April Challenge #Archive30 – Tag 24: Something Fun

Mehrhoff, Hans, Pastor, Superintendent Barmen, auf seinem Lutz-Motoroller 1953,
© Foto aus dem Besitz von Wolfgang Engels
2002 (vg. A. und W. Engels, Hans Mehrhoff, Düsseldorf 2002, Archivbibliothek, Signatur: R 31, S. 192)

Ende 1950 begann für Pfarrer Hans Mehrhoff das Vergnügen. Er kaufte einen roten Motorroller der Firma Lutz, einem Braunschweiger Unternehmen, das motorisierte Zweiräder produzierte. Selbstverständlich erwarb er ihn, um seine Gemarker Gemeindeglieder in Wuppertal zu besuchen. In seinen Lebenserinnerungen hält er fest: „Der hat manchen freundlichen Dienst getan, bloß das Biest sprang oft nicht an, und bei der Vorführfahrt nach Alstaden ließ er mich im Stich: Er brachte mich zwar hin, aber zurücktransportiert wurde er durch ein Tengelmannauto.“

Im April 1953 tauschte Mehrhoff den Lutz-Motorroller gegen eine italienische Lambretta ein. Sie hatte nicht nur einen Sitz für den Fahrer, sondern einen zweiten Sattel. Ihm und seiner Frau Annemarie ermöglichte das schöne, neue „Gefährt“ so manche „Vergnügungsfahrt“, zunächst zu den Verwandten im näheren Umkreis, dann über Bamberg, Besuch der Mutter, nach Rubi bei Oberstdorf. Die Fahrt dauerte zwei Tage. Dort trafen sie sich mit Freunden und durchwanderten die Allgäuer Alpen. Nicht nur die Berge, sondern auch die Nordsee, etwa das niederländische Seebad Noordwijk, hatten es ihnen angetan. Nachdem Mehrhoff den Führerschein erworben hatte, kaufte die Familie 1958 für 3.000 Mark einen gebrauchten DKW. Der Radius vergrößerte sich: Sie bereisten das Salzburger Land und Osttirol. Die Fahrt über dem Groß-Glockner bekam dem DKW nicht. Die Bremsen erhitzten zu stark. Im Freilauf ging es hinunter ins Tal.

Mehrhof resümiert: „Nun bestand das Leben ja nicht nur aus Reisen und Ferien.“ Nur: Diese blieben – trotz so mancher Widrigkeiten – gut im Gedächtnis verankert.

April Challenge #Archive30 – Tag 10: Animals, Teil 1

Tiere und Archiv – nein, ich möchte nicht über die Tierchen schreiben, die man im Archiv gar nicht gerne sieht. Hier soll es heute um Tiere gehen, von denen wir sehr spezielle Abbildungen in unserem Archiv besitzen: Tiermotive auf Kirchensiegeln. Über Kirchensiegel und deren Künstler haben wir bereits mehrfach berichtet (Suche in diesem Blog: Kirchensiegel). Ich stellte mir heute die Frage: Welche Tiermotive zieren die Siegel der evangelischen Kirchengemeinden z.B. im Bereich der Stadt Essen?

Siegel der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen, Kirchenkreis Essen, Siegelumschrift: „Evangelische Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen“, Symbol: Kreuz, Schlange, 1. Kor. 15, 55-58, außer Geltung gesetzt nach Fusion der Essener Kirchenkreise zum 1.7.2008

In unserer digitalen Siegelsammlung wurde ich fündig: In den Siegeln von sechs Essener Kirchengemeinden ermittelte ich Tierdarstellungen:

Die Schlange ist in zwei Gemeinden im Siegel abgebildet. Nach dem Schöpfungsbericht im Buch Genesis überredet die Schlange im Paradies Eva, von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen (der berüchtigte „Apfel“); sie gilt auch als Synonym für den Satan. Die Schlange ringelt sich im Siegelbild der Kirchengemeinde Essen-Holsterhausen neben dem Kreuz, in dem der Kirchengemeinde Werden am Kreuz.

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Camping-Seelsorge der Rheinischen Kirche, Teil 2

Campingmission, Kirche unterwegs, Kinderspiel, Die Sieger jubeln, Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_026

Im vergangenen Herbst berichteten wir über „Kirche unterwegs“ als Camping-Seelsorge und das interessante Spezialfahrzeug, das für diesen Zweck eingesetzt wurde. Nun bekam ich ein Heft „Nachrichten aus der Rheinischen Volksmission“, Sondernummer, in die Hände mit der Überschrift „Kirche zwischen Wohnwagen und Zelten. Erfahrungen und Erkenntnisse aus zwei Jahren Campingmission“. Autor ist der Gemeindemissionar Gerhard Gruska, den wir bereits kennengelernt hatten. Er berichtet über die Campingarbeit 1963, also das erste vollständige Einsatzjahr des Busses. Weiterlesen

Christival ’76 – Kongress junger Christen in Essen

Christival, Essen, winkende Jugendliche vor der Grugahalle, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 07214_21

