Über Michael Hofferberth

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„Kirche unterwegs“ – dahin, wo andere Urlaub machen

Kirchenbus

Campingmission, Kirche unterwegs mit Posauenchor im Hintergrund; Camper gehen zum Gottesdienst; Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_02

„Camping-Seelsorge ist kein Werbetrick“ – so titelte das evangelische Sonntagsblatt „Der Weg“ einen Bericht über die Tätigkeit des Gemeindemissionars Gerhard Gruska. Er war der erste im Rheinland, der von Campingplatz zu Campingplatz reiste und Gottesdienste  abhielt. Die Campingseelsorge entspräche „der Erkenntnis, dass sich die Kirche nicht nur im traditionellen gottesdienstlichen Leben, sondern in allen Lebensbereichen verwirkliche.“ Der Urlaub sei die richtige Zeit, auf Menschen zuzugehen, weil sie Ruhe und Muße hätten.

Kirchenbus Gottesdienst

Ruf zum Gottesdienst am Sonntagmorgen, Campingmission im Sauerland, Fotograf: Hans Lachmann, Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 02712_14

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„…bei denen, die sich quälen…“ – Präses Gerhard Brandt und das Krupp-Stahlwerk in Rheinhausen

Arbeiter des Stahlwerks in Rheinhausen, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, Bestand: 8SL 046 (Bildarchiv), 7_0023046

Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsesamt erhielt Gerhard Brandt das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Ministerpräsident Johannes Rau, der die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten 1989 überreichte, stellte in seiner Laudatio detailliert die Verdienste heraus, die Beziehungen des ehemaligen Präses zu Polen und Ungarn und zu den Kirchen in Österreich, Indonesien und Namibia sowie zu den katholischen Bistümern in der Bundesrepublik. Rau  würdigte Brandts „verständnisvolle Beziehungen zu Landesregierungen“, und dass er „immer versucht habe, die Polarisierungen durch die vertiefte Erkenntnis des Wortes Gottes und die lebendige Bezeugung des Evangeliums zu überwinden“. Kein Wort verlor der Ministerpräsident über die wenig rühmliche Rolle des ehemaligen Präses in dem herausragenden Ereignis, das seine Amtszeit überschattete, dem 160 Tage dauernde Arbeitskampf um das Krupp-Stahlwerk in Rheinhausen.

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War Berlin eine Reise wert? – Impressionen aus einer geteilten Stadt

Brandenburger Tor in Berlin

Berlin, Brandenburger Tor, Hinweisschild: „Achtung! Sie verlassen nach 70 m. West-Berlin / You are now leaving British Sector“, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 166: Berlin-West, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv),80135_0

„Für manche Bundesrepublikaner scheint eine Reise nach Berlin immer noch so etwas wie ein Abenteuer zu sein, das man lieber Beherzteren überlässt oder Kongressteilnehmern und Geschäftsleuten, die ihr Berufsethos auch nach Schanghai oder auf eine von Haifischen bewachte Insel fahren ließe, wenn es sein müsste.“ Mit diesem Bonmot leitete die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 7. April 1955, nahezu zehn Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, einen Artikel über das allmählich aus der Schockstarre erwachende Berlin ein. Der Tourismus zog erst später, dann jedoch vehement an.

Der Fotograf Hans Lachmann besuchte in den 1950ziger bis 1970ziger Jahren mehrmals Ost- und West-Berlin. Er fing gekonnt die Stimmung dieser Jahre ein. Eine kleine Auswahl seiner Fotos präsentieren wir Ihnen hier in einer Diaschau.

  • Ostberlin, Gendarmenmarkt mit Schauspielhaus und Berliner Dom, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 167: Berlin-Ost, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv),80135_31

Nach 1945 konnte man Berlin politisch als eine Insel in einer feindlichen Umgebung betrachten. Entsprechend den Londoner Protokollen war es, spiegelbildlich zu ganz Deutschland, in vier Sektoren geteilt: der Sektor der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, Frankreichs und der Sowjetunion. Weiterlesen

Vordigital – Arbeit in den 1950ziger und 1960ziger Jahren

Messerschleifer in einem Schleifkotten bei Solingen/Bergisches Land, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002301

Man weiß es aus den eher beiläufigen Schilderungen der Eltern und Großeltern: In den 1950ziger und 1960ziger Jahren wurde viel und hart gearbeitet. Es fällt heute allerdings schwer, die enorme Arbeitsbelastung wie auch die zumeist bescheidenen Lebensumstände der Menschen in dieser Zeit des „Wiederaufbaus” im Nachkriegsdeutschland nachzuempfinden.

