Über Dr. Stefan Flesch

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Die Spanische Grippe 1918 in Düsseldorf: Eine statistische Auswertung anhand der Kirchenbücher

Meine Urgroßmutter starb im Herbst 1918 im saarländischen Industrierevier als junge Frau. Sie hinterließ eine zwölfjährige Tochter, meine Großmutter, von der ich als Jugendlicher erfuhr, ihre Mutter sei wie viele andere damals an einer grassierenden Grippeepidemie innerhalb von nur drei Tagen gestorben. Warum starb man als junger kräftiger Erwachsener an einer Grippe? Erst viel später fand ich historische Literatur zum Thema und verstand die Zusammenhänge: Die nur zufällig so benannte Spanische Grippe forderte weitaus mehr Opfer als der Erste Weltkrieg und zählt zu den schwersten Pandemien der Geschichte. Allein im Deutschen Reich sind 1918-1920 zwischen 300.000 und 600.000 Menschen an der Grippe gestorben. Weltweit belaufen sich die vorsichtigsten Schätzungen auf 25 Milionen Grippetote, kalkuliert wird auch mit der doppelten bis dreifachen Zahl.

Auf der Grundlage der Sterberegister der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf (damals mit ca. 90.000 Gemeindegliedern eine der größten Kirchengemeinden im gesamten Reich) soll die Dramatik des Geschehens an einem regionalen Beispiel veranschaulicht werden.

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Das Evangelische Zentralarchiv Saar stellt sich vor

Geordnete Bestände des ehemaligen Kirchenkreises Völklingen, Foto: © Maurice Jelinski (@fotostube).

Archivarbeit war im Bereich der evangelischen Kirchenkreise an der Saar bisher weitgehend ein „Verwahren“ der Verwaltungsakten. Doch der Kirchenkreisverband An der Saar hat im Jahre 2018 richtig Geld in die Hand genommen und im evangelischen Gemeindehaus in Riegelsberg-Walpershofen ein Evangelisches Zentralarchiv Saar (EZAS) eingerichtet. Den Umzug nahmen drei mit dem Archiv ehrenamtlich betraute Personen in die Hand. Sie brauchten dafür drei Wochen, konnten aber so eine nie vorhandene Ordnung herstellen. 

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Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliche Archivarbeit

Prof. Dr. Joachim Conrad und Kultusminister Ulrich Commerçon bei der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliche Archivarbeit, Foto: Irmhild Ries

Prof. Dr. Joachim Conrad, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Kölln bei Püttlingen, ist vom saarländischen Kultusminister Ulrich Commerçon mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Er erhielt die Auszeichnung auch für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement, mit dem er sich „der Sicherung und der Aufbereitung des schriftlichen Erbes saarländischer Kirchengemeinden widmet“, wie es in der Laudatio heißt. Insgesamt hat Conrad 25 Bestände mit einer fünfstelligen Zahl an Verzeichnungseinheiten erschlossen, darunter auch für das saarländische Landesarchiv und verschiedene Stadtarchive.

Conrad ist -wohl verstanden neben seinem vollen Pfarramt!- Synodalarchivpfleger des Kirchenkreises Saar-West und Leiter des neu gegründeten Evangelischen Zentralarchivs an der Saar (EZAS) in Walpershofen. Dort werden seit dem Frühjahr 2019 die Archivbestände der saarländischen Kirchengemeinden, Kirchenkreise, Werke und Verbände unter professionellen Bedingungen verwahrt.

Archiv der EKiR beteiligt sich am Projekt Time Machine

Das Big-Data-Projekt Time Machine will nichts weniger als ein „Google der Vergangenheit“ schaffen. Mittels KI sollen riesige Mengen digitalisierter historischer Quellen, aber auch etwa 3D-Aufnahmen von Bauwerken so verlinkt werden, dass virtuelle Spaziergänge durch die europäische Geschichte möglich sind. Eine fünfteilige Dokumentation auf ARTE zeigt anschaulich einige Anwendungsbeispiele.

Dies klingt -zumal für nüchterne Archivare- erst einmal arg visionär. Es birgt aber erhebliches Potential, zumal viele renommierte Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Immerhin hatte es das Projekt in die Finalrunde des EU-Flaggschiff-Programms geschafft. Nach dessen Abschaffung wird sich 2020 entscheiden, ob und in welchem Volumen Time Machine künftig gefördert wird.

Unser Archiv ist schon seit einigen Jahren Mitglied des Netzwerkes Icarus. In dessen Portal Matricula werden auch rheinische Militärkirchenbücher unserer Archivstelle Boppard eingestellt. Icarus ist bei Time Machine engagiert. Wir haben uns aufgrund der guten Erfahrungen daher entschieden, auch hier reguläres Mitglied zu werden. Dies ist zur Zeit mehr als bescheidene Geste der Unterstützung zu verstehen, kann aber je nach Projektfortschritt auch praktische Bedeutung gewinnen.

Am 10./11. Oktober 2019 findet in Dresden die erste Time Machine Conference statt.

Kirchliche Registraturberatung im Wandel der Zeiten

Seit 2004 genießen wir in der Ev. Kirche im Rheinland den erfreulichen Zustand, dass der IT-kompatible Einheitsaktenplan für alle Ebenen der Verwaltung (Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche) Anwendung findet. Freilich bedarf er steten Trainings, wozu das Archiv der EKiR regelmäßig Schriftgutlehrgänge anbietet. Dort wird die korrekte Ablage nach Aktenzeichen eingeübt, die durch die Einführung von DMS-Systemen fast noch wichtiger als im herkömmlichen Papierzeitalter geworden ist.

Taschenbuch: Scribemecum pastorale, von Karlheinrich Dumrath, 1963

Der Bedarf an praktischen Beratungshilfen für die Kirchengemeinden war ein Thema für alle Landeskirchen. Ein früher Vertreter dieses Genres bildete das Büchlein „Scribemecum Pastorale“, das Karlheinrich Dumrath 1961 beim Evangelischen Presseverband in München publizierte. Die launig formulierten Texte und zahlreichen Zeichnungen nahmen die Missstände in der kirchlichen Schriftgutverwaltung nicht nur ins Visier, sondern boten auch konkrete Tipps zur Abhilfe. Weiterlesen

Künstlerische Würdigung für Magdalene von Waldthausen

Im Zuge der vom Archiv der EKiR begleiteten Kunstaktion „Kirchenköpfe“ ist jetzt das Portrait von Magdalene von Waldthausen (1886-1972) der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Frau von Waldthausen war seit 1929 bis 1951 Vorsitzende der Rheinischen Frauenhilfe, die sie ab 1933 in den Konflikten mit dem NS-Regime und der offiziösen Reichskirche auf dem Kurs der Bekennenden Kirche hielt. Nach 1945 machte sie sich um die Sicherung des vollen kirchlichen Wahlrechtes für Frauen verdient.

Schöpfer des Portraits ist der Künstler Thomas Baumgärtel, auch als „Bananensprayer“ bekannt. Ein Audiobeitrag zur Biografie ist hier abrufbar.

Neue Stelle im Archiv der EKiR ausgeschrieben

In unserem Archiv ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle eines Archivars (w/m/d) zu besetzen. Es handelt sich um eine unbefristete Vollzeitstelle.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 31. Juli 2019. Die vollständige Stellenausschreibung mit allen Informationen finden Sie auf den Portalen der Archivschule Marburg und bei Augias-Net.