Über Andrea Rönz

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Bauprojekt mit Hindernissen: Der lange Weg zu einer neuen evangelischen Kirche in Oberstein

Dass Bauprojekte sich verzögern, ist nicht ungewöhnlich. In Oberstein aber vergingen von der Planung bis zur Errichtung einer neuen evangelischen Kirche sogar mehr als 200 Jahre. Der bemerkenswerte Vorgang hat im Archiv der Kirchengemeinde seinen Niederschlag gefunden:

Oberstein mit der Felsenkirche, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 119B Oberstein

Schon 1742 gab es erste Überlegungen zu einem Neubau. Zwar verfügte die evangelische Gemeinde mit der 1482/84 in einer Höhle oberhalb der Stadt errichteten Felsenkirche über ein ebenso einmaliges wie beeindruckendes Gotteshaus und Wahrzeichen von Oberstein. Aufgrund ihrer exponierten Lage wurde die Kirche jedoch immer wieder von Steinschlägen getroffen – im Dezember 1742 so schwer, dass man es seitens der gräflichen Regierung nicht mehr für angemessen hielt, sie wieder aufzubauen. Vielmehr wurde „an deren Hof zu Heidesheim zuerst der Gedanke, eine Kirche in das Tal der Stadt Oberstein zu bauen und dafür Mittel zu beschaffen, ausgesprochen“, so zu lesen in den Statuten der 1878 gegründeten Obersteiner Elisabeth-Stiftung, von der noch die Rede sein wird. Graf Christian Karl Reinhard von Leiningen-Dagsburg-Falkenburg ordnete an, das noch brauchbare Inventar aus der Felsenkirche zu bergen und ließ Kollektanten umherreisen, um Geld für den geplanten Neubau zu sammeln. Dieser sollte hinter dem alten Pfarrhaus am Marktplatz entstehen. Da die Kollekten nur spärlich flossen und sich zudem bald herausstellte, dass eine Reparatur der Felsenkirche deutlich günstiger wäre, wich Graf Christian nur ein Jahr nach dem Felssturz von den Neubauplänen ab und verfügte nunmehr doch die Instandsetzung der alten Kirche.

Steinschläge waren allerdings nicht die einzige Gefahr, derer sich die Gottesdienstbesucher aussetzen. Der Visitationsbericht von 1836 konstatierte: „Die Kirche ist zwar merkwürdig, aber nichts weniger als zweckmäßig angebracht. Im hohen Sommer bey großer Hitze, und Winter bey Schnee und Eis werden viele abgeschreckt, die nicht unbedeutende Höhe zu ersteigen; […] auch sind schon Arm und Bein gebrochen worden. Eine der wesentlichsten Wohlthaten würde daher […] in dem schon längst gewünschten Neubau einer Kirche im Flecken selbst [liegen].“ Ähnlich argumentierte Pfarrer Dr. Otto Schmid 1862 in einem Spendenaufruf Ueber den Bau einer zweiten evangelischen Kirche: Schmid klagte darin, dass die Felsenkirche „zu einer eigentlichen Gemeindekirche […] doch nicht passend [ist]. […] Im Winter ist der Aufgang zur Kirche durch Sturm und Regen, Schnee und Glatteis oft sehr erschwert, ja gefährlich; die Luft in der Kirche ist dann, weil es an der rechten Lüftung fehlt, dumpf und beengend; im heissen Sommer ist sie kalt. Der Unterzeichnete musste selbst aus dem Munde etlicher Wittwer hören: meine Frau hat sich da droben den Tod geholt.“ Auch Ohnmachtsanfälle erlitten Gottesdienstbesucher aufgrund der schlechten Luft nicht selten.

Einnahmen des Kirchenbaufonds 1862-64, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG119B Oberstein

Der Spendenaufruf des Pfarrers zum Besten des 1862 gegründeten Kirchenbaufonds erschien sogar im Ausland in englischer und französischer Sprache. Erster Einzahler war die Pfarrersfamilie selbst, die aus ihrer Sparbüchse sechs Mark beisteuerte. Trotz einiger Zuwendungen sogar aus dem Ausland, ließ das Spendenaufkommen jedoch auch diesmal zu wünschen übrig. 1877 betrug das Vermögen des Kirchenbaufonds lediglich 2005 Mark und 58 Pfennig. Zur Unterstützung des Fonds gründete sich daher 1878 die Elisabeth-Stiftung, benannt nach Gräfin Anna Elisabeth von Oberstein, die den Gedanken zu einem Neubau 1742 zuerst ausgesprochen haben soll (in Wahrheit aber gar nichts damit zu tun hatte). Die Stiftung plante, zur Finanzierung des Kirchenneubaus in Oberstein reichsweit 350.000 Lose zu je einer Mark zu verkaufen. Vorbild waren ähnliche Lotterien wie etwa jene zur Fertigstellung der Türme des Kölner Domes. Doch auch diesem Vorhaben war kein rechtes Glück beschieden. Immerhin aber setzten die Damen offenbar gut 30.000 Lose für eine Tombola ab, bei der es von Fußschemeln über Schlummerkissen, Pantoffeln, Teppichen, Zigarren, Kaiserbildern oder Haussegen die unterschiedlichsten Gegenstände zu gewinnen gab.

