Essener Gemeindegründungen in der Industrialisierung

Mit dem Beginn der Industrialisierung entwickelte sich das Ruhrgebiet zum zentralen Hotspot der Kohle- und Eisenindustrie. Die neuen Industrien mussten zwangsläufig mit Arbeitskräften versorgt werden, sodass das Ruhrgebiet seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch Migrationsströme geprägt wurde. Wie bereits im vorherigen Beitrag ausführlich beschrieben, fand um 1900 erstmals eine größere Anzahl von evangelischen Arbeitern ihren Weg in das Ruhrgebiet. In der heutigen Zeit, in der sämtliche Kirchengemeinden mangels Mitgliederzahlen zusammengelegt werden, scheint es fast unglaublich, dass es im Ruhrgebiet um das Jahr 1900 zu einem regelrechten Boom an Gemeindegründungen kam. Exemplarisch für den rasanten Gesellschaftswandel kann die Stadt Essen dienen. Bis 1813 zählte das kleine Landstädtchen lediglich 4.000 Einwohner, die überwiegend katholischer Konfession waren. Als im Jahre 1900 die Ruhrsynode in Essen abgehalten wurde, hatte sich die Zahl der Gemeinden bereits von 8 auf 24 erhöht, wobei nur 5 dieser Gemeinden ihren Ursprung im 16. Jahrhundert verzeichnen konnten. Noch deutlicher gestaltete sich der Anstieg der „Seelenzahl“, die auf 230.000 angestiegen war. Dieser Anstieg hing natürlich eng mit dem Fortschreiten der Industrialisierung zusammen, die immer mehr Arbeiter nach Essen spülte. Bereits im Jahre 1856 erfolgte die Gründung der Kirchengemeinde Borbeck, die sich von der historischen Gemeinde Essen-Altstadt abspaltete. Von Borbeck spalteten sich wiederum 1877 bzw. 1893 Altendorf und Dellwig ab und bildeten fortan ebenfalls eigenständige Gemeinden. Zwischen 1875 und 1896 folgten weitere Gemeindegründungen, u. a. in Altenessen, Stoppenberg und Katernberg. Auffällig erscheint hier, dass die Gemeinden allesamt in Stadtteilen entstanden, welche in unmittelbarer Nähe zu größeren Zechen lagen. Die Gewalt des Struktur- und Gesellschaftswandels spiegelt sich auch in amtlichen Dokumenten wider. In den „Kirchlichen Amtsblättern“ der Jahre 1875-1905 finden sich vermehrt Gründungsurkunden.

Kirchliches Amtsblatt, Nr. 12, 1905.

Oftmals erfolgte eine Neugründung einer Gemeinde aus Abspaltungen von den „Muttergemeinden“. Als Beispiel kann neben der bereits erwähnten Gemeinde Borbeck, auch die Kirchengemeinde Schonnebeck dienen (siehe Abb.). Während Borbeck sich bereits im Jahre 1856 abspaltete, erfolgte die Abspaltung Schonnebecks, welches vorher zu den umliegenden Gemeinden Kray und Stoppenberg zählte, erst im Jahre 1905. In den Gründungsurkunden finden sich auch die geografischen Parameter zur Errichtung der neuen Gemeinde. So legt die Gründungsurkunde der Kirchengemeinde Stoppenberg, die im Jahre 1895 im Kirchlichen Amtsblatt veröffentlicht worden ist, fest, dass „Die Evangelischen in Stoppenberg und Frillendorf, Landkreis Essen werden aus der Gemeinde Essen a. d. Ruhr, Synode an der Ruhr, die Evangelischen im sogenannten Schonnebecker Bruch, d.h. in dem nordwestlich von der Mittellinie der Wilhelm- und Portendickstraße gelegenen Theile von Schonnebeck, Landkreis Essen, aus der Kirchengemeinde Caternberg, Synode an der Ruhr, ausgepfarrt und zu einer selbstständigen Kirchengemeinde Stoppenberg (…)“ vereinigt werden.

