Pfarrer-Grabstätten auf dem Golzheimer Friedhof in Düsseldorf (Teil 2)

Auf dem alten Golzheimer Friedhof in Düsseldorf steht ein Grabdenkmal, das dem Pfarrer und Konsistorial- und Schulrat Carl Heinrich Engelbert von Oven sowie seiner Frau und seiner Schwiegermutter gewidmet ist.

Grabstätte Carl Heinrich Engelbert von Oven (1795-1846) auf dem Golzheimer Friedhof, Düsseldorf
Weiterlesen

„Frankiert ist er schon.“ Ein Brief Martin Gaugers von 1937 im Archiv der EKiR

Martin Gauger (1905-1941) aus Elberfeld (Wuppertal) verweigerte als einzig namentlich bekannter Jurist den Treueeid auf Adolf Hitler. Nach der Entlassung aus dem Staatsdienst 1934 arbeitete der Jurist für den Lutherrat der Bekennenden Kirche. Die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen führte letztlich zu seiner Ermordung in der Euthanasieanstalt „Sonnenstein“ bei Pirna.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat bereits im letzten Jahr Martin Gauger im Rahmen des Kunstprojektes „Kirchenköpfe“ geehrt. Dem schloss sich vor zwei Tagen eine öffentliche Podiumsdiskussion in der Düsseldorfer Johanneskirche an, die von Barbara Dauner-Lieb, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs Nordrhein-Westfalen, NRW-Justizminister Peter Biesenbach und Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland bestritten wurde.

Im Archiv der EKiR ist nur ein Schreiben Gaugers überliefert; dieses hat es aber in sich. Hintergrund ist der Konflikt um die angesehene Druckerei Köhler in Elberfeld. Köhler hatte im Oktober 1937 eine Erklärung der Bekennenden Kirche gegen das Pamphlet „Protestantische Rompilger“ des NS-Ideologen Alfred Rosenberg hergestellt. Daraufhin wurde der Betrieb umgehend von der Gestapo geschlossen.

Gauger setzte sich nun mit großem Engagement für Köhler ein und versuchte hierzu verschiedenste Beziehungen zu NS-Parteigrößen zu aktivieren. In diesem Zusammenhang ist sein Brief vom 30.12.1937 an den befreundeten BK-Pfarrer Kurt Essen (1904-1993) zu verstehen.

Weiterlesen

Pfarrer-Grabstätten auf dem Golzheimer Friedhof in Düsseldorf

Der Golzheimer Friedhof ist eine historische Begräbnisstätte in der Düsseldorfer Innenstadt. Er wurde 1805 etwa 2 km nördlich der damaligen Stadtgrenze eröffnet und war für Bestattungen beider Konfessionen offen. Trotz mehrerer Erweiterungen musste der Friedhof 1885 für Neubestattungen und 1897 endgültig geschlossen werden; die Einwohnerzahl Düsseldorfs war von rund 16.000 im Jahr 1805 auf mehr als 100.000 in den 1880er Jahren gestiegen.

Durch einen Straßenbau, teilweise Bebauungen und Kriegszerstörungen ist nur noch ein Teil der alten Gräber vorhanden. Bei einem Rundgang habe ich drei Grabstätten festgestellt, die evangelische Pfarrer betreffen.

Recht gut erhalten ist das Grabdenkmal des evangelischen Pfarrers und Schulrats Hermann Altgelt und seiner Frau Antonie.

Grabstätte Herrmann Altgelt(1795-1871) auf dem Golzheimer Friedhof, Düsseldorf

Es trägt die Inschrift:

Hier ruhet in Gott der Geheime Regierungs- u. Schulrath Hermann Altgelt, geb. den XVIII. Juni MDCCXCV, gest. den X. December MDCCCLXXI / Antonie Altgelt geb. de Greiff, geb. den II. December MDCCXCVIII, gest. den VII. November MDCCCXLV.

Weiterlesen

Einreisegenehmigung für Generalsuperintendent Stoltenhoff in das Saargebiet 1934

„Die Einreise in das Saargebiet (nach Fechingen) für Herrn D. Stoltenhoff, ehemaliger Generalsuperintendent der Rheinprovinz (1 Person) wird hiermit gemäß Verordnung der Regierungskommission vom 25.10.1933 für die Zeit vom 15.9. bis zum 17.9.1934 genehmigt.“

Saarbrücken, den 10. Sept. 1934 Der Leiter des Verkehrswesens

Einreisegenehmigung in das Saargebiet f. Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff, 10.09.1934, Fechingen. Aus Bestand: AEKR 6HA 001(Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff), 506

Bei einer Recherche in den Handakten des ehemaligen Generalsuperintendenten der Rheinprovinz, D. Ernst Stoltenhoff, (Bestand 6HA 001 Nr. 506) fiel mein Blick auf dieses Formular, dass diesem die Einreise in das Saargebiet nach Fechingen gestattet. Für einen Moment stutzte ich: Eine Einreisegenehmigung für eine Reise innerhalb des Kirchengebietes der Rheinprovinz? Dann wurde mir klar, dass dieses mit dem Status der Saarregion nach dem Ersten Weltkrieg zusammenhängt.

