Post aus Japan – Nutzen und Reichweite von Digitalisaten

Das landeskirchliche Archiv erhält täglich Post – nur nicht unbedingt vom anderen Ende der Welt. Eine Buchsendung aus Japan ließ das Archivteam daher letztens kurz grübeln, wer denn möglicherweise was und wann aus Japan bestellt haben mochte? Ein Blick in die Mails und ein Abgleich mit dem Namen des Absenders lösten das Rätsel schnell auf.

Mitsuaki Yamagata: Christen, die Hitler nicht fürchteten – Buchcover, Veröffentlichung 2026.


Die an uns zugestellte Publikation stammt vom Autor Mitsuaki Yamagata und trägt (übersetzt in etwa) den Titel: Christen, die Hitler nicht fürchteten: Eine Reise auf den Spuren des Widerstands gegen die Nazis. Eigenen Angaben nach ist Yamagata ein Doktor der Philosophie und interessiert sich sehr für das Thema Kirchenkampf, v.a. für diejenigen Christen, die sich der nationalsozialistischen Diktatur nicht beugten. Konkret nannte er u.a. Friedrich Weißler, Karl Friedrich Stellbrink, Konrad Graf von Preysing, Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp und Paul Schneider, der ihn besonders beindruckt hatte. In seiner an uns gestellten Anfrage erklärte er, ein Buch über diese Persönlichkeiten schreiben zu wollen und erbat die Erlaubnis, eine Fotografie von Paul Schneider verwenden zu dürfen.

Das Porträt von Paul Schneider im Halbprofil, dem Archiv durch die Tochter zur Verfügung gestellt, ist sowohl in unserem Online-Bildarchiv als auch flickr einsehbar. Die Fotografie gilt mittlerweile als gemeinfrei. Das Archiv erlaubte Herrn Yamagata natürlich die Verwendung und wies auch darauf hin, dass der Nachlass auf unserer Homepage digitalisiert vorliege. Als Dankeschön erhielten wir eine Ausgabe der Veröffentlichung, was uns natürlich freute. Zugegebenermaßen sind die Japanischkenntnisse des Archivteams leider nicht existent, was die Lektüre erheblich erschwert.

Das Buch nehmen wir selbstverständlich in unseren Bibliotheksbestand auf. Denn Düsseldorf hat bekanntlich die größte japanische Gemeinde Deutschlands zu bieten. Vielleicht finden sich hier einige Interessierte, denen wir die Lektüre gerne zur Verfügung stellen.

Mitsuaki Yamagata: Christen, die Hitler nicht fürchteten – Buchcover, Veröffentlichung 2026. Der Beitrag zu Paul Schneider, S. 197.

Die Postsendung zeigt uns ganz deutlich, wie wichtig die Bereitstellung von Digitalisaten für Forschung und Öffentlichkeit ist und welche Reichweite sie annehmen kann. Ein Blick in unsere Statistik zeigt, dass von überall auf der Welt auf die Website des landeskirchlichen Archivs und seine Inhalte zugegriffen wird. Abgesehen von Deutschland werden Aufrufe registriert u.a. aus den USA, China, den Niederlanden, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Australien oder der Schweiz.

Recherche beginnt heutzutage zunächst von zu Hause. Oftmals begleitet von der Erwartung per Mausklick eruieren zu können, welches Institut gesuchte Unterlagen anbieten kann. Gesteigert wird diese Erwartung noch dadurch, jederzeit auf die Digitalisate der gewünschten Dokumente zugreifen zu können. Dabei wird oftmals außer Acht gelassen, wie zeitaufwendig und kostspielig Digitalisierung ist. So sind Archive gezwungen bei ihren Digitalisierungsprojekten zu priorisieren.

Den Nachlass von Paul Schneider zu digitalisieren war definitiv die richtige Entscheidung. Trotz des zeitlichen Abstands von 87 Jahren zum Tod von Paul Schneider und 81 Jahren zum Ende des Zweiten Weltkriegs verliert die Auseinandersetzung mit seiner Biografie sowie dem Kirchenkampf nicht an Relevanz. Im Gegenteil: Das Interesse scheint ungebrochen und die digitale Bereitstellung ermöglicht eine globale Forschung und damit eine stärkere Vernetzung und Austausch – so von Deutschland bis nach Japan.

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