Sommeranfang: Die Urlaubszeit steht bevor

Tipps aus der kirchlichen Presse der 60er Jahre, wie es nicht geht

…aus heutiger Sicht so hoffnungslos konservativ-bürgerlich, dass es fast schon wieder charmant ist. Das Jahr 1968 mit seinen Befreiungsbewegungen wirkt hier noch Lichtjahre entfernt.

Artikel „Zu zweit im Urlaub“, in: Der Weg 29/1960, S.5

Zeitschriftenbestand des Archivs wird in der Zeitschriftendatenbank „ZDB“ erschlossen

Das Archiv verfügt in seiner Dienstbibliothek über einen umfangreichen Bestand an Zeitungen, Zeitschriften, Serien und Jahrbüchern, die einem Zeitraum von mehr als 200 Jahren entstammen:

Zeitschriftenbestand des Archivs wird in der Zeitschriftendatenbank „ZDB“ erschlossen. Die Recherche ist über den Katalog der Archivbibliothek möglich. http://www.archiv-ekir.de/

Bei den Zeitungen handelt es sich z.B. um Sonntagsblätter wie „Der Weg„, der die Gemeindeglieder von 1946 bis 2003 begleitet hat, seinen Vorgänger „Sonntagsgruß“ (1921-1941) oder lokale Zeitungen wie „Kirchlicher Anzeiger der Ev. Gemeinde zu Düsseldorf“ (ab 1857, später „Düsseldorfer Sonntagsblatt“, bis 1941).
Zu den Zeitschriften zählen z.B. „Frauenhilfe. Monatsblatt für kirchliche Frauen-Gemeindearbeit“ (vorhanden ab 1906-1941), die „Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst“ (1896-1941) oder „Rheinweiber. feministisch, engagiert, selbstbewusst, religiös“ des damaligen Frauenreferats der Evangelischen Kirche im Rheinland (1898-2012).
Serien sind beispielsweise die Protokolle der rheinischen Provinzialsynoden (1835-1934, 1946), der Landessynoden (ab 1948) oder der verschiedenen Kreisssynoden (ab ca. 1820 handschriftlich, ab ca. 1850 gedruckt).
Jahrbücher gibt es in unserer Bibliothek im kirchlichen Bereich, wie das „Kirchliche Jahrbuch“ (ab 1900, mit seinem Vorgänger „Theologisches Jahrbuch“, seit 1875), aber vor allem auch als Jahrbücher zur Geschichte von Landeskirchen (z.B. „Jahrbuch für Ev. Kirchengeschichte des Rheinlands„, mit Vorgängertiteln seit 1907), Regionen (z.B. „Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend„, ab 1956) oder Orten (z.B. „Essener Beiträge“, ab 1881).

Die Zeitschriftenbestände sind fast vollständig im Katalog unserer Bibliothek erschlossen. Neuerdings haben wir damit begonnen, unsere oben beschriebenen Bestände in der „Zeitschriftendatenbank (ZDB)“ nachzuweisen. Diese ist die zentrale Rechercheplattform für Periodika in Deutschland und Österreich mit ca. 3.700 teilnehmenden Bibliotheken, 1.8 Mio. Titeln und 15 Mio. Besitznachweisen. Aus organisatorischen Gründen werden zunächst die Periodika erfasst, bei denen ohnehin Zugänge zu bearbeiten sind. Die Kollegen unserer Archivstelle in Boppard haben das für den dortigen Zeitschriftenbestand bereits weitgehend abschließen können.

Tagung der süddeutschen Kirchenarchive in Darmstadt

Am 4. und 5. Juni 2018 fand in Darmstadt die 27. Tagung der süddeutschen Kirchenarchive. Eingeladen hatte das Archiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das ein interessantes, vielfältiges und manchmal auch kontroverses Programm zusammengestellt hatte.

In einem ersten Block ging es um aktuelle Themen aus der kirchenarchivischen Praxis. Zunächst gaben Siglind Ehinger (Stuttgart) und Holger Bogs (Darmstadt) einen Sachstandsbericht über ein Problemfeld, mit dem viele Kirchenarchive konfrontiert sind: Die Übernahme  unerschlossener und oft sehr umfangreicher Altregistraturen diakonischer Einrichtungen, deren archivische Bearbeitung im laufenden Dienstbetrieb nur sehr schwer zu bewältigen ist. Es folgte ein Überblicksreferat von Birgit Hoffmann (Wolfenbüttel) über den aktuellen Stand der Diskussion um das Strategiepapier der kirchlichen Archive und Bibliotheken. Im Anschluss daran führte Henning Pahl (Berlin) in die aktuelle rechtliche Situation nach Inkrafttreten des neuen EKD-Datenschutzgesetzes und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung ein.

