Bericht aus Bad Neuenahr: Bergung von Akten aus dem Gemeindearchiv.

Einige Tage nach dem schlimmsten Hochwasser im Ahrtal, wurden wir als Landeskirchliches Archiv von der Ev. Kirchengemeinde Bad Neuenahr um Unterstützung bei der Bergung ihres Archivguts gebeten. Schon bei der Anreise hatte ich den Eindruck durch ein „Kriegsgebiet“ zu fahren. An solche Bilder muss man sich erst mal gewöhnen. Ich wohne zwar an der Mosel und kenne Hochwasserlagen, aber das was ich sah, war einfach unvorstellbar.

Transportkisten

Die Mitarbeiter der Kirchengemeinde lotsten mich dann via Mobiltelefon zum Einsatzort, denn viele Straßen waren und sind noch gesperrt. Dort angekommen sah man als erstes einen riesigen Berg von Unrat und zerstörten Einrichtungsgegenständen. In dem ehemaligen Archivraum stand noch mehrere Zentimeter das verschlammte Wasser. Das Betreten des Geländes war nur mit Gummistiefeln möglich. Ebenso mussten Mundschutz und Handschuhe getragen werden. Die Helfer der Kirchengemeinde hatten schon die Akten aus dem verschlammten Keller in eine Garage geräumt, in Klarsichtfolie eingeschlagen und in Kunststoffboxen gelagert.

Ausgesonderte Akten zur Vernichtung

Nicht mehr zu rettende Akten bzw. kassabele Akten wurden auf der anderen Seite der Garage abgelegt. Die Akten die bereits in den Transportboxen lagen und in Folie eingeschlagen waren, wurden nochmals durchgesehen. Teilweise mussten noch die Kordelschnürungen entfernt und die Akten aus den beschädigten, durchnässten, verschlammten Archivkartons entnommen und neu verpackt werden. Nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, wurden die Akten in ein Kühlhaus verbracht und eingefroren, damit die Schäden nicht weiter fortschreiten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden diese Akten dann gefriergetrocknet und restauratorisch behandelt.

Vorbereitung für den Aktentransport zum Kühlhaus

Der Fokus lag bei der Bergung auf den älteren Akten, den Amtsbüchern und den Bauakten. Es zeigte sich, dass wenn Archivkartons gut gefüllt waren, sowie alle Kordel entfernt und dadurch die Akten flach in den Kartons lagen, die Schäden nach der Entnahme aus den Kartons nicht so groß waren, wie bei den lose gelagerten Akten, oder weniger befüllten Kartons. Wie stark der Bestand dezimiert wurde und welche Teile restauriert werden, wird sich noch zeigen. In Summe wurden 25 Kisten mit geretteten Archivalien abtransportiert. Für mich persönlich war der Lehrgang beim Landschaftsverband Rheinland zur Rettung von Archivgut bei Schäden sehr hilfreich.

Mein Respekt gilt den Menschen, die trotz dieser Katastrophe nach vorne schauen und wissen, dass es irgendwie weitergehen wird. Das gesamte Team der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr verdient für seine geleistete Arbeit den größten Respekt und Anerkennung.

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