Die Historie der heutigen Nationalstaaten Tschechiens und der Slowakei gestaltet sich sicherlich als eine der spannenderen hinsichtlich der eigenen Nationen- und Identitätsbildung. Neben einer gemeinsamen Geschichte, weisen beide Nationalstaaten auch diverse unterschiedliche Prägungen auf, die oftmals im Gedächtnis der Öffentlichkeit wenig Beleuchtung finden. Offiziell konstituierte sich ein moderner Staat der „Tschechoslowakei“ erst im Jahre 1918 und zerfiel 1992 in die beiden heutigen Staaten. Bereits im 10. Jahrhundert fand eine Trennung der beiden „Völker“ statt, die de jure bis in das 20. Jahrhundert existierte. Während Tschechien zum österreichischen Reichsteil der Habsburger gehörte, wurde die Slowakei als „Oberungarn“ vor 1918 politisch und kulturell vornehmlich durch das königliche Ungarn geprägt. Natürlich darf die geographische Trennung nicht darüber hinweg täuschen, dass aufgrund der gemeinsamen mittelalterlichen Geschichte und Zugehörigkeit zu der westslawischen Sprachfamilie durchaus kulturelle und politische Verbindungen konserviert blieben, wie sich anschaulich am sogenannten „Völkerfrühling“ (Mitte des 19. Jahrhunderts) analysieren lässt. Dennoch erscheint es aufgrund der faktisch vorherrschenden Trennung ebenfalls nicht verwunderlich, dass beide Staaten eine durchaus weitreichende Pluralität aufweisen, die sich auch in konfessioneller Hinsicht zeigt.
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