Der Archivar – Eine Kurzerzählung aus dem Jahr 1969

Die rheinische Kirchenzeitung „Der Weg“ hatte sich zeit ihres Bestehens (1945-2003) nicht unbedingt durch ein intensiveres Interesse an archivischen Belangen ausgezeichnet. Ein umso überraschenderer Fund gelang Kollegin Stefanie Sternemann vom Archiv des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region: In der Ausgabe vom 19.1.1969 wurde die Kurzgeschichte „Der Archivar“ von Anneliese Berkenkamp publiziert.

Berkenkamp (geb. 1925) ist eine Berliner Malerin und Schriftstellerin, die auch zu dieser Erzählung eine eigene Illustration beisteuerte. Sie zeigt den namenlosen „Archivar“ in seinem spitzweghaften Idyll, dessen Seelenfrieden höchstens durch die physische Präsenz seiner Mitarbeiterin Fräulein Triller beeinträchtigt wird.

Nun ist das Thema „Archivare in der Literatur“ (es geht in der Tat nie um Archivarinnen) nahezu unerschöpflich, wozu es auch bereits erste Beiträge gibt. Fast alle dieser Publikationen eint die innige Lust an Klischees und dies gilt sehr ausgeprägt auch für diese Erzählung: „Ja, hier ist er zu Hause, der Wanderer im Ablauf der Geschichte, der selbst nirgends verzeichnet sein wird, hier wächst seine Lust zwischen trockenen knappen Zahlen…, ein Diener des lieben Gottes, der darauf achtet, dass nichts Denkwürdiges verlorengehe.“

Der abendliche Empfang durch seine Gattin fällt dann eher unterkühlt aus: Nach dem stundenlangen Memorieren von Gedenktagen in „tröstlichen dicken Folianten“ und dem „vertrauten süßen Geruch von vergilbten Blättern“ hatte er ein einziges Datum vergessen: den Geburtstag seiner Frau.

Zum Stellenwert von Archivarbeit in Kirchengemeinden

Stimmungsbild über die Situation des Sonderdienstes in der rheinischen Kirche 1990, Zeichnung: Andreas Krzok, Bestand: AEKR Bibliothek, ZK 70 Der WEG 1990 Nr. 28, S.8

Diese Karikatur aus dem Jahr 1990 bündelt am Beispiel einer Archivordnung meisterhaft sämtliche Vorurteile und Standesdünkel der saturierten Pfarrerschaft: Interpretation des theologischen Nachwuchses als billige Arbeitskräfte, im Wortsinn verstaubte Geschlechterstereotype und last but not least die übliche Geringschätzung professioneller kirchlicher Archivarbeit.

Ernster kirchenpolitischer Hintergrund der Zeichnung ist die „Theologenschwemme“ der 1980er Jahre im Rheinland. Als Auffangstation richtete die Landeskirche 1985 den sog. Sonderdienst ein. Es handelte sich um befristete Stellen für gewisse Funktionsbereiche oder zur Entlastung von Gemeindepfarrern. Von den hunderten Sonderdienstlern sind viele doch noch im Pfarrdienst angekommen, viele haben aber auch andere Berufslaufbahnen eingeschlagen. Ihre Interessenvertretung ist der Rheinische Konvent.

Zeichner ist Andreas Krzok, der langjährige Chefredakteur der früheren rheinischen Kirchenzeitung „Der WEG“.

Sommeranfang: Die Urlaubszeit steht bevor

Tipps aus der kirchlichen Presse der 60er Jahre, wie es nicht geht

…aus heutiger Sicht so hoffnungslos konservativ-bürgerlich, dass es fast schon wieder charmant ist. Das Jahr 1968 mit seinen Befreiungsbewegungen wirkt hier noch Lichtjahre entfernt.

Artikel „Zu zweit im Urlaub“, in: Der Weg 29/1960, S.5