Woche 1 nach Corona – Lesesaal der Archivstelle Boppard wieder geöffnet

Archivbenutzung in Zeiten von Corona: Mundschutzpflicht und Abstandsregeln

Nach zehnwöchiger Pause wurde am 26. Mai 2020 der Lesesaal der Archivstelle Boppard wieder für die Benutzung geöffnet. Seit Mitte März waren aus Gründen des Infektionsschutzes keine Forscherinnen und Forscher mehr angenommen worden, zwei Wochen später ordnete das Landeskirchenamt dann den völligen Lockdown des Archivs an, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Archivstelle Boppard  gingen – wie auch die Düsseldorfer Kolleginnen und Kollegen – ins Home-Office.

Nachdem die Bund-Länder-Einigung vom 15. April 2020 einen eingeschränkten Betrieb von Archiven ab dem 4. Mai grundsätzlich wieder erlaubte, wechselte das Bopparder Team in den regulären Präsenzmodus zurück. Eine der vordringlichen Aufgaben bestand nun darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch wieder eine externe Benutzung der Archivstelle ermöglichten.

Zunächst wurde in enger Abstimmung mit der Düsseldorfer Zentrale und der Verwaltungsleitung des Landeskirchenamts ein entsprechendes Hygienekonzept entwickelt. Die Platzverhältnisse in den Räumlichkeiten der Archivstelle Boppard ließen es zu, unter Beachtung der Mindestabstandsregelungen bis zu zwei Benutzer pro Öffnungstag aufzunehmen. Gleichzeitig mussten Schutzvorkehrungen getroffen werden, die das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich halten sollten. Dazu gehörte u.a. die Entwicklung eines digitalen Benutzungsantrags, der bereits im Vorfeld des geplanten Archivbesuchs am heimischen PC ausgefüllt werden kann und muss, sowie eine Maskenpflicht für die gesamte Dauer des Aufenthalts im Archiv und das obligatorische Händewaschen und -des­infizieren unmittelbar nach Betreten der Archivräumlichkeiten.

Der digitale Benutzungsantrag wird im Vorfeld am heimischen PC ausgefüllt.

Bei der konkreten Umsetzung des Konzepts und mit Blick auf seine Akzeptanz wurde dann vor allem auf größtmögliche Transparenz geachtet: Jeder Benutzer bekommt mit dem digitalen Benutzungsantrag zugleich ein Merkblatt mit den wichtigsten Verhaltensregeln übersandt, das darüber hinaus auch auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs veröffentlicht ist. In der Archivstelle selbst weisen Piktogramme auf das richtige Verhalten hin. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs sowie die externen Reinigungskräfte wurden mit den besonderen Anforderungen hinsichtlich Desinfektion des Benutzerbereichs und regelmäßigen Lüftens des Benutzerraums vertraut gemacht.

Insbesondere beim letzten Punkt waren und sind allerdings auch Aspekte der Bestandserhaltung zu bedenken, denn gerade in der warmen Jahreszeit weist die Außenluft gelegentlich einen Feuchtegrad auf, der Papier alles andere als zuträglich ist. Weil jedoch über 90 Prozent der Benutzerinnen und Benutzer der Archivstelle Boppard Kirchenbücher einsehen wollen und diese ohnehin nicht im Original, sondern ausschließlich als Digitalisate oder Mikrofiches vorgelegt werden, stellt sich das Problem nur in sehr entschärfter Form. Für die im Unterschied zu vielen anderen Archiven eher seltenen Fälle, in denen die Benutzer der Archivstelle Boppard Originale einsehen möchten, werden einzelfallbezogene Lösungen entwickelt werden müssen, die die Corona-bedingten Hygienemaßnahmen, die Anforderungen der Bestandserhaltung und das berechtigte Nutzungsinteresse sinnvoll unter einen Hut bringen.

Nutzungsbedingungen zur Minderung des Infektionsrisikos

An den ersten beiden Öffnungstagen im Corona-Modus waren Archivpersonal und Benutzer jedoch glücklicherweise noch nicht mit solchen Spezialproblemen konfrontiert. Die Forscherinnen und Forscher signalisierten großes Verständnis für die Einschränkungen, und es überwog die Freude, dass nach dem Wochen langen Lockdown eine Archivbenutzung überhaupt wieder möglich ist. Für das Personal der Archivstelle ist der Benutzerverkehr im Corona-Modus zwar mit einem leichten Mehraufwand verbunden (Maskenpflicht der Aufsicht, regelmäßiges Lüften und Desinfizieren), der aber durch das befriedigende Gefühl, endlich wieder dem zentralen Auftrag des Archivs nachkommen zu können, nämlich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit durch Bereitstellung von Quellen aus erster Hand zu ermöglichen, mehr als aufgewogen wird.

