„Halte inne, Wanderer…“ – Das barocke Epitaph von Niederkleen

Bei der Arbeit mit Archivbeständen stößt man immer wieder auf besondere Geschichten und lokale Kleinode. So ging es mir auch bei der Verzeichnung des Archivs der Evangelischen Kirchengemeinde Niederkleen. Durch eine in diesem Bestand überlieferte Transkription stieß ich auf ein außergewöhnliches barockes Familienepitaph mit klassischer lateinischer Grabinschrift – ein Fund, den man hier kaum erwarten würde.

Das Epitaph auf dem Kirchhof der Evangelischen Kirche in Niederkleen (Foto: Rüdiger Grimm)

Das Grabmal aus grauem Lahnmarmor, ergänzt durch zwei Säulenkapitelle aus italienischem Marmor, dient als Gedenkstein für vier Gräber und sieben Mitglieder der Pastorenfamilie Hert. Es wurde 1721 an der Ostwand der Evangelischen Kirche Niederkleen errichtet und war ursprünglich vollständig mit marmorweißer Farbe gefasst, wovon im oberen Bereich noch Reste erkennbar sind. 1989 versetzte man den Stein an die Ostwand der Pfarrscheune; ein Jahr später erhielt er zum Schutz vor Witterungseinflüssen ein Schieferdach. Anlässlich seines 300-jährigen Bestehens 2021 wurde das Grabmal restauriert und mit erklärenden Tafeln versehen.

Gesamtansicht mit Erklärtafeln (Foto: Rüdiger Grimm)

Insgesamt sieben Angehörige der Familie Hert fanden hier ihre letzte Ruhestätte: Zunächst die drei aufeinanderfolgenden Pfarrer der evangelischen Kirche Niederkleen während und nach dem Dreißigjährigen Krieg – Philipp Stipp († 1644), sein Schwiegersohn Johann David Hert († 1686) sowie dessen ältester Sohn Philipp Jakob Hert († 1724). Hinzu kommen Catharina Margarethe, geborene Stipp († 1720), die Ehefrau Johann David Herts, sowie Catharina Susanne, geborene Geilfus († 1717), die Ehefrau Philipp Jakob Herts. Die Ehefrau Philipp Stipps, Anna Echzell, war bereits 1661 in der Kirche beigesetzt worden. Auch der früh verstorbene Sohn Johann Heinrich Hert wurde 1669 hier „hierher geführt und in seines Altvaters Philipp Stipps Grab gelegt“.

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Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheit in Ungarn

Nach dem der Protestantismus im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens beleuchtet wurde, führt uns die Kirchengeschichte in das Nachbarland Ungarn. Ähnlich wie in Slowenien und Kroatien, können die Ursprünge des Protestantismus bereits im 16. Jahrhundert verortet werden. Diese doch weitreichende Historie erscheint vor allem bemerkenswert, wenn der Umstand der habsburgischen Eingliederung betrachtet wird. Folglich verlor Ungarn in den 1520er Jahren seine selbstständige Stellung und wurde Teil der (erz-)katholischen Krone Habsburgs. Die protestantischen Lehren wurden zunächst überwiegend durch den ungarischen Adel getragen, der sich anfänglich dem Einfluss der Habsburger-Monarchie entziehen konnte. Unter dem Schutz des Adels, der vorwiegend dem Luthertum angehörte, verbreiteten sich die protestantischen Lehren ebenfalls in der Bevölkerung, die vermehrt den Reformierten angehörten. (1) Trotz des relativen Schutzes durch die ansässige Obrigkeit startete die österreichische Krone den Versuch einer umfangreiche Rekatholisierung, was den Protestantismus eindämmte. (2) Insgesamt waren die Evangelischen Kirchen Ungarns zur Zeit der habsburgischen Monarchie einer starken Marginalisierung ausgesetzt.