Der Fotograf Hans Lachmann, der in dieser Zeit die Gesellschaft in und um Düsseldorf im Sucher seiner Kamera hatte, führt uns die damalige Arbeitswelt vor Augen: Messerschleifer in gebückter Haltung an ihren Schleifmaschinen, Tankwart, Schmied, Fahrer einer Straßenwalze, Gerüstbauer, die ein Holzgerüst aufbauen, Arbeiter in einem Stahlwerk, ein KFZ-Mechaniker mit einem – aus heutiger Sicht – primitiven Messgerät an einem Motorblock, Werkzeugmacher, Schichtwechsel.

  • Evangelische Arbeiterkolonie Lühlerheim, Schmied, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 137: Arbeit, aus Bestand: AEKR 8Sl 046 (Bildarchiv), 7_002345

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Der Satan spielt nicht mit – die Rolling Stones in Düsseldorf

Pressekonferenz mit den Rolling Stones, Mick Jagger, Düsseldorf, 11.09.1965, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 142: Beat, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv),7_002503

Musik spielt für die Kirche zweifelsohne eine große Rolle – nicht nur im Gottesdienst. Daher begleitete die evangelische Kirche alles, was sich in den sechziger Jahren an neuer Musik in der Jugendscene entwickelte, mit Argwohn. Dies insbesondere dann, wenn sie mit einem spirituellen Touch daherkam. Die Amtskirche befürchtete, dass Rockmusik von Bands wie den Rolling Stones, Beatles,  Black Sabbath, The Who, ACDC u.a. die Jugendlichen noch weiter von dem christlichen Glauben entfremdet, und diskutierte, ob es opportun sei, die schädlichen Begleiterscheinungen dieser Musik öffentlich herauszustellen – etwa ihre „umstürzlerischen Züge“ und ihren „Okkultismus“, vor allem ihre „satanistischen Liedtexte“. Diashow ⇩
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„Nichts für Angsthasen“ – Altern im Heim

Ev. Altenheim Otto-Ohl-Haus in Düsseldorf-Garath, Fotograf: Hans Lachmann, Schachtel Nr. 117: Altenheim, aus Bestand: AEKR 8SL046 (Bildarchiv),00_02701_0115

Mae West, eine Hollywood-Ikone, Schauspielerin, Sängerin, portraitiert von Salvator Dali, prägte dieses Bonmot, als es mit ihrer Karriere und ihrem Leben im Alter bergab ging: „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Jeder möchte lang leben, aber keiner alt werden, feixten bereits die Schriftsteller und Satiriker Jonathan Swift und Johann Nestroy. Alzheimer, Demenz, Parkinson, Schlaganfall gepaart mit Unbeweglichkeit und Einsamkeit, sind die Schreckgespenster, die jedem drohen und den Weg ins Altersheim bahnen – die letzte Station des modernen Lebens. Und noch etwas lässt sich sagen: Altern im Altersheim ist überwiegend weiblich. Dies zeigen die Fotografien von Hans Lachmann. >> Diashow Weiterlesen

Die Bahnhofsmission in Düsseldorf

Bahnhofsmission, Mitarbeiterin mit Sammelbüchse und Spender mit Zigarre und Hut, vermutlich Hauptbahnhof Düsseldorf, Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

Ferienzeit – Reisezeit. Heute reist man mit dem Flugzeug in ferne, exotische Länder, ab den 1960ziger Jahren mit dem Zug an die Nordsee oder nach Bayern und Österreich. Heute bilden sich lange Menschenschlangen vor den Abfertigungsschaltern und vor den Gates im Flughafen, früher herrschte ein Gedränge vor den Fahrkartenschaltern des Bahnhofs und auf den Bahnsteigen der Fernverkehrszüge. Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. War der Reisende auf solche Verkehrsmittel angewiesen, konnte er in fremden, unbekannten Orten stranden. War es ein Bahnhof, war damals die Bahnhofsmission ein nahezu allen bekannter Anlaufpunkt: Hier wurde ihm geholfen, vor allem mit einer Tasse Kaffee aus der großen Thermoskanne oder mit einem Teller Erbsensuppe. Ging der Koffer verloren, half sie mit Kleidung aus. Nicht nur das: Die zumeist ehrenamtlichen Helfer unterstützten behinderte Zugreisende, aus- und einzusteigen, sorgten dafür, dass Senioren mit ihrem Gepäck den richtigen Zug nahmen, begleiteten alleinfahrende Kinder und Kindergruppen zu den Ferienorten. Und Heiligabend sorgten sie dafür, dass sozial benachteiligte Personen gemeinsam feiern konnten. Finanziell blieben sie weitgehend auf sich gestellt. Ihre Arbeit war auf Spenden angewiesen.

  • Bahnhofsmission, Banner "Bahnhofsmission hilft! Helfen Sie uns helfen!", Hans Lachmann, Schachtel Nr. 86: Bahnhof/Bahnhofsmission, aus Bestand: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 6_000805

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