In der ihm eigenen Art mahnte Karl Immer, Präses der  Evangelischen Kirche im Rheinland, zu Beginn des Jugendkongresses „Christival ’76“ die Veranstalter, „dass jeder, der die Jugend für sich einzunehmen versuche, in der Gefahr stehe, sie auch auf Irrwege zu führen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, Mitglieder der terroristischen Vereinigung RAF, die aus der evangelischen Jugendarbeit gekommen seien. „Die Leitung der rheinischen Kirche sehe deshalb auch mit einer gewissen Sorge auf das, was sich in den nächsten Tagen beim „Christival“ abspielen wird.“

Die Skepsis von Präses Immer erwies sich als unberechtigt. Es sollte weder ein Kirchentag noch eine Bekenntniskundgebung werden, sondern ein Kongress für Mitarbeiter in der „missionarischen Jugendarbeit“. Jugendevangelisation und soziale Verantwortung erfordern ein klares biblisches Profil, so die Träger des eigens gegründeten Vereins für das Christival, das in einem Grundkurs sowie in den zahlreichen Seminaren des Kongresses herausgearbeitet und geschärft werden sollte und das die Teilnehmer anschließend in die permanente Arbeit vor Ort und darüber hinaus auch in Konzerten, Jugendwochen und Offenen Abenden einbringen sollten.

Christival, Essen, Grugahalle mit Blick auf die Bühne, 31.07.-03.08.1976, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02714_07

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Fröhliche Weihnachten wie in 1852

Wir wünschen allen fröhliche Weihnachten und verabschieden uns bis zum 04.01.2019 in die Weihnachtspause

Pfarrerfamilie Garschagen 1852

Familie Garschagen vor dem Weihnachtsbaum und einem Tisch mit Geschenken, um Weihnachten 1852, v.l.n.r.: Friedrich Wilhelm, Christiane Wilhelmine, Peter Karl, Lebrecht (Pfarrer), Julius (Pfarrer), Wilhelmine, Peter Carl, Richard; Bestand: AEKR 7NL 142 (Pfarrerfamilie Garschagen), Nr. 49

Sicherlich war auch das Weihnachtsfest der Pfarrerfamilie Garschagen fröhlicher und ausgelassener, als das Foto aus dem Jahr 1852 vermuten lässt. Man muss ihr wohl zu Gute halten, dass Fotografie damals eine seltene und ernste Angelegeheit war. Immerhin standen sich die Familienmitglieder recht nah. Die Brüder und späteren Pfarrer Leberecht und Julius, links und rechts neben dem Weihnachtsbaum, studierten sogar zeitweise gemeinsam. Umfangreiche Familienkorrespondenz und weitere Fotografien finden sich im Familiennachlass bei uns im Archiv.

In diesem Sinne: Feiern Sie ausgelassen und genießen Sie die Feiertage mit ihren Lieben!

„Kirche unterwegs“ – dahin, wo andere Urlaub machen

Kirchenbus

Campingmission, Kirche unterwegs mit Posauenchor im Hintergrund; Camper gehen zum Gottesdienst; Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_02

„Camping-Seelsorge ist kein Werbetrick“ – so titelte das evangelische Sonntagsblatt „Der Weg“ einen Bericht über die Tätigkeit des Gemeindemissionars Gerhard Gruska. Er war der erste im Rheinland, der von Campingplatz zu Campingplatz reiste und Gottesdienste  abhielt. Die Campingseelsorge entspräche „der Erkenntnis, dass sich die Kirche nicht nur im traditionellen gottesdienstlichen Leben, sondern in allen Lebensbereichen verwirkliche.“ Der Urlaub sei die richtige Zeit, auf Menschen zuzugehen, weil sie Ruhe und Muße hätten.

Kirchenbus Gottesdienst

Ruf zum Gottesdienst am Sonntagmorgen, Campingmission im Sauerland, Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_14

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„…bei denen, die sich quälen…“ – Präses Gerhard Brandt und das Krupp-Stahlwerk in Rheinhausen

Arbeiter des Stahlwerks in Rheinhausen, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, Bestand: 8SL 046 (Bildarchiv), 7_0023046

Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsesamt erhielt Gerhard Brandt das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Ministerpräsident Johannes Rau, der die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten 1989 überreichte, stellte in seiner Laudatio detailliert die Verdienste heraus, die Beziehungen des ehemaligen Präses zu Polen und Ungarn und zu den Kirchen in Österreich, Indonesien und Namibia sowie zu den katholischen Bistümern in der Bundesrepublik. Rau  würdigte Brandts „verständnisvolle Beziehungen zu Landesregierungen“, und dass er „immer versucht habe, die Polarisierungen durch die vertiefte Erkenntnis des Wortes Gottes und die lebendige Bezeugung des Evangeliums zu überwinden“. Kein Wort verlor der Ministerpräsident über die wenig rühmliche Rolle des ehemaligen Präses in dem herausragenden Ereignis, das seine Amtszeit überschattete, dem 160 Tage dauernde Arbeitskampf um das Krupp-Stahlwerk in Rheinhausen.

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