Die deutsche Überseewanderung, die ihre Hochphase im 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte, stellte die Kirchen vor enorme Herausforderungen. Wie sollen die Menschen in den Überseegebieten „religiös“ versorgt werden? Laut dem Zeitungsartikel „Gedenket der deutschen evangelischen Gemeinden in Südbrasilien!“ (Bestand: 5WV 050 Diakonisches Werk – Altes Archiv) wanderten bereits um das Jahr 1912 ca. 20 000 Deutsche nach Chile, 30 000 nach Argentinien und 500 000 nach Brasilien aus. Hierbei gehörten mehr als „zwei Drittel“ der evangelischen Kirche an. Die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“ sorgte für die religiöse und gesellschaftliche Versorgung der Auswanderer in Südamerika. So berichtet die „Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika“, dass bis zum Jahr 1911 bereits 200 ev. Gemeinden und 400 deutsche Schulen errichtet wurden.
WeiterlesenArchiv des Monats: November 2025
Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“ – 3 neue Folgen
Man kommt ja fast nicht hinterher, so fleißig produziert der Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“ seine Beiträge. Letzte Woche erst machten wir auf die sechste und siebte Folge aufmerksam. Nun sind drei neue hinzukommen!
In „Die Hochzeit, die im 16. Jahrhundert einen Krieg auslöste“ geht es um die kriegerischen Folgen eines aus Liebe getätigten Konfessionswechsel im 16. Jahrhundert.
„Tersteegens Blutbrief“ zeigt, welche Ausmaße die extreme Hingabe an Gott in einem pietistisch geführten Leben annehmen kann. Zudem wird ein Liebesbrief der etwas anderen Art vorgestellt.
Einen Schnelleinstieg in das Thema Diakonissengemeinschaften, Mutterhaus und weibliche Arbeitsfelder im 19. und 20. Jahrhundert gibt es mit der 10. Folge „Wie Diakonissengemeinschaften Frauen das Ausüben eines Berufes ermöglichten„.
Viel Spaß beim Reinhören!
Neue Folgen des Podcasts „Rheinische Kirchengeschichte(n)“
Der Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“ wartet mit zwei neuen Folgen auf! In der sechsten Folge „Paul Schneider (1897-1939) und der Schulstreik“ geht es um die Überlegungen und die Intention des Hunsrücker Pfarrers, mit einem Schulstreik ein Zeichen gegen die Politik des NS-Regimes zu setzen.
Der Nachlass von Paul Schneider, verwahrt im Archiv der EKiR, liegt größtenteils auch digitalsiert vor. Auf unserer Homepage steht er Interessierten zur Verfügung.
In der siebten Folge „Christsein in der NS-Zeit – Die Gründung der Bonner Evangelischen Studentengemeinde (ESG)“ wird ein Schlaglicht auf die Studierendenschaft der Bonner Universität geworfen. Hier wird der Frage nachgegangen, wie sich die Studierenden im Dritten Reich positionierten.
Alle Folgen des Podcast können gerne nochmal nachgehört werden. Den Link gibt es hier.
Adventssammlung damals und heute
In einer Pressemitteilung vom 4. November 2025 verkündeten Diakonie und Caritas den Start der diesjährigen Adventssammlung, einer „der erfolgreichsten ökumenischen Fundraising-Aktionen“, heute am 16. November. Die Spendensammlung geht bis zum 6. Dezember. Unterstützt werden zahlreiche Hilfsangebote und Projekte, die in den Gemeinden vor Ort konkrete und unmittelbare Hilfe leisten.
Dementsprechend lautet das diesjährige Motto „Füreinander. Für hier.“
Die Adventssammlung hat eine lange Tradition. Seit mehr als 75 Jahren gibt es sie. Im Jahr 1948 sammelten Caritas und Diakonie, damals noch Evangelisches Hilfswerk, erstmals gemeinsam in Nordrhein-Westfalen, um der immensen materiellen und seelischen Not zu begegnen, die drei Jahre nach dem Ende des Krieges allerorten herrschte. Das Plakat dieser ersten gebündelten Spendenaktion findet sich in unserer Plakatsammlung.

