Kirchliches Zeugnis für Auswanderer

Kirchliches Zeugnis (5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv)

Die deutsche Überseewanderung, die ihre Hochphase im 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte, stellte die Kirchen vor enorme Herausforderungen. Wie sollen die Menschen in den Überseegebieten „religiös“ versorgt werden? Laut dem Zeitungsartikel „Gedenket der deutschen evangelischen Gemeinden in Südbrasilien!“ (Bestand: 5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv) wanderten bereits um das Jahr 1912 ca. 20 000 Deutsche nach Chile, 30 000 nach Argentinien und 500 000 nach Brasilien aus. Hierbei gehörten mehr als „zwei Drittel“ der evangelischen Kirche an. Die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“ sorgte für die religiöse und gesellschaftliche Versorgung der Auswanderer in Südamerika. So berichtet die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“, dass bis zum Jahr 1911 bereits 200 ev. Gemeinden und 400 deutsche Schulen errichtet wurden.

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Sind Ihnen „christliche Gemeindespiele“ bekannt?

Während der Digitalisierung des Bestandes 6HA004 Kirchenkampf Beckmann begegnete mir ein Heftchen mit dem eindrucksvollen Titel „christliche Gemeindespiele“. Eine Begrifflichkeit die heute vermutlich hauptsächlich in Form des weihnachtlichen Krippenspiels bekannt sein sollte. Das Heftchen, welches in den Jahren 1930-1940 erschien und vom „Christian Kaiser Verlag München“ veröffentlicht worden ist, listet insgesamt 53 Gemeindespiele.

Bereits das Vorwort erklärt, dass unter christlichen Spielen jene Spieldichtungen verstanden werden, die ihre „Fabeln“ ausschließlich aus dem christlichen Glaubensgut beziehen würden. Das Werk gliedert seine Spiele in die Kategorien Passion, Konfirmation, Ostern, Gemeindeabend, Pfingsten, Erntefest, Totengedächtnis, Reformation und Advent/Weihnachten, wobei für jede Kategorie unterschiedliche Spiele samt Regeln abgedruckt wurden.  Natürlich findet sich auch eine Anleitung zu der Aufführung eines klassischen Krippenspiels. Mein Interesse weckte allerdings die Kategorie „Passion“. In der Osterzeit können gleich 7 Spiele aufgeführt werden, während für Ostern weitere 6 Spiele beschrieben werden. Für das Spiel „Der Herr ist auferstanden. Ein Osterspiel“ betrug die Spieldauer bspw. 60 min. und inkludierte 14 männliche und 4 weibliche Spieler samt Chor. Hierbei wird explizit betont, dass es sich nicht um ein Theaterstück handle, sondern um ein Spiel der Verkündigung, welches das biblische Geschehen darstellen soll.

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Zweifelsfrei bildet die Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar des Jahres 1933 eine tiefe Zäsur innerhalb der Geschichte, welche die Erinnerungskultur bis in die Gegenwart entscheidend prägt. Demnach erscheint es nicht verwunderlich, dass auch die Geschichte der Ev. Kirche durch die Machtergreifung des diktatorischen Regimes nicht unberührt bleiben konnte. Der Handaktenbestand Joachim Beckmanns (Bestand: 6HA004) bietet einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung der Evangelischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus und ist freilich von enormer Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft.

Kirchenkampfakten Joachim Beckmann (6HA004 B29), Ev. Bekenntnissynode im Rheinland: Rundbriefe und Materialien, 05.01.1937-28.02.1938

