so gerade noch. Aber mehrere Wochen damit füllen? Optimistisch. So entschieden wir uns kurzerhand dazu, unsere Bestände einfach mit nach Haus zu nehmen. An dieser Stelle ein paar Impressionen.

Tag 1 im Homeoffice

Auch die Fotodigitalisierung ist von Zuhause aus mit Scanner und Bildbearbeitungsprogrammen weiterhin umsetzbar. Und so kann man dann auch mal eben die Mittagspause auf dem Balkon verbringen oder sich zwischendurch einen Kaffee genehmigen.

Nichts desto trotz denke ich, spreche ich im Namen aller, wenn ich sage, dass ich froh bin, wenn der Betrieb im Archiv wieder fortgesetzt wird und man sich Face-to-Face mit den Kollegen austauschen und bei Fragen besprechen kann.

Rückblick: Tag der Archive 2020 in Düsseldorf

Tag der Archive in Düsseldorf 2020

Nachdem den Besuchern des Tages der Archive in Düsseldorf in der vergangenen Woche ein umfangreiches Programm zum Thema Archivwesen, Kultur, Sport- und Lokalgeschichte geboten wurde, möchten wir hier auf unserem Blog einmal resümieren.

Für uns im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland startete die Woche am Montag mit einer Führung durch unsere „Katakomben“. Anhand von Quellen des Mittelalters bis hin zum 20. Jahrhundert (z.B. Mittelalterliche Urkunden; Protokollbücher, Kirchenbücher, Plakate und Tagebücher), wurde den Teilnehmern ein kleiner Eindruck über unsere Archivbestände gegeben. Im Anschluss war noch genügend Zeit für Fragen und gegenseiten Austausch.

Am Dienstag waren wir dann im Heinrich-Heine-Institut auf der Bilker Straße vertreten. An diesem Abend stellten sich die teilnehmenden Archive vor. Dazu referierten Dr. Michael Matzigkeit (Archiv des Theatermuseums), Eva Lanzerath M.A.  und Markus Nemitz (Fotoarchiv des LVR-Zentrums für Medien und Bildung), Dr. Stefan Flesch (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland) unter der Moderation von Dr. Enno Stahl.

Dr. Stefan Flesch beim Vortrag im Heinrich-Heine-Institut

Am Mittwoch besuchten wir das Universitätsarchiv der Heinrich-Heine Universität. Dabei bot Herr Dr. Julius Leonhard Einblicke in die Universitäts- und Archivgeschichte anhand eines ausführlichen Vortrags und der Präsentation von verschiedenen Archivalien.

Ausgewählte Quellen des Universitätsarchivs der HHU

Für Donnerstag hatten wir Quellen zur Geschichte der evangelischen Gemeinden in Düsseldorf ausgewählt, sowie Koch- und Arzneirezepte des 18. Jahrhunderts. Diese wollten wir in der Neanderkirche auf der Bolker Straße präsentieren. Im Hinblick auf die Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor der Verbreitung von CoV19 haben wir beschlossen, diese Veranstaltung zu vertagen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Gerne informieren wir sie, sobald eine Entscheidung über einen Ersatztermin getroffen wurde.

Festhalten lässt sich, dass der Tag der Archive schöne Einblicke in die verschiedenen Archivsparten gegeben hat und sich die teilnehmenden Archive große Mühe mit dem Programm gegeben haben.

Diakonisches Hilfswerk: Jugendschutz beim Karneval der 1950er

Ende der Woche ist es wieder soweit und die „fünfte Jahreszeit“ findet auch hier bei uns in Düsseldorf ihren Höhepunkt mit Altweiber und Rosenmontag. Wer im Rheinland schon einmal dabei war, der weiß gewiss, wie ausgelassen der rheinische Karneval zelebriert wird.
Ein dabei immer wieder in den Fokus rückender Kritikpunkt ist der Schutz der Jugend.

Jugendschutz-Rundbrief, Informationen der Aktion Jugendschutz, 1954, aus Bestand: AEKR 5WV 052 (Diakonisches Werk – Hilfswerk, Geschäftsstelle Düsseldorf), Nr. 443

Im Jahre 1954 rief das Hilfswerk der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Aktion „Jugendschutz bei Karneval“ mit dem Ziel „die Auswüchse bei karnevalistischen Veranstaltungen mit ihren weitreichenden Gefährdungen der Jugendlichen und zahlreichen Kindern zu beseitigen“ ins Leben. Die Forderungen gingen dabei sogar soweit, dass man eine „Erneuerung des Karnevals“ anstrebte, um die Gefährdung der Jugendlichen einzudämmen.
In einem Rundbrief der Aktion Jugendschutz der Hauptarbeitsstelle Hamm vom Januar 1954 wurden vor allem die Klagen aufgeführt, dass viele Jugendliche karnevalistische Veranstaltungen besuchten, die für sie ungeeignet waren. Darüber hinaus wurden Jugendschutzbestimmungen massiv missachtet, indem sich „hemmungslos gehen gelassen und betrunken“ wurde. Weiterhin kritisierte man einen Teil der Eltern, die ihre Funktion als Erziehungsberechtigte vernachlässigten oder ihre Kinder sogar zu Besuchen von Veranstaltungen mitnahmen.

Es zeigt sich also, dass die kontroverse Betrachtung von Karneval im Hinblick auf Jugendschutz ein immer wieder kehrendes Thema ist und die Kritikpunkte dabei bis heute die selben sind.

Die ablehnende Haltung des Diakonischen Hilfswerkes in den 1950er Jahren gegenüber Karneval entspricht zudem dem Geist der Zeit.

Karnevalsplakat gegen den Karneval, Bestand: 5WV 052 (Diak. Werk – Hilfswerk, Geschäftsstelle Düsseldorf), Nr. 443

Mehr zu diesem Thema: https://blog.archiv.ekir.de/2016/02/05/rheinischer-karneval-und-evangelische-kirche-keine-ziemlich-besten-freunde/