Durch den Versailler Vertrag wurde 1920 erstmals eine eigenständige Verwaltungseinheit an der Saar geschaffen. Diese umfasste die Stadt Saarbrücken, die Kreise Saarbrücken, Ottweiler und Saarlouis und Teile der Kreise Merzig und St. Wendel (alle vorher zu Preußen gehörig) sowie bayerische Gebietsteile der Bezirksämter St. Ingbert, Homburg und Zweibrücken. Nach Artikel 49 des Vertrages wurde dieses „Saargebiet“ für 15 Jahre dem Völkerbund als Treuhänder unterstellt. Eine Regierungskommission mit französischer Beteiligung übte die Verwaltung aus. Eine Zollgrenze zum Deutschen Reich beeinträchtigte den Alltag der Menschen in der nun geteilten Region.

Generalsuperintendent Stoltenhoff war oberster geistlicher Repräsentant der evangelischen Kirche in der Rheinprovinz und war viel in den Kirchengemeinden unterwegs. So wurde er auch von dem Fechinger Pfarrer Hans-Ludwig Kulp (1903-1961, in Fechingen 1932-1936) zum 25jährigen Bestehen der Frauenhilfe der Gemeinde eingeladen.

Programm der Evangelischen Frauenhilfe Fechingen zur Festversammlung am 16.09.1934. Aus Bestand: AEKR 6HA 001(Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff), 506

Kulp bat Stoltenhoff, den Festgottesdienst zu halten und „abends [zur] Nachfeier in dem primitiven Wirtshaussälchen unseres Dorfes“ zu Gast zu sein. Interessant ist die folgende Positionierung in dieser Zeit des „Kirchenkampfes“, Kulp schreibt: „Wir würden uns über eine Zusage sehr freuen; denn wir kennen Sie, hochverehrter Herr Generalsuperintendent. Die neuen Größen kennen wir nicht und lieben wir nicht und brauchen wir nicht.“ Stoltenhoff war zu dieser Zeit noch im zwangsweisen Ruhestand (seit 01.04.1934), bevor er am 25.05.1936 in sein Amt wiedereingesetzt wurde.

Weiterlesen

„Männlich gestorben“: Evangelische Militärseelsorge am Standort Aachen 1939-1944

Im Zweiten Weltkrieg bestand neben der hauptamtlichen Wehrmachtsseelsorge beider Konfessionen ein Netzwerk nebenamtlich tätiger Geistlicher. Für Aachen haben sich die Handakten der beiden dort eingesetzten evangelischen Standortpfarrer erhalten. Sie illustrieren die bis Kriegsende blühende Bürokratie im NS-System und enthalten erschütternde Dokumente zum Umgang mit den Opfern der Militärjustiz.  

Reichsbischof Ludwig Müller in Aachen: v.l.n.r.: Zehn – Bruch – Müller – Staudte – Grünagel. ca. 1933/1934

Zunächst nahm der Aachener Superintendent Paul Staudte (1881-1971) die Militärseelsorge wahr. Politisch stand er dem NS-Staat loyal gegenüber, kirchlich distanzierte er sich teilweise von den Deutschen Christen und versuchte einen neutralen Kurs zu fahren. Das Foto zeigt ihn nichtsdestoweniger in inniger Gesellschaft mit dem DC-Reichsbischof Ludwig Müller und dem Aachener DC-Pfarrer Dr. Friedrich Grünagel. Zu Staudtes Amtspflichten am Standort gehörte regelmäßig die seelsorgerliche Begleitung von Soldaten, die wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt wurden und nicht zuletzt die persönliche Teilnahme an deren Hinrichtung.

Weiterlesen

Arbeiten am gesetzlichen Feiertag. Eine eigentümliche Form studentischen Protestes an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal im Jahr 1967

Studierendenstreiks, also der Boykott von Vorlesungen und anderen Lehrveranstaltungen zur Propagierung oder Durchsetzung (bildungs)politischer Ziele, sind spätestens seit den 1980er Jahren und dann vor allem mit dem bundesweiten Studentenstreik 1997/98 der deutschen Öffentlichkeit vertraut. Vergleichsweise originell ist die umgekehrte Variante, also die Ansetzung von Lehrveranstaltungen bewusst auf einen unliebsamen Feiertag.

Eine solche Melange gewissermaßen aus politischem Aktivismus und protestantischem Arbeitsethos ergab sich am 17. Juni 1967, dem Tag der Deutschen Einheit, an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, kurz KiHo. Auch wenn wir heute nur den 17. Dezember schreiben, lohnt es sich, in die mentalen Befindlichkeiten der späten Sixties einzutauchen.

Kirchliche Hochschule Wuppertal. Bestand AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 80045_09
Weiterlesen

Finissage der Otto-Bartning-Ausstellung am Reformationstag

Über die Ausstellung zum Wirken des Architekten Otto Bartning im LVR-Freilichtmuseum Kommern hatten wir bereits berichtet. Kommenden Sonntag, am 31. Oktober, findet nun die Finissage der Ausstellung statt.

Das umfängliche Programm umfasst eine Festandacht, eine Kuratorinnenführung durch die Ausstellung sowie einen Vortrag zum Notkirchenprogramm. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, teilweise ist eine Anmeldung erforderlich. Alle Infos und den PDF-Flyer zum Tag finden Sie hier.