Der Sieg der Deutschen Christen bei der Kirchenwahl am 23. Juli 1933 bot für Pfarrer Beckmann Anlass, sich dem staatlichen Eingriff in die Kirche zu widersetzen. Unter der Leitung Beckmanns organisierte ein kleiner Kreis von Theologen die Gründung des „Rheinischen Bundes um Wort und Kirche“ (Rheinische Pfarrerbruderschaft). In Kooperation mit dem von Martin Niemöller begründeten „Pfarrernotbund“ bildete die „Rheinische Pfarrerbruderschaft“ den Widerstand gegen das NS-Regime und protestierte gegen die Etablierung der regimetreuen Organisation der „Deutschen Christen“. Der Bestand 6HA004 bietet umfangreiche Auskünfte hinsichtlich jenes kirchlichen Widerstandes und inkludiert u.a. „konstituierende Schriften zur Organisation des Rheinischen Rates“ oder „Verfassungsentwürfe für die Neuordnung der Landeskirchen“. Freilich können Sie vermutlich unzweifelhaft erahnen, dass es sich bei den archivierten Schriftstücken um Dokumente von enormer historischer Relevanz handelt, die einen authentischen Einblick in die theologischen Debatten und Probleme zur Zeit des NS-Regimes bieten. Dennoch möchte ich Ihnen anhand der Akte „6HA004 B29“ die Besonderheit unseres Bestandes skizzieren:

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Jugend

Die Jugend… Ein Begriff der keine genaue Definition zulässt. Der Duden beschreibt die Jugend beispielsweise als „Zeit des Jungseins“. Gleichzeitig folgt auch eine biologische Definition, indem Jugend als „Entwicklungszeit“ klassifiziert wird. Doch meines Erachtens nach beschreiben diese stumpfen Definitionen nicht den tatsächlichen Kern! Jugend ist vielmehr eine Erinnerung an unbeschwerte Zeiten, an die erlebte Freiheit oder scheinbar unendliche Sommer. Kurzum beschreibt die Jugend vielmehr ein Gefühl. Die folgende Slideshow versucht dieses Gefühl zu greifen und nostalgische Erinnerungen zu wecken:

  • Eine Pfadfinderin baut ein Zelt auf.
    Fotograf: Hans Lachmann
    Datum: 1.2.1995 - 2.6.1996
    Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 019_0399
    Schachtel: 825 (6/33659)

Weitere Bilder finden Sie in unserem Online-Bildarchiv.

Der Bestand 8SL 059 Sammlung Horst Neeb wurde erschlossen

Der im Jahre 2004 verstorbene Pietismusforscher Horst Neeb widmete sich in seinem Ruhestand der pietistischen Forschung und leistete hierbei herausragende Beiträge, die bis in die Gegenwart von Relevanz zeugen. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums seiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Haan/Rheinland, verfasste Neeb einen Artikel über die Historie, der in der Festschrift der Gemeinde veröffentlicht worden ist. Hierbei recherchierte Neeb, dass die Gemeinde durch den engeren Freundeskreis des bedeutenden Pietisten Gerhard Tersteegen begründet wurde. Durch diese Erkenntnis entfacht, machte Horst Neeb die noch erhaltenen Tersteegen-Briefe ausfindig und widmete sich fortan der historischen Forschung. 

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Kennen Sie bereits „Der Frommen Lotterie“?

Bister, Ulrich (Hrsg.): Geistliches Blumen-Gärtlein (Sig. GT 12 64)

Während meiner ersten Arbeitswochen beschäftigte ich mich mit der Arbeit des Pietismus-Forschers Horst Neeb (Bestand 8SL 059). Dabei stieß ich zwangsläufig auf den Namen Gerhard Tersteegen. Jener Tersteegen erlangte vornehmlich durch seine Poesien und Dichtungen überregionale Bekanntheit.[1] Zu den einflussreichsten Beiträgen Tersteegens zählt zweifelsfrei das Werk „Geistliches Blumen-Gärtlein“. Eine Besonderheit des Werkes bildet der letzte Teil, der den Namen „Der Frommen Lotterie“ trägt. In unserem Bestand der Archivbibliothek (I.11, übernommene Bibliothek Brüderverein) finden sich zwei Variationen der Lotterie: Zum einen die klassische Buchform und zum anderen eine Ziehkästchen aus dem Jahre 1791.  

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