Kirchliches Amtsblatt, Nr. 20, 1895.

Anhand der Kirchlichen Amtsblättern lässt sich analysieren, dass das Wachstum der Protestanten in der Stadt Essen keinesfalls temporärer war. Vielmehr dauerte das Wachstum der Gemeinde mindestens 50 Jahre an. Die Homepage des Kirchenkreises Essen gibt für das Jahr 1960 gar eine Zahl von ca. 300 000 Protestanten an. Diese Zahl übersteigt die genannte Zahl von 230 000 aus dem Jahre 1900 deutlich. Mit der Gründung der zahlreichen neuen Kirchengemeinden ging auch ein Bedürfnis an Gotteshäusern einher. Anfänglich verfügten viele Gemeinden noch nicht über eine eigene Kirche. Dies war bspw. auch in Stoppenberg der Fall, wo die Gemeinde erst im Jahre 1900 in die neue Thomaskirche einziehen konnte. Die diversen Kirchenbauten der Jahre 1875-1905 prägen bis in die Gegenwart das Stadtbild Essens und agieren somit als wichtige zeithistorische Dokumente, die unabdingbar für die jüngere Erinnerungskultur sind.

Feldpost von Pfarrer Harry Weisberg an Oberkirchenrat Schlingensiepen

Feldpostbriefe stellen eine vielbeachtete Quelle innerhalb der Disziplin der Geschichtswissenschaft dar. Umso wichtiger erscheint es, den Charakter dieser Dokumente richtig zu erfassen. Dr. Stefan Flesch berichtete bereits in „Feldpost und sonstige Kriegskorrespondenz im Archiv der EKiR„, dass die regulären Feldpostbriefe in allen Kriegen einer rigiden Zensur mit ggf. scharfen Verfolgungsmaßnahmen unterlagen. Zumal wurde die Feldpost in den Jahren 1939-1945 unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Staates weiter verschärft. Umso erstaunlicher erscheint der Brief von Pfarrer Harry Weisberg an Oberkirchenrat Schlingensiepen vom 1. März des Jahres 1944, welcher durchaus kritische Töne anklingen lässt. Der Brief findet sich im Bestand „6HA002 – Oberkirchenrat Johannes Schlingensiepen„. Wie besonders diese Form des Dokuments ist zeigt sich auch anhand des Findbuches, wo sich folgendes Zitat finden lässt:

„Die Feldpostbriefe wie auch die Briefe der Nachkriegszeit geben Auskunft über die
persönlichen Lebensumstände des Schreibers, so z.B. über seinen Gesundheitszustand, seine Familie, seine Fronterlebnisse, seine Nöte als Seelsorger,
seine Sorgen hinsichtlich der Gemeinde, usw. Stellungnahmen zur Lage der Bekennenden Kirche, zum Nationalsozialismus, zum Krieg, usw. sind rar.“

