Über Maike Schwaffertz

Hallo, ich bin Maike Schwaffertz und blogge hier zu diversen Themen (Kirche/ Geschichte/ Archiv). Ihnen hat der Artikel gefallen? Dann teilen Sie ihn, ich freue mich darüber! Oder möchten Sie über neue Blogartikel informiert werden? Dann abonnieren Sie unser Archivblog per RSS-Feed – das finden Sie rechts oben auf der Startseite.

Neues Findbuch: Der MBK-Rheinland – Mehr als der Name verrät

Das Kürzel MBK stand ursprünglich für Mädchen-Bibelkreise und umschrieb die zwanglosen Bibeltreffen von Schülerinnen und Lehrerinnen aus der Gründungszeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aber als sich der rheinische Verband dem Bund der MBK 1920 anschloss, verbarg sich bereits mehr dahinter. Natürlich war die Arbeit mit Schülerinnen und jungen Frauen immer ein Kerngeschäft, wobei auch dort die Bibeltreffen nur einen kleinen Teil des Programms beschreiben, viel bedeutender für die Vereinsmitglieder waren die jährlichen Freizeiten und Wochenenden, dies geht zumindest aus dem im Archiv der EKiR gelagerten Bestand hervor. Zahlreiche, liebevoll gestaltete Freizeitberichte von jungen Teilnehmerinnen bis in die 60er Jahre bezeugen die Beliebtheit und dankbare Annahme des Angebots. Begleitet wurden die Mädchen von sogenannten Reisesekretärinnen, die ihr Engagement nicht selten lebenslang dem MBK widmeten. Die Arbeit fruchtete. Viele der Mädchen übernahmen mit dem Heranwachsen ebenfalls Aufgaben der Vereinsarbeit.

Aber das war nur eine Seite des MBK-Rheinlands. Bei der Erschließung des Bestandes fiel mir ein Schreiben von November 1988 auf, dessen Inhalt ich so nicht erwartet habe. Es ist ein Brief an den japanischen Kronprinzen Akihito von der christlichen Gemeinde in Japan, der harmlos mit Beileidsbekundungen aufgrund der schweren Krankheit seines Vaters, der japanische Kaiser Hirohito, beginnt, aber dann recht schnell zum eigentlichen Thema kommt:

Wie Sie wissen, beherrschte Japan in Namen Ihres Vaters bis zur Niederlage im August 1945 Taiwan und Korea als Kolonien und machte sich nicht nur in China, sondern in ganz Asien durch viele schreckliche Gewaltakte schuldig. Die Verantwortung dafür hat Ihr Vater immer noch nicht übernommen. Das erregt immer mehr den heftigen Zorn vieler Asiaten, darunter auch vieler Japaner.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Diese offenen Worte werden im nächsten Absatz mit der couragierten Bitte gekrönt, der Prinz möge seinen Vater dazu bringen, gerade in Angesicht des Todes, Verantwortung zu bekennen, aus Sorge, dass er sonst das „Gericht Gottes“ nicht bestehen könne.

Auch wir, die christliche Gemeinde in Japan, bereuen zutiefst die Schuld, die wir durch unsere Unterstützung der japanischen Kriegspolitik, z. B. durch die Nötigung der übrigen Asiaten zum Besuch der Shinto-Tempel, auf uns geladen haben. Dafür bitten wir Gott und unsere Nächsten um Verzeihung.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Eine Antwort gab es vermutlich nicht, zumindest gibt es im Bestand keinen Hinweis darauf. Aber wie kam dieser Brief überhaupt in die Akten des MBK-Rheinlands?

