Weitere Digitalisate zum Beckmann Kirchenkampf-Bestand ONLINE!

Zweifelsfrei bildet die Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar des Jahres 1933 eine tiefe Zäsur innerhalb der Geschichte, welche die Erinnerungskultur bis in die Gegenwart entscheidend prägt. Demnach erscheint es nicht verwunderlich, dass auch die Geschichte der Ev. Kirche durch die Machtergreifung des diktatorischen Regimes nicht unberührt bleiben konnte. Der Handaktenbestand Joachim Beckmanns (Bestand: 6HA004) bietet einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung der Evangelischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus und ist freilich von enormer Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft.

Kirchenkampfakten Joachim Beckmann (6HA004 B29), Ev. Bekenntnissynode im Rheinland: Rundbriefe und Materialien, 05.01.1937-28.02.1938

Der Sieg der Deutschen Christen bei der Kirchenwahl am 23. Juli 1933 bot für Pfarrer Beckmann Anlass, sich dem staatlichen Eingriff in die Kirche zu widersetzen. Unter der Leitung Beckmanns organisierte ein kleiner Kreis von Theologen die Gründung des „Rheinischen Bundes um Wort und Kirche“ (Rheinische Pfarrerbruderschaft). In Kooperation mit dem von Martin Niemöller begründeten „Pfarrernotbund“ bildete die „Rheinische Pfarrerbruderschaft“ den Widerstand gegen das NS-Regime und protestierte gegen die Etablierung der regimetreuen Organisation der „Deutschen Christen“. Der Bestand 6HA004 bietet umfangreiche Auskünfte hinsichtlich jenes kirchlichen Widerstandes und inkludiert u.a. „konstituierende Schriften zur Organisation des Rheinischen Rates“ oder „Verfassungsentwürfe für die Neuordnung der Landeskirchen“. Freilich können Sie vermutlich unzweifelhaft erahnen, dass es sich bei den archivierten Schriftstücken um Dokumente von enormer historischer Relevanz handelt, die einen authentischen Einblick in die theologischen Debatten und Probleme zur Zeit des NS-Regimes bieten. Dennoch möchte ich Ihnen anhand der Akte „6HA004 B29“ die Besonderheit unseres Bestandes skizzieren:

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Neue Digitalisate der Ev. Kirchengemeinde Aachen online

Reformierte Kirchengemeinde, Entstehung, Verfasung, Bekenntnisstand, enthält: Kirchenbau betreffend in der Eselsgasse zu vgl. die Konsistorialrechenbücher 1588 ff. Schreiben zwischen Pfalzgraf Johann Casimir und der Stadt Aachen, 29. Februar 1588, 3. März 1588, mit Baurechnungen; Bestand: AEKR 4KG 004 (Kirchengemeinde Aachen), Nr. 48 Teil 1

Auf unserer Website sind neue Digitalisate zur Aachener Kirchengemeinde (4KG 004) verfügbar. Online einsehbar waren bisher die Kirchenzeugnisse der reformierten und lutherischen Gemeinde, sowie einige Amtsbücher.

Ergänzend sind nun Akten (Az. 0) zugänglich, die die reformierte Kirchengemeinde, ihre Entstehung, Verfassung und ihren Bekenntnisstand zum Inhalt haben, Nr. 47 und 48. Sie umreißen den Zeitraum Mitte des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts und werfen ein Schlaglicht auf das Leben der Reformierten in Aachen in der Frühen Neuzeit.

Daneben finden sich unter den Nummern 49, 50 und 51 die ersten Teile der Korrespondenzserie von Pfarrer Wenningius, die ihn in seiner Rolle als Beobachter und Vertreter bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster, die schließlich zum Westfälischen Frieden führten, dokumentieren.

Georg Ulrich Wenning (1615-1696) nimmt eine bedeutende Stellung in der Geschichte der reformierten Gemeinde Aachens ein. Über die Kindheit des aus Eschenbach in der Oberpfalz stammenden Wenning ist nichts bekannt. In Quellen tritt er als Student erstmals in Erscheinung. So kann zumindest nachverfolgt werden, dass er in Wittenberg, Zerbst und Bremen Theologie studiert hat, wobei er v.a. in Bremen theologisch besonders geprägt wurde. 1642 kam Wenning an die Leidener Universität und ab 1645 trat er vertretend als Prediger in Amsterdam auf.

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Ergänzung der Protokolle der Saarbrückener Kreissynode

Seit Mai 2022 sind die Protokolle aller verfügbaren Kreissynoden der Jahre 1850 bis 1933 auf der Homepage des Archivs online einsehbar. Der Kirchenkreis Saarbrücken wies dabei leider einige Lücken auf. Diese können zwar nicht ganz gefüllt werden, doch können nun erfreulicherweise die Protokolle der Jahre 1918, 1925 und 1926 ebenfalls auf der Website als Digitalisate zur Einsicht nachgereicht werden.

Protokoll der Kreissynode Saarbrücken 1918

Die Protokolle der Kreissynoden sind nicht nur ein wichtiger Quellensatz für die Kirchenkreisgeschichtsforschung, sondern auch ein Spiegel für politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse, Umbrüche und Entwicklungen. Gerade die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts sind besonders ereignisreiche: Kriegseuphorie, Kriegsermüdung und Niederlage, Hungersnot, Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches, Weimarer Republik, Rheinbesetzung, Inflation, etc. All diese Problemlagen finden Eingang in die Protokolle, die wiederum Einblick in Alltag und Mentalität der Menschen gewähren.