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Evangelische Minderheiten in der Welt: Evangelische Minderheiten in Jugoslawien

„Der Balkan“ beschreibt einen nicht genau definierten geografischen Raum im Südosten Europas, der historisch durch seine religiöse und ethnische Pluralität geprägt wurde. Als Paradebeispiel dient das ehemalige Jugoslawien, das Bevölkerungsgruppen beheimatete, die sowohl der Katholischen Kirche, der Orthodoxen Kirche als auch dem Islam angehörten. (1) Historisch lassen sich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ebenfalls größere jüdische Zentren nachweisen. Für die Zeit des Königreichs Jugoslawiens (Kraljevina Jugoslavija), das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet worden war (2), ist beispielsweise eine größere jüdische Diaspora in Sarajewo belegbar. Folglich erscheint es nicht verwunderlich, dass der geografische Raum Ex-Jugoslawiens in der jüngeren Vergangenheit vermehrt in das Blickfeld der Geschichts- und Religionswissenschaften rückte. Schließlich ereigneten sich mit den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gleich zwei der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Balkans. Der Ausbruch beider Ereignisse ist sicherlich keinesfalls monokausal anhand der ethnisch, religiösen Pluralität zu begründen. Dennoch kann nicht unterschlagen werden, dass die Pluralität einen gewichtigen Teil zum Ausbruch der Konflikte beigetragen hat. Die Metapher „das Pulverfass Balkan“, die bereits zum ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt wurde, veranschaulicht diese Explosivität eindrücklich. (3)

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Präventive Bestandserhaltungsmaßnahmen im Archiv der EKiR

Ein zentraler Bestandteil der täglichen archivarischen Arbeit ist die Bestandserhaltung. Auch bei bereits gut geordneten, verzeichneten und verpackten Beständen kann es nötig werden, noch einmal präventiv tätig zu werden, denn gängige Lagerungsmethoden vergangener Jahrzehnte sind mittlerweile überholt.

So sind viele wertvolle Gemeindebestände, die zum Teil bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren nach der absolut üblichen Methode mit Kordeln zu Aktenpaketen verschnürt worden. Die Aktenbündel konnten so platzsparend aufrecht stehend gelagert werden und sind durch die mit eingebundenen festen Pappdeckel sehr stabil. Ein weiterer Vorteil war, dass die Bindung leicht wieder gelöst werden und einzelne Papiere bei Bedarf entnommen werden konnten. Aus archivischer Sicht ist das heute eher ein Nachteil, denn die Vollständigkeit der Akte kann so nur durch eine Foliierung nachvollzogen werden.

Alter Gemeindebestand im Archiv der EKiR
Aktenmappe mit Kordelverschnürung im Archiv der EKiR

Der entscheidende Nachteil liegt aber in den konservatorischen Risiken dieser Lagerungsmethode. Die stehende Lagerung birgt generell immer das Risiko von Stauchungen. Dafür genügt ein nicht ausreichend straff angebrachter Archivknoten. Noch häufiger kommt es aber zu mechanischen Schäden an den Papieren durch das Einschneiden der Kordeln an den Rändern.

Aktenbündel mit Kordelverschnürung im Archiv der EKiR
Durch Kordelverschnürung beschädigter Papierrand

Um weitere Lagerungsschäden zu vermeiden, werden diese Aktenbündel nach und nach von den Kordeln befreit und in heute üblichen Archivkartons in eine liegende Lagerung umgebettet. So überstehen sie hoffentlich auch noch die nächsten Jahrhunderte.

Bei Youtube findet man übrigens auch aktuell noch mehrere Videos, die das Binden eines klassischen Archivknotens vorführen. Ganz verschwunden ist er scheinbar auch in heutigen Verwaltungen noch nicht.

Schwierigkeiten mit der Ergänzungslieferung

Bei Erschließungsarbeiten am Bestand 5WV 081 Rheinischer Verband der Mitarbeiter im evangelisch-kirchlichen Verwaltungsdienst (RVM) sorgte ein Schreiben für Erheiterung. Es geht konkret um ein Schreiben an den Redaktionsausschuß des Mitteilungsblattes zur 57. Ergänzungslieferung der Vorschriftensammlung aus dem Jahr 1978. Stein des Anstoßes zur verwaltungstechnischen Handlingsfrage bildet das letzte Einlegeblatt der Ergänzungslieferung, welches wie folgt bedruckt wurde: „Nicht einordnen ! Wegwerfen !“

Nachfrage 57. Ergänzungslieferung zur Vorschriftensammlung


Dem Verfasser mangelt es nicht an Humor, ist sein Schreiben doch im Ganzen ein Potpourrie gängiger Klischees.

