Für die Organisation des pfarramtlichen Alltags war er sicher so unverzichtbar wie heute das Smartphone: der Tischkalender. Dieses Exemplar „für Pult und Tasche“ für das Jahr 1939 stammt aus dem Nachlass von Albert Rosenkranz (1876-1975), der bis 1951 das Provinzialkirchenarchiv, das heutige Landeskirchliche Archiv, leitete.
Albert Rosenkranz hat ihn nur wenig genutzt. Eingetragen sind lediglich ein paar Geburtstage und einige wenige Notizen, die zum Teil fast tagebuchartig wirken. Im April notierte er beispielsweise mehrere Tage lang das Wetter. „Herrlichstes Wetter“ am 9. April, „unbeständig warm mit Regen“ am 13. April usw.
Schließlich nutzte er die vielen leergebliebenen Seiten, um seine kirchenhistorischen Arbeiten zu Papier zu bringen.
Bei allem, was der Kalender über Albert Rosenkranz aussagt, ist auch der Kalender selbst ein zeithistorisches Objekt und versprüht auf jeder Seite den nationalsozialistischen Geist der Zeit. Jede Doppelseite ist überschrieben mit einem zeittypischen Zitat. Bis auf wenige Ausnahmen stammen die meisten von Adolf Hitler und sind gewohnt kämpferisch.
Der 16-seitige Anhang beinhaltet jede Menge Informationen zum Alltag im nationalsozialistischen Staat. Es gibt zum Beispiel eine Liste der Feiertage, die neben den üblichen christlichen Feiertagen auch den Heldengedenktag und den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes aufführt. Außerdem findet sich eine weitere lange Liste mit sogenannten Gedenktagen, wozu unter anderem die Geburtstage Adolf Hitlers und Hermann Görings gehören sowie die Einführung der Hakenkreuzflagge als Nationalflagge durch das Reichsflaggengesetz vom 15.9.1935.
Hinzu kommen ausführliche Informationen, für die wir heute schnell zum Smartphone greifen würden: aktuelle Post- und Bahntarife, Größen- und Gewichtseinheiten, Hinweise zum Wehr-, Arbeits- und Luftschutzdienst und einiges mehr.
Der Tischkalender dokumentiert damit nicht nur den Alltag seines Besitzers, sondern auch den Geist einer ganzen Zeit.







