Jahresrückblick 2025

Das Jahr 2025 war für das Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Jahr der (kleinen und großen) Veränderungen. Neben vielen spannenden Projekten, die unseren Arbeitsalltag geprägt haben, stand vor allem der personelle Wechsel im Mittelpunkt. In der Archivleitung wie auch in verschiedenen Aufgabenbereichen wurden neue Rollen übernommen, Verantwortlichkeiten neu verteilt und frische Perspektiven eingebracht.

In unserem Jahresrückblick möchten wir auf die letzten 12 Monate zurückschauen:

Ein besonderer Schwerpunkt lag auch in diesem Jahr auf der Digitalisierung von Archivgut. Zahlreiche neue Digitalisate konnten online gestellt und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der Rheinische Archivtag war auch in diesem Jahr ein wichtiger Ort des fachlichen Austauschs. Archivarin­nen und Archivare aus der Region diskutierten aktuelle Herausforderungen, neue Entwicklungen und gemeinsame Perspektiven. Themen wie Digitalisierung, Erschließung, Nutzerorientierung und rechtliche Rahmenbedingungen standen im Mittelpunkt. Der Austausch stärkte nicht nur die fachlichen Netzwerke, sondern auch das Bewusstsein für gemeinsame Aufgaben in einer sich stetig wandelnden Archivlandschaft.

Ein weiterer Fortschritt in diesem Jahr waren detaillierte Neuerungen beim Archivportal NRW. Die verbesserten Funktionen und Inhalte erleichtern die Recherche und Nutzung archivischer Beständen. Aus diesem Grund sind wir auch weiterhin bemüht, unser Angebot dort stetig auszubauen.

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Die Zerstörung der Stadt Bitburg

Am 24. Dezember des Jahres 1944 wurde die Stadt Bitburg durch einen alliierten Fliegerangriff fast gänzlich zerstört. Auch die evangelische Gemeinde wurde bei diesem Angriff hart getroffen.

Bitburg / Eifel – Einweihung der Kirche vor der Kirche 28.09.1952 Bestand: 7NL008 (Nachlass Präses Heinrich Held), Abgabe: 15.03.2017

So zählten zu den zerstörten Gebäuden der Stadt Bitburg, die fast gänzlich zerstört worden war, auch die Gustav-Adolf-Kapelle und das ansässige Pfarrhaus. Besonders tragisch erscheint hierbei, dass auch der Weihnachtsschmuck der Gustav-Adolf-Kapelle dem Luftangriff zum Opfer fiel. Zusätzlich zu diesem Umstande war ein Ausweichen in die benachbarte Kyllburger Kirche unmöglich, da diese ebenfalls bei einem Artilleriebeschuss zerstört wurde. Folglich suchte die evangelische Gemeinde eine neue, provisorische Heimat, die sich in der Kapelle des kath. Krankenhauses der Stadt Bitburg fand. Die Gottesdienste der Gemeinde Bitburg wurden in den Jahren 1945-1950 in jener Kapelle gefeiert, ehe in den 1950er Jahren ein neues Pfarrhaus errichtet wurde. Der Neubau wurde erst 1951 fertiggestellt und inkludierte erhalten gebliebene Teile des Altbaus. Die Weihung der neuen Kirche hingegen erfolgte erst am 28. September 1952, womit die Gemeinde Bitburg fast acht Jahre ohne eigene Kirche auskommen musste und somit auch die Weihnachtsfeste in der „Diaspora“ gefeiert wurden.

Literatur:

Festschrift 125 Jahre Evangelische Kirche Kyllburg. 100 Jahre Evangelische Kirche Bitburg (28. Oktober 2000)

Rosenkranz, Albert: Das Evangelische Rheinland, in: Schriftenreihe des Vereins für Kirchengeschichte, Nr. 7, Bd. 1, 1956.

Sehet, die vierte Kerze brennt!

Das Team des Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland wünscht allen Freunden und Freundinnen des Archiv fröhliche Weihnachten!

Wir schließen die Bürotüren ab, lassen die Tasten ruhen und verabschieden uns bis zum 5. Januar 2026 in die Winterpause.