„Ein feste Burg“ – Entwurf der neuen evangelischen Kirche von 1909, aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 119B Oberstein

Und tatsächlich war es mit vereinten Kräften bald darauf endlich gelungen: Die Finanzierung stand! 1894 bzw. 1909 konnte die evangelische Gemeinde zwei Grundstücke an der Hauptstraße erwerben und mit konkreten Planungen für einen Kirchenneubau beginnen. Im Archiv der Gemeinde ist ein ungewöhnlicher Entwurf von 1909 erhalten, der treffend mit „Ein feste Burg“ betitelt ist. Baubeginn sollte im Frühjahr 1916 sein, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs durchkreuzte die Pläne. Mit dem anschließenden Währungsverfall musste die Kirchengemeinde Oberstein ihre Hoffnungen auf eine neue Kirche erneut begraben. Es dauerte weitere vier Jahrzehnte, bis 1965 endlich am ursprünglich vorgesehen Ort die moderne Christuskirche mit Gemeindezentrum eingeweiht werden konnte. Über die „Feste Burg“ von 1909 war da schon längst die Zeit hinweggegangen.

Literatur: 500 Jahre Felsenkirche Oberstein 1484-1984, hg. v. d. Evangelischen Kirchengemeinde Oberstein, Idar-Oberstein 1984.

Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Laubenheim

Evangelische Kirche Laubenheim

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KB 104B Laubenheim. Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz führte 1577 in den kurpfälzischen Dörfern Laubenheim und Münster an der Nahe die Reformation ein. Die evangelischen Kirchengemeinden beider Orte waren zunächst selbständig, Laubenheim mit der Filiale Dorsheim (später auch Grolsheim), Münster mit der Filiale Sponsheim. Nach dem Tod des Pfarrers Conradi in Münster 1695 besetzte ein Binger Kapuziner dort Kirche und Pfarrhaus und erzwang unter dem Schutz der französischen Besatzung, dass kein evangelischer Pfarrer mehr dorthin berufen wurde, sondern der Laubenheimer Pfarrer Münster mit bedienen musste. Nach dem Übergang von Laubenheim an Preußen 1815 wurde die Verbindung mit dem rheinhessischen Grolsheim gelöst. Zum 1.7.1973 wurde Münster-Sarmsheim als selbständige Kirchengemeinde errichtet, Dorsheim und Laubenheim wurden dieser Gemeinde eingegliedert. Zum 1.1.2020 wurden die Gemeinden Münster-Sarmsheim und Waldalgesheim zur Gemeinde Münster-Sarsheim-Waldalgesheim vereinigt.

Gemeinsame Beschwerde der reformierten und lutherischen Pfarr- und Kirchenältesten zu Laubenheim betreffend die Nichtzahlung des Gotteshellers (2. Mai 1738), aus Bestand: AEKR 4KB 104B Nr. 27

Das allgemeine Schriftgut des Archivs der Kirchengemeinde umfasst einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert (u.a. Gravamina ab 1729, Verhältnis zur katholischen Kirche ab 1700) bis in die 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1980). Das Schriftgut der Kirchengemeinde Laubenheim stammt aus der Zeit um 1700 (u.a. Rechnungswesen ab 1678, Pfarrstellenakten ab 1704, Schulwesen ab 1740) bis Ende der 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1990). Interessant ist ein Bestand an Brieftagebüchern aus dem Zeitraum von 1854-1919. Das Schriftgut der Filiale Münster-Sarmsheim reicht ebenfalls bis in das 17. Jahrhundert zurück (u.a. Vermögensverwaltung ab 1661, Rechnungswesen ab 1669, Kollekten ab 1729, Pfarrstellenakten ab 1770, Amtshandlungen ab 1794) und endet 1979. Ein Schwerpunkt liegt auf den Kirchenbauten (1742-83 bzw. 1971-79), außerdem auf dem Rechnungswesen. Auch das Schriftgut der Filiale Dorsheim entstammt zu einem großen Teil dem Rechnungswesen und der Vermögensverwaltung (Laufzeit 1917-1967) mit einem Schwerpunkt auf den Kirchensteuern (1814-1971). Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Der Nachlass Walter Hoerder und die Evangelische Bühnengilde Koblenz

Auf der Website des Archivs ist jetzt das Findbuch zum Nachlass Walter Hoerder (7NL 133B) online verfügbar. Walter Hoerder (1904-1999) war lange Jahre Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz. In den 1920er und 1930er Jahren engagierte er sich als Regisseur der Evangelischen Bühnengilde Koblenz, einer zwischen 1922 und 1935 bestehenden Laienschauspielergruppe. Die Bühnengilde führte sowohl Theaterstücke zur religiösen Erbauung auf wie die Tragödien „Franz von Sickingen“ und „Glaube und Heimat“ oder das Festspiel „Luther, der Lebendige“, als auch Lustspiele und Schwänke wie „Die 3 Zwillinge“ oder „Komtesse Guckerl“.

