Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheiten in Jugoslawien

„Der Balkan“ beschreibt einen nicht genau definierten geografischen Raum im Südosten Europas, der historisch durch seine religiöse und ethnische Pluralität geprägt wurde. Als Paradebeispiel dient das ehemalige Jugoslawien, das Bevölkerungsgruppen beheimatete, die sowohl der Katholischen Kirche, der Orthodoxen Kirche als auch dem Islam angehörten. (1) Historisch lassen sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ebenfalls größere jüdische Zentren nachweisen. Für die Zeit des Königreichs Jugoslawiens (Kraljevina Jugoslavija), das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet worden war (2), ist beispielsweise eine größere jüdische Diaspora in Sarajewo belegbar. Folglich erscheint es nicht verwunderlich, dass der geografische Raum Ex-Jugoslawiens in der jüngeren Vergangenheit vermehrt in das Blickfeld der Geschichts- und Religionswissenschaften rückte. Schließlich ereigneten sich mit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gleich zwei der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Balkans. Der Ausbruch beider Ereignisse ist sicherlich keinesfalls monokausal anhand der ethnisch, religiösen Pluralität zu begründen. Dennoch kann nicht unterschlagen werden, dass die Pluralität einen gewichtigen Teil zum Ausbruch der Konflikte beigetragen hat. Die Metapher „das Pulverfass Balkan“, die bereits zum ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt wurde, veranschaulicht diese Explosivität eindrücklich. (3)

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