Neues Online-Findbuch: Kirchengemeinde Laubenheim

Evangelische Kirche Laubenheim

Neu auf der Website des Archivs ist das Online-Findbuch der Kirchengemeinde 4KB 104B Laubenheim. Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz führte 1577 in den kurpfälzischen Dörfern Laubenheim und Münster an der Nahe die Reformation ein. Die evangelischen Kirchengemeinden beider Orte waren zunächst selbständig, Laubenheim mit der Filiale Dorsheim (später auch Grolsheim), Münster mit der Filiale Sponsheim. Nach dem Tod des Pfarrers Conradi in Münster 1695 besetzte ein Binger Kapuziner dort Kirche und Pfarrhaus und erzwang unter dem Schutz der französischen Besatzung, dass kein evangelischer Pfarrer mehr dorthin berufen wurde, sondern der Laubenheimer Pfarrer Münster mit bedienen musste. Nach dem Übergang von Laubenheim an Preußen 1815 wurde die Verbindung mit dem rheinhessischen Grolsheim gelöst. Zum 1.7.1973 wurde Münster-Sarmsheim als selbständige Kirchengemeinde errichtet, Dorsheim und Laubenheim wurden dieser Gemeinde eingegliedert. Zum 1.1.2020 wurden die Gemeinden Münster-Sarmsheim und Waldalgesheim zur Gemeinde Münster-Sarsheim-Waldalgesheim vereinigt.

Gemeinsame Beschwerde der reformierten und lutherischen Pfarr- und Kirchenältesten zu Laubenheim betreffend die Nichtzahlung des Gotteshellers (2. Mai 1738), aus Bestand: AEKR 4KB 104B Nr. 27

Das allgemeine Schriftgut des Archivs der Kirchengemeinde umfasst einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert (u.a. Gravamina ab 1729, Verhältnis zur katholischen Kirche ab 1700) bis in die 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1980). Das Schriftgut der Kirchengemeinde Laubenheim stammt aus der Zeit um 1700 (u.a. Rechnungswesen ab 1678, Pfarrstellenakten ab 1704, Schulwesen ab 1740) bis Ende der 1970er Jahre (in Einzelfällen bis 1990). Interessant ist ein Bestand an Brieftagebüchern aus dem Zeitraum von 1854-1919. Das Schriftgut der Filiale Münster-Sarmsheim reicht ebenfalls bis in das 17. Jahrhundert zurück (u.a. Vermögensverwaltung ab 1661, Rechnungswesen ab 1669, Kollekten ab 1729, Pfarrstellenakten ab 1770, Amtshandlungen ab 1794) und endet 1979. Ein Schwerpunkt liegt auf den Kirchenbauten (1742-83 bzw. 1971-79), außerdem auf dem Rechnungswesen. Auch das Schriftgut der Filiale Dorsheim entstammt zu einem großen Teil dem Rechnungswesen und der Vermögensverwaltung (Laufzeit 1917-1967) mit einem Schwerpunkt auf den Kirchensteuern (1814-1971). Der Bestand wird in der Evangelischen Archivstelle Boppard aufbewahrt.

Die evangelische Bühnengilde Koblenz – Eine digitale Ausstellung mit DDB Studio

Dank der Deutschen Digitalen Bibliothek konnte die Zeit im Home Office ideal genutzt werden. Das neue Ausstellungs-Tool DDB Studio erlaubt es selbst dem größten Technikmuffel eine digitale Präsentation zu gestalten, sofern man geeignetes Schaumaterial zur Verfügung hat. Die DDB bietet das Programm kostenfrei für bei ihr registrierte Institutionen an und steht dabei jederzeit mit guten Rat und, sofern nötig, auch Tat zur Seite. Eine einmalige Möglichkeit, die Bestände der Kultureinrichtungen einem breiten Publikum zu eröffnen.
Um einen Einblick in unseren Bestand zu geben, wurden einige unserer Fotoschätze mit dem Programm DDB Studio in einer digitalen Ausstellung arrangiert. Die Bilder stammen aus dem Nachlass Hoerder und dokumentieren die Arbeit der Evangelischen Bühnengilde Koblenz (EBK). Die Ausstellung zeigt eine Auswahl des Repertoires der Laienschauspieltruppe und skizziert anhand dessen die 14-jährige Geschichte der EBK.