Dies hängt mit dem anderen großen Tätigkeitsbereich des MBK-Rheinlands zusammen, der äußeren Mission. Nach der Gründung einer eigenen Missionsgesellschaft 1925 reisten bereits ein Jahr darauf die ersten Missionarinnen nach China. Die japanische MBK-Mission ist auch als „German Midnight Mission“ bekannt. [1]

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 2_14

1969 gründete sich als Ableger des MBK-Rheinlands der Missions-Arbeiter-Kreis (MAK), der bis zu seiner Auflösung 1989 dreimal jährlich tagte. Die rund zwanzigjährige Arbeit ist im Bestand auf zwei Akten reduziert und in einer dieser Akten befindet sich der erwähnte Brief. Ein Blick ins Findbuch, das nun unter den Archivbeständen unserer Website aufrufbar ist, und in die Geschichte des MBK lohnt sich!



[1] Geschichte des MBK. http://www.mbk-web.de/geschichte.html

Die evangelische Bühnengilde Koblenz – Eine digitale Ausstellung mit DDB Studio

Dank der Deutschen Digitalen Bibliothek konnte die Zeit im Home Office ideal genutzt werden. Das neue Ausstellungs-Tool DDB Studio erlaubt es selbst dem größten Technikmuffel eine digitale Präsentation zu gestalten, sofern man geeignetes Schaumaterial zur Verfügung hat. Die DDB bietet das Programm kostenfrei für bei ihr registrierte Institutionen an und steht dabei jederzeit mit guten Rat und, sofern nötig, auch Tat zur Seite. Eine einmalige Möglichkeit, die Bestände der Kultureinrichtungen einem breiten Publikum zu eröffnen.
Um einen Einblick in unseren Bestand zu geben, wurden einige unserer Fotoschätze mit dem Programm DDB Studio in einer digitalen Ausstellung arrangiert. Die Bilder stammen aus dem Nachlass Hoerder und dokumentieren die Arbeit der Evangelischen Bühnengilde Koblenz (EBK). Die Ausstellung zeigt eine Auswahl des Repertoires der Laienschauspieltruppe und skizziert anhand dessen die 14-jährige Geschichte der EBK.

Klicken Sie bitte auf das Bild, um zur Ausstellung zu gelangen. Am besten nutzen Sie Chrome oder Firefox, um eine korrekte Darstellung zu gewährleisten.

Die Journalistin Bettina Förster untersuchte im Archiv Boppard den Nachlass von Walter Hoerder, weil sie bei Prof. Dr. Volker Neuhaus an der Universität zu Köln über die Entwicklung des evangelischen Laienspiels von der Weimarer Republik bis 1959 promoviert. Hier beantwortet sie einige Fragen zur Motivation und Tätigkeit der Gilde.

Was zeichnete die Arbeit der EBK aus?

Walter Hoerder war während der gesamten Zeit von 1922 bis 1935 der verantwortliche Leiter der Bühnengilde. Er wirkte auch als Regisseur und übernahm Rollen. Wenn man die zahlreichen Kisten aus seinem Nachlass durchsieht, dann wird ganz schnell klar, dass er und die Gruppe diese Arbeit mit großer Leidenschaft gemacht haben. Die Aufführungen sind durch Fotos, Berichte und Zeitungsartikel akribisch dokumentiert. Sie haben in der Online-Ausstellung, die Sie gemacht haben, eine repräsentative Auswahl getroffen. Eigentlich war Hoerder gelernter Bankkaufmann und auch die anderen Spieler waren alle Laien. Die Kulissen und Kostüme gestalteten sie sehr aufwendig – es muss stundenlang gedauert haben, diese Kostüme zu nähen. Die jungen Erwachsenen spielten aber nicht nur zusammen Theater, sondern sie machten auch Wanderungen oder Singabende. Seine Nichte hat mir geschrieben, dass die Spieler eine intensive Freundschaft verband. Offiziell hieß es, dass die EBK an Gemeindeabenden das „ausserkirchliche Leben in bewusst deutsch-evangelischem Sinne“[1] fördern wollte. Einige Berichte hat Hoerder auch in der Zeitung Das Evangelische Rheinland geschrieben und hier formuliert er, dass sie spielten, weil sie innerlich ergriffen waren.

Weiterlesen