(c) AEKR/ Hans Lachmann

Der Neuser-Gate! Oder auch Spionageaffäre in Altenessen

„Acta betreffend: der Verfahren gegen Kandidaten der Theologie, welche in Kriminaluntersuchungen geraten sind, sonstige Disziplinarangelegenheiten, Anzeigen über unwürdiges Betragen von Kandidaten; Rehabilitierung und Wiederaufnahme in die Liste der wahlfähigen Kandidaten“. Diese Anmerkung findet sich auf dem Aktendeckel der Nummer 1791 des Bestandes 1OB 002 – Evangelisches Konsistorium der Rheinprovinz. Die Akte, die von 1838 bis in das Jahr 1940 reicht, inkludiert unterschiedliche Fälle. Von eher schlichteren Ehestreitigkeiten bis hin zu spektakulären Spionagevorwürfen.

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Das Archiv im Studio – Videodreh zum Tag der Archive 2026

In der vergangenen Woche wurde es bei uns im hausinternen Studio des Landeskirchenamtes richtig lebendig: Wir hatten einen Videodreh! Im Mittelpunkt stand ein Thema, das viele Benutzer*innen immer wieder beschäftigt – Familienforschung und wie diese bei uns im Archiv abläuft.

Wir geben im Video Einblicke darin, mit welchen Hilfsmitteln wir arbeiten, welche Rolle Kirchenbücher spielen und welche Angaben man für eine erfolgreiche genealogische Recherche eigentlich benötigt.
Hinter der Kamera führte Anastasia souverän die Regie. Vor der Kamera standen Marius und Annika als Protagonisten. Marcel Kuss begleitete den gesamten Dreh und übernimmt anschließend auch den Schnitt als Videoredakteur.

Der Drehtag hat uns richtig Spaß gemacht und wir freuen uns schon darauf, das fertige Ergebnis zu präsentieren. Das Video erscheint nächstes Jahr zum Tag der Archive – also unbedingt vormerken!

„…wunderbahrliche Fata und Schicksahle…“: Pfarrer Sixt als Chronist der reformierten Gemeinde Kreuznach

„Wahrhaffter Bericht […] wie und welcher Gestalt die in anno 1689 von denen Frantzosen abgebrannte Refomirte Pfarrkirch auf dem Wörth […] wieder aufferbauet worden“ (1716-1726); aus Bestand: AEKR Boppard 4KG 065B (Bad Kreuznach), Az. 71-1-0.

Von keinem Pfarrer ist im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kreuznach so viel Handschriftliches überliefert wie von Wolfgang Christoph Sixt, der von 1689 bis 1735, also fast fünf Jahrzehnte lang, in der reformierten Gemeinde amtierte. Mit akribischer Sorgfalt und in gestochener Schrift hielt der schreibfreudige Geistliche die Ereignisse einer äußerst unruhigen und bedrohlichen Epoche fest. Sein Amtsantritt fiel in die Zeit des verheerenden Pfälzischen Erbfolgekriegs. Sixt siedelte Ende August 1689 nach Kreuznach über, wo französische Truppen zuvor „auf die grausamste Weise gehauset und die Bürger mit Geldpressuren ohne Erbarmen tractieret [hatten], sodaß man die Ratsherren und alle übrige Wohlhandende gefänglich erstlich aufs Rathaus gesetzet, nachgehends beim Abmarsch mit nacher Maynz genommen und so lange da behalten, bis sie 40 Schatzungen bezahlt hatten.“ Vor ihrem Abzug hatten die Franzosen außerdem „alle Thürn [Türme] und die Mauren der hiesigen Statt gesprengt und ruiniert, die Thoren über’n Haufen geschmiesen und das Schloß Cauzenberg gesprengt und totaliter ruinirt“. Auf dem Eier- und dem Kornmarkt legten sie große Feuer und verbrannten „eine unbeschreibliche Menge Früchten [Getreide] darin, und [haben] was sie nicht verbrennen können, über die Brück in die Nahe geschüttet.“ Nur zwei Monate später musste Pfarrer Sixt erleben, wie seine Kirche auf dem Wörth, wie alle anderen Kirchen in Kreuznach, von den Franzosen niedergebrannt wurde, wobei „all die Glocken verschmolzen“. An einen Wiederaufbau der Kirche war in Kriegszeiten nicht zu denken. Nach einer Sammlung bei wohlhabenden Glaubensgenossen in Frankfurt und Hanau konnte immerhin der Chor der Kirche abgetrennt, neu gedeckt und als Kapelle zum Gottesdienst genutzt werden.

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