Über Dr. Stefan Flesch

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Soziale Fürsorge im 16. Jahrhundert

Ausstellung Anvertraute Zeit 1535

1535 – Armenfürsorge; Armenordnung der Evangelisch reformierten Gemeinen in dem Herzogtum Berg

Die evangelischen Kirchenordnungen der frühen Neuzeit enthielten von Beginn an Regelungen zur Armenfürsorge. Dieses Thema haben wir in unserer Online-Ausstellung „Anvertraute Zeit“ illustriert. Ähnlich wie in dem Beispiel aus Aachen 1579 wurden jährlich die Einnahmen- und Ausgabenrechnungen der Armenkasse gelegt. Die Einnahmen rekrutierten sich aus Vermächtnissen, Schenkungen, Stiftungen und Bußgeldern, wobei das angesammelte Kapital durch geschickte Kreditvergaben noch gemehrt werden konnte. „Fremde Bettler“ fanden bei der Verteilung zumeist keine Berücksichtigung; als Idealtyp wurde ihnen der ortsansässige, fromme, arbeitsame und unverschuldet in Not geratene Arme gegenüber gestellt.

Das gesiegelte Testament der Aachener Eheleute Laurents und Feyen von Eiss aus dem Jahr 1597 illustriert das Finanzierungssystem. Beide sind an der in der Stadt grassierenden Pest erkrankt und vermachen den Armen der reformierten Kirchengemeinde 100 Taler, da sie keine Leibeserben haben und ihr Onkel bereits von der Armenkasse unterhalten wird.

Eine weitere Einnahmequelle bildete der anlässlich der Reformation eingezogene Klosterbesitz. In Meisenheim am Glan wurden 1535 die nicht mehr benötigten liturgischen Gewänder und Alben an Bedürftige unentgeltlich verteilt bzw. an Bessergestellte verkauft. Die Verteilungsliste findet sich mitte links auf der Ausstellungstafel: „Des tauben Clasen Stieftochter, ist lame“ erhielt dabei ein altes grünes Messgewand .

Hans Lachmann – Ein Fotografenleben

Fotograf Hans Lachmann, 1970; aus Bestand: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 19_001

Das Konterfei dieses rührigen Berichterstatters kennen Sie vielleicht bereits von der Titelseite unseres digitalen Bildarchivs, in dem aktuell knapp 6.000 Fotos kostenfrei abgerufen werden können. Der Fundus wird laufend erweitert. Ein Großteil der Bilder stammt von Hans Lachmann (1920-2006). Da unser Archiv in seinem Fall über die Nutzungs- und Verwertungsrechte verfügt, können wir sie der Öffentlichkeit unter der Creative Commons-Lizenz BY-SA 3.0 DE zur Verfügung stellen.

 

Wer aber war Hans Lachmann?

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Eine frühe Warnung vor Papierzerfall

Über die online gestellten Jahrgänge der Zeitschrift „Das Evangelische Rheinland“ haben wir unlängst berichtet. Im Band 1931, S. 119-121 formulierte Pfarrer Lic. Heinrich Müller „Kirchengeschichtliche Wünsche zur kommenden Verwaltungsordnung“. Hier findet sich folgende Problemanzeige:

„Bei dem heute üblich gewordenen Schreibmaschinenpapier werden große Aktenmassen unserer Archive in einigen Jahrzehnten sich von selbst auflösen. Dies mag bei der heutigen Papierflut kein allzu großer Schade sein. Anders aber ist es bei den wichtigsten Dokumenten, Kirchenregistern und Verhandlungsbüchern. Wir kennen Kirchenbücher aus so schlechtem Papier, daß sie in 100 Jahren völlig zersplittern. Es gibt Niederschriften mit so schlechter Tinte in den Kirchenbüchern, daß schon heute nur mit Mühe noch die Seiten entziffert werden. In einiger Zeit wird es ganz damit zu Ende sein. Beste Urkundentinte, bestes haltbares Papier muß in solchen Fällen erstes Erfordernis sein. Hier dürfen die Gemeinden nicht mit Pfennigen sparen wollen.“

Müller (1880-1970) war Pfarrer in Diersfordt am Niederrhein und Leiter des Provinzialkirchlichen Amtes zur Pflege rheinischer Kirchengeschichte. Er kombinierte daher den Blick des erfahrenen Verwaltungspraktikers mit der Verantwortung für historisch bedeutsames Schriftgut. Die Thematik des industriell hergestellten Holzschliffpapiers, das durch seinen Säuregehalt von innerem Zerfall bedroht ist, rückte dann erst in den 1990er Jahren ins breite Bewusstsein der Öffentlichkeit. Plakativ vermarktet wurde dies u. a. durch Titel wie „Der saure Tod im Bücherregal“. Konkurrierende Industrienormen für sog. alterungsbeständiges Papier machen die archivische Verwaltungsberatung bis in die Gegenwart nicht leichter.