Die Kreissynode des Jahres 1918 etwa, welche vor mehr als 100 Jahren am 6. August in Saarbrücken tagte, steht noch ganz im Zeichen des Ersten Weltkrieges.

„Aber diese Augusttage bedeuten auch den Eintritt in das 5. Kriegsjahr. Das fordert uns auf zum Rückblick und zum Ausblick. 4 Jahre unsäglicher Kämpfe, 4 Jahre der Not des Leidens, 4 Jahre gnädige Gotteshilfe liegen hinter uns. Je länger es dauert, um so schwerer wird die Last, die auf unserem Volke liegt. (…) Und war es allem zum Trotz bisher möglich die Besinnung unseres Volkes hochzuhalten, so hat die evang. Kirche ihr redlich Teil dazu auch im vergangenen Jahr beigetragen. Freilich das ist uns nicht möglich gewesen, den Wuchergeist zu dämpfen und die mancherlei Umtriebe und Unehrlichkeiten, die mit dem Hamstern zusammenhängen, zu hindern – und daß die Vergnügungssucht und die Ausschweifung trotz all unserer Gegenwirkung nicht weniger, sondern mehr geworden, ist tief zu beklagen. Diese Klage geht durch Stadt und Land“ (S.2f).

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„Ehesachen in Erkrath“ – Quellen des Provinzialkirchenarchivs online – Teil 2

1 OB 020 Nr. 782 -Ehesachen in Erkrath
1 OB 020 Nr. 782 -Ehesachen in Erkrath

Bei Ausuebung meines Amtes an hießiger Gemeinde, vor beiläufig anderthalb Jahren, fand ich unter andrem ein Paar vor, das in ehebrecherischer Verbindung lebte. Maria Christine Dörner, verehelichte Schmalt, 36 Jahre alt, lebte von ihrem Ehemann getrennt, und in unerlaubter Verbindung mit Wilhelm Vogelsang in der Gemeinde Mettmann, gleichfalls 36jährigen Alters. Auf dem Wege liebreicher und ernster Ermahnung sorgte ich sie zur freiwilligen Trennung zu bewegen, und eindringliches Zureden vermochte sie nach einiger Zeit zu diesem Entschlusse, so daß die Frau Schmalt auf Mai 1825 in Hilden eine Wohnung miethete, der Vogelsang aber hier zurückbleiben wollte“ (s.o. 1 OB 020 Nr. 782, S. 1).

Mit diesen Zeilen beginnt der kummervolle Bericht des Pfarrers Karl Keller (1798-1872) an die Königliche hochlöbliche Regierung zu Düsseldorf vom 8 Juni 1826. Keller trat 1825 seine erste Pfarrstelle in Erkrath an und sah sich zugleich mit einem frivolen Problem konfrontiert, dem Ehebruch. Zweifellos hatte sich der Pfarrer der „Gefallenen“ anzunehmen. Um jegliche Art der Wiedervereinigung zu verhüten, mussten beide getrennt werden. Zunächst schien sein Bemühen erfolgreich. Doch der Umzug der Frau Schmalt nach Hilden scheiterte unglücklicherweise am Benrather Bürgermeister, sodass sie weiterhin in der Nähe verblieb. Zum Entsetzen des Pfarrers wohnte sie nach einem Jahr sogar im selben Haus wie Wolfgang Vogelsang.

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Protokolle der Kreissynoden online abrufbar

Kreissynode Düsseldorf ca. 1930 – AEKR 7NL 160 Nr. 22

In einer dreiteiligen Serie werden die Protokolle der Kirchenkreissynoden auf der Website des Archivs zur Verfügung gestellt. Unter der Kategorie Quellentexte zur Rheinischen Kirchengeschichte können jetzt unter „Synoden der Kirchenkreise“ die Digitalisate der einzelnen Kreissynoden als PDF herunter geladen werden. Den Anfang machen die Kreissynoden von Aachen, Altenkirchen, An der Agger, An der Ruhr, Barmen, Bonn, Braunfels, Dinslaken, Düsseldorf und Duisburg. Nach der am 5. März 1835 verabschiedeten Kirchenordnung für Westfalen und die Rheinprovinz wurde es Usus Protokolle von Synoden zu drucken. Protokolle aus vorherigen Jahrgängen liegen teilweise als handschriftliche Aufzeichnungen vor. In der Regel wird mit den bereitgestellten Protokollen der Zeitraum zwischen ca. 1850 und 1933 umspannt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Gleichschaltung der Landeskirchen wurde die presbyterial-synodale Ordnung auch im Rheinland weitgehend durch Mehrheiten der Deutschen Christen aufgehoben. In der sog. „zerstörten Kirche“ der Rheinprovinz fanden, analog zu den Provinzialsynoden, keine Kreissynoden mehr statt.

Aktuell bilden 643 Kirchengemeinden 37 Kirchenkreise. Auf der Website werden jedoch die Protokolle von 35 Kirchenkreisen abrufbar sein, u.a. von solchen, die heute nicht mehr selbständig existieren, wie Barmen oder Braunfels. Als in den 1960er Jahren die Gemeinden, v.a. in Städten, durch Zuzüge anwuchsen, wurden viele Kirchengemeinden geteilt, sodass auch die Anzahl der Kirchenkreise anstieg. Heute lässt sich eher der gegenteilige Trend verzeichnen.

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