6HA002 – Oberkirchenrat Johannes Schlingensiepen

Im Egodokument des Pfarrers finden sich sowohl Angaben bezüglich seiner Familie und seiner Gesundheit als auch kritische Stimmen zum Krieg. Eine weitere Besonderheit ist, dass auch konkrete Ortsangaben getroffen werden, sodass der Einsatzverlauf von Herrn Weisberg teilweise rekonstruiert werden kann. Folglich formuliert Pfarrer Weisberg bereits in der Einleitung, wie sehr er bedaure, dass die früheren Verbindungen so sehr unterbrochen werden durch diesen „bösen“ Krieg. Weiter berichtet Weisberg von der Taufe seines zweiten Kindes, welches in seiner Anwesenheit getauft werden konnte. Interessant erscheint auch, dass der Feldpostbrief zum einen Aussagen über die Gesundheit des Pfarrers enthält und zum anderen auch konkrete Orte inkludiert. So schrieb Weisberg: „Am 3. Dezember kam ich nach einem Schuß durch das rechte Unterarmgelenk vom Brückenkopf Nikopol weg (nachdem ich im Oktober noch rechtzeitig von der Krim weggekommen war!)“ und zurück – und war dann vom 20.12. bis zum 2.2. im Lazarett im Erzgebirge.(…)“ Nach Aufenthalten im Lazarett und einem Urlaub, müsse der Pfarrer wieder zurück bei seinem Ersatztruppenteil sein. Im weiteren Verlauf wird der Wunsch eines raschen Kriegsendes geäußert. So findet sich folgende Aussage: „Hoffentlich setzt GOTT diesem Kriege bald ein Ende. Möchte er doch Seine Hand ausrecken und Seine erklärten Feinde demütigen und ganz entmächtigen, damit seine Gemeinde nicht weiter zerstört werde und sein Wort in allen Ländern frei verkündigt werden kann! (…)“. Des Weiteren wusste Pfarrer Weisberg scheinbar von der „Bedrängung“ der Kirche durch die Nationalsozialisten. So spricht er jene selig, die „um des Evangeliums willen leiden“. Weiter führt er aus, dass dazu wohl die „meisten Diener am Wort zu rechnen“ wären, welche „heute noch in ihren Gemeinden das Wort verkünden. (…)“ Weisberg ist hierbei bewusst, dass die Geistlichen „Schmähungen“ und „Nachstellungen“ ausgesetzt sind.

6HA002 – Oberkirchenrat Johannes Schlingensiepen

Bestand 1OB019M – Ostpfarrerversorgung

Am 21. Juni 1946 beschloss der Rat der EKD die „Verordnung zur Versorgung und Verwendung von Ostpfarrern“. Als solche galten alle Pfarrer aus dem Gebiet der ehemaligen DEK (Deutsche Evangelische Kirche) östlich der Oder-Neisse-Linie (einschließlich Wartheland und Sudetengau), nicht aber die Pfarrer, die in der russischen Besatzungszone tätig waren. Folglich bietet der Bestand „1OB019M – Ostpfarrerversorgung” einen ganz besonderen Einblick in die zwangsläufige Veränderung der Gesellschaft und die damit einhergehende Neustrukturierung der Kirche. Bei den meisten „Ostpfarrern“ handelte es sich um vertriebene Volksdeutsche, die zusammen mit ihren Gemeinden aus den östlichen Gebieten der ehemaligen DEK vertrieben worden sind. Demnach erscheint es nicht verwunderlich, dass sich im Bestand spektakuläre und teils unglaubliche Biografien finden lassen.

Eine dieser besonderen Biografien findet sich unter der Aktennummer „287, Pfarrer Ferdinand Sommer“. Seinen Pfarrdienst trat Pfarrer Sommer im Jahre 1913 in der Gemeinde Przemysl-Galizien an. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bescherte dieser Tätigkeit allerdings ein rasches Ende. Am 3. Juli 1951 schrieb Georg Faust, Propst i.R. an die „Amtsbrüderliche Hilfskasse des Bayr. Pfarrvereins“, dass Pfarrer Sommer „als die Festung Przemysl von den Russen eingenommen wurde“ vom Festungskommandanten zum evangelischen „k.u.k. Militär-Subsidiar Seelsorger“ ernannt worden ist. In dieser Funktion habe er 10 000 Soldaten betreut und beerdigt. Hierbei soll es sich nicht nur um Volksdeutsche, sondern auch um Polen, Tschechen, Ungarn und Slowaken gehandelt haben. Nach dem Fall der Festung ging Pfarrer Sommer freiwillig mit seiner Mannschaft in russische Gefangenschaft, die erst 1918 (aus gesundheitlichen Gründen) ein Ende fand. Anschließend wurde ab 1919 die Pfarrstelle innerhalb der deutschen Gemeinde in Schutzberg/Glogovac (Bosnien) bekleidet. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurden die deutschen Siedlungen in Bosnien nach Litzmannstadt umgesiedelt. In einem Vermerk an die „Evang. Luth. Landeskirche München“ vom 15. April 1953 wird das Schicksal der Deutschen wie folgt beschrieben: „Im November 1942 wurden die Bosniendeutschen durch einen Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und dem Unabhängigen Staate Kroatien aus letzterem herausgenommen und in die deutschen Ostgebiete umgesiedelt. Bargeld, Sparbücher und Wertpapiere mussten an die Reichsregierung abgeliefert werden. (…) Das Vermögen der Kirchengemeinde fiel durch diesen Staatsvertrag der Evang. Luth. Kirche in Kroatien (Agran) zu (…)“ (1)