Der zweite inhaltliche Block war zwei Themen gewidmet, über die schon auf der letztjährigen Tagung in Speyer diskutiert und für die eine Vertiefung gewünscht worden war, nämlich Pfarrarchivpflege und Kooperation mit Ehrenamtlichen. Hannelore Schneider (Eisenach) sowie Udo Wennemuth und Johanna Wohlgemuth (beide Karlsruhe) gaben Praxisberichte über den Stand der Archivpflege in der mitteldeutschen und in der badischen Landeskirche. Insbesondere das badische Modell, bei dem mit von der Landeskirche finanzierten Projektstellen innerhalb von fünf Jahren sämtliche badischen Pfarrarchive erschlossen werden sollen, stieß auf großes Interesse, aber auch auf Skepsis hinsichtlich der Realisierbarkeit.

Den inhaltlichen Schlusspunkt der Tagung setzte Andreas Metzing (Boppard) mit einem Bericht über die Zusammenarbeit des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland mit genealogischen Vereinen. Das Konzept des Archivs der EKiR, als Gesellschafter des Kirchenbuchportals ARCHION seine Gemeindekirchenbücher grundsätzlich in diese Bezahlplattform einzustellen, aber sich gleichzeitig die Freiheit vorzubehalten, im überschaubaren Segment der Militärkirchenbücher auch Erfahrungen mit Open-Access-Lösungen (Zusammenarbeit mit dem Verein für Computergenalogie und dem Portal Matricula) zu sammeln, wurde ausgesprochen kontrovers diskutiert. Gerade in diesem Punkt verspricht die nächstjährige Tagung, die Anfang Juni 2019 von der Archivstelle Boppard ausgerichtet werden wird, Anlass für weitere Debatten zu werden.

Aktueller Sachstand beim Archivportal NRW

Warten auf Godot oder Prinzip Hoffnung? Irgendwo zwischen Samuel Beckett und Ernst Bloch bewegt sich die Erwartungshaltung aller Archive in Nordrhein-Westfalen, die auf den Relaunch des Portals archive.nrw.de warten. Dieser wird sich nach der jüngsten Mitteilung der Projektgruppe weiter verzögern.

Dies ist umso bedauerlicher, als das Portal ja als Aggregator für die Weiterleitung von Daten an das Archivportal-D und im Archivportal Europa dienen soll. Einen vollständigen Überblick über alle Findmittel des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland zumindest im PDF-Format bietet daher z. Zt. nur die Homepage des Archivs.

Bestände zur rheinischen Diakoniegeschichte zugänglich gemacht

Dr. Otto Ohl, Geschäftsführender Direktor des Rheinischen Provinzialausschusses für Innere Mission, 1957, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 011_0084

Interessieren Sie sich z. B. für soziale Hilfsmaßnahmen während der Weltwirtschaftskrise, die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg oder die Betreuung weiblicher Jugendlicher aus der SBZ nach 1945? Dann werden Sie fündig in der Registratur von Otto Ohl, der von 1912 bis 1963 als Geschäftsführer des Rheinischen Provinzialausschusses für Innere Mission in Langenberg amtierte.

Über den Schreibtisch dieses begnadeten Netzwerkers liefen für ein halbes Jahrhundert alle Korrespondenzen zu den Anstalten und Heimen der Inneren Mission im Rheinland ebenso wie die vielfältige Vereinsarbeit im sozialen und diakonischen Bereich. Das Findbuch zum „Bestand Ohl“ mit nicht weniger als 2347 Verzeichnungseinheiten ist nun online gestellt worden. Weiterlesen

Alle Jahre wieder… gestern fand der Schriftgutverwaltungslehrgang statt

Schriftgutverwaltungslehrgang des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland im Haus der Landeskirche, 15.5.2018

Wie auch in den vergangenen Jahren nahmen sich gestern wieder 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zeit, um sich einen Tag lang dem  Thema der Schriftgutverwaltung zu widmen. Dabei waren Verwaltungsmitarbeitende aus Kirchengemeinden und -kreisen, sowie ehrenamtliche Archivmitarbeiter. Trotz sehr unterschiedlicher Voraussetzungen in ihrem jeweiligen Institutionen, waren alle einhellig der Meinung, dass dieses wichtige Arbeitsgebiet häufig stark unterschätzt wird. Der Lehrgang konnte da hoffentlich ein wenig Rüstzeug an die Hand geben!

Archivtag Rheinland-Pfalz/Saarland

Teilnehmer bei der Gruppenarbeit/Diskussion, Archivtag Rheinland-Pfalz, Saarland am 14. Mai 2018 im Kommunikationszentrum der Stadt Neunkirchen.

Am 14. Mai 2018 fand im Kommunikationszentrum der Stadt Neunkirchen im Saarland der Archivtag Rheinland-Pfalz statt. Der Archivtag wurde von dem Oberbürgermeister eröffnete und von Dr. Linsmayer vom Landesarchiv Saarbrücken. Prof. Glauert vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam referierte über die Archivbenutzung – Entwicklung, Perspektiven und Grenzen.  Als nächstes wurde über die  Benutzerpflichten und den Benutzerservice gesprochen und auch diskutiert. Nach der Mittagspause wurden die ca. 70 Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt. Im ersten Workshop ging es um Benutzergruppen und Benutzerbetreuung und den Umgang mit komplizierten Benutzern. Im zweiten Workshop ging es um über die rechtlichen Aspekte der Benutzung von Archivalien und der Schutzfristen gesprochen.  Anschließend gab es eine Zusammenfassung der Ergebnisse mit Diskussion. In der daran folgenden aktuellen Stunde wurde auch über die Arbeitsgemeinschaft Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz gesprochen. Das Programm mit den Referenten und zum Teil den Vorträgen, kann künftig im Gemeinschaftsblog der rheinland-pfälzischen und saarländischen Archive nachgelesen werden.

