Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheiten in Jugoslawien

„Der Balkan“ beschreibt einen nicht genau definierten geografischen Raum im Südosten Europas, der historisch durch seine religiöse und ethnische Pluralität geprägt wurde. Als Paradebeispiel dient das ehemalige Jugoslawien, das Bevölkerungsgruppen beheimatete, die sowohl der Katholischen Kirche, der Orthodoxen Kirche als auch dem Islam angehörten. (1) Historisch lassen sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ebenfalls größere jüdische Zentren nachweisen. Für die Zeit des Königreichs Jugoslawiens (Kraljevina Jugoslavija), das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet worden war (2), ist beispielsweise eine größere jüdische Diaspora in Sarajewo belegbar. Folglich erscheint es nicht verwunderlich, dass der geografische Raum Ex-Jugoslawiens in der jüngeren Vergangenheit vermehrt in das Blickfeld der Geschichts- und Religionswissenschaften rückte. Schließlich ereigneten sich mit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gleich zwei der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Balkans. Der Ausbruch beider Ereignisse ist sicherlich keinesfalls monokausal anhand der ethnisch, religiösen Pluralität zu begründen. Dennoch kann nicht unterschlagen werden, dass die Pluralität einen gewichtigen Teil zum Ausbruch der Konflikte beigetragen hat. Die Metapher „das Pulverfass Balkan“, die bereits zum ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt wurde, veranschaulicht diese Explosivität eindrücklich. (3)

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Verliebt in Halle

Nach der Darstellung des heiklen Spionagefalls, der auch als „Neuser-Gates“ bekannt wurde, widmet sich der folgende Artikel dem Disziplinarverfahren gegen den Geheimen Konsistorialrat a. D. Josephson.  Der aktuelle Fall beruft sich erneut auf die Akte Nr. 1791 aus dem Bestand 1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz.

Am 28. August 1919 wurde die Ehe des Geheimen Konsistorialrat, Superintendenten und 1. Domprediger in Halle (Saale) Josephson mit seiner „beträchtlich“ jüngeren zweiten Frau Margarete geschieden. In einem ersten Gerichtsurteil vom 28. August 1919 wurde beiden Parteien eine Schuld an der Scheidung der Ehe gegeben. Das Evangelische Konsistorium der Provinz Sachsen richtete am 10. Juni 1920 ein Schreiben an das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz. In diesem Schreiben schildert das Evangelische Konsistorium Magdeburg die Gründe für die Scheidung des Ehepaares Josephsons. Demnach hätten die Ursachen für den Ehebruch ausschließlich an Frau Josephson (geb. Japing) gelegen. Die besagte Dame hätte ein „Verhältnis“ mit einem Freund der Familie unterhalten. Es handele sich um den in Halle ansässigen Pfarramtskandidaten Schmidt. Frau Josephson soll hierbei das unterhaltene „Verhältnis“ gestanden haben, wobei allerdings darauf plädiert wurde, dass nicht das „Geringste“ vorgekommen sei. Folglich sah Herr Josephson die Eheverhältnisse als überaus zerrüttet an, sodass lediglich eine Scheidung als Lösung gesehen werden konnte. Dennoch sei Josephson, zum Erstaunen des Evangelischen Konsistoriums Magdeburgs, trotz der „Untreue“ seiner Ehegattin weiterhin in einer „freundschaftlichen“ Beziehung zu Schmidt und seiner Gattin verblieben, obwohl Schmidt Frau Josephson, die nun geschieden war, geehelicht habe.

Dementsprechend sah das Konsistorium in Magdeburg das Urteil vom 28. August als Fehlurteil an und sieht das Scheitern der Ehe als alleinige Schuld der Familie Schmidt. Josephson sei ausschließlich auf seinen Wunsch hin aus seinem Amt ausgeschieden. Mit Hinsicht auf den Pfarramtskandidaten Schmidt, der vor dem Eintritt in das geistliche Amt stehe, wurde dieser Bericht „pflichtgemäß“ an das Evangelische Konsistorium übermittelt.     

1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz

Impressionen rheinischer Landessynoden

Aktuell tagt die Rheinische Landessynode, das oberste Leitungsgremium der EKiR, in Bonn. Diesen Anlass möchte das Archiv der EKiR nutzen, um Ihnen einige ausgewählte Aufnahmen vergangener Synoden vorzustellen. Natürlich finden sich unzählige Bildaufnahmen klassischer theologischer Themen wie das Feiern von Gottesdiensten. Die Fotografien, die das Archiv Ihnen vorstellen möchte, thematisieren allerdings den Tagungsablauf der Synode und bieten historische Einblicke, die auch gesellschaftliche Aspekte beleuchten.

  • Landessynode, Tagung in Rengsdorf, Gemeindehaus, 1958(verm.), Foto: Hans Lachmann, Fotoalbum: Nachlass Präses Joachim Beckmann, F02

Die Zerstörung der Stadt Bitburg

Am 24. Dezember des Jahres 1944 wurde die Stadt Bitburg durch einen alliierten Fliegerangriff fast gänzlich zerstört. Auch die evangelische Gemeinde wurde bei diesem Angriff hart getroffen.