1OB019M – Ostpfarrerversorgung

Mit der Umsiedlung wurden die Aussiedler deutsche Staatsbürger und so den anderen Bürgern gleichgestellt. In einem Schreiben argumentiert Sommer, dass allen Beamten und Angestellten die lückenlose Zahlung der Ruhestandsgelder vertraglich zugesichert worden wäre. Wie in der Akte Nr. 287 ausführlich dokumentiert, gestaltete sich die Anerkennung der geleisteten Tätigkeiten in der Praxis äußerst problematisch. Pfarrer Sommer musste daher bis zu seinem Tod im Jahr 1966 um die Rentengewährung kämpfen.

1OB019M – Ostpfarrerversorgung
  1. Anzumerken ist hierbei, dass es sich bei beschriebenen „unabhängigen“ Staat Kroatien um einen Staat handelte, der unter dem Regime der Ustascha stand und somit als enger Verbündeter des Deutschen Reiches agierte.

Evangelische Minderheiten in der Welt: Protestantische Migrationsbewegungen im Ruhrgebiet um das Jahr 1900

Am 17. November des vergangenen Jahres feierte meine Heimatgemeinde, die Thomasgemeinde in Essen Stoppenberg/Frillendorf, das 125-jährige Jubiläum ihrer Thomaskirche. (1) Anlässlich des Jubiläums wurde selbstverständlich eine Vielzahl von Vorträgen gehalten, welche das Gemeindeleben oder die ökumenische Arbeit mit der umliegenden kath. Gemeinde thematisierten. Der für mich interessanteste Vortrag referierte die Gründungsgeschichte der Gemeinde. Folglich existiert die Gemeinde bereits seit 1896 und wurde von evangelischen Migranten und Migrantinnen gegründet, die als Arbeitskräfte für den Kohle- und Stahlbau angeworben wurden und so den Weg in das Ruhrgebiet fanden. Geschenke der örtlichen Zechen und der Landeskirche ermöglichten schlussendlich den Bau des ersten Gemeindegebäudes, ehe am 17. November 1900 dann die heutige Thomaskirche eingeweiht werden konnte. (2) Auch meine Großeltern und Urgroßeltern, die in den 1930er Jahren die Reise in das Ruhrgebiet antraten, waren Teil dieser „migrantischen“ Gemeinde. Die Ortsakten (1OB 008 – Ortsakten) veranschaulichen die Symbiose, welche zwischen der Industrie und Migration herrschte. Der „Siedlungsverband Ruhrkohlebezirk zu Essen“ ermöglichte 1923 den Bau von 37 Wohnungen, die aus dem Ruhrkohlefond finanziert worden sind. (3) In einem weiteren Aktenstück ist gar die Rede von 224 Siedlungswohnungen, die ebenfalls aus dem Ruhrkohlefond finanziert wurden, wobei ganze 60 Wohnungen auf die Gemeinde Stoppenberg/Frillendorf entfielen. (4)

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Rechenbuch aus dem 18. Jahrhundert ergänzt den Bestand 8SL 059 – Horst Neeb

Bild 1; Nummeratio zu ganzen Zahlen; 8Sl059 – Horst Neeb

Das Rechenbuch stammt aus dem Jahre 1783 und führte die „Schüler“ und „Schülerinnen“ des späten 18. Jahrhunderts in die Welt der „Ganzen Zahlen“ ein. Hierbei umfasst das Werk, welches von Johannes zu Klein Selbeck verfasst worden ist, Textaufgaben und Rechenbeispiele zu den vier mathematischen Grundrechenarten. Eine klassische Textaufgabe zur Division lautete folglich: „Item drei haben zu teilen 987 fl. (?) was gebühret Jedem davon?“.