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Quellen zu landeskirchlichen Schulen und Einrichtungen

Paul-Schneider-Gymnasium. Schüler strömen in den Haupteingang.
Fotograf: Hans Lachmann. Datum: Sommer 1967. Ort: Meisenheim. Signatur: AEKR 8SL046 (Bildarchiv), 23_00016, CC-BY-SA 4.0/Hans Lachmann

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich die nunmehrige Rheinische Landeskirche verstärkt ihrer Verantwortung im Bildungsbereich. Kirchliche Schulen, zum Teil verbunden mit Internaten, wurden neu gegründet oder durch Wechsel der Trägerschaft auf stabile Grundlagen gestellt. Bereits Mitte der 1950er Jahre waren im Rheinland neun von der Landeskirche, von Kreissynoden und Kirchengemeinden getragene Schulen vorhanden. Im Sammelbestand 2LR 024 Schulen in kirchlicher Trägerschaft, dessen Findbuch ab sofort auf unserer Webseite online zur Verfügung steht, sind Quellen zu Errichtung und Trägerwechsel der Schulen überliefert. Die Laufzeit erstreckt sich von den frühen 1950er Jahren bis 1984.

In der Festschrift zum 25jährigen Bestehen (1953-1978) des Internats des Martin-Butzer-Gymnasiums werden die bescheidenen Anfänge der Schule nach dem Zweiten Weltkrieg vom Oberstudiendirektor Heinrich Hoffmann rückblickend geschildert: „Der Zustand der Dierdorfer Schule war nicht verlockend.“ Es mangelte an Inventar, Raum und Platz. Die Heizung der Klassenräume erfolgte mit Kohleöfen. Die primitiven Schul- und Internatsverhältnisse machten einen Neubau unabdingbar. Auf Anweisung des Oberkirchenrats Edgar Boué wurden Fotografien erstellt, die in den landeskirchlichen Bauakten überliefert sind, um die Zustände im provisorischen Schülerheim 1951 zu dokumentieren.

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Zwischen Schulbank und Webstuhl: Schulpflicht und Alltag in Haan um 1850

Nur wenig mehr als 200 Jahre ist es her, dass die Schulpflicht in Preußen eingeführt wurde. Mit der Allerhöchsten Kabinettsorder betreffend die Schulzucht vom 14. Mai 1825 setzte König Friedrich Wilhelm III. den Startpunkt für einen verbindlichen und kontrollierten Schulbesuch. Die Durchsetzung gestaltet sich allerdings trotz angedrohter Strafen zäh, denn Schulpflicht bedeutete keineswegs, dass Kinder von ihren übrigen Aufgaben entbunden waren. Feldarbeit während der Erntezeit, Mithilfe im Haushalt oder eigene Erwerbstätigkeiten zur Aufbesserung des kargen Familieneinkommens blieben für viele Familien unverzichtbar.

Rundschreiben der Königlichen Regierung betr. den Schulbesuch, 12.6.1827, aus Bestand 4KG 122, 139

Die Verantwortlichen in den Schulen, die häufig von den Kirchengemeinden getragen wurden, mussten daher den Schulbesuch ihrer Schüler und Schülerinnen, beziehungsweise deren Fernbleiben, dokumentieren. Auf Antrag der Eltern konnten sie für bestimmte Zeiträume freigestellt werden.

Wo jedoch zu jenen Besorgnissen kein Grund vorhanden ist, wo namentlich keine kleineren Kinder benutzt werden, da darf eine billige Rücksicht sowohl auf den Vortheil der Fabrikanten, als auch auf den Verdienst der Eltern und den Nutzen für die Kinder sich frühe an ausdauernde Thätigkeit zu gewöhnen, genommen werden.“ präzisierte Oberregierungsrat Bislinger in einem Rundschreiben der Königlichen Regierung vom 12. Juni 1827 die Kriterien für die Beurteilung einer Dispensation.

Im Bestand der Kirchengemeinde Haan hat sich nicht nur dieses Rundschreiben, sondern auch die Verzeichniße der in der Schule zu Haan nachgesuchten, amtlich beantragten und genehmigten Dispensationen vom gewöhnlichen Schulbesuche erhalten.

Schuldispensationen der Evangelischen Schule Unterhaan, aus Bestand 4KG 122 (Kgm. Haan), Nr. 144
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