Im Zuge meines Geschichtsstudiums und meines Schwerpunktes der Kirchen- und Reformationsgeschichte habe ich mich dazu entschlossen, mich initiativ für ein sechswöchiges Praktikum im Archiv der EKiR zu bewerben.

Trotz meines Geschichtsstudiums hatte ich – anders als man vielleicht erwarten würde – bislang kaum direkte Berührungspunkte mit der Archivarbeit. Abgesehen von einer kleinen Übung im Rahmen meines Studiums hatte ich bisher keine Gelegenheit, praktische Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln, weshalb ich nicht genau wusste, was auf mich zukommen wird. Umso positiver überrascht bin ich gewesen, als mir bewusst wurde, wie vielfältig die Aufgaben des Archivteams eigentlich sind. Zu meinen Hauptaufgaben gehörte es, mithilfe des Programms ACTApro den Ortsaktenbestand 10B008 II zu verzeichnen, was mir eine neue Perspektive auf die EKiR und ihre Vielzahl an Kirchengemeinden im Detail gegeben hat. Des Weiteren sollte ich die Bilder des Fotografen Hans Lachmann digitalisieren, welche in ihren Themen und Orten extrem facettenreich sind und ein breites Spektrum des alltäglichen Lebens abbilden. Von Portraits und Momentaufnahmen bis hin zu kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen ist alles dabei. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, die Notizen über die Asylistinnen des Magdalenenstifts (1856-1870) zu transkribieren. Die höchst interessanten, teils leider auch tragischen Notizen über die Lebensgeschichten der Frauen und Mädchen boten mir einen unmittelbaren Eindruck in den Umgang mit historischen Quellen.
Neben den mir anvertrauten Aufgaben hatte ich auch durch das Team das Privileg, die meisten Aufgabenbereiche im Archiv kennenzulernen. Meine persönlichen Highlights waren hierbei die beiden Ausflüge zur Archivberatung zweier Kirchengemeinden, gemeinsam mit der Archivleiterin Ilona Schröder nach Sonsbeck und mit der stellvertretenden Archivleiterin Ruth Rockel-Boeddrig nach Euskirchen. Des weiteren bekam ich durch Annika Hansen einen Einblick in die Archivbibliothek, was für meine Abschlussarbeit zur Reformation natürlich von großem Vorteil gewesen ist. Marius Höpfner und Anastasia Schulz gaben mir auch Einblicke in ihren Arbeitsalltag mit genealogischen Anfragen, was mir vor Augen führte, wie vielfältig und umfangreich die Möglichkeiten der genealogischen Forschung sind, auch mithilfe verschiedener, öffentlich zugänglicher Internetseiten welche mir nahegelegt wurden, wie Archion oder FamilySearch. Das eigentliche Ausmaß der Aktenbestände der EKiR wurde mir aber erst durch einen Ausflug zur Archivaußenstelle in Moers mit Andreas Steinberg klar, welches übrigens aus einer ehemaligen Kirche erbaut wurde.
Insgesamt hat mir das Praktikum einen vielseitigen Einblick in die ebenso vielfältigen Aufgaben der Archivarbeit ermöglicht. Auch ohne Vorerfahrung konnte ich neue Eindrücke gewinnen und mein Verständnis für den Umgang mit Archivgut und historischen Quellen erweitern. Besonders bedanken möchte ich mich an der Stelle bei dem gesamten Team für die sehr nette Aufnahme, die stets hilfsbereite Unterstützung und die wertvollen Berufseinblicke in die unterschiedlichen Bereiche des Archivalltags.
Luka Todorovic