Am 17. November des vergangenen Jahres feierte meine Heimatgemeinde, die Thomasgemeinde in Essen Stoppenberg/Frillendorf, das 125-jährige Jubiläum ihrer Thomaskirche. (1) Anlässlich des Jubiläums wurde selbstverständlich eine Vielzahl von Vorträgen gehalten, welche das Gemeindeleben oder die ökumenische Arbeit mit der umliegenden kath. Gemeinde thematisierten. Der für mich interessanteste Vortrag referierte die Gründungsgeschichte der Gemeinde. Folglich existiert die Gemeinde bereits seit 1896 und wurde von evangelischen Migranten und Migrantinnen gegründet, die als Arbeitskräfte für den Kohle- und Stahlbau angeworben wurden und so den Weg in das Ruhrgebiet fanden. Geschenke der örtlichen Zechen und der Landeskirche ermöglichten schlussendlich den Bau des ersten Gemeindegebäudes, ehe am 17. November 1900 dann die heutige Thomaskirche eingeweiht werden konnte. (2) Auch meine Großeltern und Urgroßeltern, die in den 1930er Jahren die Reise in das Ruhrgebiet antraten, waren Teil dieser „migrantischen“ Gemeinde. Die Ortsakten (1OB 008 – Ortsakten) veranschaulichen die Symbiose, welche zwischen der Industrie und Migration herrschte. Der „Siedlungsverband Ruhrkohlebezirk zu Essen“ ermöglichte 1923 den Bau von 37 Wohnungen, die aus dem Ruhrkohlefond finanziert worden sind. (3) In einem weiteren Aktenstück ist gar die Rede von 224 Siedlungswohnungen, die ebenfalls aus dem Ruhrkohlefond finanziert wurden, wobei ganze 60 Wohnungen auf die Gemeinde Stoppenberg/Frillendorf entfielen. (4)
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Reformierte Netzwerke im 16. Jahrhundert – Die Familie Calandrini aus Lucca

Bei diesem Schriftstück handelt es sich vom Genre her zunächst einmal um eine banale Quittung. Sie wurde 1590 in Frankfurt/Main in französischer Sprache ausgestellt und es geht um eine Kollekte aus Aachen („Aix“). Stutzig macht aber bereits der klangvolle italienische Name des Ausstellers und bei näherer Betrachtung erschließen sich europaweite Netzwerke der Kommunikation und finanziellen Unterstützung.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erleiden die an der Lehre Calvins orientierten Reformierten in Westeuropa vielfach das Schicksal der Vertreibung. Massiver religiöser Verfolgungsdruck herrscht im England der katholischen Königin Mary Tudor (reg. 1553-1558) ebenso wie unter der Statthalterschaft des Herzogs von Alba in den Niederlanden 1567-1573. Weitere Flüchtlinge aus Frankreich, der Wallonie und aus Antwerpen prägen die reformierten Gemeinden am Niederrhein, in Aachen und Köln.
Ein Beispiel ist die „Lucca-Connection“ der Familie Calandrini: Sie mussten 1567 auf Druck der Inquisition das toskanische Lucca verlassen und siedelten sich in Paris an. Dort überlebten sie 1572 knapp die Massaker der Bartholomäusnacht und flohen nach Sedan. Von dort zogen einige Mitglieder der Familie nach Antwerpen, dann 1585 vor den einmarschierenden Spaniern nach Frankfurt am Main. Der junge Textilkaufmann Cesare Calandrini (1550-1611) hatte sich bereits seit Mitte der 1570er Jahre in Nürnberg als einer der angesehensten Tuchhändler der Stadt etabliert. Sein Bruder Giovanni war erfolgreicher Bankier in Amsterdam, ebenso wie sein Schwiegersohn Philipp Burlamachi in London.
