Neues Findbuch: Der MBK-Rheinland – Mehr als der Name verrät

Das Kürzel MBK stand ursprünglich für Mädchen-Bibelkreise und umschrieb die zwanglosen Bibeltreffen von Schülerinnen und Lehrerinnen aus der Gründungszeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Aber als sich der rheinische Verband dem Bund der MBK 1920 anschloss, verbarg sich bereits mehr dahinter. Natürlich war die Arbeit mit Schülerinnen und jungen Frauen immer ein Kerngeschäft, wobei auch dort die Bibeltreffen nur einen kleinen Teil des Programms beschreiben, viel bedeutender für die Vereinsmitglieder waren die jährlichen Freizeiten und Wochenenden, dies geht zumindest aus dem im Archiv der EKiR gelagerten Bestand hervor. Zahlreiche, liebevoll gestaltete Freizeitberichte von jungen Teilnehmerinnen bis in die 60er Jahre bezeugen die Beliebtheit und dankbare Annahme des Angebots. Begleitet wurden die Mädchen von sogenannten Reisesekretärinnen, die ihr Engagement nicht selten lebenslang dem MBK widmeten. Die Arbeit fruchtete. Viele der Mädchen übernahmen mit dem Heranwachsen ebenfalls Aufgaben der Vereinsarbeit.

Aber das war nur eine Seite des MBK-Rheinlands. Bei der Erschließung des Bestandes fiel mir ein Schreiben von November 1988 auf, dessen Inhalt ich so nicht erwartet habe. Es ist ein Brief an den japanischen Kronprinzen Akihito von der christlichen Gemeinde in Japan, der harmlos mit Beileidsbekundungen aufgrund der schweren Krankheit seines Vaters, der japanische Kaiser Hirohito, beginnt, aber dann recht schnell zum eigentlichen Thema kommt:

Wie Sie wissen, beherrschte Japan in Namen Ihres Vaters bis zur Niederlage im August 1945 Taiwan und Korea als Kolonien und machte sich nicht nur in China, sondern in ganz Asien durch viele schreckliche Gewaltakte schuldig. Die Verantwortung dafür hat Ihr Vater immer noch nicht übernommen. Das erregt immer mehr den heftigen Zorn vieler Asiaten, darunter auch vieler Japaner.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Diese offenen Worte werden im nächsten Absatz mit der couragierten Bitte gekrönt, der Prinz möge seinen Vater dazu bringen, gerade in Angesicht des Todes, Verantwortung zu bekennen, aus Sorge, dass er sonst das „Gericht Gottes“ nicht bestehen könne.

Auch wir, die christliche Gemeinde in Japan, bereuen zutiefst die Schuld, die wir durch unsere Unterstützung der japanischen Kriegspolitik, z. B. durch die Nötigung der übrigen Asiaten zum Besuch der Shinto-Tempel, auf uns geladen haben. Dafür bitten wir Gott und unsere Nächsten um Verzeihung.

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 33

Eine Antwort gab es vermutlich nicht, zumindest gibt es im Bestand keinen Hinweis darauf. Aber wie kam dieser Brief überhaupt in die Akten des MBK-Rheinlands?

Dies hängt mit dem anderen großen Tätigkeitsbereich des MBK-Rheinlands zusammen, der äußeren Mission. Nach der Gründung einer eigenen Missionsgesellschaft 1925 reisten bereits ein Jahr darauf die ersten Missionarinnen nach China. Die japanische MBK-Mission ist auch als „German Midnight Mission“ bekannt. [1]

AEKR 5WV045 (MBK-Rheinland), 2_14

1969 gründete sich als Ableger des MBK-Rheinlands der Missions-Arbeiter-Kreis (MAK), der bis zu seiner Auflösung 1989 dreimal jährlich tagte. Die rund zwanzigjährige Arbeit ist im Bestand auf zwei Akten reduziert und in einer dieser Akten befindet sich der erwähnte Brief. Ein Blick ins Findbuch, das nun unter den Archivbeständen unserer Website aufrufbar ist, und in die Geschichte des MBK lohnt sich!



[1] Geschichte des MBK. http://www.mbk-web.de/geschichte.html

Christival ’76 – Kongress junger Christen in Essen

Christival, Essen, winkende Jugendliche vor der Grugahalle, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 07214_21

In der ihm eigenen Art mahnte Karl Immer, Präses der  Evangelischen Kirche im Rheinland, zu Beginn des Jugendkongresses „Christival ’76“ die Veranstalter, „dass jeder, der die Jugend für sich einzunehmen versuche, in der Gefahr stehe, sie auch auf Irrwege zu führen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, Mitglieder der terroristischen Vereinigung RAF, die aus der evangelischen Jugendarbeit gekommen seien. „Die Leitung der rheinischen Kirche sehe deshalb auch mit einer gewissen Sorge auf das, was sich in den nächsten Tagen beim „Christival“ abspielen wird.“

Die Skepsis von Präses Immer erwies sich als unberechtigt. Es sollte weder ein Kirchentag noch eine Bekenntniskundgebung werden, sondern ein Kongress für Mitarbeiter in der „missionarischen Jugendarbeit“. Jugendevangelisation und soziale Verantwortung erfordern ein klares biblisches Profil, so die Träger des eigens gegründeten Vereins für das Christival, das in einem Grundkurs sowie in den zahlreichen Seminaren des Kongresses herausgearbeitet und geschärft werden sollte und das die Teilnehmer anschließend in die permanente Arbeit vor Ort und darüber hinaus auch in Konzerten, Jugendwochen und Offenen Abenden einbringen sollten.

Christival, Essen, Grugahalle mit Blick auf die Bühne, 31.07.-03.08.1976, Fotograf: Hans Lachmann, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02714_07

Weiterlesen