Digital dark age in der Rheinischen Kirche?

In der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung widmet sich Corinna Budras unter dem Titel „Für immer verloren“ (ohne Fragezeichen!) dem schon öfter diagnostizierten Problem, dass es keine gesicherte Langzeitarchivierung für die stetig wachsende Menge an digitalen Daten gibt. Deren Volumen wird 2020 nach Prognosen weltweit bei etwa 40 Zettabytes liegen – und damit 50-mal so hoch wie noch 2010. Bei ihrem eher pessimistischen Ausblick beruft sie sich auf Experten wie den amerikanischen Informatiker Vint Cerf und Klaus Nippert vom Karlsruher KIT. Vieles davon kennt man bereits von der bei ARTE ausgestrahlten Dokumentation „Unser digitales Gedächtnis“. Einen knappen, aber informativen Einstieg in das drohende dunkle digitale Zeitalter bietet auch der englische Wikipedia-Artikel.

Zurück von der Zukunft(sdeutung) zur praktischen Arbeit: Im Archiv der EKiR stehen wir wie viele Kolleginnen und Kollegen vor allem vor der Herausforderung, Überlieferungswege für die vagabundierende E-Mail-Kommunikation im Landeskirchenamt und anderen kirchlichen Ämtern und Einrichtungen zu entwickeln.  Viele Mails, die durchaus als Briefersatz für den Geschäftsgang hochrelevant sein können, werden nicht vom bestehenden Dokumentenmanagement erfasst und sind spätestens etwa mit dem Ruhestand ihrer Verfasser verloren. Der in Sonntagsreden vielbeschworenen Transparenz des Verwaltungshandelns ist dies gewiss nicht förderlich.

An die Zehn Gebote kann man sich auch im Dialekt halten – oder diese zumindest lesen

Zehn Gebote im Dialekt; Ewald Luhr: Mülheimer Mundart „Choon hen on doon datßelve“ (1989); Horst Hörpel: Use Vadder im Hiemel (2017)

Nach dem Sinn von christlicher Verkündigung in Mundart fragt 1986 Joseph Storm in seinem Beitrag „Predigten in niederrheinischer Mundart“ und formuliert im Titelzusatz „Nostalgie oder Glaube vom Kopf ins Herz?“ (Jahrbuch für den rechten Niederrhein, Band 1.1987, S. 160-162). Pfarrer Ewald Luhr schreibt im Vorwort seiner Predigtsammlung in Mülheimer Mundart „Choon hen on doon datßelve“ (1989): „Hat Jesus Mölmsch Platt gesprochen? Spricht man im Himmel Hunsrücker Platt? Wir … schmunzeln über die Verbindung des Heiligen mit dem derben Mundartklang und fragen uns vielleicht, ob und wie das zusammenpaßt. Erinnern wir uns an Luthers Rat, ‚dem Volk aufs Maul zu schauen‘, dann löst sich der scheinbare Widerspruch auf.“ (Der Buchtitel lautet übrigens in Hochdeutsch: „So geh hin und tu desgleichen“ (Lukas 10, Vers 37). Weiterlesen

April Challenge #Archive30 – Tag 28: Unusual item

Lederpeitsche als Geschenk an ehem. Präses Peter Beier, ohne Widmung; aus Bestand: AEKR 6HA 030 (Handakten Präses Peter Beier), 156

Diese Lederpeitsche ist sicherlich einer der ungewöhnlichsten Gegenstände (unusual item), die unser Archiv zu bieten hat. Sie gelangte im Jahr 1997 im Handaktenbestand von Präses Peter Beier in das Landeskirchliche Archiv.
Peter Beier (*1934) war von 1989 bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1996 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Als Besonderheit beinhaltet der Handaktenbestand mehrere Kartons mit Geschenken, die Beier während seiner Amtszeit erhalten hat. Stickereien, Wandtäfelchen, verzierte Kerzen, Gedenkmünzen und Anstecknadeln lassen mit Hilfe von Beschriftungen und Widmungen meist recht eindeutig auf den Schenkenden oder den besonderen Anlass zurückschließen. Viele der Geschenke stammen aus Russland, Indonesien, USA – Länder in denen Beier sich besonders engagierte. Es gibt auch eine maßstabsgetreu Nachbildung einer Bergbaulore, ein Geschenk der Belegschaft einer Zeche, für deren Mitarbeiter Beier sich in der Steinkohlekrise eingesetzt hatte.

Aber warum schenkte jemand dem Präses eine Lederpeitsche? Zu welchem Anlass? Und vor allem wer? Wir wissen es nicht. Leider besitzt sie weder eine Widmung noch ein Begleitschreiben oder Ähnliches. Hinweise auf die Herkunft sind willkommen!