Klicken Sie bitte auf das Bild, um zur Ausstellung zu gelangen. Am besten nutzen Sie Chrome oder Firefox, um eine korrekte Darstellung zu gewährleisten.

Die Journalistin Bettina Förster untersuchte im Archiv Boppard den Nachlass von Walter Hoerder, weil sie bei Prof. Dr. Volker Neuhaus an der Universität zu Köln über die Entwicklung des evangelischen Laienspiels von der Weimarer Republik bis 1959 promoviert. Hier beantwortet sie einige Fragen zur Motivation und Tätigkeit der Gilde.

Was zeichnete die Arbeit der EBK aus?

Walter Hoerder war während der gesamten Zeit von 1922 bis 1935 der verantwortliche Leiter der Bühnengilde. Er wirkte auch als Regisseur und übernahm Rollen. Wenn man die zahlreichen Kisten aus seinem Nachlass durchsieht, dann wird ganz schnell klar, dass er und die Gruppe diese Arbeit mit großer Leidenschaft gemacht haben. Die Aufführungen sind durch Fotos, Berichte und Zeitungsartikel akribisch dokumentiert. Sie haben in der Online-Ausstellung, die Sie gemacht haben, eine repräsentative Auswahl getroffen. Eigentlich war Hoerder gelernter Bankkaufmann und auch die anderen Spieler waren alle Laien. Die Kulissen und Kostüme gestalteten sie sehr aufwendig – es muss stundenlang gedauert haben, diese Kostüme zu nähen. Die jungen Erwachsenen spielten aber nicht nur zusammen Theater, sondern sie machten auch Wanderungen oder Singabende. Seine Nichte hat mir geschrieben, dass die Spieler eine intensive Freundschaft verband. Offiziell hieß es, dass die EBK an Gemeindeabenden das „ausserkirchliche Leben in bewusst deutsch-evangelischem Sinne“[1] fördern wollte. Einige Berichte hat Hoerder auch in der Zeitung Das Evangelische Rheinland geschrieben und hier formuliert er, dass sie spielten, weil sie innerlich ergriffen waren.

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„Eine sehr merckwürdige Nachricht aus unserer Gegend“ – Gnadenhochzeit Anno 1766

Bekanntlich war die Lebenserwartung der Menschen in der vorindustriellen Zeit sehr viel geringer als heute. Aufgrund der extrem hohen Kindersterblichkeit betrug sie im 17. und 18. Jahrhundert im Mittel keine 30 Jahre. Selbst wenn man ausschließlich die Personengruppe betrachtet, die das Erwachsenenalter erreicht hat, so lag das durchschnittliche Sterbealter auch nur bei etwa Mitte 50.

Wenn dann doch einzelne Personen ein deutlich höheres Alter als die meisten ihrer Zeitgenossen erreichten,  dann erregte das eine ganz besondere Aufmerksamkeit. So mag es auch dem Pfarrer der hessischen Kirchengemeinde Hochelheim bei Wetzlar gegangen sein, der sich bemüßigt fühlte, im Kirchenbuch einen derartigen Fall auf einer eigenen Seite zu dokumentieren, der er die bezeichnende Überschrift gab: „Eine sehr merckwürdige Nachricht aus unserer Gegend“.

Auf der letzten Seite des Hochelheimer Kirchenbuchs steht der Hinweis auf den 70. Hochzeitstag des Ehepaares Zörb (Zürb)-Köcher im Jahr 1766 (KB 285/3, S. 331)

Das Besondere an diesem Fall war, dass er gleich drei Personen ein und derselben Familie betraf, die alle ein Alter von über 90 Jahren erreichten. Der kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges am 27. August 1648 im Nachbardorf Hörnsheim geborene Andreas Köcher war am 9. Mai 1740 im gesegneten Alter von 91 Jahren gestorben. Seine kräftigen Gene hatte er offenbar an seine am 9. April 1676 geborene Tochter Anna Catharina weitergegeben, die noch älter als ihr Vater wurde und mit fast 94 Jahren am 21. März 1770 in Hörnsheim starb. Verheiratet gewesen war sie mit dem ein halbes Jahr älteren, am 24. Oktober 1675 in Hochelheim getauften Johann Caspar Zörb, der genau wie seine Frau und sein Schwiegervater ebenfalls mit einem langenLeben beschenkt wurde und 91jährig am 4. Mai 1767 in Hörnsheim starb.

