Diakonisches Hilfswerk: Jugendschutz beim Karneval der 1950er

Ende der Woche ist es wieder soweit und die „fünfte Jahreszeit“ findet auch hier bei uns in Düsseldorf ihren Höhepunkt mit Altweiber und Rosenmontag. Wer im Rheinland schon einmal dabei war, der weiß gewiss, wie ausgelassen der rheinische Karneval zelebriert wird.
Ein dabei immer wieder in den Fokus rückender Kritikpunkt ist der Schutz der Jugend.

Jugendschutz-Rundbrief, Informationen der Aktion Jugendschutz, 1954, aus Bestand: AEKR 5WV 052 (Diakonisches Werk – Hilfswerk, Geschäftsstelle Düsseldorf), Nr. 443

Im Jahre 1954 rief das Hilfswerk der Evangelischen Kirche im Rheinland eine Aktion „Jugendschutz bei Karneval“ mit dem Ziel „die Auswüchse bei karnevalistischen Veranstaltungen mit ihren weitreichenden Gefährdungen der Jugendlichen und zahlreichen Kindern zu beseitigen“ ins Leben. Die Forderungen gingen dabei sogar soweit, dass man eine „Erneuerung des Karnevals“ anstrebte, um die Gefährdung der Jugendlichen einzudämmen.
In einem Rundbrief der Aktion Jugendschutz der Hauptarbeitsstelle Hamm vom Januar 1954 wurden vor allem die Klagen aufgeführt, dass viele Jugendliche karnevalistische Veranstaltungen besuchten, die für sie ungeeignet waren. Darüber hinaus wurden Jugendschutzbestimmungen massiv missachtet, indem sich „hemmungslos gehen gelassen und betrunken“ wurde. Weiterhin kritisierte man einen Teil der Eltern, die ihre Funktion als Erziehungsberechtigte vernachlässigten oder ihre Kinder sogar zu Besuchen von Veranstaltungen mitnahmen.

Es zeigt sich also, dass die kontroverse Betrachtung von Karneval im Hinblick auf Jugendschutz ein immer wieder kehrendes Thema ist und die Kritikpunkte dabei bis heute die selben sind.

Die ablehnende Haltung des Diakonischen Hilfswerkes in den 1950er Jahren gegenüber Karneval entspricht zudem dem Geist der Zeit.

Karnevalsplakat gegen den Karneval, Bestand: 5WV 052 (Diak. Werk – Hilfswerk, Geschäftsstelle Düsseldorf), Nr. 443

Mehr zu diesem Thema: https://blog.archiv.ekir.de/2016/02/05/rheinischer-karneval-und-evangelische-kirche-keine-ziemlich-besten-freunde/

Rheinischer Karneval und evangelische Kirche: Keine ziemlich besten Freunde

Der Karneval und wir? aus Bestand: AEKR Düsseldorf 1 OB 002 (Rheinisches Konsistorium), 809;

Der Karneval und wir? aus Bestand: AEKR Düsseldorf 1 OB 002 (Rheinisches Konsistorium), 809;

Am 11. Januar 1930 schickte der Westdeutsche Sittlichkeitsverein (Vors.: Pfarrer Karl Wendland in Köln) einen Brief an das Konsistorium der Rheinprovinz, in dem er als seine Hauptaufgabe (sic!) definierte, „…energisch gegen den Karnevalsunfug zu kämpfen.“ Beigefügt war das druckfrische Flugblatt des Vereins „Der Karneval – und wir?“ Bereits fünf Jahre zuvor hatte sich das Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Köln in seinem Rundschreiben „Gegen das Wiederaufleben des Karnevals“ gewandt. Ja, war der rheinische Karneval denn 1925 abgeschafft? Weiterlesen

Kirche im Kampf gegen das „Rosenmontagsmilieu“

Lange Zeit hat sich die evangelische Kirche mit dem Karneval sehr schwer getan.

Bis in die 1970er Jahre hinein gab es immer wieder kirchenamtliche Verlautbarungen, die schwerste theologische und moralische Bedenken gegen das närrische Treiben geltend machten. In zahlreichen Flugschriften wurde mit geharnischten Worten gegen das „Rosenmontagsmilieu“ zu Felde gezogen und vor den schwerwiegenden Folgen fastnächtlicher Zügellosigkeit gewarnt – gelegentlich verbunden mit dem dezenten Hinweis, dass es sich beim Karneval um katholisches und damit letztlich heidnisches Brauchtum handele, mit dem man als guter Protestant nichts zu schaffen haben dürfe.
Erst in den 1980er Jahren trat ein kultureller Wandel ein. Zwar hat der Karneval noch immer keinen Eingang in den liturgischen Kalender gefunden, doch sind in den letzten 25 Jahren verstärkt protestantische Prinzengarden und Beffchen tragende Büttenredner gesichtet worden. Eine kürzlich ins Leben gerufene ökumenisch besetzte Kommission zur Revision der Perikopen und der liturgischen Farbe des Sonntags Estomihi soll demnächst erste Ergebnisse vorlegen.

Karneval etwas für uns?Wort der Ev. Kirche im Rheinland zum Karneval
Estomihi-KommissionDie ökumenische Estomihi-Kommission bei ihrer konstituierenden Sitzung