Bitburg / Eifel – Einweihung der Kirche vor der Kirche 28.09.1952 Bestand: 7NL008 (Nachlass Präses Heinrich Held), Abgabe: 15.03.2017

So zählten zu den zerstörten Gebäuden der Stadt Bitburg, die fast gänzlich zerstört worden war, auch die Gustav-Adolf-Kapelle und das ansässige Pfarrhaus. Besonders tragisch erscheint hierbei, dass auch der Weihnachtsschmuck der Gustav-Adolf-Kapelle dem Luftangriff zum Opfer fiel. Zusätzlich zu diesem Umstande war ein Ausweichen in die benachbarte Kyllburger Kirche unmöglich, da diese ebenfalls bei einem Artilleriebeschuss zerstört wurde. Folglich suchte die evangelische Gemeinde eine neue, provisorische Heimat, die sich in der Kapelle des kath. Krankenhauses der Stadt Bitburg fand. Die Gottesdienste der Gemeinde Bitburg wurden in den Jahren 1945-1950 in jener Kapelle gefeiert, ehe in den 1950er Jahren ein neues Pfarrhaus errichtet wurde. Der Neubau wurde erst 1951 fertiggestellt und inkludierte erhalten gebliebene Teile des Altbaus. Die Weihung der neuen Kirche hingegen erfolgte erst am 28. September 1952, womit die Gemeinde Bitburg fast acht Jahre ohne eigene Kirche auskommen musste und somit auch die Weihnachtsfeste in der „Diaspora“ gefeiert wurden.

Literatur:

Festschrift 125 Jahre Evangelische Kirche Kyllburg. 100 Jahre Evangelische Kirche Bitburg (28. Oktober 2000)

Rosenkranz, Albert: Das Evangelische Rheinland, in: Schriftenreihe des Vereins für Kirchengeschichte, Nr. 7, Bd. 1, 1956.

Der Neuser-Gate! Oder auch Spionageaffäre in Altenessen

„Acta betreffend: der Verfahren gegen Kandidaten der Theologie, welche in Kriminaluntersuchungen geraten sind, sonstige Disziplinarangelegenheiten, Anzeigen über unwürdiges Betragen von Kandidaten; Rehabilitierung und Wiederaufnahme in die Liste der wahlfähigen Kandidaten“. Diese Anmerkung findet sich auf dem Aktendeckel der Nummer 1791 des Bestandes 1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz. Die Akte, die von 1838 bis in das Jahr 1940 reicht, inkludiert unterschiedliche Fälle. Von eher schlichteren Ehestreitigkeiten bis hin zu spektakulären Spionagevorwürfen.

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Kirchliches Zeugnis für Auswanderer

Kirchliches Zeugnis (5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv)

Die deutsche Überseewanderung, die ihre Hochphase im 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte, stellte die Kirchen vor enorme Herausforderungen. Wie sollen die Menschen in den Überseegebieten „religiös“ versorgt werden? Laut dem Zeitungsartikel „Gedenket der deutschen evangelischen Gemeinden in Südbrasilien!“ (Bestand: 5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv) wanderten bereits um das Jahr 1912 ca. 20 000 Deutsche nach Chile, 30 000 nach Argentinien und 500 000 nach Brasilien aus. Hierbei gehörten mehr als „zwei Drittel“ der evangelischen Kirche an. Die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“ sorgte für die religiöse und gesellschaftliche Versorgung der Auswanderer in Südamerika. So berichtet die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“, dass bis zum Jahr 1911 bereits 200 ev. Gemeinden und 400 deutsche Schulen errichtet wurden.

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Sind Ihnen „christliche Gemeindespiele“ bekannt?

Während der Digitalisierung des Bestandes 6HA004 Kirchenkampf Beckmann begegnete mir ein Heftchen mit dem eindrucksvollen Titel „christliche Gemeindespiele“. Eine Begrifflichkeit die heute vermutlich hauptsächlich in Form des weihnachtlichen Krippenspiels bekannt sein sollte. Das Heftchen, welches in den Jahren 1930-1940 erschien und vom „Christian Kaiser Verlag München“ veröffentlicht worden ist, listet insgesamt 53 Gemeindespiele.

Bereits das Vorwort erklärt, dass unter christlichen Spielen jene Spieldichtungen verstanden werden, die ihre „Fabeln“ ausschließlich aus dem christlichen Glaubensgut beziehen würden. Das Werk gliedert seine Spiele in die Kategorien Passion, Konfirmation, Ostern, Gemeindeabend, Pfingsten, Erntefest, Totengedächtnis, Reformation und Advent/Weihnachten, wobei für jede Kategorie unterschiedliche Spiele samt Regeln abgedruckt wurden.  Natürlich findet sich auch eine Anleitung zu der Aufführung eines klassischen Krippenspiels. Mein Interesse weckte allerdings die Kategorie „Passion“. In der Osterzeit können gleich 7 Spiele aufgeführt werden, während für Ostern weitere 6 Spiele beschrieben werden. Für das Spiel „Der Herr ist auferstanden. Ein Osterspiel“ betrug die Spieldauer bspw. 60 min. und inkludierte 14 männliche und 4 weibliche Spieler samt Chor. Hierbei wird explizit betont, dass es sich nicht um ein Theaterstück handle, sondern um ein Spiel der Verkündigung, welches das biblische Geschehen darstellen soll.