Evangelische Bühnengilde Koblenz, Tragödie „Glaube und Heimat“, 21. April 1929; aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 133B (Nachlass Walter Hoerder)

Die Theatergruppe trat regelmäßig im großen Saal des Gemeindehauses am Altlöhrtor auf und gestaltete außerdem besondere Feierlichkeiten und Veranstaltungen. Zur Wiedereinweihung der Florinskirche am 7. September 1929 inszenierte sie das Sprechoratorium „Haus aller Häuser“, anlässlich der 33. Generalversammlung des Evangelischen Bundes führte sie in der Koblenzer Rheinhalle das Festspiel „Zeitenwende. Dramatisches Gemälde um Adolf Clarenbach“ auf. Die Evangelische Bühnengilde prägte so maßgeblich das kulturelle Leben der Kirchengemeinde Koblenz in der Zeit der Weimarer Republik. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden ihre Gestaltungsspielräume immer enger, bis sie im Frühjahr 1935 ihre Arbeit einstellen musste.

Evangelische Bühnengilde Koblenz, Lustspiel „Komtesse Guckerl“, 7. April 1929; aus Bestand: AEKR Boppard 7NL 133B (Nachlass Walter Hoerder)

Zur Tätigkeit der Bühnengilde sind im Nachlass von Walter Hoerder wertvolle Dokumente wie zahlreiche Textbücher für Theaterstücke, Schriftverkehr, Programmzettel, Skizzen von Bühnenbildern, Jahresberichte und ein Protokollbuch erhalten. Einen schönen Eindruck davon vermittelt ein Album auf der flickr-Seite des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Der Nachlass besteht des Weiteren aus persönlichen Unterlagen von Walter Hoerder wie Briefen, Postkarten und Fotos, ergänzt durch eine Sammlung von Zeitungsartikeln, Büchern und einigen Objekten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Die Findbücher der Kirchengemeinden Linz am Rhein und Bad Hönningen sind online

Auf der Website des Archivs sind jetzt die Findbücher der Kirchengemeinden 4KG 114B Linz am Rhein und 4KG 115B Bad Hönningen online verfügbar. Die evangelische Kirchengemeinde Linz wurde 1845 mit Unterstützung des Wiedischen Gustav-Adolf-Vereins gegründet und der Katharinenhof als Betsaal, Pfarrer- und Lehrerwohnung angekauft. Im gleichen Jahr fand der erste evangelische Gottesdienst in Linz statt. 1852 wurde ein eigener Friedhof angelegt, 1854 eine evangelische Volksschule eingerichtet. 1856 schließlich wurde die Kirchengemeinde selbständig. Die Einweihung der Evangelischen Kirche 1865 krönte das zwei Jahrzehnte währende Aufbauwerk. Die Kirchengemeinde Linz umfasste den größten Teil der Bürgermeistereien Linz, Unkel und Leutesdorf.

Einladung zur Einweihung des Betsaals im Katharinenhof 1845 (Ausschnitt) aus Bestand: 4KB 114B
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Spruchbüchlein für Konfirmanden

Christliches Spruchbüchlein für Konfirmanden von 1756 aus Bestand: AEKR Boppard Kirchenbuch Gemeinde Rhaunen Nr. 106/6

Seinen künstlerischen Neigungen freien Lauf ließ der unbekannte Verfasser einer Handschrift mit dem Titel „Christliches Spruch=büchlein vor die Jugent zu lernen welche sollen confirmirt werden geschrieben worden“, die Anfang Juni 1756 in Rhaunen zu Papier gebracht wurde. Er verzierte Titelseite und Kapitelüberschriften üppig mit Schnörkeln, Herzen und phantasievollen Blumenmotiven und schmückte auch einzelne Textpassagen liebevoll mit Blumen- und Blattranken.

Anders als Titel und Aufmachung womöglich glauben lassen, enthält das „Spruchbüchlein“ aber keineswegs Erbauliches für Zwischendurch. Ein Spruchbuch ist vielmehr eine Zusammenstellung von Bibelversen für den Religionsunterricht. Die Handschrift aus Rhaunen folgt dabei dem Kathechismus Martin Luthers und handelt auf mehr als 100 Seiten im typischen Frage-Antwort-Stil von den Zehn Geboten („Von dem gesetz“), den Hauptartikeln des Glaubens, dem Vaterunser, „von den heiligen sakramenten und der heiligen tauf“ und „vom hochheiligen abendmahl des herrn“. Viel Unterrichtsstoff also für damalige Konfirmanden.

Das in lederbezogene Holzdeckel gebundene, stark abgegriffene Büchlein findet sich bei den Kirchenbüchern der Pfarrei Rhaunen im Bestand der Evangelischen Archivstelle Boppard. Möglicherweise handelt es sich bei dem unbekannten Kalligraphen um Johann Friedrich Kebig, der von 1736 bis 1778 Pfarrer in Rhaunen war.