Die deutsche Überseewanderung, die ihre Hochphase im 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte, stellte die Kirchen vor enorme Herausforderungen. Wie sollen die Menschen in den Überseegebieten „religiös“ versorgt werden? Laut dem Zeitungsartikel „Gedenket der deutschen evangelischen Gemeinden in Südbrasilien!“ (Bestand: 5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv) wanderten bereits um das Jahr 1912 ca. 20 000 Deutsche nach Chile, 30 000 nach Argentinien und 500 000 nach Brasilien aus. Hierbei gehörten mehr als „zwei Drittel“ der evangelischen Kirche an. Die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“ sorgte für die religiöse und gesellschaftliche Versorgung der Auswanderer in Südamerika. So berichtet die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“, dass bis zum Jahr 1911 bereits 200 ev. Gemeinden und 400 deutsche Schulen errichtet wurden.
Für diese neu entstandenen Gemeinden wurden gezielt deutsche Pfarrer und Pfarrfrauen angeworben. Den Auswanderern wurde bereits in der alten Heimat ein „Kirchliches Zeugnis“ ausgestellt, was die Integration in Südamerika erleichtern sollte. In der Kopfzeile des Dokuments wurde der Name der deutschen evangelischen Gemeinde und der neuen (süd-)amerikanischen Gemeinde eingetragen. Zusätzlich wurden neben Vor- und Zuname der auswandernden Person ebenfalls Geburts-, Tauf-, Konfirmation- und Trauungsdaten angeführt und pfarramtlich bezeugt. Dieses Zeugnis wurde dem am „Orte der Bestimmung“ tätigen Pastor vorgelegt.
Ergänzende Artikel:
Deutsche Auswandererseelsorge in Brasilien vor 1914
Hans und Lotte Josten: Gründer des Rheinischen Pfarrfrauendienstes

