Mein Praktikum im Archiv der EKiR – Geschichte hautnah

Im Zuge meines Geschichtsstudiums und meines Schwerpunktes der Kirchen- und Reformationsgeschichte habe ich mich dazu entschlossen, mich initiativ für ein sechswöchiges Praktikum im Archiv der EKiR zu bewerben.

Trotz meines Geschichtsstudiums hatte ich – anders als man vielleicht erwarten würde – bislang kaum direkte Berührungspunkte mit der Archivarbeit. Abgesehen von einer kleinen Übung im Rahmen meines Studiums hatte ich bisher keine Gelegenheit, praktische Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln, weshalb ich nicht genau wusste, was auf mich zukommen wird. Umso positiver überrascht bin ich gewesen, als mir bewusst wurde, wie vielfältig die Aufgaben des Archivteams eigentlich sind. Zu meinen Hauptaufgaben gehörte es, mithilfe des Programms ACTApro den Ortsaktenbestand 10B008 II zu verzeichnen, was mir eine neue Perspektive auf die EKiR und ihre Vielzahl an Kirchengemeinden im Detail gegeben hat. Des Weiteren sollte ich die Bilder des Fotografen Hans Lachmann digitalisieren, welche in ihren Themen und Orten extrem facettenreich sind und ein breites Spektrum des alltäglichen Lebens abbilden. Von Portraits und Momentaufnahmen bis hin zu kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen ist alles dabei. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, die Notizen über die Asylistinnen des Magdalenenstifts (1856-1870) zu transkribieren. Die höchst interessanten, teils leider auch tragischen Notizen über die Lebensgeschichten der Frauen und Mädchen boten mir einen unmittelbaren Eindruck in den Umgang mit historischen Quellen.

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Hochwassergeschädigte Akten aus Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder nutzbar

Die historische Überlieferung lebt weiter: Die Akten der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler sind nach intensiver Aufarbeitung wieder einsehbar und stehen für Forschungszwecke zur Verfügung.

Bei der verheerenden Ahr-Flutkatastrophe im Juli 2021 wurde auch das Archiv der Kirchengemeinde schwer getroffen und massiv beschädigt. Dank sofort eingeleiteter Bergungsmaßnahmen konnte jedoch ein wertvoller Teil der Dokumente gerettet werden. Nach der Erstversorgung wurden die Unterlagen schrittweise gefriergetrocknet und aufwendig restauriert. Die erhaltenen und nutzbaren Akten wurden anschließend in die Evangelische Archivstelle überführt. Dort wurden sie nach dem aktuellen Aktenplan von 2021 neu verzeichnet und wieder fachgerecht und dauerhaft archiviert.

Der Verlust ist dennoch spürbar: Von den ursprünglichen 132 Archivkartons konnten lediglich 32 gerettet werden. Erschwerend kam hinzu, dass die alten Kartons vor der Flut nicht vollständig gefüllt waren, was die Beschädigungen durch das Wasser und den Schlamm noch vergrößert hat. Weitere Details zum Schadensausmaß sowie tiefergehende Informationen finden Sie unter den folgenden Links:

Bericht aus Bad Neuenahr: Bergung von Akten aus dem Gemeindearchiv.

Lagerung und Bewertung der geborgenen Akten des Ev. Gemeindearchiv Bad Neuenahr.

Folgende Aktenzeichen/Aktenplangruppen sind ohne große Verluste vorhanden:

02 Kirchengemeinde
03 Kirchenkreis und Verbände
07 Ökumene, andere Kirchen, Judentum
08 Staat und Politik
11 Pfarrerinnen und Pfarrer
21 Gottesdienst und gottesdienstliche Veranstaltungen
44 Männer- und Frauenarbeit
61 Grundstücke
70 Gebäude
90 Finanz- und Vermögensverwaltung
A1 Amtsbücher

Die früheren Findbücher sind noch erhalten, aber sind z.T. schwer beschädigt.

Bearbeitete Akten auf dem Weg in das Archivmagazin

Kirchengemeinde Becherbach: Findbuch und Fotosammlung gehen gemeinsam online

Evangelische Kirche Becherbach anlässlich des 850-jährigen Kirchweih-Jubiläums 1951; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 201_0151

Die Evangelische Archivstelle Boppard hat im Frühjahr dieses Jahres das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Becherbach übernommen. Dort wurde der Bestand geordnet, verzeichnet und durch ein Findbuch erschlossen, das jetzt online verfügbar ist. Der Bestand deckt einen Zeitraum von 1707 bis 1976 mit einzelnen Nachträgen bis 2000 ab. Der zeitliche Schwerpunkt der Überlieferung liegt im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Einen wesentlichen Anteil bilden Unterlagen aus dem Finanz- und Rechnungswesen, vor allem Rechnungen und Rechnungsbelege der Kirchen-, Pfarr-, Bau-, Almosen- und Schulfondskassen.

Vergleichsweise gut dokumentiert ist auch das Bauwesen. Überliefert sind Unterlagen zur Kirche in Becherbach, etwa zum Neubau, zum Simultaneum sowie zu Bau-, Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Darüber hinaus sind Akten zur Kirche in Limbach, zur Kapelle in Krebsweiler sowie zum alten und neuen Pfarrhaus in Becherbach vorhanden.

Festakt der Kirchweih-Jubiläums vor dem Schulhaus, 1951; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 7_0066029

Weitere Schwerpunkte bilden Unterlagen zu Schulverwaltung, Ortsschulinspektion, Lehrerbesoldung, Schulstatistik und Schulversäumnissen seit 1789 sowie die 1773 einsetzenden Pfarrstellenakten. Bei den Amtsbüchern sind unter anderem Protokollbücher des Presbyteriums und des Schulvorstandes, Lagerbücher, Abkündigungs- und Kollektenbücher, Heberollen, ein Sammelamtsbuch sowie eine Kriegschronik erhalten.