April Challenge #Archive30 – Tag 27: Best Tip

Behaupte mal einer, die Philosophie böte keinen praktischen Erkenntnisgewinn für die Bewältigung des Archivalltags! Unübertroffen ist hier Theodor W. Adorno mit seiner Aufforderung: „Wirf weg, damit du gewinnst.“ Ursprünglich als radikale Vernunftkritik gemeint, erleichtert dieser Tipp jede archivische Bewertungsentscheidung. Vorurteilsfrei an alte Zöpfe herangehen: Marie Kondo mit ihrem „Magic Cleaning“ ist da gar nicht so weit entfernt.

Nach Albert Camus wiederum kann das Absurde jeden beliebigen Archivar an jeder beliebigen Magazinecke anspringen (frei übersetzt). Hier hilft nur der zweite Tipp des französischen Autors: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

 

April Challenge #Archive30 – Tag 9: Archive Building

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland – Hauptstelle Düsseldorf

Der Größe der rheinischen Landeskirche entspricht auch die architektonische Vielfalt unserer drei Archivgebäude. Die Hauptstelle befindet sich im Dienstgebäude des 1971 bezogenen Landeskirchenamtes im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf. In dem Gebäude, das sich durch seinen dezenten Brutalismus auszeichnet, werden ca. 7.000 lfd. Meter Archivgut sowie die Archivbibliothek verwahrt.

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Archivstelle Boppard

1995/96 wurde in Boppard der Rheinflügel des ehemaligen Klosters St. Martin für Archivzwecke umgebaut. Dessen heutige Bausubstanz stammt aus dem 19. Jahrhundert. 1847-1853 hatte dort der bekannte Japanforscher Philipp Franz von Siebold gewohnt. Die nunmehr professionellen Arbeits- und  Aufbewahrungsbedingungen beendeten das Provisorium in dem seit 1957 angemieteten Raum im Landeshauptarchiv Koblenz. Unsere Evangelische Archivstelle Südrhein verfügt in Boppard über ca. 1.500 m Regalkapazität.

Archivmagazin: Außenaufnahme der Johanneskirche

2017 schließlich erfolgte der Bezug der ehemaligen Johanneskirche in Moers-Meerbeck als Außenmagazin. In dem 1964 entstandenen Bau können 8.000 lfd. Meter Archivgut verwahrt werden.

Leider Modell geblieben ist der Entwurf für einen Neubau auf einem landeskirchlichen Grundstück in Hilden. Der bislang unpublizierte Entwurf zeigt den hohen Kubus eines Magazingebäudes, an das sich der um einen kleinen Innenhof gruppierte Funktionsbereich mit dem Lesesaal und den Büros der Mitarbeitenden anschließt.

Vorentwurf für den Neubau eines Archivgebäudes, M 1: 500, Dipl. Ing. Bettina Kaiser

250. Todestag von Gerhard Tersteegen

Gerhard Tersteegen Blutbrief 1724 – Meinem Jesu, Bestand: AEKR Düsseldorf 8SL 046 (Bildarchiv), 80040_03

Leider ist kein authentisches Portrait des faszinierenden Mystikers und Liederdichters überliefert. Daher begnügen wir uns zur Illustration mit seinem bekanntesten Schriftzeugnis, dem „Blutbrief“ von 1724.

Heute vor 250 Jahren, am 3. April 1769, ist Gerhard Tersteegen im Alter von 72 Jahren in Mülheim an der Ruhr verstorben. Im Blog haben wir wiederholt über ihn und seinen Kreis berichtet, zuletzt hier. Eine Reihe von Vorträgen und Gedenkveranstaltungen hat sich seit Beginn des Jahres mit Facetten seiner Persönlichkeit beschäftigt. Sie finden ihren Höhepunkt am kommenden Wochenende mit mehreren Tagungen in Mülheim. Über alle Termine informiert die Seite Tersteegen 2019.

Aus evangelischen Archiven 57 (2017) jetzt online

Der Jahresband 2017 der Zeitschrift des Verbandes kirchlicher Archive ist jetzt online abrufbar. Auf 146 Seiten bietet er wieder einen Überblick über Projekte und Themen in den landeskirchlichen und diakonischen Archiven im Bereich der EKD.