Interessant erscheinen auch die Rechenmethoden, die identisch zu den in der Gegenwart geläufigen Methodiken der „Schriftlichen Division“ und „Multiplikation“ erscheinen. Neben den bekannten Rechenwegen finden sich allerdings auch, zumindest für die Moderne, eher unbekanntere Methoden. Bild 3 zeigt beispielsweise ein Zahlendreieck, welches in seinem Aufbau an ein „Pascalsches Dreieck“ erinnert.

Das Archiv der EKiR ist durch eine Abgabe der Familie zum Kolk in den Besitz des wunderbaren Rechenbuches gekommen. Aufgrund des Provenienzverfahrens wurde das Objekt dem Bestand 8SL059 – Horst Neeb zugeordnet und findet sich nun unter der Nr. 73.

Evangelische Minderheiten in der Welt: Protestantismus in Tschechien und der Slowakei

Die Historie der heutigen Nationalstaaten Tschechiens und der Slowakei gestaltet sich sicherlich als eine der spannenderen hinsichtlich der eigenen Nationen- und Identitätsbildung. Neben einer gemeinsamen Geschichte, weisen beide Nationalstaaten auch diverse unterschiedliche Prägungen auf, die oftmals im Gedächtnis der Öffentlichkeit wenig Beleuchtung finden. Offiziell konstituierte sich ein moderner Staat der „Tschechoslowakei“ erst im Jahre 1918 und zerfiel 1992 in die beiden heutigen Staaten. Bereits im 10. Jahrhundert fand eine Trennung der beiden „Völker“ statt, die de jure bis in das 20. Jahrhundert existierte. Während Tschechien zum österreichischen Reichsteil der Habsburger gehörte, wurde die Slowakei als „Oberungarn“ vor 1918 politisch und kulturell vornehmlich durch das königliche Ungarn geprägt. Natürlich darf die geographische Trennung nicht darüber hinweg täuschen, dass aufgrund der gemeinsamen mittelalterlichen Geschichte und Zugehörigkeit zu der westslawischen Sprachfamilie durchaus kulturelle und politische Verbindungen konserviert blieben, wie sich anschaulich am sogenannten „Völkerfrühling“ (Mitte des 19. Jahrhunderts) analysieren lässt. Dennoch erscheint es aufgrund der faktisch vorherrschenden Trennung ebenfalls nicht verwunderlich, dass beide Staaten eine durchaus weitreichende Pluralität aufweisen, die sich auch in konfessioneller Hinsicht zeigt.

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Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheit in Ungarn

Nach dem der Protestantismus im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens beleuchtet wurde, führt uns die Kirchengeschichte in das Nachbarland Ungarn. Ähnlich wie in Slowenien und Kroatien, können die Ursprünge des Protestantismus bereits im 16. Jahrhundert verortet werden. Diese doch weitreichende Historie erscheint vor allem bemerkenswert, wenn der Umstand der habsburgischen Eingliederung betrachtet wird. Folglich verlor Ungarn in den 1520er Jahren seine selbstständige Stellung und wurde Teil der (erz-)katholischen Krone Habsburgs. Die protestantischen Lehren wurden zunächst überwiegend durch den ungarischen Adel getragen, der sich anfänglich dem Einfluss der Habsburger-Monarchie entziehen konnte. Unter dem Schutz des Adels, der vorwiegend dem Luthertum angehörte, verbreiteten sich die protestantischen Lehren ebenfalls in der Bevölkerung, die vermehrt den Reformierten angehörten. (1) Trotz des relativen Schutzes durch die ansässige Obrigkeit startete die österreichische Krone den Versuch einer umfangreiche Rekatholisierung, was den Protestantismus eindämmte. (2) Insgesamt waren die Evangelischen Kirchen Ungarns zur Zeit der habsburgischen Monarchie einer starken Marginalisierung ausgesetzt.

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