Sind Ihnen „christliche Gemeindespiele“ bekannt?
Während der Digitalisierung des Bestandes 6HA004 Kirchenkampf Beckmann begegnete mir ein Heftchen mit dem eindrucksvollen Titel „christliche Gemeindespiele“. Eine Begrifflichkeit die heute vermutlich hauptsächlich in Form des weihnachtlichen Krippenspiels bekannt sein sollte. Das Heftchen, welches in den Jahren 1930-1940 erschien und vom „Christian Kaiser Verlag München“ veröffentlicht worden ist, listet insgesamt 53 Gemeindespiele.
Bereits das Vorwort erklärt, dass unter christlichen Spielen jene Spieldichtungen verstanden werden, die ihre „Fabeln“ ausschließlich aus dem christlichen Glaubensgut beziehen würden. Das Werk gliedert seine Spiele in die Kategorien Passion, Konfirmation, Ostern, Gemeindeabend, Pfingsten, Erntefest, Totengedächtnis, Reformation und Advent/Weihnachten, wobei für jede Kategorie unterschiedliche Spiele samt Regeln abgedruckt wurden. Natürlich findet sich auch eine Anleitung zu der Aufführung eines klassischen Krippenspiels. Mein Interesse weckte allerdings die Kategorie „Passion“. In der Osterzeit können gleich 7 Spiele aufgeführt werden, während für Ostern weitere 6 Spiele beschrieben werden. Für das Spiel „Der Herr ist auferstanden. Ein Osterspiel“ betrug die Spieldauer bspw. 60 min. und inkludierte 14 männliche und 4 weibliche Spieler samt Chor. Hierbei wird explizit betont, dass es sich nicht um ein Theaterstück handle, sondern um ein Spiel der Verkündigung, welches das biblische Geschehen darstellen soll.

Religionsangaben auf den Steuerkarten
Bei Ordnungsarbeiten im Bestand 8SL055B (Anordnungen, Rundschreiben, Merkblätter) bin ich auf ein Rundschreiben aus dem Jahr 1937 gestoßen, das die Religionsangabe auf Steuerkarten betrifft. Dabei stellte sich mir die Frage: „Ist das heute auch noch so?” (Link: https://taxfix.de/ratgeber/steuern-sparen/kirchensteuer-steuererklaerung/) Nachfolgend ein Auszug der Internetseite aus dem Jahr 2025.
Evangelisch: EV
Römisch-katholisch: RK
Alt-katholische Kirche: AK
Evangelisch-reformiert: RF
Französisch-reformiert: FR
Freie Religionsgemeinschaft Alzey: FA
Freireligiöse Landesgemeinde Baden: FB
Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz: FG
Freireligiöse Landesgemeinde Mainz: FM
Freireligiöse Landesgemeinde Offenbach/M.: FS
Israelitische Religionsgemeinschaft Baden: IB
Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg: IW
Israelitische Gemeinden in Bayern: IS
Israelitische Kultussteuer Land Hessen: IL
Israelitische Synagogengemeinde Saar: IS
Israelitische Kultussteuer Frankfurt (Hessen): IS
Jüdische Kultusgemeinden Koblenz und Bad Kreuznach: IS
Jüdische Kultussteuer Nordrhein-Westfalen: JD
Jüdische Kultussteuer Hamburg: JH
Was trägt man bei Konfession ein, wenn man keine hat?
Bist du konfessionslos, trägst du in deine Steuererklärung das Kürzel VD ein.
Man erkennt, dass die Abkürzungen für die Konfession gleichgeblieben sind und dass eine Religionsangabe auf der Steuerkarte erforderlich ist. In dem Schreiben von 1937 findet sich auch die Bemerkung: gg = gottgläubig oder gl = glaubenslos.
Aus Bestand: 8SL055B, Nr. 302, Religionsangaben auf Steuerkarten:




