Der Podcast „Rheinische Kirchengeschichte(n)“ wartet mit zwei neuen Folgen auf! In der sechsten Folge „Paul Schneider (1897-1939) und der Schulstreik“ geht es um die Überlegungen und die Intention des Hunsrücker Pfarrers, mit einem Schulstreik ein Zeichen gegen die Politik des NS-Regimes zu setzen.
Der Nachlass von Paul Schneider, verwahrt im Archiv der EKiR, liegt größtenteils auch digitalsiert vor. Auf unserer Homepage steht er Interessierten zur Verfügung.
In der siebten Folge „Christsein in der NS-Zeit – Die Gründung der Bonner Evangelischen Studentengemeinde (ESG)“ wird ein Schlaglicht auf die Studierendenschaft der Bonner Universität geworfen. Hier wird der Frage nachgegangen, wie sich die Studierenden im Dritten Reich positionierten.
Alle Folgen des Podcast können gerne nochmal nachgehört werden. Den Link gibt es hier.
Bevor wir unseren Archivleiter, Dr. Stefan Flesch, in den wohlverdienten Ruhestand schicken und der Staffelstab offiziell weitergegeben wird, begleiten wir ihn auf seiner letzten Archivführung. Aber entscheiden Sie selbst für sich und wählen die KISS1 Variante mit einem Augenzwinkern oder alternativ die längere Fassung mit Archivalien „en détail” weiter unten.
Wer es ausführlicher mag, schaut gerne hier vorbei:
Apronym aus dem Marketing mit der Bedeutung „Keep It Short and Simple“ / „Gestalte es kurz und einfach“ ↩︎
Der im Jahre 2004 verstorbene Pietismusforscher Horst Neeb widmete sich in seinem Ruhestand der pietistischen Forschung und leistete hierbei herausragende Beiträge, die bis in die Gegenwart von Relevanz zeugen. Anlässlich des 100jährigen Jubiläums seiner Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Haan/Rheinland, verfasste Neeb einen Artikel über die Historie, der in der Festschrift der Gemeinde veröffentlicht worden ist. Hierbei recherchierte Neeb, dass die Gemeinde durch den engeren Freundeskreis des bedeutenden Pietisten Gerhard Tersteegen begründet wurde. Durch diese Erkenntnis entfacht, machte Horst Neeb die noch erhaltenen Tersteegen-Briefe ausfindig und widmete sich fortan der historischen Forschung.
Im Rahmen meines Vorbereitungsdienstes zur Staatsarchivinspektoranwärterin, den ich im Landesarchiv NRW ableiste, durfte ich ein vierwöchiges Praktikum im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland absolvieren.
Meine Hauptaufgabe war es, den äußerst spannenden Teilbestand 6HA 057 Landeskirchenrat Jörn-Erik Gutheil zu bearbeiten. Dieser Teilbestand fokussiert sich auf die Arbeit des Forums Flughäfen in NRW. Das Forum wurde im Juli 2000 zur regelmäßigen Erörterung von Fragen im Zusammenhang mit der zwangsweisen Durchsetzung von Ausreiseverpflichtungen eingerichtet. Anlass war die Kritik an den Umständen von Vollzugsmaßnahmen bei Flughafenabschiebungen in NRW. Im Rahmen der intensiven Bearbeitung durfte ich Kassationsvorschläge erarbeiten, die Akten entmetallisieren, umverpacken und in ACTApro verzeichnen. Zum Abschluss habe ich eine dazugehörige Findbucheinleitung verfasst.
Darüber hinaus hatte ich während dieser vier Wochen die Gelegenheit, weitere Arbeitsbereiche des Kirchenarchivs kennenzulernen. Dazu gehörte beispielsweise ein Besuch des Außenmagazins in Moers, das in einer umgebauten Kirche untergebracht ist. Auch Themenbereiche wie Schriftgutverwaltung, Digitalisierung, Genealogie, Fotobewertung sowie die Beratung und Betreuung von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zählten dazu.
Ich konnte innerhalb kürzester Zeit einen fundierten Einblick in die Arbeitsweise eines Kirchenarchivs gewinnen und bedanke mich ganz herzlich bei allen Kolleginnen und Kollegen, die mich sehr freundlich aufgenommen haben und stets ein offenes Ohr für meine Fragen hatten.
Während meiner ersten Arbeitswochen beschäftigte ich mich mit der Arbeit des Pietismus-Forschers Horst Neeb (Bestand 8SL 059). Dabei stieß ich zwangsläufig auf den Namen Gerhard Tersteegen. Jener Tersteegen erlangte vornehmlich durch seine Poesien und Dichtungen überregionale Bekanntheit.[1] Zu den einflussreichsten Beiträgen Tersteegens zählt zweifelsfrei das Werk „Geistliches Blumen-Gärtlein“. Eine Besonderheit des Werkes bildet der letzte Teil, der den Namen „Der Frommen Lotterie“ trägt. In unserem Bestand der Archivbibliothek (I.11, übernommene Bibliothek Brüderverein) finden sich zwei Variationen der Lotterie: Zum einen die klassische Buchform und zum anderen eine Ziehkästchen aus dem Jahre 1791.
Ostern kann mit vielen Dingen in Verbindung gebracht werden. Ob man dabei an Osterhasen, bunte Eier, Eiersuchen, Schokolade, Hefegebäck, Schulferien, Ratschen oder Palmstöcke denkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. An Ostern feiert man die Auferstehung Jesu Christi und somit seinen Sieg über den Tod. Für die Christenheit ist Ostern das wichtigste Fest im Kirchenjahr.
Für die einen mag Ostern nun damit die Zeit der Besinnung und Ruhe sein. Für andere hingegen ist Ostern die Zeit des Protests und der Demonstration, genauer gesagt die Zeit der Ostermärsche.
Ostermärsche haben ihren Ursprung in der Nachkriegszeit in Großbritannien. Die Campaign for Nuclear Disarment (CND) protestierte 1958 zum ersten Male gegen die atomare Aufrüstung. Von London aus marschierten Aktivisten nach Aldermaston (Aldermaston March), wo ein Kernforschungszentrum angesiedelt war. Der Protestzug fiel dabei mit dem Osterfest zusammen, was keineswegs ein Zufall war. Man entschied sich viel mehr bewusst für den kirchlichen Feiertag, um die symbolische Bedeutung von Ostern, als Fest der Auferstehung, des Friedens und der Hoffnung, verstärkt in die Welt hinauszutragen.
Die Protestbewegung stieß international auf breite Resonanz. Bereits an Karfreitag 1960 fand auch in Deutschland der erste Ostermarsch statt. Die Ostermärsche entwickelten sich schnell zu einer Massenbewegung, die von vielen verschiedenen Friedensinitiativen und politischen Gruppen getragen wurde. Protestiert wurde gegen Atom- und Massenvernichtungswaffen, generell gegen Aufrüstung und Krieg (Vietnamkrieg) und für Frieden, Völkerverständigung, Menschenrechte und Umweltschutz.
In den letzten Tagen ist intensiv an den 80. Todestag des Theologen Dietrich Bonhoeffer erinnert worden. Er hatte sich im Widerstand gegen das NS-Regime engagiert und wurde noch am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet. 1906 geboren, machte er während seines Studiums in Berlin Bekanntschaft mit dem etwas älteren Helmut Rößler (1903-1982). Es entwickelte sich eine Freundschaft und Im Dezember 1927 verteidigte Bonhoeffer seine Promotionsthesen gemäß dem damals üblichen akademischen Verfahren gegen Rößler und zwei weitere Kommilitonen.
Pfarrer Dietrich Bonhoeffer in Sigurdshof 1939 (Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE)
1934 entzweiten sie sich aber bitter über die kirchenpolitischen Haltung der Auslandsgemeinden zur staatstreuen und NS-affinen Deutschen Evangelischen Kirche: Rößler, damals im niederländischen Heerlen tätig, wandte sich in einem Rundschreiben an die westeuropäische Pfarrkonferenz explizit gegen den Plan Bonhoeffers, zu der Zeit Pfarrer einer Londoner Gemeinde, sich der Bekennenden Kirche anzuschließen. Der Kontakt zwischen beiden wurde nie mehr aufgenommen.
Neun Autografen Bonhoeffers aus dem Zeitraum 1928-1934 sind im Nachlass Rößlers erhalten. Er hatte sie in den 1960er Jahren Bonhoeffers Freund und Biograf Eberhard Bethge für die Gesamtausgabe der Werke Bonhoeffers überlassen. Dort sind sie dann auch 1991 in Band X publiziert worden. Freilich steht dort beim Quellennachweis jeweils „verschollenes Original“, was nicht zutrifft: Die Korrespondenzen waren zu einem unbekannten Zeitpunkt bereits vor 1982 an Rößler zurückgegeben worden.
Helmut Rößler (1903-1982) hält einen Vortrag über Liturgik auf dem Predigerseminar in Essen
Nachlass OKR Rößler
Datum: 1968
Ort: Essen
Signatur: AEKR 8SL 046 (Bildarchiv), 011_0176
Fotosammlung: 10.R/58
Hat der würdige Düsseldorfer Konsistorialrat und spätere Oberkirchenrat Helmut Rößler eigentlich jemals gelächelt? Zumindest wahrscheinlich nicht in der Öffentlichkeit, und bei all seiner unstrittigen intellektuellen Kapazität und seinem Können als Prediger sind ihm wohl niemals Humor oder Ironie bescheinigt worden. Aber für Bonhoeffer war er sicherlich ein geschätzter und theologisch versierter Gesprächspartner. In der Studienzeit und selbst bis zu dem bitteren kirchenpolitischen Konflikt 1934 empfanden sie sich unzweifelhaft als Freunde, wenn es auch in der Anrede stets beim respektvollen „Sie“ blieb.
Zur Illustration des vertrauensvollen Miteinanders sei Bonhoeffers Brief vom 23. Februar 1930 zitiert. Hintergrund ist die gerade erfolgte Geburt von Diethelm, dem ersten Kind Rößlers und seiner Frau Alix, die im Vorjahr geheiratet hatten:
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