Becherbacher Konfirmanden mit Pfarrer Johannes Müller, 1931; Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 028_0033

Parallel zu der Verzeichnung in Boppard wurden im Landeskirchlichen Archiv Düsseldorf Fotografien aus Becherbach digitalisiert und im Mediencenter des Archivs online gestellt. Die Fotosammlung dokumentiert unter anderem eine Glockenweihe, Konfirmationen, das 850-jährige Jubiläum der Kirche sowie weitere Ereignisse aus dem Gemeindeleben.

Evangelische Minderheiten in der Welt: Protestantische Migrationsbewegungen im Ruhrgebiet um das Jahr 1900

Am 17. November des vergangenen Jahres feierte meine Heimatgemeinde, die Thomasgemeinde in Essen Stoppenberg/Frillendorf, das 125-jährige Jubiläum ihrer Thomaskirche. (1) Anlässlich des Jubiläums wurde selbstverständlich eine Vielzahl von Vorträgen gehalten, welche das Gemeindeleben oder die ökumenische Arbeit mit der umliegenden kath. Gemeinde thematisierten. Der für mich interessanteste Vortrag referierte die Gründungsgeschichte der Gemeinde. Folglich existiert die Gemeinde bereits seit 1896 und wurde von evangelischen Migranten und Migrantinnen gegründet, die als Arbeitskräfte für den Kohle- und Stahlbau angeworben wurden und so den Weg in das Ruhrgebiet fanden. Geschenke der örtlichen Zechen und der Landeskirche ermöglichten schlussendlich den Bau des ersten Gemeindegebäudes, ehe am 17. November 1900 dann die heutige Thomaskirche eingeweiht werden konnte. (2) Auch meine Großeltern und Urgroßeltern, die in den 1930er Jahren die Reise in das Ruhrgebiet antraten, waren Teil dieser „migrantischen“ Gemeinde. Die Ortsakten (1OB 008 – Ortsakten) veranschaulichen die Symbiose, welche zwischen der Industrie und Migration herrschte. Der „Siedlungsverband Ruhrkohlebezirk zu Essen“ ermöglichte 1923 den Bau von 37 Wohnungen, die aus dem Ruhrkohlefond finanziert worden sind. (3) In einem weiteren Aktenstück ist gar die Rede von 224 Siedlungswohnungen, die ebenfalls aus dem Ruhrkohlefond finanziert wurden, wobei ganze 60 Wohnungen auf die Gemeinde Stoppenberg/Frillendorf entfielen. (4)

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Start der Sommerferien

Das Archiv der EKiR wünscht allen Schülerinnen und Schülern in NRW einen tollen Start in die Sommerferien. Das gilt selbstverständlich auch für alle Lehrkräfte und Eltern. Allen viel Sonne, Ruhe und gute Erholung!

Ev. Mädchenwerk macht Ferien; Fotograf: Hans Lachmann; Datum: 1954; Ort: Borkum; AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_00300001; CC BY-SA 3.0/Hans Lachmann.

Aus evangelischen Archiven Nr. 65 / 2025 online abrufbar

Die diesjährige Ausgabe der Zeitschrift des Verbandes kirchlicher Archive Nr. 65 (2025) ist jetzt online einsehbar. Der Band enthält 13 interessante Beiträge zu vielfältigen archivischen Themen und Projekten in den landeskirchlichen und diakonischen Archiven der EKD. Den Schwerpunkt der Publikation bilden jedoch „digitale Strategien entweder direkt zur Archivierung oder zur Präsentation von Archiv- und Bibliotheksgut“ (S. 7).

Einblick in den rheinischen Archivalltag und die Archivpraxis gewährt Stefanie Sternemann mit ihrem Beitrag „Umzug als Chance. Ein Bestandserhaltungskonzept für das Archiv des Ev. Kirchengemeindeverbands Köln und Region“.

Abgerundet wird der Band wie gewohnt mit den Tätigkeitsberichten der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der EKD sowie des Verbands kirchlicher Archive.

Rechenbuch aus dem 18. Jahrhundert ergänzt den Bestand 8SL 059 – Horst Neeb

Bild 1; Nummeratio zu ganzen Zahlen; 8Sl059 – Horst Neeb

Das Rechenbuch stammt aus dem Jahre 1783 und führte die „Schüler“ und „Schülerinnen“ des späten 18. Jahrhunderts in die Welt der „Ganzen Zahlen“ ein. Hierbei umfasst das Werk, welches von Johannes zu Klein Selbeck verfasst worden ist, Textaufgaben und Rechenbeispiele zu den vier mathematischen Grundrechenarten. Eine klassische Textaufgabe zur Division lautete folglich: „Item drei haben zu teilen 987 fl. (?) was gebühret Jedem davon?“.

Interessant erscheinen auch die Rechenmethoden, die identisch zu den in der Gegenwart geläufigen Methodiken der „Schriftlichen Division“ und „Multiplikation“ erscheinen. Neben den bekannten Rechenwegen finden sich allerdings auch, zumindest für die Moderne, eher unbekanntere Methoden. Bild 3 zeigt beispielsweise ein Zahlendreieck, welches in seinem Aufbau an ein „Pascalsches Dreieck“ erinnert.

Das Archiv der EKiR ist durch eine Abgabe der Familie zum Kolk in den Besitz des wunderbaren Rechenbuches gekommen. Aufgrund des Provenienzverfahrens wurde das Objekt dem Bestand 8SL059 – Horst Neeb zugeordnet und findet sich nun unter der Nr. 73.