Sterbeeintrag der Catharina Zörb vom 21. März 1770 im Kirchenbuch von Hörnsheim (KB 286/1). Außer dem Leichentext aus Psalm 71 ist auch der Hinweis enthalten, sie habe „fast 71 Jahr in der Ehe gelebt, und 124 Nachkömmlinge erlebt, von welchen noch 80 am Leben waren.“

Da Anna Catharina Köcher und Caspar Zörb bei ihrer Hochzeit am 18. Juni 1696 erst 19 und 20 Jahre alt gewesen waren, waren sie über 70 Jahre lang verheiratet und konnten somit am 18. Juni 1766 ihre Gnadenhochzeit begehen – ein selbst in unserer Zeit extrem seltenes Fest, das im 18. Jahrhundert noch viel außergewöhnlicher und deshalb im wahrsten Sinn des Wortes „merckwürdig“ war. Als Anna Catharina Zörb geb. Köcher dann dreieinhalb Jahre später starb, hat der Hörnsheimer Pfarrer den Leichentext aus Psalm 71 vermutlich mit Bedacht ausgesucht: „Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und bis hierher verkündige ich deine Wunder. Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter, wenn ich grau werde, bis ich deinen Arm verkündige Kindeskindern und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

„Verschleierte Bilder“- Wenn der Krieg noch nicht zu Ende ist

Verschleierte Bilder – 7NL 135 Sup. Werner Krause Nr. 4

Früher führte ich ein Tagebuch. Dann kam ich in sowjetische Gefangenschaft. Da waren Tagebücher unmöglich. Da war alles so unmöglich, dass ich zu mir selbst sagte: Ich will dies alles nicht registrieren. Es wird genügen, wenn Du nachher aufzeichnest, was an Bildern noch lebendig ist...“.

Mit diesen Worten beginnen die Aufzeichnungen der Erlebnisse eines Kriegsgefangenen in Sowjetrussland. Niedergeschrieben wurden sie vom späteren Superintendenten Werner Krause (7NL 135 Nr.4).

Krause, der mit 23 Jahren am 1. Sept. 1940 in die Wehrmacht einberufen worden war, ging am 10. Mai 1945 als Nachrichtenoffizier und Führer der Stabsbatterie eines Artillerieregiments mit dieser Truppe in Mähren in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

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Geburtsurkunde der Evangelischen Kirche im Rheinland wieder aufgetaucht

Heute vor 75 Jahren, am 15. Mai 1945, trafen sich um 10 Uhr vormittags im Dienstgebäude des Konsistoriums in der Düsseldorfer Inselstraße sechs führende Persönlichkeiten des rheinischen Protestantismus. Stundenlang feilten sie an der abschließenden Redaktion eines wegweisenden Dokuments zur zukünftigen Gestalt der Evangelischen Kirche im Rheinland, das sie präzise um 13:30 Uhr unterzeichneten. Es trug den etwas sperrigen Titel „Vereinbarung zur Wiederherstellung einer bekenntnisgebundenen Ordnung und Leitung der Evangelischen Kirche der Rheinprovinz„.

Eine bislang unbekannte Ausfertigung dieser kirchlichen Verfassungsurkunde ist jetzt an unerwarteter Stelle aufgetaucht. Sie werden sich vielleicht auch fragen, was der Sieg des heiligen Michael über den Drachen auf dem Gemälde von Hans Thoma mit der künftigen Kirchenleitung zu tun hat?

Festkalender von Hans Thoma, Verlag von E. A. Seemann, Leipzig. Mappe mit 31 farbigen Tafeln.
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Findbuch 8SL 030 zum Kirchenkampf online!

Barmer Theologische Erklärung
Barmen am 31. Mai 1934 –
8SL 030 KiKa Walter Schmidt

Auf der AEKR-Website ist jetzt das Findbuch zum Bestand 8SL 030 Kirchenkampf Walter Schmidt online abrufbar.

Dieser Bestand stellt eine Sammlung mannigfachen Materials zum Thema Kirchenkampf dar, die Archivrat Walter Schmidt (1908-1992) zusammentrug.
Wann genau er dies tat, ist nicht mehr zu ermitteln. Das gilt leider auch für die Provenienzen der Unterlagen. Da Walter Schmidt vom 1. Februar 1951 bis zum 31. Dezember 1975 die Leitung des Landeskirchlichen Archives innehatte, ist anzunehmen, dass diese Daten die zeitlichen Eckpunkte seiner Sammlungsaktivität sind.

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